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Suizidalität

Erklärungsansätze und therapeutischer Umgang mit suizidalen Klienten

Suizidalität
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Berger
  • Abgabedatum: August 2006
  • Umfang: 175 Seiten
  • Dateigröße: 682,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule München Deutschland
  • Bibliografie: ca. 21
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0116-0
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0116-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Berger, Thomas August 2006: Suizidalität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Selbstmordgefährdung, Suizid, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Psychologie

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Diplomarbeit von Thomas Berger

Einleitung:

In der vorliegenden Arbeit befasse ich mich mit dem Thema „Erklärungsansätze zur Entstehung von Suizidalität und therapeutischer Umgang mit suizidalen Klienten“. Dabei sollen nicht nur spezielle soziologische, psychodynamische und medizinische Suizidtheorien näher untersucht und kritisch betrachtet werden, sondern vielmehr in einem umfassenderen Sinne auch die theoretischen Grundlagen und das notwendige Hintergrundwissen zum Verständnis der Entstehung von Suizidalität vermittelt werden. Mit therapeutischem Umgang ist die Art und Weise der Beziehungsgestaltung zwischen professionellen Helfern wie z.B. Sozialarbeitern und suizidalen Klienten zu verstehen, wobei in diesem Zusammenhang insbesondere die Krisenintervention von praktischer Bedeutung ist.

Ich werde u.a. untersuchen, welche Bedingungen die Entstehung von Suizidalität begünstigen, wie sich Suizidalität äußert und wie das Suizidrisiko erkannt und eingeschätzt werden kann. Des weiteren sind die Fragen von Interesse, wie man mit Suizidalen und Menschen in Krisen adäquat umgeht, welche Konzepte der Krisenintervention es gibt und wie sie in der Praxis realisiert werden. Mit dieser Arbeit möchte ich dazu beitragen, dass das in weiten Teilen der Gesellschaft immer noch tabuisierte und mit Vorurteilen behaftete Thema Suizid nicht länger ignoriert, verdrängt und an den Rand des öffentlichen Interesses geschoben wird, sondern dass ihm generell eine größere Aufmerksamkeit und eine verstärkte Bereitschaft entgegengebracht wird, sich mit ihm kritisch auseinanderzusetzen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die theoretischen Grundlagen zum Verständnis von Suizidalität und insbesondere ihrer Entstehung zu vermitteln und die gewonnen theoretischen Erkenntnisse für einen adäquaten therapeutischen Umgang mit suizidalen Menschen nutzbar zu machen und in der Krisenintervention praktisch anzuwenden. Ich denke, dass man als Helfer in der Sozialen Arbeit unumgänglich früher oder später mit dem Thema Suizidalität konfrontiert werden wird und so vor die große Herausforderung gestellt wird, sich mit suizidgefährdeten Klienten oder Menschen in Krisen auseinanderzusetzen.

Um der damit verbundenen Verantwortung gerecht zu werden, sind deshalb meiner Ansicht nach die entsprechenden Kenntnisse, die ich in dieser Arbeit vermitteln möchte, unabdingbare Voraussetzung. Im Rahmen eines Praktikums im Sozialpsychiatrischen Dienst in Ottobrunn musste ich leider die Erfahrung machen, dass diese Kenntnisse im Umgang mit psychisch kranken Menschen, die häufig von Suizidalität oder Krisen betroffen sind, oft gerade auch auf Seiten der professionellen Helfer fehlen. So konnte ich weiter die Beobachtung machen, dass die therapeutische Beziehung zu Betroffenen häufig von Unsicherheiten und Ängsten gekennzeichnet ist, was zum einen an der angedeuteten Unwissenheit liegen mag, zum anderen aber vielleicht auch daran, dass die Helfer sich vielleicht oft scheuen, eine solch bedeutende Verantwortung zu übernehmen. Denkbar wäre auch, dass sich die Therapeuten in Bezug auf ihre eigene Suizidalität und den eigenen Tod unsicher sind und sich noch nicht im ausreichenden Maße damit auseinandergesetzt haben.

Außerdem konnte ich feststellen, dass auch in der praktischen sozialen Arbeit nicht gerne über das Thema Suizid gesprochen wird, wie es überhaupt auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen immer noch weitgehend tabuisiert ist. Es bleibt zu wünschen, dass sich gerade auch professionelle Helfer intensiver mit ihren Wissensdefiziten, Unsicherheiten und Ängsten im Hinblick auf das Thema Suizidalität auseinandersetzen und Betroffenen mit einer größeren Bereitschaft und Offenheit, sich auf sie einzulassen, begegnen.

Leider herrschen ihnen gegenüber immer noch gesellschaftlich bestehende Vorurteile, die bis hin zur Stigmatisierung reichen können. Deshalb möchte ich durch die Vermittlung entsprechenden Hintergrundwissens einen Beitrag dazu leisten, dass der oft unzureichende Umgang mit Betroffenen seitens professioneller Helfer verbessert wird und vorhandene Vorurteile und Tabus abgebaut werden. Mit ein Grund, warum ich mich für dieses Thema entschieden habe, ist auch die moralische Verpflichtung jedes Einzelnen, sich für das Wohlergehen seiner Mitmenschen zu interessieren und einzusetzen, insbesondere vor dem Hintergrund christlicher Nächstenliebe. Deshalb kann es mir nicht gleichgültig sein, wenn ein anderer Mensch sich mit Suizidgedanken trägt. Meiner Ansicht nach ist jeder Mensch dafür verantwortlich, Suiziden in seiner individuellen Lebenswelt vorzubeugen.

Deswegen begreife ich aus sozialpädagogischer Sicht Krisenintervention immer auch als praktische Suizidprävention. Schließlich beruhen meine Überlegungen nicht nur auf Empathie, sondern auch auf Introspektion, da ich vor dem Hintergrund eigener Betroffenheit schreibe. Aufgrund dessen, dass ich selbst mehrere suizidale Krisen durchzustehen hatte und infolgedessen diverse Einrichtungen der Krisenintervention, u.a. Klinken und Beratungsstellen (insbesondere die Arche) in Anspruch genommen habe, betrete ich mit diesem Thema kein Neuland. Auch psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungen haben mit zu meinem grundsätzlichen Interesse an der Thematik beigetragen.

Gang der Untersuchung:

Der Aufbau dieser Arbeit gliedert sich in einen theoretisch strukturierten ersten Teil mit dem Schwerpunkt auf der Darstellung der bekanntesten Entstehungstheorien und in einem eher praktisch ausgerichteten zweiten Teil, in dem ich auf den gewonnenen Erkenntnissen aufbauend den angemessenen Umgang mit suizidalen Menschen bzw. Menschen in Krisen beschreibe. Dabei stelle ich in den ersten vier Kapiteln in aufeinander aufbauender Reihenfolge die theoretischen Grundlagen zum Verständnis der Entstehung von Suizidalität dar.

Im ersten Kapitel nehme ich eine begriffliche Abgrenzung vor, in der die verwendeten Fachbegriffe definiert und erklärt werden.

Im folgenden zweiten Kapitel stelle ich u.a. epidemiologische Forschungsergebnisse vor, insbesondere zur Häufigkeitsverteilung von Suiziden, das durch die Erläuterung der Suizidmethoden abgeschlossen wird.

Das dritte Kapitel befasst sich mit Entstehungsbedingungen von Suizidalität wie Risikofaktoren und Risikogruppen. Von grundlegender Bedeutung ist des weiteren die suizidale Entwicklung, auf die ich detailliert eingehen werde. Schließlich schildere ich die Motive, aus denen heraus Menschen suizidal werden.

Im darauf folgenden vierten Kapitel zur Diagnostik beschreibe ich, wie sich das Suizidrisiko erkennen und einschätzen lässt. Anschließend gehe ich auf die bekanntesten Erscheinungsformen der Suizidalität ein, wobei ich diese insbesondere aus tiefenpsychologischer Sicht betrachten werde.

Dabei ist das in den ersten vier Kapiteln vermittelte Hintergrundwissen meiner Ansicht nach Voraussetzung für ein besseres Verständnis der im fünften Kapitel dargestellten Suizidtheorien. Diese umfassen dabei die bekanntesten soziologischen, psychodynamischen und medizinischen Ansätze, die sich in den letzten zwei Jahrhunderten in der einschlägigen Fachliteratur etabliert haben. An die Darstellung des jeweiligen theoretischen Ansatzes schließt sich eine kritische Betrachtung vor dem Hintergrund der aktuellen Suizidforschung an.

Darauf folgend betrachte ich im sechsten Kapitel zunächst die allgemeinen Charakteristika von Krisen und Krisenintervention. Anschließend versuche ich unter Berücksichtigung der bislang gewonnenen theoretischen Erkenntnisse ein Interventionskonzept zu entwickeln, das sich praktisch umsetzen lässt. Mit der Beschreibung einer Einrichtung der Krisenintervention schließe ich den therapeutischen Teil ab, wobei ich am Beispiel der Arche die wesentlichen Merkmale einer Kriseninterventionseinrichtung schildern werde. Im abschließenden Reflektionsteil versuche ich ein Resümee der Arbeit zu ziehen sowie die wichtigsten Ergebnisse und Konsequenzen festzuhalten.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
I. Erklärungsansätze zur Entstehung von Suizidalität 7
1. Begriffliche Abgrenzung 7
1.1 Selbstmord 7
1.2 Freitod 8
1.3 Suizidgedanken, Suizidversuch und Parasuizid 10
1.4 Suizid, Selbsttötung und Selbsttötungsabsichten 13
1.5 Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Suizid und Suizidversuch 15
1.6 Erweiterter Suizid, Doppelsuizid und Massensuizid 16
2. Epidemiologie und Suizidmethoden 18
2.1 Epidemiologie 18
2.2 Methodische Probleme der Erfassung von Suizid und Suizidversuch 18
2.3 Forschungsstrategien 19
2.4 Häufigkeiten von Suiziden und Suizidversuchen 20
2.4.1 Europäische Daten 20
2.4.2 Bundesdeutsche Daten 21
2.5 Suizidmethoden 23
3. Suizidsignale 24
3.1 Risikofaktoren 24
3.2 Risikogruppen 43
3.3 Die suizidale Entwicklung 50
3.4 Motive für den Suizid 57
4. Diagnostik von Suizidalität 65
4.1 Das Erkennen und Einschätzen des Suizidrisikos 65
4.1.1 Allgemeine Aspekte 65
4.1.2 Suizidanamnese 65
4.1.3 Hinweise auf erhöhtes Suizidrisiko 72
4.2 Arten von Suizidalität 78
4.2.1 Manipulative Suizidalität 78
4.2.2 Resignative Suizidalität 80
4.2.3 Fusionäre Suizidalität 82
4.2.4 Antifusionäre Suizidalität 84
5. Erklärungsansätze zur Entstehung von Suizidalität 86
5.1 Soziologische Erklärungsversuche 86
5.1.1 Der Ansatz von Durkheim 86
5.1.2 Weitere soziologische Ansätze 92
5.2 Psychodynamische Erklärungsversuche 94
5.2.1 Einleitung 94
5.2.2 Die Aggressionstheorie von Freud und Abraham 96
5.2.2.1 Allgemeine Aspekte 96
5.2.2.2 Kritische Betrachtung 98
5.2.3 Die Narzißmustheorie von Henseler 103
5.2.3.1 Allgemeine Aspekte 103
5.2.3.2 Kritische Betrachtung 106
5.2.4 Objektbeziehungstheorie 108
5.2.4.1 Allgemeine Aspekte 108
5.2.4.2 Suizidalität im Rahmen des objektbeziehungstheroretischen Entwicklungsmodells 118
5.3 Der psychopathologische Ansatz von Ringel 119
5.3.1 Allgemeine Aspekte 119
5.3.2 Kritische Betrachtung 125
II. Therapeutische Ansätze bei Suizidalität 126
6. Krisenintervention 126
6.1 Allgemeine Charakteristika von Krisen und Krisenintervention 126
6.1.1 Definition 126
6.1.2 Krisenverläufe 127
6.1.3 Aspekte von Krisen 129
6.1.4 Ziel der Krisenintervention 130
6.2 Interventionskonzept 131
7. Eine Einrichtung der Krisenintervention 137
7.1 Grundkonzept 137
7.2 Das Team und die Zusammenarbeit 138
7.3 Die Klienten 139
7.4 Angebote und Arbeitsbereiche 141
7.5 Leitlinien der Arche 147
III. Reflektion 149
Literaturverzeichnis 169
Erklärung nach §31 Rahmenprüfungsordnung 172

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
I. Erklärungsansätze zur Entstehung von Suizidalität 7
1. Begriffliche Abgrenzung 7
1.1 Selbstmord 7
1.2 Freitod 8
1.3 Suizidgedanken, Suizidversuch und Parasuizid 10
1.4 Suizid, Selbsttötung und Selbsttötungsabsichten 13
1.5 Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Suizid und Suizidversuch 15
1.6 Erweiterter Suizid, Doppelsuizid und Massensuizid 16
2. Epidemiologie und Suizidmethoden 18
2.1 Epidemiologie 18
2.2 Methodische Probleme der Erfassung von Suizid und Suizidversuch 18
2.3 Forschungsstrategien 19
2.4 Häufigkeiten von Suiziden und Suizidversuchen 20
2.4.1 Europäische Daten 20
2.4.2 Bundesdeutsche Daten 21
2.5 Suizidmethoden 23
3. Suizidsignale 24
3.1 Risikofaktoren 24
3.2 Risikogruppen 43
3.3 Die suizidale Entwicklung 50
3.4 Motive für den Suizid 57
4. Diagnostik von Suizidalität 65
4.1 Das Erkennen und Einschätzen des Suizidrisikos 65
4.1.1 Allgemeine Aspekte 65
4.1.2 Suizidanamnese 65
4.1.3 Hinweise auf erhöhtes Suizidrisiko 72
4.2 Arten von Suizidalität 78
4.2.1 Manipulative Suizidalität 78
4.2.2 Resignative Suizidalität 80
4.2.3 Fusionäre Suizidalität 82
4.2.4 Antifusionäre Suizidalität 84
5. Erklärungsansätze zur Entstehung von Suizidalität 86
5.1 Soziologische Erklärungsversuche 86
5.1.1 Der Ansatz von Durkheim 86
5.1.2 Weitere soziologische Ansätze 92
5.2 Psychodynamische Erklärungsversuche 94
5.2.1 Einleitung 94
5.2.2 Die Aggressionstheorie von Freud und Abraham 96
5.2.2.1 Allgemeine Aspekte 96
5.2.2.2 Kritische Betrachtung 98
5.2.3 Die Narzißmustheorie von Henseler 103
5.2.3.1 Allgemeine Aspekte 103
5.2.3.2 Kritische Betrachtung 106
5.2.4 Objektbeziehungstheorie 108
5.2.4.1 Allgemeine Aspekte 108
5.2.4.2 Suizidalität im Rahmen des objektbeziehungstheroretischen Entwicklungsmodells 118
5.3 Der psychopathologische Ansatz von Ringel 119
5.3.1 Allgemeine Aspekte 119
5.3.2 Kritische Betrachtung 125
II. Therapeutische Ansätze bei Suizidalität 126
6. Krisenintervention 126
6.1 Allgemeine Charakteristika von Krisen und Krisenintervention 126
6.1.1 Definition 126
6.1.2 Krisenverläufe 127
6.1.3 Aspekte von Krisen 129
6.1.4 Ziel der Krisenintervention 130
6.2 Interventionskonzept 131
7. Eine Einrichtung der Krisenintervention 137
7.1 Grundkonzept 137
7.2 Das Team und die Zusammenarbeit 138
7.3 Die Klienten 139
7.4 Angebote und Arbeitsbereiche 141
7.5 Leitlinien der Arche 147
III. Reflektion 149
Literaturverzeichnis 169
Erklärung nach §31 Rahmenprüfungsordnung 172

Textprobe:

Kapitel 2.2, Methodische Probleme der Erfassung von Suizid und Suizidversuch: Das generelle Problem besteht darin, Suizide und Suizidversuche zuverlässig zu erfassen. Der Suizid wird seit dem 19. Jahrhundert in den meisten europäischen Ländern durch die Ermittlung der Todesursache durch einen Arzt oder Leichenbeschauer etc. festgestellt. Gerade in der früheren Vergangenheit, als Suizid noch als gesellschaftliches und religiöses Tabu galt, wurde ein Suizid als Todesursache oft vertuscht.

Es kommt aber auch oft vor, dass der Suizid aus rein wirtschaftlichen Gründen vertuscht wird, damit eine Versicherungsgesellschaft, mit der beispielsweise eine Lebensversicherung abgeschlossen wurde, dazu verpflichtet wird, zu zahlen. Jedoch betrachten die meisten Versicherungsgesellschaften Suizid als ein natürliches Risiko und sichern sich mit einer Klausel ab, nach der sie die Prämien zurückzahlen, falls der Versicherte innerhalb von zwei Jahren nach Versicherungsabschluss Suizid begehen sollte. Damit soll verhindert werden, dass Personen nur in der Absicht, nach Abschluss des Vertrages Suizid zu begehen, eine Lebensversicherung abschließen. Dabei trägt die Versicherungsgesellschaft die Beweislast dafür, dass der Betroffene durch Suizid starb. Allerdings ist es bis jetzt nicht zu einer Suizidwelle nach Ablauf der Zweijahresfrist gekommen, sodass man diesen Einfluss auf die Suizidstatistiken vernachlässigen kann.

Eine weitere Schwierigkeit in der Erfassung von Suizidfällen tritt bei potentiellen Suizidanten auf, die schon ein höheres Lebensalter haben. Da alte Menschen bekanntlich eine Prädisposition für verschiedenste Krankheiten haben, die zum Tode führen können, ist es oft sehr schwierig, festzustellen, ob ein Suizidversuch zum Tode geführt hat oder ob ein natürlicher Tod vorliegt. Oft verbirgt sich hinter dem Weglassen eines lebensnotwendigen Medikamentes ebenfalls ein Suizidversuch, der aber nicht erkannt wird. In diesem Fall ist es allerdings fraglich, ob hier noch die Voraussetzungen für einen Suizidversuch gegeben sind, bei dem ja ein aktives Handeln notwendig ist.

Laut Kreitman brauchen die Rechtsorgane einen eindeutigen Beweis einer solchen (Suizid)absicht, bevor sie einen Todesfall als Suizid klassifizieren. Dabei werden in den einzelnen Ländern unterschiedliche juristische Akzente gesetzt. Ähnliches gilt auch für die rechtliche bzw. medizinische Sicht, wenn Todesursachen beurteilt werden sollen. Dabei sind die Maßstäbe, die für eine gerichtliche Beurteilung gelten, strenger, als die für medizinische.

Es lassen sich Rückschlüsse auf die „wahre“ Suizidrate ziehen, indem man die Todesursachen-Statistiken auf die Zu- oder Abnahme von unklaren Todesursachen hin überprüft. So lässt sich feststellen, dass die Zahl der Suizide abnimmt, wenn gleichzeitig die der unklaren Todesursachen zunimmt.

Als besonders problematisch hat sich eine repräsentative Erfassung von Suizidversuchen herausgestellt, zum einen, weil hier die Vertuschungsrate besonders hoch ist, zum anderen, weil es aufgrund der zum Teil kontroversen Definition von Suizidversuchen äußerst schwierig ist, Suizidversuchsraten zu erheben.

Die zentrale Forschungsstrategie der Epidemiologie des Suizides und Suizidversuches besteht darin, Suizide und Suizidversuche in der Normalbevölkerung möglichst repräsentativ zu erfassen; trotz der oben gemachten Einschränkungen ist dies bei Suiziden mittels der Todesursachen-Feststellung in einem guten Maße möglich. Schwieriger gestaltet sich die Erfassung von Suizidversuchen, da hierzu Angaben von Probanden oder objektive Befunde nötig sind. Um die Zahl und Art von Suizidversuchen objektiv zu erfassen, werden Suizidenten, die wegen eines Suizidversuches in einer Klinik untersucht bzw. aufgenommen worden sind, registriert.

Dies ist allerdings nur möglich, wenn alle Suizidenten nach einem Suizidversuch aufgenommen werden und die Suizidversuche konsequent dokumentiert werden. An dieser Stelle muss auf die Schwierigkeit verwiesen werden, dass sich eine beträchtliche Zahl an Suizidanten nach einem Suizidversuch nicht in stationäre Behandlung begeben und somit auch nicht erfasst werden können. Dies trifft auf ca. 20-30 % aller Suizidanten zu. Um subjektive Ergebnisse von Personen aus der Normalbevölkerung oder Risikogruppen zu erhalten, werden diese anhand von Fragebogen oder Interviews befragt, wobei die Voraussetzung Aufrichtigkeit der

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Arbeit zitieren:
Berger, Thomas August 2006: Suizidalität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Selbstmordgefährdung, Suizid, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Psychologie

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