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Die Suezkrise 1956

Realpolitik und Großmachtsdenken im Spannungsfeld der politischen Sozialisation führender politischer Akteure

Die Suezkrise 1956
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Demmelhuber
  • Abgabedatum: April 2004
  • Umfang: 140 Seiten
  • Dateigröße: 879,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9201-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9201-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9201-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Demmelhuber, Thomas April 2004: Die Suezkrise 1956, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Machtpolitik, Dekolonisierung, kalter Krieg, Naher Osten

Diplomarbeit von Thomas Demmelhuber

Einleitung:

Der Nahe Osten und hierbei besonders die Region am Isthmus von Suez ist bereits seit über zwei Jahrhunderten der Schauplatz von Konflikten, Unruhen und Auseinandersetzungen zwischen politischen Einheiten des Nahen Ostens und europäischer Mächte. Beispielgebend wäre nach der Eroberung durch das Osmanische Reich im Jahre 1517 die imperiale Etablierung europäischer Mächte in jenem Gebiet, welche dieser spezifischen Region westlich der Sinai-Halbinsel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Hochzeit des Imperialismus) mit noch höherer strategischer Aufmerksamkeit aufwarteten.

Jene Versuche der formellen oder informellen Penetration gab es nicht erst seit der Hochzeit des europäischen Imperialismus. Man blicke nur auf jene ersten imperialen Bestrebungen unter der kurzweiligen Besetzung von Napoleon Bonaparte Ende des 18. Jahrhunderts (1798-1801) und an die stetig wachsenden und konkurrierenden britischen Ambitionen in jenem de jure unter osmanischer Herrschaft stehenden Gebiet. Die politische, strategische und wirtschaftliche Bedeutung der britischen Kronkolonie Indien bzw. die Sicherung des Seeweges dorthin, den der im Jahre 1869 fertiggestellte Suezkanal um ein Vielfaches verkürzte und der außerdem dank der Dampfschifffahrt beschleunigt wurde, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem Objekt nationalen Interesses der Europäer unter Berücksichtung eines schwächer werdenden Osmanischen Reiches.

Dem kurzen Intermezzo des Nahen Ostens als Mandatsgebiet der früheren Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien folgte ab dem Jahr 1945 ein nachhaltiger Transformationsprozess. Der Nahe Osten entwickelte sich zunehmend zu einem Nebenschauplatz im Wettlauf der neuen Hegemonialmächte – USA und Sowjetunion – um einen Ausbau ihrer Einflussgebiete. Das wachsende sowjetische Bemühen war dabei vor allem eine Reaktion auf den Erfolg und die Aktivität amerikanischer Diplomatie im Nahen Osten. Nicht zuletzt erschienen die in den 50er Jahren virulenten Interessensgegensätze in den Ländern der arabischen Welt in ihrem Konflikt mit den ehemaligen Kolonialmächten (Frankreich und Großbritannien) als ein idealer Nährboden für eine Intensivierung sowjetischer Diplomatie. Dies geschah nicht mit einem freiwilligen Rückzug der früheren europäischen Imperialmächte, welche die kolonisierte Welt im Jahrhundert zuvor nachhaltig, teilweise in guter (z.B. wirtschaftliche Errungenschaften oder Verbesserung der Infrastruktur), aber meist in ausbeuterischer Weise prägten.

Die Suezkrise verkörperte den formellen Beginn des Gegeneinanders zwischen den beiden neuen Supermächten in jener Region und dem Machtbestreben der früheren und an ihrem Einfluss erfolglos festhaltenden Kolonialmächte. Darüber hinaus offenbarte die Suezkrise das Bestreben der neuen und jungen politischen Eliten (z.B. Ägypten) in jenen Gebieten, unter Abkehr von den ehemaligen Imperialmächten, das Nationalbewusstsein zu stärken und arabische Einheit zu schaffen. Die strategische Hinwendung an eine der beiden neuen Hegemonialmächte, um einen Gewinn für das Nationalinteresse zu erwirken, war dabei die Regel. Das Spannungsverhältnis zwischen dem sich emanzipierenden Regionalismus und jener opportunistischen Interessenspolitik der externen Großmächte ist dabei stets offensichtlich.

Der persönliche Berater und Freund des ägyptischen Präsidenten Nasser, Mohamed Heikal, schreibt in seinen Memoiren in Bezug auf diesen Opportunismus einer Bevormundung von außen, dass „to suppose that all these dramas had [...] been divorced from [...] the permanent inhabitants [...] was to suppose the impossible“. Unterteilt in spezifische Phasen externer Penetration bewegt sich die Thematik dieser Arbeit im Übergang von der Penetration durch europäische Imperialpolitik auf die Penetration durch die beiden neuen Supermächte in ihrem Wettlauf um politischen Einfluss. Intrigen, Verschwörungen und Geheimabkommen waren durchgehend das gern benutzte Instrumentarium externer Mächte im Kampf um formelle und informelle Einflussnahme im internationalen Subsystem des Nahen Ostens. Khalidi schreibt zu diesem Sachverhalt in Bezug auf den Suezkanal:

„Suez destroyed any slim possibility that Britain and France would remain major powers in the Arab world […]. Egypt’s ascendancy in the Arab world was probably inevitable even before Suez. […] But Suez set the seal on this process, giving a powerful impetus to Egyptian influence on the internal politics not only of those Arab countries [...].” Die Suezkrise, die formell mit der Verstaatlichung der Suez Canal Company (Betreibergesellschaft) durch Ägypten begann, beschreibt keineswegs ein regional begrenztes Ereignis. Insgesamt, eingebettet in den Verlauf der Weltgeschichte zur Zeit des Kalten Krieges, parallel zum Volksaufstand in Ungarn (Oktober 1956), widerspricht sie der oftmaligen Annahme in der Politischen Wissenschaft, die bipolare Weltordnung in Zeiten des Kalten Krieges sei geordneter, stabiler und friedlicher gewesen als dies momentan in einer uni-multipolaren Welt mit den USA als einzig verbliebener Weltmacht der Fall ist. Die Konflikte verlagerten sich dagegen lediglich an die Peripherie und ließen regionale politische Einheiten als Schachbrettfiguren der beiden Supermächte agieren. Die Eskalation der Suezkrise in eine kriegerische Auseinandersetzung verdeutlichte diesen Aspekt nachhaltig.

Die Rollenverteilung in jener Konfrontation zweier Blöcke, zweier Ideologien, zweier Staats- und Gesellschaftsformen überlagerte die Weltpolitik völlig. Auf regionaler Ebene (Subsystem Naher Osten) war die Lage beiweiten komplexer. Der Suezkonflikt offenbarte dies eindrucksvoll. Er zeigte inwieweit politische Kultur, nationalistische Bestrebungen und die Politische Sozialisation der Akteure maßgeblich auf den Geschichtsverlauf einwirken und die politisch-ideologisch-ökonomischen Dimensionen um ein Vielfaches komplexer machen. All jene treibenden Kräfte rufen die bereits von Hegel geäußerte These zum Ablauf von Geschichte in Erinnerung. Geschichte geschieht demnach nicht einfach, es ist vielmehr ein durch die Menschheit und ihren einzelnen Agenten der Geschichte gemachtes Konstrukt.

Für diese Abhandlung, die Geschichte sehr wohl aus der globalen als auch aus der Perspektive der einzelnen im Sinne von Hegel verstandenen Agenten der Geschichte untersucht, ist dieser Gedanke sehr wichtig. Geschichte basiert trotz ihrer Komplexität, dem schwierigen Unterfangen kausale Zusammenhänge zu finden und logische Verbindungen zu erstellen, auf dem Tun individueller und kollektiver Akteure der Geschichte. Geschichte ist, abgesehen vom möglichen Zufall und der möglicherweise großen Konsequenz des unbeabsichtigten Einzelereignisses, in ihrer Gesamtheit kein Zufall. Sie entsteht überwiegend durch verantwortliches, rücksichtsloses, unbedachtes oder absichtliches Handeln des Menschen. Aus diesem Handeln ergeben sich Konsequenzen, die alle in irgendeiner Form zu tragen haben. Die Gesamtheit des Handelns hat über lange Zeiten hinweg Konsequenzen, im Negativen wie im Positiven.

Zusammenfassung:

Die Suezkrise 1956 markierte jenes Ereignis, das die historische Basis für diese Diplomarbeit aus dem Fach der Politischen Wissenschaft darstellte. Aufbauend auf den politischen Zusammenhängen während des Kalten Krieges, mit dem Konflikt zweier gegensätzlicher Ideologien und Gesellschaftsformen, impliziert die Suezkrise aus heutiger Sicht einen Wendepunkt in den internationalen Beziehungen. Der Zweite Weltkrieg änderte die machtpolitische Balance erheblich, welche sich in dem Mantel Nordatlantischer Allianz für einige Zeit kompensieren ließ. Die ehemaligen europäischen Imperialmächte verfügten über nicht mehr genügend Ressourcen, um ihre traditionelle Weltmachtsrolle zu erhalten. In dieses machtpolitische Vakuum stießen in der Phase der Dekolonisierung, deren Akteure sich des effektiven Mittels des Nationalismus bedienten, die beiden neuen Supermächte – USA und Sowjetunion – vor, um in diesem nahöstlichen Subsystem internationaler Beziehungen an Einfluss zu gewinnen.

Dem Betrachter offenbart sich dabei ein unfreiwilliger Rückzug bzw. ein widerwilliges Eingeständnis dieser neuen weltpolitischen Fakten durch die ehemaligen Kolonialmächte (F und GB). Mit der Verstaatlichung der Suez Canal Company durch die nationalistische ägyptische Führung wollten sich beide Staaten der Realität entziehen und verstrickten sich fortan in einer rückwärtsgewandten Politik („Kanonenbootsdiplomatie“) vergangener Jahrzehnte, die mit machtpolitischen Prinzipien nicht völlig erklärt werden kann.

Die Literatur präsentiert für diese Entwicklungen eine Vielzahl von Gründen, obgleich sie den wirkmächtigen Einfluss jener Politischen Sozialisation der regierenden Elite nur beschränkt beachtet. Dem versuchte diese Diplomarbeit entgegenzuwirken, indem es der Politischen Sozialisation der Akteure die verdiente Aufmerksamkeit schenkte und schließlich darin Leitmotive vorfand, die die britische und französische Intervention gegen Ägypten, zumindest in einem schematisch-kausalen Zusammenhang darstellten. Die historische Befangenheit einer bestimmten Generation, als möglicher Ausdruck Politischer Sozialisation, hat einen zentralen Einfluss auf politische Entscheidungen, falls jene Akteure z.B. hohe politische Ämter besetzen.

Ihrer Sozialisation folgend, versuchen Letztere des öfteren historische Vergleichsmomente heranzuziehen, welche auf sie einen großen und nachhaltigen Einfluss hatten. Insgesamt kann somit dem Konstrukt der Realpolitik, der Machtpolitik und dem imperialen Machtgelüste ehemaliger Weltmächte ein schematischer Zusammenhang gegeben werden, falls man den wechselseitigen Einfluss Politischer Sozialisation beachtet. Politische Sozialisation kann eine treibende Wirkung auf Entscheidungen haben. Es kann aber auch als Hemmnis wirken, in dem Ausmaße, dass neue weltpolitische Realitäten nicht früh genug erkannt werden bzw. nicht erkannt werden wollen.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 1
I.1 Die Suezkrise 1956 im Fokus der Geschichte 1
I.2 Stand der Forschung 4
I.3 Thema, methodische Herangehensweise und Ziel der Analyse 7
II. Hauptteil 11
II.1 Machtpolitik am Suezkanal 11
II.1.1 Grundprinzipien der Machtpolitik im Realismusparadigma 11
II.1.2 Britisch-ägyptische Sonderbedingungen bis in das Jahr 1956 17
II.1.3 Bestimmungsfaktoren französischer Einflussnahme in Ägypten 33
II.1.4 Verstaatlichung der Suez Canal Company 39
II.1.5 Legitimitätsfrage 41
II.1.6 Zwischenfazit 45
II.2 Autobiographien und Politische Sozialisation 47
II.2.1 Autobiographien bzw. Biographien und deren Verhältnis zu geschichtlicher Realität 47
II.2.2 Politische Sozialisation als eine treibende Kraft in der Geschichte 52
II.2.2.1 Sir Anthony Eden und sein Kabinett 53
II.2.2.2 Guy Mollet, Christian Pineauund die krisenbehaftete IV.Republik 63
II.3 Großbritannien und die militärische Intervention 71
II.3.1 Politische und militärische Beweggründe 71
II.3.2 Wirtschaftliche Komponente 87
II.3.3 Mythos des Empires 92
II.4 Frankreich und die militärische Intervention 99
II.4.1 Politische und militärische Beweggründe 99
II.4.2 Wirtschaftliche Komponente 107
II.4.3 Erinnerungen an die Grande Nation 110
III. Schlussteil 116
III.1 Zusammenfassung der Ergebnisse 116
III.2 Abschließende Bemerkungen 120
Appendix 122
I. Geographie v
II. Chronologie der Ereignisse vi
III. Literaturverzeichnis xi
IV. Lebenslauf xviii
V. Zusammenfassung (gem.§ 28 Abs.8 / DPO-Politikwissenschaft) xix
VI. Wahrheitsgemäße Erklärung (gem.§ 28 Abs.8) xx

Automatisiert erstellter Textauszug:

Pas-de-Calais279, war der Grundstock für seine Wahl zum Bürgermeister von Arras nach Kriegsende. Dieses Amt behielt Guy Mollet bis zu seinem Tod im Jahre 1975. Das vehemente Eintreten für eine neue politische Grundordnung als Mitglied in den beiden verfassungsgebenden Kommissionen der Jahre 1945 und 1946 sowie sein Engagement innerhalb der SFIO, das in der Wahl zum Generalsekretär (1946) kulminierte, steigerte folglich seinen überregionalen Bekanntheitsgrad.280 Von einem kurzen Intermezzo als Staatsminister im Nachkriegskabinett von Léon Blum abgesehen, verfügte Mollet über eine geringe Erfahrung in hohen politischen Ämtern. Lediglich sein Amt als Präsident der Versammlung des Europarates in Straßburg ermöglichte ihm, seinen außenpolitischen Erfahrungsschatz nachhaltig zu vertiefen. Trotzdem erhielt er Anfang des Jahres 1956 – für viele überraschend – von Staatspräsident René Coty den Auftrag, mit der Regierungsbildung zu beginnen. Die Gründe für eine Entscheidung zugunsten des uncharismatischen Mollets lagen definitiv in seiner pro-europäischen Ausrichtung und dem Sachverhalt, dass seine SFIO im siegreichen Wahlbündnis der Front Républicain die meisten Stimmen bekam. Die Wahlallianz der Sozialisten, Front Républicain, die auf der Idee eines Journalisten basierte und als Bollwerk gegen die Kommunisten fungieren sollte, hatte keine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung (170 von insgesamt 595 Sitze) und war somit von der Zusammenarbeit mit den pro-europäischen Christdemokraten (MRP) abhängig.281 Mollet erschien aus der Sicht von Coty im Vergleich zu den anderen zur Disposition stehenden Politikern der Front Républicain als der Geeignetere für den Posten des Regierungschefs. Der Zufall anstehender Entscheidungen auf europäischer Ebene (Römische Verträge 1957), die politische Instabilität der IV. Republik, die von Präsident Coty geschätzten Tugenden seines organisatorischen Talents, seiner straffen Parteiführung und seiner Überzeugung in die europäische Einigung ließen Mollet trotz seiner geringen Popularität zum erst vierten sozialistischen Regierungschef in der Geschichte Frankreichs aufsteigen. Die Unterschiede zur Politischen Sozialisation von Eden sind nicht zu übersehen. Die britische Regierung führte ein versierter und erfahrener Außenpolitiker an, der jenseits seines politischen Zenits, gesundheitlich schwer angeschlagen, das Amt des [...]

war Textil-Arbeiter), in Kontakt. Die Familie als sogenannte Sozialisationsagentur (s.a.: II. 2. 2.) prägte ihn in politischer Hinsicht sehr früh und nachhaltig.276 Sein politisches Engagement begann trotz der Mitgliedschaft bei den Sozialisten (SFIO ab 1923) erst zwei Jahrzehnte später. Entgegen seiner pazifistischen Grundeinstellung kam Mollet von 1931 bis 1932 der staatsbürgerlichen Pflicht nach und leistete seinen Militärdienst im 32. Infanterieregiment von Tours ab. Neben seiner anschließenden Tätigkeit als Englischlehrer, war Mollet in den Folgejahren politisch inaktiv, sieht man von dem gewerkschaftlichen Engagement als Abteilungssekretär des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes (CGT) ab. Die Jahre der Appeasement-Politik verfolgte Mollet, im Vergleich zu seinen späteren britischen Kollegen, als Außenstehender, der die Politik von Ministerpräsident Édouard Daladier in München unterstützte und ebenso an eine friedvolle Einigung auf dem Verhandlungstisch glaubte. Im Gegensatz zu einem Teil der Sozialisten in Frankreich, welcher die pazifistische Grundeinstellung bereits kritisch hinterfragte, war Mollet zum damaligen Zeitpunkt noch vom absoluten Primat friedvoller Diplomatie überzeugt.277 Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges führten bei Mollet zu einer völlig veränderten Persönlichkeit. Die politische Karriere von Mollet, die ihn in etwas mehr als einer Dekade in das höchste Regierungsamt der IV. Republik trug, begann mit dem Zweiten Weltkrieg. Seine Beteiligung am französischen Widerstand gegen die deutsche Okkupation und gegen das mit Hitler kollaborierende Vichy-Regime, unter der Führung von Henri Philippe Pétain, machte Mollet zu einem Widerstandskämpfer der ersten Stunde. Der Kampf für eine Sache, die über das eigene Schicksal hinausging sowie die Identifizierung mit dem Ziel der Befreiung des Vaterlandes, ließ Mollet seinen AntiMilitarismus ad acta legen. Es bestärkte ihn in seiner Überzeugung, sich politisch für ein neues Frankreich einzusetzen. Für dieses selbstlose Engagement in der sogenannten Résistance erhielt er nach Kriegsende die Auszeichnung zum Offizier der französischen Ehrenlegion und avancierte zum Träger des Kriegskreuzes.278 Sein gesellschaftspolitisches Engagement von 1942 bis 1944, mit der Verantwortlichkeit für die zivile und militärische Organisation der Résistance im Gebiet [...]

II. 2. 2. 2. Guy Mollet, Christian Pineau und die krisenbehaftete IV. Republik Die Koalitionsregierung Front Républicain272 um den Sozialistenführer Guy Mollet (SFIO: Section Française de l’Internationale Ouvrière) stellte in der krisenbehafteten IV. Republik mit einer Dauer von 18 Monaten (Februar 1956 – Mai 1957)273 die längste und stabilste ihrer Art dar.274 Errichtet wurde die IV. Republik bzw. die daraus resultierende Französische Union mit der neuen Verfassung im Dezember des Jahres 1946. Einhergehend mit außenpolitischen Umbrüchen, wie z.B. dem Abzug aus Indochina oder dem Krieg in Algerien, waren die zahlreichen Regierungen der IV. Republik auch mit großen innenpolitischen Problemfeldern konfrontiert. Ähnlich zur britischen Regierung kristallisiert sich bei Betrachtung der französischen Rolle vor und während der Suezkrise ebenfalls ein kleiner Kreis von Entscheidungsträgern heraus, der die Rolle Frankreichs maßgeblich prägte. In erster Linie handelt es sich dabei um Regierungschef Mollet sowie Parteifreund und Außenminister Pineau.275 Guy Mollet wurde im Jahre 1905 in bescheidenen Verhältnissen in der Normandie geboren. Trotz seiner christlichen Erziehung kam er schon sehr früh mit sozialistischem Gedankengut, aufgrund der politischen Gesinnung der Arbeiterfamilie Mollet (Vater [...]

Arbeit zitieren:
Demmelhuber, Thomas April 2004: Die Suezkrise 1956, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Machtpolitik, Dekolonisierung, kalter Krieg, Naher Osten

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