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Suchtprävention in der Schule

An ausgewählten Beispielen des Rhein-Neckar-Kreises

Suchtprävention in der Schule
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Marie-Therese von Uthmann
  • Abgabedatum: Juni 2002
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 643,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Pädagogische Hochschule Heidelberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6390-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6390-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6390-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: von Uthmann, Marie-Therese Juni 2002: Suchtprävention in der Schule, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Drogen, Jugendliche, Abhängigkeit, Sucht, Vorbeugung

Staatsexamensarbeit von Marie-Therese von Uthmann

Einleitung:

Aufmerksamkeit erregte eine Nachricht vom Januar 2002, dass der jüngste Sohn des britischen Thronfolgers Prinz Charles betrunken und unter Einfluss von Haschisch vor einem Pub beobachtet wurde. Dabei scheint ein solcher Zustand bei Jugendlichen im Alter von Prinz Harry nicht ungewöhnlich zu sein. Laut einer aktuellen Statistik der BZgA rauchen auch in Deutschland 38% der 12-25jährigen ständig. Jeder dritte trinkt mindestens drei mal in der Woche Alkohol und illegale Drogen werden von mindestens 5% regelmäßig konsumiert. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen (vgl. BZgA 2001(b), 9ff).

Der englische Prinz ist demnach als Stellvertreter der Jugendlichen unserer Gesellschaft zu sehen, auf die sich das Interesse der Öffentlichkeit richten muss, denn das Phänomen Sucht ist ein fester Bestandteil unseres Alltags. Da die Abhängigkeit eines Menschen Auswirkungen auf sein gesamtes Umfeld hat, ist die Notwendigkeit des Handelns in allen mittelbar und unmittelbar betroffenen Bereichen gegeben.

Mein persönliches Interesse für diese Thematik entwickelte sich, nachdem ich im eigenen engsten Umfeld eine Suchtentstehung miterlebt habe und die erheblichen Auswirkungen auf den Betroffenen selbst und die nahestehenden Personen beobachten konnte.

Wie kann es nun zu einer Abhängigkeit bei Jugendlichen kommen?

Es drängt sich die Frage auf, was man gegen eine solche Entwicklung tun kann.

Sucht wird oft mit einer Krankheit gleichgesetzt, die eine tiefer liegende Störung ausdrückt. Betrachtet man einzelne Suchtgeschichten, so wird immer wieder deutlich, dass der Betroffene Probleme nicht selbständig bewältigen kann. Diesem Menschen fehlen Kompetenzen, die ihn stark genug machen, einer Abhängigkeit entgegen zu treten. Genau hier setzt die Aufgabe der Prävention an. Es gilt, Jugendliche dabei zu unterstützen, zu eigenverantwortlichen, selbstbewussten und lebensbejahenden Menschen heranzuwachsen. Diese Unterstützung muss gerade auch vom näheren Umfeld der Jugendlichen ausgehen. Der Familie kommt eine große Bedeutung zu, vor allem in den ersten Lebensjahren. Später muss aber auch die Schule sich ihrer Verantwortung stellen und positiv auf die Entwicklung der Schüler einwirken.

Im Vorfeld einer Sucht muss danach gefragt werden, was einen Menschen stark macht und wie eine Abhängigkeit verhindert werden kann. Dabei ist es wichtig, dass die vorbeugenden Maßnahmen als Gemeinschaftsaufgabe gesehen werden.

Eine Abhängigkeit hat immer bestimmte Ursachen und diesen gilt es entgegenzuwirken. Es muss zunächst weit ausgeholt werden, um die Entstehung und die Ursachen einer Sucht zu beleuchten um später dann Möglichkeiten der Suchtvorbeugung ableiten zu können. Dabei werden in dieser Arbeit die einzelnen Suchtstoffe und ihre Wirkung vernachlässigt, da diese im Einzelnen für allgemeine Präventionsmaßnahmen keine Rolle spielen.

Gang der Untersuchung:

Zu Beginn der Arbeit wird das Phänomen Sucht erläutert. Dabei spielen nicht nur die Begrifflichkeit und Kriterien eine Rolle, die zu einer Sucht gehören, sondern ebenso unterschiedliche Formen von Abhängigkeit.

Anschließend werden verschiedene Risikofaktoren dargestellt, die bei Jugendlichen ein Suchtverhalten zur Folge haben können. In den beiden darauffolgenden Teilen der Arbeit wird Suchtprävention dargestellt und näher erläutert. Dabei geht es erst um die historische Entwicklung und um eine allgemeine Betrachtung der Suchtvorbeugung, dann werden im folgenden Teil die speziellen Aufgaben der Schule herausgestellt.

Schließlich werden im letzten Teil der Arbeit drei Präventionsprojekte aus dem Rhein-Neckar-Kreis vorgestellt, die die Realisierung der theoretischen Kenntnisse in der Praxis aufzeigen. Hierbei waren sehr unterschiedliche Konzepte der Suchtprävention zu beobachten, die teils einen sehr modernen Präventionsstil beinhalteten, jedoch waren gleichermaßen veraltete und überholte Strukturen sichtbar.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 1
I. DAS PHÄNOMEN SUCHT 3
1. Der Weg in die Sucht 3
2. Begriffsklärung Sucht 5
2.1 Zusammenfassung der Merkmale einer Sucht 8
2.2 Stoffgebundene Abhängigkeit 9
2.3 Stoffungebundene Abhängigkeit 9
2.4 Psychische Abhängigkeit 10
2.5 Physische Abhängigkeit 11
3. Drogen 12
II. URSACHEN FÜR DIE SUCHTENTSTEHUNG BEI JUGENDLICHEN 15
1. Entstehung von Sucht 15
1.1 Multifaktorielle Suchtgenese 15
1.2 Das Ursachendreieck 17
2. Personale Risikofaktoren für Drogensucht 18
2.1 Genetisch-biologische Risikofaktoren 18
2.2 Persönlichkeit 20
3. Soziale Risikofaktoren für Drogensucht 23
3.1 Umwelt 23
3.2 Familie 25
3.3 Schule 28
3.4 Peer-Group 31
4. Theoretische Ansätze zur Erklärung der Entstehung von Drogensucht 33
4.1 Psychoanalytische Theorie 33
4.2 Lernpsychologische Theorie 34
4.3 Sozialpsychologische Theorie 36
4.4 Sinnorientierte Theorie 36
5. Faktoren des Suchtmittels 38
III. SUCHTPRÄVENTION 40
1. Begriffsklärung Prävention 40
2. Präventionskonzepte im Wandel der Zeit 42
2.1 60er Jahre: Abschreckung 43
2.2 70er Jahre: Aufklärung 46
2.3 80er Jahre: Auseinandersetzung 47
2.4 Suchtprävention seit den 90er Jahren bis heute 49
2.4.1 Kommunikative Maßnahmen 50
2.4.2 Strukturelle Maßnahmen 50
3. Strukturen der Suchtprävention in Deutschland 51
4. Drei Ebenen der Prävention 54
4.1 Primärprävention 55
4.2 Sekundärprävention 58
4.3 Tertiärprävention 60
IV. SUCHTPRÄVENTION IN DER SCHULE 62
1. Schulische Prävention 62
1.1 Ziele der schulischen Prävention 64
1.2 Die Rolle der Lehrer 65
1.3 Sekundärprävention in der Schule 66
1.4 Erlass des Kultusministeriums Baden-Württemberg 67
2. Gesundheitsförderung 70
2.1 Begriffsklärung Gesundheit 70
2.2 Gesundheitsförderung im Sinne der Ottawa Charta 70
2.3 Gesundheitsförderung in der Schule 73
2.4 Unterscheidung Gesundheitsförderung - Prävention 78
3 Methoden der Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule 79
3.1 Affektive Erziehung 79
3.2 Standfestigkeitstraining 80
3.3 Life-Skill-Training 82
3.4 Erlebnispädagogik 84
V. PRAKTISCHE DURCHFÜHRUNG VON SUCHTPRÄVENTIONSPROJEKTEN AN SCHULEN 86
1. Erleben Pur - Mannheim 86
1.1 Lehrerfortbildung 87
1.2 Elternabend 87
1.3 Erster Projekttag 87
1.4 Zweiter Projekttag 88
1.5 Beobachtungen zum zweiten Projekttag 88
1.6 Beurteilung 95
2. Starter Programm - Heidelberg 96
2.1 Das Programm für die fünften Klassen 97
2.2 Beobachtungen am ersten Projekttag 99
2.3 Beobachtungen am dritten Projekttag 101
2.4 Beurteilung 104
3. Prävention durch die Polizei 106
3.1 Beobachtungen an einem Vormittag 107
3.2 Beurteilung 109
VI. RESÜMEE 111
Literaturverzeichnis 114

Automatisiert erstellter Textauszug:

“Bullring-Ball“ Eine weitere Übung an diesem Vormittag war der sogenannte “Bull-RingBall“. An einem kleinen Ring, auf dem ein Tennisball lag, waren mehrere lange Seile angebracht. Die Klasse erhielt den Auftrag, gemeinsam den Ball auf dem kleinen Ring durch das Gelände zu tragen. Jeder Schüler musste ein Ende eines Seils anfassen und der Ball musste balanciert werden. Gruppe 1 war sehr erfolgreich mit dieser Übung und schaffte eine lange Strecke, ohne dass der Ball ein einziges Mal auf den Boden fiel. Gruppe 2 hatte Schwierigkeiten, sich zu koordinieren, so dass der Ball immer wieder auf den Boden fiel. Sie konnten sich nicht auf eine Vorgehensweise einigen und jeder wollte sich mit seiner persönlichen Strategie durchsetzen. Schließlich schafften es aber doch beide Gruppen, den Ball wieder in die Ausgangsposition auf der Flasche abzulegen. “Vertrauensfall“ Mehrere Kinder stellten sich gegenüber und verschränkten ihre Arme so, dass ein weiterer Schüler sich von einer Erhöhung rückwärts in die Gruppe fallen lassen konnte. Überraschend war, dass die Mädchen der Klasse bei dieser Übung viel mutiger waren als die Jungs. Viele Schüler mussten sich sehr überwinden, den Mitschülern zu vertrauen, doch alle äußerten sich später sehr erleichtert und stolz darüber, dass sie es geschafft hatten, sich voll und ganz auf ihre Mitschüler zu verlassen. Den Schülern wurde der ausgehandelte Vertrag mitgegeben, damit sie ihn in der Klasse aufhängen konnten. 1.6. Beurteilung Den Schülern hat dieser Projekttag offensichtlich sehr viel Spaß gemacht. Wie in IV.3.4. erläutert, greifen solche erlebnispädagogischen Übungen die [...]

Diese Sammlung wurde Vertrag genannt, den die Kinder an diesem Vormittag einhalten wollten. Denn sie waren sich einig, dass - bei Einhaltung desselben - Freundschaft, Vertrauen und Spaß erreicht werden konnte. In den Reflexionsphasen nach den folgenden Spielen wurde immer wieder gefragt, ob der Vertrag eingehalten wurde. Die Schüler erkannten oft, dass sie an manchen Aspekten des Vertrages noch arbeiten mussten. Die Motivation ließ nicht nach, alle Vorgaben der Vereinbarung zu erreichen. “Zaubersteine“ Die Kinder befanden sich zusammen auf einer “Insel“. Ein “rettendes Boot“ war in einiger Entfernung in Form von einer Plane zu sehen. Nun sollten sich alle Schüler auf das “Boot“ retten. Das “Wasser“ konnten sie nur mit Hilfe der Zaubersteine (kleine Kacheln) überqueren. Die Zaubersteine waren jedoch nur wirksam, wenn sie in Kontakt mit einem Körperteil sind. Hieraus ergab sich die Schwierigkeit des Spiels, denn wieder stand nicht der Erfolg des Einzelnen, sondern der der gesamten Klasse im Vordergrund. Die Schüler konnten nicht einfach über die Steine laufen, sondern mussten zusammen arbeiten. Immer mussten die Steine in irgendeiner Form berührt werden. In dem Moment, in dem ein Stein losgelassen wurde, wurde dieser der Gruppe weggenommen. Je mehr Steine abgegeben werden mussten, um so schwieriger gestaltete sich das Überqueren des “Wassers“. Diese Aufgabe lösten die Schüler schnell. Man konnte erkennen, dass sie aus den anderen Aufgaben gelernt hatten, aufeinander einzugehen und als Gruppe einen Plan zu entwickeln. Sehr schnell hatten sie begriffen, dass es am leichtesten war, wenn sich einige Schüler auf die Steine stellten, um den Körperkontakt zu garantieren, während sich die restlichen Schüler alle auf das Boot retteten. Die letzten Schüler hoben die Steine auf und so konnte die Klasse erfolgreich das Spiel beenden. Ganz offensichtlich hatte die Klasse den Ehrgeiz, die Aspekte des Vertrags einzuhalten. [...]

Alle Gruppen erreichten getrennt von einander das Ziel und viele Schüler hatten bis dahin verbundene Augen. In einer Reflexion wurden die Kinder darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Aufgabenstellung vernachlässigt hatten, die Gruppe solle zusammen das Ziel schnellstmöglich erreichen. Sie wurden aufgefordert, sich zu überlegen, ob sie die Aufgabe besser lösen könnten. Verschiedene Ideen wurden vorgebracht. Sie wurden von den Erwachsenen nicht kommentiert, sondern die Schüler sollten ausprobieren, ob ihre Idee vorteilhaft gegenüber der ersten Lösungsstrategie war. Nach mehreren Fehlversuchen beschloss die Gruppe, das alle Skier einzeln hintereinander gelegt werden mussten, und die Klasse dann über diese bis zum Ziel laufen sollte. Zu viele Schüler machten sich nach dem Startzeichen daran, die Skier aneinander zu reihen, bis sie bemerkten, dass zwei Schüler reichten. Als ein langer Steg bis zum Ziel gelegt war, konnte die Klasse geschlossen das Ziel erreichen, ohne dass ein Schüler verbundene Augen hatte. Es war eindrucksvoll zu beobachten, dass die Initiative zur Lösung der Aufgabe nur von den Schülern ausging. Sie wurden von dem Leiter auf bestimmte Dinge hingewiesen, doch wurde ihnen nie eine Lösung gegeben. Die Übungen wurden nur so gelöst, wie es die Klasse in Gesprächen miteinander entwickelte. Manche Übungen dauerten fast eine Stunde, da die Klasse immer wieder versuchte, die Strategien zu optimieren. “Der Vertrag“ Nach diesen Spielen wurde in einem Gespräch gesammelt, welche Eigenschaften wichtig waren, um die Aufgaben zu meistern. Auf einem Poster wurden von den Kindern folgende Dinge als wesentlich festgehalten: Konzentration, ausreden lassen, zusammen arbeiten, mitdenken, Regeln beachten, zuhören, teilen, Kritik aushalten, unterstützen, fair sein, keine dummen Bemerkungen machen, niemanden beleidigen. [...]

Arbeit zitieren:
von Uthmann, Marie-Therese Juni 2002: Suchtprävention in der Schule, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Drogen, Jugendliche, Abhängigkeit, Sucht, Vorbeugung

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