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Auf der Suche nach den Wurzeln des alten Kirchdorfes Paffrath

Auf der Suche nach den Wurzeln des alten Kirchdorfes Paffrath
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Inge Flock
  • Abgabedatum: Oktober 2000
  • Umfang: 252 Seiten
  • Dateigröße: 15,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6326-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6326-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6326-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Flock, Inge Oktober 2000: Auf der Suche nach den Wurzeln des alten Kirchdorfes Paffrath, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gründung, Vorgeschichte, historische Zusammenhänge, Grundherrschaft, naturräumliche Bedingungen

Dissertation / Doktorarbeit von Inge Flock

Einleitung:

Bei der Suche nach den Wurzeln Paffraths stellt sich die Frage nach dem Gründungszeitpunkt und den möglichen Gründern dieses Ortes. Eng verbunden damit ist auch die Frage nach dem Sozialgefüge dieser Siedlung. Zunächst soll der Raum des Untersuchungsgebiets eingegrenzt werden.

Das alte Kirchdorf Paffrath im Bergischen Land hat im Laufe seiner Geschichte manche Veränderung erfahren und verschmolz bereits im 18. Jahrhundert mit den beiden anderen alten Pfarrorten seiner Nachbarschaft, dem südöstlich gelegenen Bergisch Gladbach sowie Sand, zu einer Bürgermeisterei Bergisch Gladbach, die auf königlichen Erlass 1856 Stadtrechte erhielt. Zusammen mit der 1952 aus dem Kirchspiel Paffrath ausgegliederten Gemeinde des Ortsteils Hand' stößt es im Westen und Südwesten direkt an die zwei seit 1914 von Köln als rechtsrheinische Vororte eingemeindete Gemarkungen Dellbrück und Dünnwald, im Norden an den endgültig erst 1940 aus Gebieten von Paffrath und Odenthal entstandenen Bezirk Schildgen24 und im Osten an den 1928 aus dem Kirchspiel Paffrath ausgegliederten Stadtteil Hebborn'. Einer Aufzählung im Rechtsteil des so genannten Roten Messbuchs' aus dem 15. Jahrhundert zufolge umspannte das Kirchspiel Paffrath ursprünglich einen weit über das Kirchdorf hinausgehenden Bezirk, der die kleinen Streusiedlungen und Einzelgehöfte, die in dem angrenzenden Waldgebiet entstanden waren, mit einschloss. Mit all seinen direkten Nachbarn verbindet Paffrath eine gemeinsame Vergangenheit, ein wesentlicher Grund, weshalb meine Untersuchungen zunächst weiträumig das ganze Bergische Land einbeziehen.

Das östlich von Köln gelegene Bergische Land ist keine natürliche, sondern Teil einer geschichtlich geprägten Einheit, die geographisch zwei verschiedenartige Gebiete umfasst. Der Hauptteil, das östliche Hügelland als westlicher Ausläufer eines Gebirgsblocks, gehört geomorphologisch zum rechtsrheinischen Schiefergebirge. - von den Geologen zusammen mit dem Sauerland als Südergebirge bezeichnet“ -, dem jedoch zum Rhein hin die ausgedehnte Ebene der Niederrheinischen Bucht vorgelagert ist. Der Name geht zurück auf die hier im 12./13. Jahrhundert als Territorialherren auftretenden Grafen von Berg. Diese hatten ihren Stammsitz zunächst, offenbar seit der Mitte des 11. Jahrhunderts, auf der alten Burg Berge an der Dhünn, dem heutigen Altenberg, ehe sie im 12. Jahrhundert ihren Hauptsitz in den zu diesem Zeitpunkt geographischen Mittelpunkt ihrer Grafschaft, auf die Burg an der Wupper, verlegten. In einer Urkunde Kaiser Heinrichs IV. von 1101 wird Adolf I., der als Begründer der Grafschaft Berg gilt, erstmals als Graf bestätigt. Seit diesem Zeitpunkt erscheint er in vielen urkundlichen Zeugenlisten mit dem Geschlechternamen von Berg bzw. in der lateinischen Form de monte.

Da der Name Bergisches Land für die bergischen Höhen jenseits des Rheins zwischen der Ruhr im Norden, der rheinisch-westfälischen Grenze im Osten und der Sieg im Süden heute jedoch allgemein üblich ist, verwende ich diese Bezeichnung zur leichteren Orientierung in meiner Arbeit durchgängig, also auch für die älteren Zeiten, für die dieser Name genau genommen keine Berechtigung hat. Der hier interessierende engere Siedlungsraum zwischen der Dhünn im Norden und der Agger, dem rechten Zufluss der Sieg, im Süden, in dem Paffrath liegt, gehörte zum Kerngebiet der Grafschaft.

Während sich meine Betrachtungen für die frühe Zeit zunächst auf das gesamte Bergische Land beziehen, wird in ottonischer Zeit eine Begrenzung auf den rechtsrheinisch von Köln gelegenen Königsforst möglich. Erst mit der Aufteilung dieses Forstes - entsprechende Urkunden verweisen auf das 11. Jahrhundert - können sich meine Untersuchungen auf den Teil zwischen der Dhünn im Norden und der Strunde im Süden, den so genannten Dünnwalder Forst, beschränken, um reale Fakten und Hinweise im Hinblick auf die Gründung und die Gründer Paffraths auszumachen oder aber - mangels Spuren -frühe Epochen für die Besiedlung mit einiger Sicherheit ausschließen zu können.

Zusammenfassung:

Eine dauerhafte Besiedlung im Paffrather Raum dürfte bis in die karolingische Zeit auszuschließen sein. Der Grund und Boden, auf dem Paffrath liegt, war bis in die ottonische Zeit königlicher Bannwald und muß unter Otto dem Großen seinem Bruder Brun, Erzbischof von Köln und Herzog von Lothringen, in der Zeit zwischen 953 und 965 übertragen worden sein. Eine Zuordnung der Besitzrechte im Dünnwalder Forst legt die Wahrscheinlichkeit nahe, daß die erste Rodung in Paffrath zwischen 1118 und 1151 liegen dürfte. Neben dem agrarisch orientierten Charakter der Grundherrschaft des Domkapitels stand offensichtlich auch eine gewerbliche Nutzung im Blickpunkt der Gründer.

Um dem Namen Paffrath, ”von Pfaffen gerodet”, zu entsprechen, kommen für die erste Rodung aus den Reihen der Kanoniker des Domkapitels lediglich die Armenbrüder der St. Margarethenbruderschaft in Frage.

Als Fazit meiner Untersuchung über das Domkapitel und die Aktivitäten Erzbischof Arnold von Wieds läßt sich der Gründungsrahmen noch weiter verengen und die These aufstellen, daß das Kirchdorf Paffrath offenbar als domkapitularische Grundherrschaft mit der Herrenburg, den ersten Lehnhöfen und der Kirche in der Zeit zwischen 1150 und 1153 entstanden ist.

Inhaltsverzeichnis:

Einstieg 6
A. Einleitung 11
1. Fragestellung und Festlegung des Untersuchungsgebiets 11
2. Ausgangslage und Umriss der Untersuchungsbereiche 13
3. Quellen und Literatur 14
B. Die Urkunde von 1160 20
1. Transkription der Urkunde von 1160 21
2. Beschreibung der Urkunde 22
3. Analyse der Urkunde 24
C. Geologische und vegetationsgeschichtliche Voraussetzungen im Bergischen Land 30
D. Vorgeschichte 35
1. Zeugnisse aus prähistorischer Zeit 35
2. Das Bergische Land in römischer Zeit 40
3. Besitzverhältnisse und Besiedlung im Bergischen Land während des 5. bis frühen 10. Jahrhunderts 43
3.1 Kolonisation und Grundbesitz während der Herrschaft der Merowinger (6.-8. Jahrhundert) 45
3.2 Der Aufbau des Reiches und die wirtschaftlichen Strukturen unter Karl dem Großen (8./9. Jahrhundert) 54
3.2.1 Die kirchlichen Grundherrschaften 59
3.2.2 Die Anfänge des Kölner Domstifts 61
3.3 Die Zugehörigkeit des Bergischen Landes in der späten fränkischen Zeit 63
3.4 Zusammenfassung 68
4. Die Reichskirche und die Belehnung von Amt und Grundbesitz durch die liudolfingischen Herrscher (10. Bis Anfang 11. Jahrhundert) 70
5. Der Pfalzgraf in Lothringen und die Banngewalt des Kölner Erzbischofs im 10./11. Jahrhundert 78
6. Das Bergische Land unter der Vogteigewalt der Grafen von Berg im 12./13. Jahrhundert 83
6.1 Anfänge und Aufstieg der Grafen von Berg im Bergischen Land 83
6.2 Der Kölner Erzbischof und die steigende Macht des Grafen von Berg 87
E. Gründungszeit 94
1. Der Königsforst als Grundbesitz der Kölner Kirche - seine Aufteilung und Erschließung 94
2. Paffrath und die Rodegenehmigung für den Dünnwalder Forst 105
3. Der Ursprung des niederen Adels und der ministeriale Rittersitz Haus Blegge in Paffrath 116
F. Träger der Rodung in Paffrath 122
1. Das Kölner Domkapitel als möglicher Gründer Paffraths 122
1.1 Die Rechtslage des kirchlichen Grundbesitzes 122
1.2 Entwicklung und Funktion des Kölner Domkapitels 129
2. Gründungszeitpunkt und Gründer der Paffrather Kirche 140
2.1 Baugeschichtliche Einordnung 143
2.2 Das Patrozinium als Anhaltspunkt für den Zeitpunkt der Kirchengründung 145
2.3 Arnold von Wied als möglicher Stifter der St. Clemenskirche in Paffrath 154
G. Rückschlüsse auf die Gründungszeit und die soziale Struktur Paffraths 158
1. Siedlungsgeschichtliche Ergebnisse und Analogieschlüsse zu anderen Orten zwischen Dhünn und Agger 158
2. Rückschlüsse auf die ursprüngliche Struktur Paffraths 167
2.1 Versuch einer Gebietszuordnung zum ursprünglichen Ort Paffrath 168
2.2 Die wirtschaftliche und soziale Struktur der Paffrather Grundherrschaft 184
2.2.1 Der Herrenhof und die Kirche der Paffrather Grundherrschaft 186
2.2.2 Die Paffrather familia und ihre Verwaltung 192
2.2.3 Die Urhöfe Paffraths 199
2.2.4 Hofrecht und Hofgericht der Paffrather Grundherrschaft 202
2.2.5 Vergleich der Paffrather mit der karolingischen Grundherrschaft 205
2.3 Rückschlüsse aus den Paffrather Flurformen 207
2.4 Rückschlüsse auf die Intention der Grundherren 213
H. Zusammenfassung 220
1. Siedlungsmöglichkeit im Paffrather Raum in prähistorischer und römischer Zeit (bis 5. Jahrhundert) 220
2. Möglichkeit der Besiedlung in merowingischer und karolingischer Zeit (5. bis Anfang 10. Jahrhundert) 221
3. Der Königsforst im Besitz der Kölner Kirche seit der ottonischen Zeit (10. Jahrhundert) 223
4. Die domkapitularischen Matrikulare der Armenbruderschaft vonSt. Margaretha als mögliche Gründer Paffraths 226
5. Kirchenbaugeschichtliche Untersuchungen und das Patronat des heiligen Clemens in Paffrath 227
6. Fazit meiner Untersuchung 229
7. Die Einordnung von Paffrath in den hochmittelalterlichen Landesausbau 231
J. Anhang 234
2. Bibliographie 234
2.1 Quellen 234
2.2 Literatur 237
2.3 Abbildungsnachweis 249

Arbeit zitieren:
Flock, Inge Oktober 2000: Auf der Suche nach den Wurzeln des alten Kirchdorfes Paffrath, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gründung, Vorgeschichte, historische Zusammenhänge, Grundherrschaft, naturräumliche Bedingungen

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