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Subventionierung der öffentlichen Bühnen?

Aufgabe, Rechtsform und Finanzierung der deutschen Theater in Zeiten verschärfter ökonomischer Sachzwänge

Subventionierung der öffentlichen Bühnen?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Simon Herrmann
  • Abgabedatum: August 2002
  • Umfang: 86 Seiten
  • Dateigröße: 887,4 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6432-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6432-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6432-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Herrmann, Simon August 2002: Subventionierung der öffentlichen Bühnen?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Theatermanagement, Kulturförderung, Kulturökonomie, Theaterreform, Cultural Economics

Diplomarbeit von Simon Herrmann

Gang der Untersuchung:

Kein anderes Land leistet sich mehr Opernhäuser und gibt mehr für öffentliche Theater aus als Deutschland. Dieser kulturelle Reichtum gerät zusehends unter Druck. Sinkende Einnahmen stehen steigenden Ausgaben gegenüber. Während der letzten 35 Jahre sank die Nachfrage nach darstellender Kunst an öffentlichen Bühnen um ca. 23%. Dagegen explodierten die Betriebskosten. Heute liegen die durchschnittlichen Betriebskosten von 30,8 Mio DM pro Theater und Jahr, im Vergleich zu 1961, mehr als zehnmal so hoch. Angesichts der Existenzgefährdung werden in den Theatern und Kulturinstitutionen Auswege aus der „finanziellen“ Krise gesucht.

Die vorliegende Untersuchung wendet ökonomische Verhaltensmodelle auf den Bereich der darstellenden Künste und insbesondere die öffentlichen Bühnen an. Die Frage Subventionierung der öffentlichen Bühnen? soll keinen Kahlschlag der Theaterlandschaft heraufbeschwören, sondern Anstoß sein, Strukturen der Bühnenlandschaft zu analysieren und Wege für Theatermanager und Kulturpolitiker aufzuzeigen, die die Finanzierung einer vitalen Bühnenkunst ermöglichen. Die Arbeit stellt sich dieser Problematik in vier Kapiteln.

Kapitel I der Arbeit untersucht den Status Quo der deutschen Bühnen und fragt nach den zu erwartenden Entwicklungen in naher Zukunft. Dabei die Entwicklung der Besucherzahlen, Platzauslastung, Aufführungen, Einspielergebnissen, ect. analysiert. Es zeigt sich, dass bei heutiger Subventionspraxis der Anteil der öffentlichen Gelder stetig steigen wird. Diese Entwicklung erklärt sich vor allem aus der Unfähigkeit der darstellenden Künste mit dem Produktivitätswachstum der übrigen Wirtschaft Schritt zu halten. Die fehlenden technologischen Innovationen, bei gleichzeitig steigenden Löhnen für die Beschäftigten am Theater, lassen die Lohnstückkosten unaufhaltsam steigen. Empirisch wird überprüft, ob die „Baumolsche Kostenkrankheit” auch die deutschen Bühnen erfasst hat.

Kapitel II zeigt auf, welche Bedeutung die Rechtsform bzw. Organisationsform (öffentlich, gewinnwirtschaftlich, ko-operativ oder gemeinnützig) für die Theater besitzt, warum Theater eine bestimmte Organisationsform wählen und wann ein Wechsel der Organisationsform nötig wird.

Kapitel III beschäftigen sich mit der Verzahnung von Organisationsform des Theaters und seinen Einnahmequellen. Dabei zeigt sich, dass die Organisationsform einen entscheidenden Einfluss auf die Finanzierungsmöglichkeiten besitzt. Während den privatwirtschaftlichen Theatern prinzipiell nur Erlöse aus dem Kartenverkauf (inklusive Preisdiskriminierung) zur Verfügung stehen, erhalten die öffentlichen Häuser auch und vor allem Geld aus der Staatskasse. Freiwilliger Arbeitsinput sowie private Spenden als Einnahmequelle sind dagegen den ko-operativen und gemeinnützigen Häusern vorbehalten. Jede Organisationsform bietet auf bestimmten Märkten komparative Vorteile.

In Kapitel IV werden die einzelnen Subventionsmodelle untersucht. Subventionen sind geeignet Menge, Eintrittspreise, eingesetzte Technologien, Qualität der Darbietung, Organisationsstruktur und Faktorentlohnung zu beeinflussen. Prinzipiell können Subventionen als Produzentensubvention oder als Konsumentensubvention gewährt werden. Sowohl die Pauschalsubvention, die Kartensubventionen, als auch die Defizitdeckung sind Produzentensubventionen.Weist der Staat dem Konsumenten Gutscheine (Voucher) für den Theaterbesuch zu oder subventioniert er dessen Spenden (Matching Grants) an das Theater, handelt es sich um eine Konsumentensubvention. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei die Frage, wie die Subvention auf Besucherzahl, Qualität und Häufigkeit der Aufführung wirkt, sowie geeignet ist, bestimmte Ziele der Kulturförderung wie Verbreitung, Meritorisierung und Internalisierung externer Effekte zu erreichen. Alle Subventionen werden anhand von Modellen beschrieben und untersucht.

In Kapitel VI werden die Ergebnisse beurteilt. Die Untersuchung zeigt, dass das Theatermanagement bei weitem nicht alle Möglichkeiten ausschöpft, um die Einnahmen vor allem von, jener am meisten begünstigten Gruppe, den Besuchern zu erhalten. Weder die Preisdiskriminierung an der Kasse noch die freiwillige Preisdiskriminierung mittels Fördervereinen, und Freundeskreisen wird konsequent angewandt. Vielmehr verlassen sich die Theater darauf, dass die gängige Subventionspraxis weiter bestehen bleibt. Auch zeigt sich, dass die angewandte Subventionspraxis, die Defizitdeckung, mehr den Interessen der Kulturpolitiker und Kulturschaffenden entspricht, aber nicht sonderlich gut geeignet ist bestimmte Förderungsziele wie Verbreitung, Meritorisierung und Internalisierung externer Effekte zu erreichen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Ökonomische Charakteristika der darstellenden Künste 3
2.1 Charakteristika des Theaterkonsum 3
2.2 Empirische Beschreibung der deutschen Bühnen 6
2.3 Anatomie der darstellenden Künste 8
2.3.1 Baumolsche Kostenkrankheit 9
2.3.2 Empirische Befunde und Kostenkrankheit 11
2.4 Ökonomische Begründung der Kulturförderung 16
2.4.1 Darstellende Kunst und Externe Effekte 16
2.4.2 Umverteilungsaspekte 18
2.4.3 Darstellende Kunst als meritorisches Gut 18
2.4.4 Empirische Beobachtung 19
3. Non-Profit-Organisationen und darstellende Künste 21
3.1 Definition der Non-Profit Organisationen 21
3.2 Erklärungsansätze für das Entstehen von NPO 22
3.2.1 Vertragsversagen 23
3.2.2 Anmerkungen zum Modell 26
3.3 NPO vs staatlicher Bereitstellung 27
4. Organisation und Finanzierung der Bühnen 29
4.1 Gewinnorientierte Bühnen 29
4.2 Kooperative Theater 30
4.3 Nicht gewinnorientierte, private Theater 31
4.3.1 Warum nicht gewinnorientiert? 32
4.3.2 Private Spenden 34
4.3.3 Zusätzliche staatliche Unterstützung 37
4.3.4 Staatlich versus Gemeinnützig 38
5. Wirkung der Subventionen 40
5.1 Überblick der Subventionsarten 40
5.1.1 Produzentensubvention 40
5.1.2 Defizitdeckung 41
5.2 Konsumentensubvention 41
5.2.1 Matching Grants 41
5.2.2 Kulturgutscheine 42
5.3 Das Hansmann Modell 42
5.3.1 Wirkung einer Pauschalsubvention 44
5.3.2 Subvention in Form von Matching Grants 46
5.3.3 Kartensubvention 46
5.3.4 Vergleich der Subventionsarten 47
5.4 Wirkung von Kulturgutscheinen 48
5.5 Subvention und Förderziele 61
5.6 Politisch-wirtschaftliche Interaktion 62
5.6.1 Theoretische Überlegungen zur polit-ökonomischen Interaktion 63
5.6.2 Empirische Ergebnisse 65
6. Abschließende Betrachtung 67
A. Das Subventionsmodell 70
A.1 Das Grundmodell der Non-Profit-Organisation 70
A.2 Pauschalsubvention 74
A.3 Subvention als Matching Grants 76
A.4 Kartensubvention 78
B. Ausgewählte Kennzahlen der Theater 98/99 und 99/00 80
Literaturverzeichnis 81

Automatisiert erstellter Textauszug:

Kein anderes Land leistet sich im Vergleich zu Deutschland mehr Opernhäuser und gibt mehr für öffentliche Theater aus. Dieser kulturelle Reichtum gerät unter Druck. Die finanzielle Lage der öffentlichen Bühnen in Deutschland ist dramatisch und verschärft sich zusehends. Sinkende Einnahmen stehen steigenden Ausgaben gegenüber. Während der letzten 35 Jahre sank die Nachfrage nach darstellender Kunst an öffentlichen Bühnen um ca. 23%. Dagegen explodieren die Betriebskosten. Heute liegen die durchschnittlichen Betriebskosten von 30,8 Mio DM pro Theater und Jahr im Vergleich zu 1961 mehr als zehnmal so hoch. Die, aus sinkenden Einnahmen bei steigenden Ausgaben, entstehende Finanzierungslücke wird von der öffentlichen Hand getragen. Betrug der Zuschuss aus den öffentlichen Haushalten in der Spielzeit 1911/12 lediglich 27% (von den Gesamteinnahmen) sind es 1999/2000 bereits 82%. Durch die anhaltend schwache wirtschaftliche Lage seit der Wiedervereinigung in Deutschland, sind die öffentlichen Mittel knapp, Etatkürzungen im Kultursektor keine Seltenheit und Schließungen nicht mehr undenkbar. Angesichts der Existenzgefährdung werden in den Theatern und Kulturinstitutionen Auswege aus der „finanziellen“ Krise gesucht. Die vorliegende Untersuchung soll ökonomische Verhaltensmodelle auf den Bereich der darstellenden Künste und insbesondere die öffentlichen Bühnen anwenden. Die ökonomische Analyse des Kunst- und Kultursektors wird von Kunstund Kulturschaffenden nicht selten als illegitime Grenzüberschreitung empfunden und als Form des ökonomischen Imperialismus kritisiert. Kunst müsse von allen materiellen Interessen befreit sein, so die Forderung. Aber es ist gerade auch für Kunst- und Kulturschaffende gefährlich zu glauben auf jegliche ökonomische Legitimation von vornherein verzichten zu können. Früher mag es genügt haben, allein künstlerische Ziele als Legitimation vorzubringen, heute reicht das nicht mehr um dem Sparzwang zu entgehen. Die Frage Subventionierung der öffentlichen Bühnen? soll keinen Kahlschlag der Theaterlandschaft heraufbeschwören, sondern Anstoß sein, Strukturen der Bühnenlandschaft zu analysieren und Wege für die Finanzierung einer vitalen Bühnenkunst zu suchen. Die Arbeit stellt sich dieser Problematik in vier Kapiteln. Kapitel I der Arbeit beschreibt den Status Quo der deutschen Bühnen und fragt nach den zu erwartenden Entwicklungen in naher Zukunft. Dabei zeigt sich, dass bei heutiger Subventionspraxis der Anteil der öffentlichen Gelder stetig steigen wird. Diese Entwicklung erklärt sich vor allem aus der Unfähigkeit der darstellenden Künste mit dem Produktivitätswachstum der übrigen Wirtschaft Schritt zu halten. Die fehlenden technologischen Innovationen, bei gleichzeitig steigenden Löhnen für die Beschäftigten am Theater, lassen die Lohnstückkosten unaufhaltsam steigen. Auswege für einen zumindest kostendeckenden Betrieb sind auf der Einnahmenseite, nicht aber auf der Ausgabenseite zu erwarten. Kapitel II und III beschäftigen sich mit der Organisationsform des Theaters und seinen Einnahmequellen. Dabei zeigt sich, dass die Organisationsform (privatwirtschaftlich, ko-operativ, gemeinnützig und öffentlich) einen entscheidenden Ein1 [...]

Der Ausdruck nP bezeichnet einen Dollar Anstieg der Ausgaben für die Kartensubvention, ausgelöst durch einen Anstieg von ρ um eine Einheit. Der erste Term auf der rechten Seite des ersten Gleichheitszeichens gibt jeweils den direkten Effekt eines Anstiegs von nP auf die Höhe der Subvention an; der gleiche Effekt würde durch eine Pauschalsubvention in gleicher Höhe ausgelöst werden. Gleichung (38) zeigt, dass eine Kartensubvention bei Qualitätsmaximierung exakt die selbe Wirkung hat wie eine Pauschalsubvention in gleicher Höhe. Der zweite Term in Gleichung (39) ist, solange die Firma im elastischen Bereich der Nachfrage (nPn /P > −1) arbeitet positiv, und vice versa; was daher rührt, [...]

wobei dq/dL, dn/dL und dS/dL die Effekte auf q, n und S, sind die durch einen Erhöhung der Pauschalsubvention um eine Einheit ausgelöst werden (wie bereits in Gleichung (20), (19) und (18) beschrieben. Der erste Term der Gleichungen (30)-(32) gibt die direkte Subventionssteigerung in $ an, wenn die staatliche Subventionsrate µ um eine Einheit steigt. Dieser Effekt entspricht einer Pauschalsubvention in gleicher Höhe. Der zweite Term der drei Gleichungen beschreibt den Effekt einer gestiegenen Spendenbereitschaft, da wie oben bereits erwähnt Dµ ≡ δ D/δ µ > 0 ist. Der dritte Term in Gleichung (31) und (31) lässt sich mit Hilfe der neuen Spendenfunktion (25) analysieren. Es ergibt sich, dass Dn + (1 + µ)Dn µ = −[δ + (1 + µ)δ ]nPn ] (33) [...]

Arbeit zitieren:
Herrmann, Simon August 2002: Subventionierung der öffentlichen Bühnen?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Theatermanagement, Kulturförderung, Kulturökonomie, Theaterreform, Cultural Economics

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