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Eigenschaften nitrierter/nitrocarburierter Bauteile und deren Beeinflussung durch Prozessführung

Eigenschaften nitrierter/nitrocarburierter Bauteile und deren Beeinflussung durch Prozessführung
Über dieses Buch
  • Art: Studienarbeit
  • Autor: Detlef Armin Kube
  • Abgabedatum: Dezember 2001
  • Umfang: 174 Seiten
  • Dateigröße: 2,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7436-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kube, Detlef Armin Dezember 2001: Eigenschaften nitrierter/nitrocarburierter Bauteile und deren Beeinflussung durch Prozessführung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Randschichtmorphologie, Randschicht, Ermüdungsverfahren, Austenit, Härteverteilung

Studienarbeit von Detlef Armin Kube

Einleitung:

Es gibt verschiedene Verfahren zum Härten oberflächennaher Schichten. Eingeteilt werden können die Verfahren in die zwei Hauptgruppen:

Randschichthärten:

Verfahren ohne Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Randschicht.

Thermochemische Diffusions-Behandlungsverfahren mit Änderung der chemischen Zusammensetzung der Randschicht.

Die Verfahren Nitrieren und Nitrocarburieren werden der zweiten Hauptgruppe, d.h. mit Änderungen in der chemischen Zusammensetzung der Randschicht, zugeordnet. An beide Verfahren schließt sich normalerweise keine weitere Wärmebehandlung an.

Nitrieren:

Nitrieren ist nach DIN 17014 das thermochemische Behandeln zum Anreichern der Randschicht eines Werkstückes mit Stickstoff.

Merkel definiert das Nitrieren als chemisch-thermische Behandlung zur Diffusionssättigung der Oberflächenschicht des Stahls mit Stickstoff beim Erwärmen im entsprechenden Medium.

Eine Definition der Nitrierbarkeit formuliert Spies: „Nitrierbarkeit ist das Ansprechen eines Eisenwerkstoffes auf das Nitrieren, gekennzeichnet durch die Veränderung des stofflichen und strukturellen Aufbaus der Randschicht in Abhängigkeit von den Nitrierbedingungen“.

Eine alleinige Anreicherung mit Stickstoff während des Nitriervorgangs kann nur im Plasma oder Gas erfolgen. Im Salzbad oder Pulver findet immer auch eine Kohlenstoffanreicherung statt. Es wird demnach ein Nitrocarburiervorgang durchgeführt.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Temperaturbereiche beim Nitrieren/Nitrocarburieren, nämlich ober- und unterhalb der Umwandlungstemperatur AC1. Oberhalb der Temperatur AC1 findet in der Randschicht eine Ferrit-Austenit-Umwandlung statt. Dieser Vorgang wird austenitisches Nitrieren/Nitrocarburieren genannt. Unterhalb AC1 findet dementsprechend ferritisches Nitrieren/Nitrocarburieren statt.

Für den Ablauf der Diffusion während der Behandlungsdauer muss die Konzentration im Spendermittel (Gas, Salzschmelzen oder Pulver) höher sein als im Bauteil und ein bestimmter Temperatur-Zeit-Verlauf eingehalten werden.

Die Diffusion ist ein temperaturabhängiger Vorgang ist. Niedrige Nitriertemperaturen führen zu längeren Behandlungsdauern, wenn die gleiche Nitriertiefe erreicht werden soll.

Katalysatoren beschleunigen die Nitrierdauer. Es kann beim Salzbadnitrieren z.B. ein über dem Glühgut platziertes aus Kupfer bestehendes Netz eingesetzt werden.

Gaszusätze wie z.B. Stickoxyd oder organische, stickstoffhaltige Dämpfe haben eine verkürzte Behandlungsdauer beim Gasnitriervorgang zur Folge.

Die Nitrierdauern beim Salzbadnitrieren sind kürzer als beim Gasnitrieren, weil das Aufheizen im Salzbad wesentlich schneller erfolgt als das Erwärmen in der Gasatmosphäre. Ein weiterer Vorteil des Salzbadnitrierens ist das relativ einfache Wechseln der Werkstücke.

Während Lüpfert noch davon ausgeht, dass nur legierte Stähle nitriert werden können, werden heute neben Nitrierstählen nach DIN 17211 auch Einsatz-, Vergütungs- und Werkzeugstähle, unlegierte Stähle sowie Eisen-Gusswerkstoffe nitriert.

Bei Warmarbeitsstählen ist Nitrieren das am häufigsten eingesetzte Oberflächenbehandlungsverfahren. Eine mehrmalige Nachnitrierung ist möglich.

Eine Vorbehandlung der zu nitrierenden Teile besteht i.a. aus Vergüten (zur Erzeugung einer Stützwirkung für die einzelnen Schichten) und das Spannungsarmglühen für Verzugsfreiheit und Reinigung.

Ein besonderes Badnitrierverfahren ist das Tenifer-Verfahren. Dabei wird unter Belüftung im Salzbad nitriert. Es bedingt 580 °C in Alkalicyanat- sowie Alkalicarbonat-Salzschmelzen.

Durch Sauerstoffzufuhr wird die Stickstoffaufnahme des Werkstücks verbessert, d.h. die Oberflächenaktivität steigt. Die Nitrierdauern reduzieren sich erheblich.

Die Abkühlung von der Nitriertemperatur kann in Wasser, in Öl, im Salzbad, an Luft oder temperaturgesteuert im Ofen erfolgen.

Bei legierten Stählen reicht Luftabkühlung für die maximale Härte. Ein Abkühlsalzbad ist einzuordnen zwischen Wasser- und Luftabkühlung. Es bewirkt eine Oxidation der Werkstückoberfläche. Dadurch wird der Korrosionswiderstand verbessert.

Während des Abkühlens im Salzbad werden restliche am Werkstück haftende Cyanide und Cyanate in Carbonat umgesetzt.

Die Umsetzung in Carbonat ist stark zeit- und temperaturabhängig. Betriebstemperaturen um 300°C sind üblich.

Durch eine oxidierende Nachbehandlung lassen sich die Korrosionsbeständigkeit, die Verschleißfestigkeit und die Zeitfestigkeit zusätzlich verbessern.

Die Entgiftungsproblematik bei Abwässern und Salzrückständen ist stets zu berücksichtigen.

Nitrocarburieren:

Nitrocarburieren bezeichnet das Verfahren, bei dem eine Anreicherung der Randschicht mit Stickstoff und Kohlenstoff erfolgt. Es entstehen zusätzlich zu den Nitriden auch Carbonitride durch den in der Randschicht aufgenommenen Kohlenstoff.

Durch Kohlenstoffzugabe zum Spendermedium werden nicht nur die Prozesse beschleunigt, sondern auch die Bildung der Epsilon-Fe2-3(CxNx)-Carbonitridphase verstärkt. Diese führen zur Steigerung der Verschleiß- und Korrosionsschutzeigenschaften.

Einen weiteren Aspekt der Kohlenstoffaufnahme nennt Burger. Danach findet eine Aufkohlung der Verbindungsschicht häufig durch den Kohlenstoffgehalt der Diffusionsschicht bzw. des Grundwerkstoffes statt, weniger durch Kohlenstoffaufnahme aus dem Spendermedium.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Nitrieren 1
1.2 Nitrocarburieren 5
2. Randschichtmorphologie 6
2.1 Verfahrensabläufe und allgemeine Einflußfaktoren 8
2.1.1 Stickstoffdiffusion 8
2.1.2 Auf- und Entkohlung 9
2.1.3 Zustandsdiagramme und Dreistoffsysteme 12
2.1.4 Legierungselemente 15
2.1.5 Abkühl- und Auslagerungsbedingungen, Nachbehandlung 16
2.2 Verbindungsschicht 17
2.2.1 Umgebungsatmosphäre 17
2.2.2 Schichtdicke und -wachstum 18
2.2.2.1 Behandlungsdauer und -temperatur 19
2.2.2.2 Umgebungsatmosphäre 22
2.2.2.3 Nitrierkennzahl 25
2.2.2.4 Legierungselemente 27
2.2.3 Porensaum 27
2.2.3.1 Porenbildung 27
2.2.3.2 Nitrieratmosphäre 28
2.2.3.3 Nitrierkennzahl 29
2.2.3.4 Legierungselemente 29
2.2.3.5 Phasenzusammensetzung 30
2.2.4 Abkühl- und Auslagerungsbedingungen 30
2.3 Die Diffusionsschicht 31
2.3.1 Schichtdicke und -wachstum 31
2.3.1.1 Legierungselemente 31
2.3.2 Abkühl- und Auslagerungsbedingungen 31
3. Randschichtcharakterisierung 35
3.1 Elementverteilung 35
3.1.1 Glimmentladungsspektroskopie (GDOS-Analyse) 35
3.1.1.1 Chemische Elemente 35
3.2 Phasenverteilung 39
3.2.1 Röntgenographische Phasenanalyse (Röntgenbeugungsdiagramme) 39
3.2.2 Phasenkonzentrationsbestimmung 41
3.3 Eigenspannungsverteilung 42
3.3.1 Makrospannungen 42
3.3.2 Einflußfaktoren 44
3.3.2.1 Behandlungsdauer und -temperatur 44
3.3.2.2 Abkühlbedingungen 44
3.3.2.3 Legierungselemente 45
3.3.2.4 Werkstoffausgangszustand 46
3.3.2.5 Nitrierkennzahl 46
3.3.3 Eigenspannungsverläufe 47
3.3.3.1 Röntgenographische Eigenspannungsanalysen 48
3.4 Härteverteilung 50
3.4.1 Oberflächenhärte 50
3.4.1.1 Werkstoffzusammensetzung 51
3.4.1.2 Ausgangswerkstoffzustand 53
3.4.1.3 Behandlungsdauer und - temperatur 54
3.4.1.4 Abkühl-, Auslagerungsbedingungen und Nachbehandlung 56
3.4.1.5 Phasenverteilung 58
3.4.1.6 Mikro- und Makrospannungen 58
3.4.2 Nitrierhärtetiefe 59
3.4.2.1 Kohlenstoffgehalt 60
3.4.2.2 Legierungselemente 60
3.4.2.3 Nitrierkennzahl 62
3.4.3 Randschicht-Härteverlauf 62
3.4.3.1 Behandlungsdauer und -temperatur 62
3.4.3.2 Legierungselemente 63
3.4.3.3 Abkühlbedingungen 64
3.4.3.4 Ausgangswerkstoffzustand 65
3.4.3.5 Dynamische Umlaufbiegebeanspruchung 65
3.4.3.6 Globularer Grauguss - GGG 66
3.5 Maß- und Formänderungen 67
3.5.1 Oberflächenrauheit 67
3.5.2 Volumenveränderung 67
4. Eigenschaften nitrierter/nitrocarburierter Werkstücke 69
4.1 Die Zähigkeit 69
4.1.1 Wechselwirkungen 69
4.1.1.1 Härte 69
4.1.1.2 Festigkeit 70
4.1.2 Zähigkeitskennwerte 70
4.1.2.1 Kerbschlagzähigkeit 70
4.1.3 Ausgangswerkstoffzustand 72
4.1.4 Legierungselemente 72
4.1.5 Abkühlbedingungen 72
4.1.6 Auslagerungsbedingungen 73
4.1.7 Kohlenstoffangebot 73
4.1.8 Verbindungsschichtmorphologie 74
4.2 Das Verschleißverhalten 75
4.2.1 Gleitverschleiß 76
4.2.1.1 Adhäsion 76
4.2.1.2 Tribooxidation 78
4.2.1.3 Abrasion 78
4.2.1.4 Wälzverschleiß / Oberflächenzerrüttung 79
4.2.2 Mischreibung 79
4.2.3 mechanischer Abrieb 79
4.2.3.1 Umgebungsatmosphäre 80
4.2.3.2 Phasenbestandteile 81
4.2.3.3 Elementgehalt 82
4.2.4 Temperaturabhängigkeit 83
4.2.5 Flächenpressung 83
4.2.6 Porensaum 84
4.2.7 Abkühlbedingungen / Nitrierkennzahl 84
4.3 Das Ermüdungsverhalten 84
4.3.1 Dauerfestigkeit 85
4.3.1.1 Konzept der örtlichen Dauerfestigkeit 85
4.3.1.2 Schichtdicke und Phasenzusammensetzung 86
4.3.1.3 Probengeometrie 86
4.3.1.4 Ausgangswerkstoffzustand 86
4.3.1.5 Legierungselemente 87
4.3.1.6 Abkühl- und Nachbehandlungsbedingungen 87
4.3.2 Statisches Festigkeitsverhalten 89
4.3.2.1 Biegefestigkeit 89
4.3.2.2 Zugfestigkeit 89
4.3.2.3 Torsionsfestigkeit 92
4.3.3 Dynamisches Festigkeitsverhalten (Schwingfestigkeitsuntersuchungen) 92
4.3.3.1 Spannungsverlauf und -relaxation 92
4.3.3.2 Schwingfestigkeit 94
4.3.3.3 Dauerschwingfestigkeit 95
4.3.3.4 Biegewechselfestigkeit 99
4.3.3.5 Torsionswechselfestigkeit 101
4.3.3.6 Umlaufbiegewechselfestigkeit 101
4.3.4 Bruchflächen - Anrissorte 105
4.3.4.1 Anrissbildung 106
4.3.4.2 Verbindungsschichtaufbau und -entfernung 108
4.3.4.3 Abkühl- und Nachbehandlungsbedingungen 108
4.3.4.4 Dauerfestigkeit, Lastspannung und Anrissortverlagerung 109
4.4 Das Formänderungsverhalten 111
4.4.1 Ausgangswerkstoffzustand 111
4.4.2 Auslagerung 111
4.5 Das Korrosionsverhalten 112
4.5.1 Ebenmäßige Korrosion 112
4.5.1.1 Behandlungstemperaturen, -dauer 112
4.5.1.2 Legierungselemente 112
4.5.1.3 Phasenzusammensetzung 113
4.5.1.4 Nachbehandlung 114
4.5.2 Lochkorrosion 114
4.5.2.1 Strom-Dichte-Potentialkurven 115
4.5.2.2 Phasenzusammensetzung 116
4.5.2.2.1 Pilling-Bedworth-Regel 118
4.5.2.3 Nachbehandlung 119
4.6 Das Korrosionsermüdungsverhalten 120
4.6.1 Bruchflächen - Anrissorte 120
4.6.2 Potentialmessungen 122
4.6.3 Statisches Festigkeitsverhalten 122
4.6.3.1 Torsionsfestigkeit 122
4.6.4 Dynamisches Festigkeitsverhalten 123
4.6.4.1 Zugschwellfestigkeit 123
4.6.4.2 Schwingfestigkeit 123
4.6.4.3 Biegewechselfestigkeit 126
4.6.4.4 Umlaufbiegewechselfestigkeit 126
4.6.5 Zusammenfassung der Übergangs- und Zeitfestigkeitsgebiete 127
4.6.6 Nachoxidation 128
5. Austenitisches Nitrieren/Nitrocarburieren 129
5.1 Zwischenschichtbildung 130
5.1.1 Behandlungsdauer, -temperatur 133
5.1.2 Nitrierkennzahl 134
5.2 Elementverteilung 134
5.3 Nachbehandlung 135
5.3.1 Abkühlbedingungen 135
5.3.2 Auslagerungsbedingungen 136
5.3.3 Oxidationsbehandlung 136
5.4 Eigenschaften austenitisch nitrierter/nitrocarburierter Werkstoffe 137
5.4.1 Härte 137
5.4.2 Porensaum 141
5.5 Verschleißverhalten 141
5.5.1 Behandlungstemperatur, -dauer 141
5.6 Das Ermüdungsverhalten 142
5.6.1 Dauerfestigkeit 142
5.6.2 Zeitfestigkeit 142
5.6.3 Umlaufbiegefestigkeit 143
5.6.4 Abkühl- und Nachbehandlungsbedingungen 144
5.7 Das Korrosionsverhalten 144
5.7.1 Phasenverteilung 145
5.7.2 Porensaum 145
5.7.3 Nachbehandlung 145
5.8 Kerbschlagzähigkeit 146
6. Verfahrenskombination austenitisches und ferritisches Nitrieren/Nitrocarburieren - zweistufige Behandlung 147
7. Literaturverzeichnis 148
8. Abbildungsverzeichnis 164

Arbeit zitieren:
Kube, Detlef Armin Dezember 2001: Eigenschaften nitrierter/nitrocarburierter Bauteile und deren Beeinflussung durch Prozessführung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Randschichtmorphologie, Randschicht, Ermüdungsverfahren, Austenit, Härteverteilung

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