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Egon Ranshofen-Wertheimer

Chronologie eines bewegten Lebens

Egon Ranshofen-Wertheimer
Über dieses Buch
  • Art: Studienarbeit
  • Autor: Tamara Rachbauer
  • Abgabedatum: Juni 2008
  • Umfang: 50 Seiten
  • Dateigröße: 2,8 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Mediadesign Hochschule für Design und Informatik Deutschland
  • Bibliografie: ca. 44
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2567-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rachbauer, Tamara Juni 2008: Egon Ranshofen-Wertheimer, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ranshofen-Wertheimer, Egon Wertheimer, Räterepublik, Ranshofen, Biografie

Studienarbeit von Tamara Rachbauer

Zusammenfassung:

In der vorliegenden Seminararbeit werden das Leben und das politische Wirken von Dr. Egon Ranshofen-Wertheimer, einen in Österreich fast gänzlich in Vergessenheit geratenen Diplomaten, Journalisten, Rechts- und Staatswissenschaftler, dokumentiert.

Das Kapitel 2 beginnt mit einem kleinen historischen Exkurs, der sich mit der Ansiedlung der Familie Wertheimer im Innviertel auseinander setzt und umfasst den Zeitraum vom Kauf des Landgutes Ranshofen 1851 bis zur Beisetzung Julius Wertheimers im Jahr 1917.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Kindheit Egon Wertheimers auf dem Landgut Ranshofen, seiner Schulzeit und seinen ersten schriftstellerischen Aktivitäten.

Im Kapitel 4 wird Egon Wertheimers Studienzeit, seine Wandlung vom patriotischen Kriegsfreiwilligen zum überzeugten Kriegsgegner und seine Beteiligung an der „Münchner Revolution“ erläutert.

Die Salzburger Künstlervereinigung „Der Wassermann“, die freundschaftliche Beziehung Egon Wertheimers zu mehreren Mitgliedern aus diesem Künstlerkreis und die Eheschließung mit seiner ersten Frau Mathilde Junger werden im 5. Kapitel beschrieben.

Das 6. Kapitel behandelt Egon Wertheimers Beziehung zur sozialistischen Studentengruppe um Carlo Mierendorff und seinen Studiumsabschluss in Heidelberg mit anschließender Promotion. Seine Tätigkeit als Korrespondent, Redakteur und Buchautor in den 20iger Jahren bilden den Abschluss dieses Kapitels.

Neben Egon Ranshofen-Wertheimers beruflicher Tätigkeit im Völkerbundsekretariat, die aufgrund der weltpolitischen Lage nicht immer unproblematisch verlief, werden im 7. Kapitel auch die Vorbereitungen seiner Emigration und die damit verbundenen Schwierigkeiten erläutert.

Kapitel 8 beschreibt Wertheimers Jahre im amerikanischen Exil und seinen beispiellosen Aufstieg vom Universitätsprofessor zum damals einzigen Österreicher im Hauptquartier der Vereinten Nationen.

Die Rückkehr Wertheimers nach Österreich und sein unerwarteter Tod Ende 1957 werden im vorletzten 9. Kapitel beschrieben.

Mit einer Schlussbemerkung wird diese Seminararbeit im Kapitel 10 beendet.

Inhaltsverzeichnis:

1. ZUSAMMENFASSUNG 6
2. DAS LANDGUT RANSHOFEN UND DIE FAMILIE WERTHEIMER 7
2.1 FERDINAND WERTHEIMER 8
2.2 PHILIPP UND JULIUS WERTHEIMER 10
3. UNBESCHWERTE KINDHEIT UND JUGENDZEIT 12
4. STUDIENZEIT, KRIEGSDIENST UND REVOLUTIONÄRE AUFBRUCHSTIMMUNG 15
4.1 STUDENT AUF WANDERSCHAFT UND KRIEGSFREIWILLIGER 15
4.2 ÜBERZEUGTER KRIEGSGEGNER UND REVOLUTIONÄRER HOCHSCHULRAT 16
5. KÜNSTLERKREIS, FREUNDSCHAFTEN UND EHESCHLIEßUNG 17
6. STUDENTISCHER ZIRKEL, PROMOTION UND JOURNALISTISCHE AKTIVITÄTEN 20
6.1 HEIDELBERGER STUDIENZEIT UND „MAGNA CUM LAUDE“ 20
6.2 KORRESPONDENT UND BUCHAUTOR 23
7. VÖLKERBUND UND FLUCHT INS EXIL 26
8. UNIVERSITÄT WASHINGTON D.C. UND DIE VEREINTEN NATIONEN 32
9. ELDER STATESMEN UND LETZTE HEIMKEHR 40
10. SCHLUSSBEMERKUNG 45
11. LITERATURVERZEICHNIS 47
12. ABBILDUNGSVERZEICHNIS 50

Textprobe:

Kapitel 4.2, Student auf Wanderschaft und Kriegsfreiwilliger: Egon Wertheimer schrieb sich zunächst in der Philosophischen Fakultät für das Wintersemester 1912/13 an der Universität Wien ein. Danach belegte er im Sommersemester 1913 den Studiengang „Phil. I Germanistik“ an der Universität Zürich und beendete das Semester mit einem Abgangszeugnis am 26. Juli 1913.

Nach diesem kurzen Studienaufenthalt in der Schweiz ging Egon Wertheimer nach Deutschland und belegte hier das Wintersemester 1913/14 im Studiengang Kunstgeschichte an der Universität Berlin. Am 4. Mai 1914 immatrikulierte er zwar noch an der Universität München, wurde aber, wie viele andere Jugendliche, von der patriotischen Begeisterung angesteckt und trat laut „Landsturmmusterungsschein des Landwehr-Ergänzungsbezirkskommandos Salzburg“ am 13. Oktober 1914 als einjähriger Kriegsfreiwilliger ins Heer ein.

Durch zahlreiche Unterlagen aus den Beständen des österreichischen Kriegsarchivs lässt sich seine Militärlaufbahn sehr gut dokumentieren.

Egon Wertheimer war nach militärärztlicher Untersuchung für „diensttauglich“ befunden und nach kurzer Grundausbildung als Kanonier am 26. Oktober 1914 der Ersatzbatterie des K.u.K. Feldkanonenregiments 41 zugewiesen worden. Am 10. Juni 1915 wurde er zum Zugsführer befördert und kurze Zeit später zur 7. Marschkompanie des K.u.K. Festungsartillerieregiments Nr. 4 abkommandiert. Anfang November 1915 wurde Wertheimer zum Kadetten in der Reserve ernannt, und gut acht Monate später am 10. Juli 1916 erfolgte dann seine Ernennung zum Fähnrich in der Reserve.

Egon Wertheimer unterbrach vom 15. bis 30. Juli 1916 seinen Frontdienst, um in Wien eine „Ballonbeobachterausbildung“ zu absolvieren. Kurz darauf, am 1. August 1916, wurde er in den Rang eines Leutnants in der Reserve erhoben und am 21. Oktober desselben Jahres zur Ballonabteilung Nr. 22 der K.u.K. Luftfahrttruppen nach Russland abkommandiert. Für sein tapferes und kaltblütiges Verhalten im Fronteinsatz erhielt er unter anderem die silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse und das Militärverdienstkreuz 3. Klasse.

Im Offiziersbelohnungsantrag vom 11. September 1917 des österreichischen Kriegsarchivs ist folgendes eingetragen: „Tapferes und kaltblütiges Verhalten als Ballonführer vor dem Feinde!

Hat während des Angriffes eines feindlichen Fliegers auf den Ballon in 800 m Höhe bei Mielniea am 1. September 1917 durch seine besonnene Kaltblütigkeit in den wenigen Sekunden, die nach erfolgtem Angriffe des Fliegers bis zum Absturze des Ballons verstrichen, ermöglicht, daß das Leben des Beobachters und sein eigenes durch rechtzeitigen Absprung mit dem Fallschirm aus dem brennenden Ballon gerettet wurde. Er hat bei 108 Aufstiegen im Fesselballon vor dem Feinde sich als tapferer, besonders erfolgreicher Beobachter bewährt.“ Kapitel 4.2, Überzeugter Kriegsgegner und Revolutionärer Hochschulrat: Am Ende des Jahres 1917, Wertheimer war inzwischen von der Ballonabteilung zur Fliegerkompanie überstellt worden, begann er immer öfter daran zu zweifeln, noch für eine gerechte Sache zu kämpfen. Die unbeschreiblichen Grauen des Krieges, das sinnlose Sterben für ein paar Meter Raumgewinn und die verlogene Durchhaltepropaganda der Militärobrigkeit machten aus dem draufgängerischen Soldaten Wertheimer nach und nach einen überzeugten Kriegsgegner.

In seinem autobiografischen Aufsatz „Nachtwache am Kamin“ wird dieser Sinneswandel deutlich erkennbar. Egon Ranshofen-Wertheimer schreibt über seine Kriegserlebnisse: „Heute fühlst du, dass die Frage nach deiner Pflicht im Leben nicht vom Wunsch diktiert ist, alldem zu entgehen, dem Gewerbe des Tötens, der eigenen Todesgefahr. Du fühlst, dass sie von ungeheurer Bedeutung ist. Du hast begriffen, dass morgen Aufgaben von unfassbarer Größe aufstehen werden, die gelöst werden müssen. Du warst Zeuge, wie Millionen geopfert werden. Wofür? Wozu? Nie war Größeres einer Generation aufgegeben, als der deinen zufallen wird. Soll das Schlachten weitergehen? Sollen die, die nach dir kommen, wieder in den Moloch des Krieges getrieben werden? Eine bessere Welt ist aufzubauen und du – wirst du dabei sein? Wirst du mithelfen? Ist es wichtiger, dass du in dieser späten Stunde des Krieges dich einer Pflicht opferst, die dir sinnlos und inhaltsleer geworden ist? Der kategorische Imperativ? Pflicht steht hier gegen Pflicht. Niemand als du selbst kann die Frage beantworten.“ Im Februar 1918 wurde Wertheimer nach München beurlaubt, wo er traumatisiert durch die Fronterlebnisse, schließlich zusammenbrach und ins Lazarett gebracht wurde. Hier, im Umfeld der Kriegsopfer und Verwundeten, verfasste er ein Manifest gegen den Militarismus, das aber niemals veröffentlicht wurde. Weitere Informationen über seinen Aufenthalt im Lazarett konnten nicht gefunden werden, da laut Bayrischem Hauptstaatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv, das Schriftgut der Bayrischen Lazarette im Zweiten Weltkrieg durch Kriegseinwirkung vernichtet worden war.

Im Herbst 1918 befand sich Egon Wertheimer bei den demonstrierenden Menschen um Kurt Eisner, die am 7. November 1918 in München das Ende der bayrischen Monarchie herbeiführten. Der bayrische König Ludwig III flüchtete aus der Landeshauptstadt, und in der Nacht zum 8. November 1918 wurde nach der ersten konstituierenden Versammlung der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte die bayrische Republik ausgerufen.

Bereits am 8. November 1918 bildete sich eine Revolutionsregierung aus Mitgliedern der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands USPD und der Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutschlands MSPD mit Kurt Eisner als Ministerpräsident. Egon Wertheimer wurde Privatsekretär des neu ernannten, bayrischen Finanzministers, Professor Edgar Jaffe, und war in dieser Eigenschaft mehr als drei Monate ehrenamtlich im Finanzministerium tätig. Die Ermordung Kurt Eisners am 21. Februar 1919 löste in der jungen Republik eine radikalere Phase der Revolution aus.

Nach wochenlangen Wirren und endlosen Diskussionen erfolgte in der Nacht vom 6. auf den 7. April 1919 die offizielle Ausrufung der „Münchner Räterepublik“ mit Ernst Toller und Gustav Landauer in führenden Positionen. Während dieser Räterepublik übernahm ein aus Studenten gebildeter „Revolutionärer Hochschulrat“, dem auch Wertheimer angehörte, die Leitung der Universität München.

In einem Verteidigungsschreiben an das Rektorat der Universität München vom Dezember 1919 berichtet Egon Wertheimer unter anderem über sein Mitwirken im Revolutionären Hochschulrat:

„Träger der Aktion war der Revolutionäre Hochschulrat, für dessen Handlungen ich als Mitglied des Sechser-Rates mitverantwortlich bin. Die Einzeltatsachen sind dem Senat bekannt; im Allgemeinen fällt in diesen Abschnitt der vergebliche Versuch, mit Dozenten und Studenten gemeinsam die Umformung der Hochschule einzuläuten, fällt der schließliche Abbruch der Verhandlungen. Meine Mitwirkung ist durchaus zentral bestimmt und lässt nach gesagtem die Deutung als einmalige Verirrung nicht zu. Als nach dem Sturze Landauers die Führung im Zentralrat an Levien überging, wurde die Hochschulrevolution näher, als es meiner Auffassung von ihrer Aufgabe entsprach, an die politische Sphäre herangetragen. Ich zog die Konsequenzen und schied am 12. oder 13. April 1919 aus dem Revolutionären Hochschulrat aus.“ Egon Wertheimer belegte im Kriegsnothalbjahr 1919 zwar noch die Studiengänge Phil. Germanistik, Kunstgeschichte und Staatswissenschaften an der Universität München, musste aber Ende April 1919 aufgrund seiner Mitgliedschaft im Revolutionären Hochschulrat Bayern verlassen.

Laut dem Sitzungsprotokoll des Akademischen Senats der Universität München vom 20. Dezember 1919 wurde neben dem Consilium Abeundi beschlossen, Wertheimer kein Semester/Halbjahr abzuerkennen.

Arbeit zitieren:
Rachbauer, Tamara Juni 2008: Egon Ranshofen-Wertheimer, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ranshofen-Wertheimer, Egon Wertheimer, Räterepublik, Ranshofen, Biografie

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