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Studien zum Amerikabild Dickens'

Dickens' Eindrücke von seiner Amerikareise 1842

Studien zum Amerikabild Dickens'
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Marlis Schlobben
  • Abgabedatum: September 1976
  • Umfang: 72 Seiten
  • Dateigröße: 2,9 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0575-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0575-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0575-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schlobben, Marlis September 1976: Studien zum Amerikabild Dickens', Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Amerikas junge Historie, Reisebeschreibungen in Briefen und im Buch "American Notes", Sturm der Kritik

Staatsexamensarbeit von Marlis Schlobben

Einleitung:

In dieser Arbeit sollen Charles Dickens' Eindrücke von seiner Amerika-Reise im Jahre 1842 analysiert werden. Es ist ferner zu klären, wie er zu seinen Beurteilungen darüber gekommen ist. Nach Amerika zu reisen, wünschte er sich schon Jahre vorher. Bereits 1839 hatte er einen großen Teil seines Geldes in Aktien für den Aufbau der Stadt Cairo am Zusammenfluß von Mississippi und Ohio investiert - eine Fehlinvestition, wie sich später herausstellte. Ursache seines großen Interesses an Amerika waren sicher auch die politischen Ereignisse jener Zeit: Vom amerikanischen Unabhängigkeitskampf gegen England und von der französischen Revolution erhofften sich viele Engländer einen Wechsel ihres Status vom viktorianischen Untertanen zum Republikaner. Sie blickten neidvoll über den Atlantik, seitdem Englands älteste und stolzeste Kolonie in der neuen Welt, Virginia, l776 mit ihren "Bill of Rights" ein amerikanische Ideale verkörperndes Grundgesetz erlassen hatte. Während in England der Obrigkeitsstaat herrschte, wuchs drüben die Republik heran, die ebenso vom Vertrauen in die Kraft des einzelnen geprägt war wie vom Mißtrauen in jegliche staatliche Kompetenz.

Amerikas junge Historie wurde Sinnbild der Chancen der Freiheit, des freien Mannes, der Chancen auch des Wagnisses. Fast alle großen Liberalen des 19. Jahrhunderts idealisierten Amerika als Stätte, an der die revolutionären Ideen von der persönlichen Freiheit und der politischen und sozialen Gleichheit realisierbar erschienen. So erging es auch dem Liberalen Dickens, der auf der anderen Seite des Ozeans eine neue demokratische Welt zu finden erwartete. Auch er war davon überzeugt, daß England nun bald in die Fußstapfen Amerikas treten werde.

Hinzu kam, daß der erfolgreiche und populäre Schriftsteller im Laufe des Jahres 1841 von prominenten Amerikanern Briefe voll herzlicher Verehrung erhalten hatte, daß der Gedanke, Amerika zu sehen und die gewonnenen Eindrücke schriftstellerisch zu verwerten, bald zum Entschluß reifte. Vor ihm hatten berühmte Europäer Amerika besucht und ihre Beobachtungen in ihren Werken veröffentlicht, z.B. Alexis Charles Clérel de Tocqueville (1805-1859), der nach einem einjährigen Aufenthalt 1831/32 in Amerika "De la Démocratie en Amérique" schrieb oder Frances Milton Trollope (1780-1863), die von 1829-1832 einen kleinen Laden in Amerika betrieb und ihre Erfahrungen in dem Buch "Domestic Manners of the Americans" niederschrieb7). Eine andere Engländerin, Harriet Martineau (1802-1876), hielt sich ebenfalls drei Jahre in Amerika auf und veröffentlichte ihre Erkenntnisse u.a. in "Society in America" (1837) und "A Retroprospect of Western Travel" (1838).

So verfuhren auch die englischen Amerika-Besucher William Makepiece Thackeray (1811-1863)9) und Jonathan Carver (1725-1780) . Dickens beabsichtigte, eine Gegenerklärung zu den Amerika scharf kritisierenden Büchern von Miss Martineau und Mrs. Trollope zu schreiben . Er war überzeugt, daß er ein demokratisches Land ohne König und Klassenherrschaft eher verstehen könne als die beiden Schriftstellerinnen . Vor seiner Abfahrt hatte er noch Marryat's "A Diary in America" (1839) und James Silk Buchingham's "America: ... the Northern and Free States" (1841) gelesen.

Dickens hatte noch ein anderes Motiv. Er wollte die neue Welt als noch junger Mann und auf der Höhe seiner Kräfte erleben, anstatt sich alt und krank durch das Land zu schleppen wie Scott durch Italien. Er hatte Lockhart's "Life of Scott" und Scott's "Diary" gelesen und sich überlegt, wie anders Scott's Beschreibungen von Rom und Neapel wohl ausgefallen wären, wenn Scott jünger und gesünder Italien besucht hätte. Schließlich wollte der rasch arrivierte Schriftsteller sich seinen amerikanischen Lesern zeigen. Ihrer Bewunderung konnte er sicher sein, zumal Washington Irving ihm geschrieben hatte, daß sein Amerika-Besuch für Dickens ein Triumphzug von einem Ende der Staaten bis zum anderen würde, wie ihn noch keine Nation erlebt habe.

Als Quellen liegen dieser Arbeit Dickens' Briefe von 1841 und 1842 und "American Notes" zugrunde. Dieses Reisebuch wurde am 18. Oktober 1842 veröffentlicht. Es basiert größtenteils auf Dickens' detaillierten Briefen, die er während seiner Reise besonders an seinen Freund und späteren Biographen John Forster geschrieben und nach seiner Rückkehr wieder eingesammelt hatte. Aus der Genese des Buches erklärt sich auch die Unmittelbarkeit der Darstellung, denn Dickens hatte seine Briefe meistens unmittelbar nach den beschriebenen Ereignissen verfaßt. Die "American Notes" fanden reißenden Absatz. Allein in Philadelphia sollen 3.000 Exemplare in einer halben Stunde verkauft worden sein Unter dem Sturm der Kritik an seinem Buch auf beiden Seiten des Atlantiks hat Dickens viel gelitten. Es zeigte ihm aber, daß seine spitzen Pfeile ins Schwarze getroffen hatten. Diese Reaktion hatte er beinahe vorausgeahnt, als er kurz vor Buchabschluß an Longfellow schrieb:

I have spoken very honestly and fairly; and I know that those in America for whom I care will like me better for the book. A great many people will like me infinitely the worse, and make a devil of me straight away.

Inhaltsverzeichnis:

Vorbemerkung 3
I. Die Reise
a) Vorbereitungen 9
b) Der Empfang in Amerika 10
c) Verlauf der Reise durch Amerika 12
II. Dickens’ Eindrücke und Reflektionen über 18
a) Städte und Landschaften 18
b) Die Institutionen des öffentlichen Lebens 25
c) Die Eigenheiten der Amerikaner 43
Schlussbemerkung 54
Ausgewählte Literatur 58
a) Primärliteratur 58
b) Sekundärliteratur 58
Appenda 61
1. Abgekürzte Titel von Werken, die öfter genannt werden 62
2. Die Reise nach Daten geordnet 63
3. Dickens' Reiseroute auf der Landkarte 66
4. Separate Liste der Anmerkungen

Arbeit zitieren:
Schlobben, Marlis September 1976: Studien zum Amerikabild Dickens', Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Amerikas junge Historie, Reisebeschreibungen in Briefen und im Buch "American Notes", Sturm der Kritik

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