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Strukturen der heutigen Jugendsprache

Eine soziolinguistische Analyse

Strukturen der heutigen Jugendsprache
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Nicola Gross
  • Abgabedatum: Dezember 2000
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 471,0 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4523-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4523-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4523-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gross, Nicola Dezember 2000: Strukturen der heutigen Jugendsprache, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gesprächsanalyse, Linguistik, Sondersprache, Szenesprache

Staatsexamensarbeit von Nicola Gross

Einleitung:

Die Thematik der „Jugendsprache“ wird in vielen Bereichen zunehmend kontrovers diskutiert. Mitte der 60er Jahre erschien das Thema anfangs in den Medien, um auf die von Sprachpuristen wachsende Sorge der nachlassenden Sprachleistungen Jugendlicher aufmerksam zu machen. Die Besorgnis um das Verständnis zwischen den Generationen sowie die Unsicherheit über den Umgang mit jugendsprachlichen Ausdrücken weckten das Interesse der Öffentlichkeit. Mit wachsender Toleranz der Gesellschaft und der Verringerung des Generationskonfliktes verlagerten sich die Medieninteressen. Werbeagenturen, Freizeitindustrie und Massenmedien wurden sensibel für jugendsprachliches Material, um damit die „jung gebliebene“ Gesellschaft und die jugendlichen Konsumträger als breite Zielgruppe anzusprechen. Um vermarktete jugendsprachliche Modewörter zu entschlüsseln, werden Wörterbücher herausgegeben. Das im Jahr 2000 vom Dudenverlag erschienene Wörterbuch der Szenesprache unterteilt die von meist Jugendlichen verwendeten Begriffe in verschiedene Subkulturen bzw. Freizeitbeschäftigungen. Dies ist ein neuer Schritt in den kontextbezogenen Gebrauch von Jugendsprache bzw. Szenesprache.

Wörterbücher zur „Übersetzung“ von prägnanten jugendsprachlichen Bezeichnungen neigen dazu, Jugendsprache zu einem Sonderwortschatz zu reduzieren. Der Leser erfährt dabei nicht, in welchen situativen Rahmenbedingungen Jugendliche „ihre Sprache“ sprechen. In welchem Maße beeinflusst das soziale Umfeld die Kreativität der Sprecher und die Innovation spezieller Begriffe, die von Befürwortern als positive Aspekte der Jugendsprache dargestellt werden? Aus welchen Ressourcen schöpfen Jugendliche ihre Ideen für ihre Sprechweisen? Zusammen mit der strukturellen Betrachtung der Lexik erhält man erst einen wissenschaftlichen Blick in das Phänomen der Jugendsprache.

Die vorliegende Arbeit soll die Jugendsprache anhand authentischen Gesprächmaterials dokumentieren und transparent machen. Die Vielfalt der jugendspezifischen Sprechweisen wird beschrieben und der Umgang mit der deutschen Standardsprache bzw. Umgangssprache herausgearbeitet. Um ein Verständnis für das Phänomen Jugendsprache zu wecken, werden Motive und Funktionen der Anwendungen aufgezeigt.

Gang der Untersuchung:

Als Einführung in die Thematik werden in Kapitel 2 die Begriffe Jugend und Jugendsprache zunächst definiert. Im Weiteren wird in Kapitel 3 ein Überblick zur Geschichte der Jugendsprache gegeben, dem sich die Präsentation des wissenschaftlichen Forschungsstands in Kapitel 4 anschließt. Der mediale Einfluss auf die Jugendsprache, als eine Quelle für jugendsprachliche Ausdrücke und Redewendungen, wird in Kapitel 5 abgehandelt. Es folgen Erläuterungen der erwähnten Funktionen und Motive der Jugendsprache im sechsten Kapitel dieser Arbeit. Nach der Beschreibung des gewonnenen Untersuchungsmaterials in Kapitel 7 beginnt die Analyse.

Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet Kapitel 8, in dem eine empirische Untersuchung die linguistischen Strukturen heutiger Jugendsprache von drei Jugendgruppen systematisch aufzeigt und die Ergebnisse vergleicht. Lassen sich Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in den Gruppen, in Bezug auf ihren Umgang mit der Standardsprache feststellen, die sich in ihrer speziellen Gruppensprache auswirken?

In der soziolinguistischen Untersuchung wird das soziale Umfeld der Sprecher sowie die Kommunikationssituation dargelegt. Inwieweit wirkt sich das soziale Umfeld der Sprecher auf Strukturen der Jugendsprache aus? Es wird die These aufgestellt, dass soziale und situative Faktoren die Kreativität und die strukturellen Bereiche der Jugendsprache beeinflussen. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, ob Jugendliche ein gruppenspezifisches Vokabular mit eigenen Sprechstilen verwenden und ob sie sich dabei an gleichbleibende linguistische Strukturen halten und dieselben kulturellen Ressourcen nutzen.

Diese Arbeit ist in dem Sinne soziolinguistisch, als dass sie das Sprachverhalten gesellschaftlicher Gruppen, hier der Jugendlichen, untersucht und die Sprachstruktur mit der Sozialstruktur in Beziehung setzt. Merkmale der Jugendsprache hängen nach Androutsopoulos (1998) in linguistischer und soziolinguistischer Hinsicht zusammen. Wie von gegenwärtigen Jugendsprachforschern gefordert, betrachtet diese Arbeit strukturelle, soziale, kulturelle und situative Faktoren, um Jugendsprache verstehen zu können.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Begriffsbestimmungen 6
2.1 Definitionen Jugend – Jugendkultur 7
2.2 Definition Jugendsprache. Abgrenzung zur Umgangssprache und Standardsprache 9
3. Geschichte der Jugendsprache 11
4. Forschungsübersicht 12
4.1 Hennes Modell der Jugendsprache 14
4.2 Schlobinskis Paradigmenwechsel der Jugendsprachforschung 17
4.3 Androutsopoulos Untersuchungen 19
5. Funktionen der Jugendsprache 20
6. Medialer Einfluss auf Jugendsprache 22
7. Korpus 23
7.1 Problematik der Erhebung authentischen Gesprächmaterials 24
7.2 Eigene Methode der Datenerhebung 24
8. Linguistische Untersuchung – Strukturelle Dimension 25
8.1 Wortbildung 26
8.1.1 Modifikationen 26
8.1.1.1 Verbmodifikationen 26
8.1.1.2 Intensivpräfigierung 27
8.1.1.3 Modifikationssuffixe i-, -o, -a / Kurzwortbildung 28
8.1.2 Komposition 29
8.1.3 Ableitung 30
8.1.3.1 Pseudopartizipien 30
8.1.3.2 Adjektivableitung 31
8.1.3.3 Verbableitung 31
8.1.3.4 Wurzelwörter 31
8.1.3.5 Konversion 31
8.1.4 Morphologische Regularisierung und Analogie 32
8.1.5 Zusammenfassung 33
8.2 Phraseologie 33
8.2.1 Phraseolexeme 33
8.2.2 Sprüchekultur 34
8.2.3 Zusammenfassung 36
8.3 Syntax 36
8.3.1 Morphosyntaktische Rahmenphänomene 36
8.3.2 Sprachgebrauchsmuster 37
8.3.3 Expressive Sprechhandlungen 38
8.3.4 Intensivierung 39
8.3.5 Zusammenfassung 41
8.4 Wortschatz 41
8.4.1 Wortsemantik 42
8.4.1.1 Schlüsselwörter 42
8.4.1.2 Polysemie 45
8.4.1.3 Lexik von Kleingruppen 46
8.4.2 Wortschatzbereiche 46
8.4.2.1 Wertadjektive 47
8.4.2.2 Vulgarismen 47
8.4.3 Zusammenfassung 49
8.5 Diskurs 49
8.5.1 Anrede 49
8.5.2 Gliederungssignale 51
8.5.3 Zusammenfassung 52
8.6 Entlehnung 52
8.6.1 Integration 54
8.6.2 Zusammenfassung 55
9. Soziolinguistische Untersuchung 55
9.1 Soziales Umfeld der Sprecher 55
9.2 Kommunikationssituation 56
9.3 Auswertung 58
10. Schlussbetrachtung 60
Literaturverzeichnis 64
Anhang

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Gliederungspartikel [1] ey wird von Gruppe 1 und 3 am Ende einer Aussage gebraucht. Henne (1986) und Ehmann (1996) schreiben dem finalem ey eine bekräftigende Wirkung des Vorangestellten zu (z.B. Gruppe 1, Zeile. 21: Davon träum‘ ich nur ey. Gruppe 3, Z. 37: Voll gestört ey.). Initial wird von Gruppe 2 ey als Eröffnungssignal und Aufmerksamkeitsappell verwendet (Z. 109: Ey, ey mein Sternzeichen is‘ Notorius BIG). Diese Gruppe verwendet das ey ebenfalls als Adressierung (Z. 125: Ja klar. Ey bitte mach Hip-Hop). Ob der Sprecher das ey nur für diese Anredefunktion gebraucht hat oder gleichzeitig seine Aussage und die anschließende Bitte mit dem ey verbinden wollte, bleibt unklar. Die von Gruppe 2 verwendete Partikel also gliedert einen Gesprächsbeitrag in eine Aussage und eine Empörung (Z. 81 ...hatte vor was mit Fati anzufangen. Also ich bitte dich.). Okay wurde von dem Sprecher der Gruppe 2 initial als Eröffnungs- und Rederechtsignal eingebracht. Genauso verhält es sich mit der Interjektion man zu Beginn des Redebeitrags des Sprechers der Gruppe 3. Tag-Questions [2] sind [...]

angesprochen. Die Kollektivanrede [2] Diggers wurde aus der Nominalanrede Digger gebildet. Bei den beschimpfenden Anreden unterscheidet Androutsopoulos (1998) zwischen verschiedenen Beschimpfungsformen. Im Korpus kommen zwei Formen vor: Die rituelle Beschimpfung [3] und die gerechtfertigte Beschimpfung [4]. Rituelle Beschimpfungen haben keinen speziellen Grund ausgesprochen zu werden, noch drücken sie eine Partnerkritik aus. Sie setzen jedoch eine Intimität zwischen den Gesprächspartnern voraus. Ihre Funktion dient zum symbolischen Ausdruck von Solidarität. Gerechtfertigte Beschimpfungen sind u.a. Reaktionen auf unkooperatives Verhalten. Der Sprecher A der Gruppe 3 richtet sich ausgiebig für die Feier her, zu der alle gemeinsam gehen möchten. Seine Freunde warten auf ihn. Er gibt daher C das Recht zur Beschimpfung. C lädt seine emotionale Aggressivität, die durch die lange Wartezeit entstanden ist, mittels der Äußerung du Arschloch ab. [...]

Gesprächsbeiträgen verwendet werden. Werden sie initial verwendet, so werden dadurch neue Themen oder Gesprächsphasen eröffnet (z.B. Digger, wie alt bist du?) sowie ernste Meinungsäußerungen angekündigt. Auch vor Bitten und Vorschlägen können Nominalanreden stehen. Final werden Nominalanreden nach Expressiva (z.B. Scheiße Alda), Assertiva (z.B. Ich bin doch nich‘ schlau Alter) und Direktiva (z.B. sagst ich bin zwanzig Alda) eingesetzt (vergl. Androutsopoulos 1998). Die Anrede Bärbel wurde von einem Sprecher der Gruppe 3 als Universalwort für Frau/Mädchen ausgesprochen. Er hat die nicht anwesende Adressatin der Aufzeichnung mit Bärbel angesprochen. Alter, Mann und Digger sind übliche Anreden zwischen vertrauten männlichen Gesprächspartnern. Werden Unbekannte als solidarisch angesehen, so werden sie ebenfalls mit diesen Bezeichnungen [...]

Arbeit zitieren:
Gross, Nicola Dezember 2000: Strukturen der heutigen Jugendsprache, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gesprächsanalyse, Linguistik, Sondersprache, Szenesprache

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