Strukturelle Defizite des deutschen Arbeitsmarkts und Hartz IV
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ramon Hansmeyer
- Abgabedatum: Juni 2005
- Umfang: 69 Seiten
- Dateigröße: 1,0 MB
- Note: 3,0
- Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9194-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9194-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9194-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hansmeyer, Ramon Juni 2005: Strukturelle Defizite des deutschen Arbeitsmarkts und Hartz IV, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Arbeitsmarkt, Sozialstaat, Reformstau, Arbeitslos, Arbeitlosigkeit
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Diplomarbeit von Ramon Hansmeyer
Einleitung:
„Ich kann mir kein glorreiches Szenario für Deutschland mehr vorstellen. Es geht nur noch um ein Altern in Ehren.“ Mit diesem Satz beschreibt Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, die Zukunftsperspektiven Deutschlands. Und tatsächlich trifft dies den Kern der Situation in der sich die ehemalige Wirtschaftswundernation momentan befindet. Die Bundesrepublik steht vor Herausforderungen, wie noch nie seit dem Ende des 2. Weltkriegs:
- Die zunehmende Alterung der Gesellschaft und die damit verbundenen Belastungen, sowohl im Bereich der Renten als auch im Bereich der Pflege und Gesundheitsversorgung.
- Die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte.
- Die Herausforderungen der Globalisierung und des internationalen Wettbewerbs.
- Der Verlust des Wettbewerbsvorteils eines großen Binnenmarktes mit einer einheitlichen Währung, gegenüber den kleineren europäischen Nationen mit der Einführung des Euro.
- Und nicht zuletzt die Lasten der Wiedervereinigung Deutschlands.
Unter „normalen“ Umständen ist schon jedes einzelne dieser Problemfelder eine Aufgabe für eine ganze Generation, nun lasten aber alle gleichzeitig auf der heutigen. Es kann also nicht mehr darum gehen zu neuen Höchstleistungen aufzubrechen, sondern maximal darum die Folgen dieser sich dramatisch abzeichnenden Krise so weit wie möglich abzufedern.
Im Zentrum dieser Anstrengungen muss eine grundlegende Reform des Arbeitsmarktes stehen, denn in der hohen Zahl von 5 Mio. Arbeitslosen steckt gleichzeitig eine Chance, ein unausgeschöpftes Potenzial. Mit dem Gelingen oder dem Misslingen des Versuches, dieses Potenzial zu reaktivieren und wieder in den Wertschöpfungsprozess zu integrieren, steht und fällt unsere Chance „in Ehre zu Altern“.
Aus diesem Grund sind die Probleme und Perspektiven des deutschen Arbeitsmarktes das Thema der vorliegenden Arbeit.
Zusammenfassung:
Die Diplomarbeit befasst sich mit den strukturellen Ursachen der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und in einem zweiten Teil mit dem vierten Teil des Hartz-Reformpakets und dessen tatsächliche in voraussichtlichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.
Die strukturellen Defizite werden in zwei Hauptbereiche gegliedert, zum einen die systematische Schwächung der Nachfrage nach Arbeit mit den Unterpunkten:
- Direkte Lohnkosten (Lohnentwicklung, Kartellposition der Tarifparteien).
- Personalzusatzkosten (Bindung abhängiger Beschäftigung an die Sozialsysteme und die Folgen für eine Volkswirtschaft mit alternder Bevölkerung).
- Steuerliche Belastungen (Sowohl durch die Höhe als auch durch die Komplexität des Systems).
Zum anderen die systematische Schwächung des Arbeitsangebots durch:
- Anspruchslöhne (Rolle des Sozialstaats bei der Schaffung hoher Anspruchslöhne, gerade im Bereich der gering Qualifizierten).
- Mögliche Reformansätze (Verbesserte Qualifizierung, Kombilohnmodelle, Absenkung des Lohnniveaus).
Die Hartz-4-Reform wird zum einen als Verwaltungsreform (weitgehende funktionale Zusammenlegung des Arbeitslosen- und Sozialhilfesystems) analysiert. Und zum anderen als direkte Arbeitsmarktreform. Hierbei werden tatsächliche "Gewinner" und "Verlierer" der Reformschritte herausgearbeitet, sowie eine Analyse der Veränderung der Arbeitsanreize und psychologischer Auswirkungen der Reform.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Teil soll zunächst ein Überblick über die strukturellen Probleme des deutschen Arbeitsmarktes und die Gründe für deren Entstehung seit den 70er Jahren gegeben werden.
Zuerst wird hierfür die sukzessive Schwächung der Nachfrage nach Arbeit in den Teilbereichen der direkten Lohnkosten, der Personalzusatzkosten und der steuerlichen Belastungen der Arbeitgeber diskutiert.
Anschließend wird der Bereich der Schwächung des Angebots an Arbeit behandelt. Den zentralen Punkt dieses Abschnitts spielt die Rolle von Anspruchslöhnen, vor allem von Geringqualifizierten durch ein, vom Staat gewährtes, Ersatzeinkommen und eine Bewertung von möglichen Reformansätzen.
Hieran schließt sich dann logisch der zweite, kürzere Teil der Diplomarbeit an. Darin werden die, für den Arbeitsmarkt grundlegend relevanten Bereiche der Hartz IV- Reform dargestellt und deren tatsächlichen bzw. voraussichtlichen Wirkungen auf den Arbeitsmarkt herausgearbeitet.
Insgesamt soll diese Arbeit also einen kurzen und aktuellen Überblick über die Lage und die Perspektiven des deutschen Arbeitsmarktes liefern. Als Leitfaden dazu dienen, neben einigen aktuellen Forschungsberichten zu den jeweiligen Themenbereichen vor allem die Überlegungen des Sachverständigenrats, von Hans-Werner Sinn (Ifo-Institut) und von Horst Siebert (DIW Kiel).
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Strukturelle Defizite des deutschen Arbeitsmarkts | 3 |
| 2.1 | Schwächung der Nachfrage nach Arbeit | 3 |
| 2.1.1 | Direkte Lohnkosten | 4 |
| 2.1.1.1 | Lohnsteigerungen höher als Produktivitätszuwächse | 4 |
| 2.1.1.2 | Exkurs: Das Kaufkraftargument | 7 |
| 2.1.1.3 | Die gesetzliche Kartellmacht der Gewerkschaften | 9 |
| 2.1.1.4 | Lösungsansätze | 12 |
| 2.1.2 | Personalzusatzkosten | 14 |
| 2.1.2.1 | Tarifliche Personalzusatzkosten | 15 |
| 2.1.2.2 | Gesetzliche Personalzusatzkosten | 16 |
| 2.1.3 | Steuerliche Belastungen | 29 |
| 2.1.3.1 | Höhe der Unternehmensbesteuerung | 29 |
| 2.1.3.2 | Komplexität des Steuersystems | 31 |
| 2.2 | Schwächung des Angebots an Arbeit | 32 |
| 2.2.1 | Anspruchslöhne | 32 |
| 2.2.1.1 | Struktur der Anspruchslöhne in Deutschland | 32 |
| 2.2.1.2 | Der Staat als Lohnkonkurrent | 34 |
| 2.2.1.3 | Auswirkungen | 36 |
| 2.2.2 | Reformansätze | 39 |
| 2.2.2.1 | Verbesserte Qualifizierung | 40 |
| 2.2.2.2 | Kombilohnmodell | 40 |
| 2.2.2.3 | Absenkung des Lohnniveaus | 43 |
| 2.2.2.4 | Workfare | 44 |
| 3. | Hartz-IV | 46 |
| 3.1 | Inhalte der Reform | 46 |
| 3.2 | Die neuen und alten Regelungen im Vergleich | 49 |
| 3.2.1 | Hartz IV als Verwaltungsreform | 49 |
| 3.2.2 | Hartz IV als Arbeitsmarktreform | 50 |
| 3.2.2.1 | "Verlierer" der Reform | 51 |
| 3.2.2.2 | "Gewinner" der Reform | 52 |
| 3.2.2.3 | Arbeitsanreize für ALG II-Bezieher | 53 |
| 3.2.2.4 | Psychologische Auswirkungen | 56 |
| 4. | Schlussbetrachtung | 58 |
| Quellen- und Literaturverzeichnis | 61 |
nate Arbeitslosengeld beziehen.61 Je nachdem, ob der Bezieher mindestens 1 Kind hat oder nicht erhält er nun 67% bzw. 60% seines letzten Nettoeinkommens. Der Empfänger darf Nebentätigkeiten bis maximal 15 Wochenstunden ausüben und einen Freibetrag von 20% des Leistungsbezuges, maximal jedoch 165 €, hinzuverdienen. Jeglicher Verdienst darüber hinaus wird auf das Arbeitslosengeld angerechnet und 1:1 gekürzt. Im Oktober 2004 bezogen 1,7 Mio. Menschen Arbeitslosengeld, über 70% von ihnen erhielten weniger als 900 € im Monat. Ungefähr jeder sechste Arbeitslosengeldempfänger war älter als 57 Jahre.62 Arbeitslosenhilfe Findet der Arbeitslose innerhalb der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes keine Beschäftigung, so geht er nahtlos in die Arbeitslosenhilfe über. Diese wird nun zeitlich unbefristet bis zum Rentenalter gezahlt. Voraussetzungen sind, dass der Bezieher vorher Arbeitslosengeld bezogen hat und der Arbeitsagentur zur Vermittlung zur Verfügung steht. Die Höhe der Arbeitslosenhilfe beträgt 57% (mit mindestens einem Kind) bzw. 53% (ohne Kind) des letzten Nettoeinkommens. Auch hier gilt ein Freibetrag von maximal 165 € für Einkünfte aus Nebentätigkeiten mit anschließender 100%tiger Anrechnung. Arbeitet die Person mehr als 15 Stunden wöchentlich entfällt die Arbeitslosenhilfe unabhängig vom Einkommen ganz, da sie nicht mehr als arbeitslos gilt. Reicht das Einkommen aus dem Arbeitslosengeld bzw. der Arbeitslosenhilfe nicht zur Bestreitung des Lebensunterhalts aus, ist man berechtigt, ergänzende Sozialhilfe zu erhalten, ca. 17% fielen in diese Kategorie. Ende 2004 erhielten 2,2 Mio. Menschen Arbeitslosenhilfe, 95% von ihnen bezog weniger als 900 €. Ungefähr jeder elfte Arbeitslosenhilfeempfänger ist älter als 57 Jahre.63 Sozialhilfe Anders als das Arbeitslosengeld und die Arbeitslosenhilfe ist die Sozialhilfe nicht an vorherige Beschäftigungsverhältnisse geknüpft. Anspruchsberechtigt sind alle, die nicht aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Ziel ist es ihnen ein Leben in Würde ermöglichen. Bei der Bedarfsprüfung ist immer der gesamte Haushalt des Bedürftigen zu betrachten, [...]
Es ist der Sozialstaat selbst der mit seinem sozialen Sicherungssystem bei Nichtarbeit einen faktischen Mindestlohn festlegt und damit das Niveau des Anspruchslohns entscheidend nach oben treibt. Die soziale Absicherung im Falle eines Arbeitsplatzverlustes war bis Ende 2004 in drei Bereiche gegliedert. Arbeitslosengeld Das Arbeitslosengeld wird aus den Versicherungsbeiträgen der Beschäftigten und Arbeitgeber zur Arbeitslosenversicherung finanziert. Anspruch darauf hat jeder, der sich arbeitslos meldet, aktiv nach einer Beschäftigung sucht und in den vorherigen 3 Jahren mindestens 12 Monate beschäftigt war. Die Dauer des Anspruchs steigt mit der Dauer der Beschäftigung und mit dem Alter des Berechtigten. Die minimale Bezugsdauer liegt bei 6 Monaten und maximal kann ein Antragsteller, der 57 Jahre oder älter ist und länger als 5 Jahre gearbeitet hat, 32 Mo59 60 [...]
Neben der eigentlichen steuerlichen Belastung durch die Steuerhöhe ist für Unternehmer auch die Überschaubarkeit und Verlässlichkeit des Steuersystems und der Steuerpolitik wichtig. In Deutschland ist allerdings gerade bei der Einkommenssteuer, durch ständige Gesetzeserweiterungen, Schaffung von Ausnahmetatbeständen und Berücksichtigung von Partikularinteressen jegliche Systematik und Überschaubarkeit verloren gegangen. In seinem Jahresgutachten 2004 spricht der Sachverständigenrat von der Einkommenssteuer als einer „unsystematischen Schedulensteuer [..] ohne politisches Leitbild“ und führt weiter aus „dass die deutsche Steuerpolitik aufgrund ihrer Sprunghaftigkeit auch an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. […] Die Steuerpolitik ist zum Spielball widerstreitender Interessen innerhalb der Bundesregierung, zwischen Bund Ländern und Gemeinden, sowie zwischen Regierung und Opposition geworden. Für die Planungssicherheit von Konsumenten und Investoren und für den Standort Deutschland allgemein stellt dies eine fatale Entwicklung dar.“53 Die negativen Wirkungen eines solchen Chaos sind vielfältig. Unternehmer und Finanzämter haben einen sehr hohen Verwaltungsaufwand, um die Steuern korrekt zu erfassen und zu bearbeiten. So sind ca. 70% der weltweiten Steuerliteratur in deutscher Sprache verfasst. Kleinunternehmer, die versuchen diesen Kosten auszuweichen, laufen Gefahr kriminalisiert zu werden. Von der Komplexität überforderte Finanzämter kosten den Staat Steuereinnahmen und bringen Unternehmen durch falsche Bescheide in Schwierigkeiten. Die Komplexität begünstigt immer wieder Regelungslücken und Schlupflöcher, Firmen werden nur aus Steuergründen zu unwirtschaftlichem Verhalten veranlasst, so finanziert z.B. der deutsche Staat über seine Abschreibungsregeln indirekt einen Großteil der Containerschiffe der Weltmeere und der Flugzeugflotten rund um den Globus. Auf der anderen Seite wird Produktion in marktferne Länder wie Irland oder Litauen verlagert die allerdings ein einfacheres und günstigeres Steuersystem haben.54 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832491949
Arbeit zitieren:
Hansmeyer, Ramon Juni 2005: Strukturelle Defizite des deutschen Arbeitsmarkts und Hartz IV, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Arbeitsmarkt, Sozialstaat, Reformstau, Arbeitslos, Arbeitlosigkeit



