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Über die Struktur der oligomeren Bestandteile von Flash-Pyrolyseölen aus Biomasse

Über die Struktur der oligomeren Bestandteile von Flash-Pyrolyseölen aus Biomasse
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Rolf Bayerbach
  • Abgabedatum: Juni 2006
  • Umfang: 185 Seiten
  • Dateigröße: 7,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9867-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9867-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9867-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bayerbach, Rolf Juni 2006: Über die Struktur der oligomeren Bestandteile von Flash-Pyrolyseölen aus Biomasse, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Pyrolyseligninen, Flash-Pyrolyse, Rohstoff, Bioöl, wasserlöslich

Dissertation / Doktorarbeit von Rolf Bayerbach

Einleitung:

Fossile Rohstoffe sind die Hauptenergieträger in unserer modernen Gesellschaft. Die globalen Probleme des weltweit steigenden Energiebedarfs, des Klimaschutzes und der Versorgungssicherheit wecken das politische Interesse an der Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Dies zeigen u. a. das Erneuerbare-Energien-Gesetz der Bundesrepublik Deutschland und die EU-Richtlinie zur Nutzung regenerativen Treibstoffs.

Doch fossile Rohstoffe werden nicht nur als Energieträger verwendet. Etwa 7 % des weltweit geförderten Rohöls (ca. 900.000 Tonnen pro Tag) benötigt die chemische Industrie zur Herstellung von Farben, Lacken, Folien, Klebern und vielen anderen Produkten. Die stoffliche Substitution dieses Anteils kann nur mit erneuerbaren Kohlenstoffquellen erfolgen. Die einzige bekannte nachwachsende Quelle für kohlenstoffhaltige Verbindungen ist die Biomasse.

Nach den Ölkrisen Ende der 1970er Jahre wurde an verschiedenen Universitäten in Kanada und den USA ein neuartiger Prozess, die Flash-Pyrolyse von Biomasse, untersucht. Diese Technik erlaubt die Syntheseleistung der Natur nachhaltig zu nutzen, indem die polymeren Strukturen in lignocellulosischer Biomasse aufgebrochen und zu monomeren bis oligomeren Verbindungen abgebaut werden. Als wichtiger Meilenstein in der Entwicklung dieses Prozesses gilt ein Expertentreffen in Foxpine Inn (Colorado, USA) im Jahre 1980, an dem Experten der Pyrolyseforschung, wie z. B. James Diebold, Michael Antal und Jaque Lédé teilnahmen. Dieser, vom Solar Energy Research Institute (SERI) der Vereinigten Staaten von Amerika initiierte Workshop, konzentrierte nicht nur den damaligen Stand der Wissenschaft, sondern zeigte das Potential unterschiedlicher Techniken der Flash-Pyrolyse von Biomasse auf.

In den anschließenden Jahren wurde die Forschungsarbeit in Nordamerika intensiviert. In Europa wurden parallel Forschungsarbeiten zur Flash-Pyrolyse von Kunststoffen in der Arbeitsgruppe von Walter Kaminski an der Universität Hamburg Ende der 1970er Jahre durchgeführt. Die Technik der Flash-Pyrolyse von Biomasse wurde kurze Zeit später an der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft etabliert und weiterentwickelt.

Seit 1990 verkaufte die US-amerikanische Firma Ensyn (Ottawa) sechs kommerziell arbeitende Flash-Pyrolyseanlagen. Abnehmer dieser Anlagen war unter anderem die Firma Red Arrow (Manitowoc), die seither wässrige Fraktionen von Flash-Pyrolyseöl als Raucharomen für Lebensmittel vertreibt. Im Jahre 2005 wurde in Ontario von der Firma Dynamotive (Vancouver) eine Flash-Pyrolyseanlage mit einer Konversionskapazität von 100 Tagestonnen Biomasse errichtet. Das Pyrolyseöl soll zur Strom und Dampferzeugung genutzt werden.

In Europa wird der Flash-Pyrolyseprozess unter anderem an der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH, Deutschland), am Valtion Teknillinen Tutkimuskeskus (VTT, Finnland), am Centre National De La Recherche Scientifique (CNRS, Frankreich), an der Aston Universität (Birmingham, England) und der Twente Universität (Enschede, Niederlande) erforscht. Eine Anlage der niederländischen Biomass Technology Group (BTG, Enschede) zur Flash-Pyrolyse leerer Fruchtschalen von Ölpalmen befindet sich in Malaysia. Sie soll 50 Tagestonnen Biomasse umsetzen. In Deutschland wurde im Januar 2006 eine 6 Tagestonnen-Anlage mit ablativer Flash-Pyrolysetechnologie der Firma PyTEC (Lüneburg) eingeweiht. In einem Blockheizkraftwerk wird das Pyrolyseöl zur Strom und Wärmeerzeugung verbrannt. Das Forschungszentrum Karlsruhe plant die Errichtung eines Doppelschneckenreaktors mit einem Durchsatz von 12 Tagestonnen Biomasse. Das Öl und der Koks sollen vermischt und mit Hilfe der Fischer-Tropsch-Synthese zu Synthesegas umgesetzt werden. In Brasilien betreibt die Firma Bioware Process eine Pilotanlage zur Flash-Pyrolyse von landwirtschaftlichen Abfällen mit einer Kapazität von 7 Tagestonnen. Ein Scale-up dieser Anlage auf 12 bis 24 Tagestonnen ist in Planung. Das Pyrolyseöl soll zur Stromerzeugung verbrannt werden.

Das durch Flash-Pyrolyse von Biomasse hergestellte Pyrolyseöl ist ein heterogenes Substanzgemisch bestehend aus 25 % Wasser, 35% wasserlöslichen Monomere, 25 % wasserunlöslichen Oligomeren und 15 % polaren Substanzen, das zur Zeit hauptsächlich energetisch genutzt wird. Mittels gaschromatographischer Analysemethoden konnten die monomeren Bestandteile zum größten Teil identifiziert werden. Durch die Charakterisierung der oligomeren Öl-Bestandteile, die bisher nur nachrangig Gegenstand der Forschung waren, können neue Möglichkeiten der stofflichen Verwertung für Pyrolyseöle in der chemischen Industrie erschlossen werden. Als Teil moderner Bioraffinerie-Konzepte, bei denen durch Kombination verschiedener Techniken die Biomasse in einzelne hochwertige Produkte fraktioniert und diese dann mit hoher Wertschöpfung vermarktet werden sollen, kann die Flash-Pyrolyse einen Beitrag zur ökonomischen Substitution fossiler Rohstoffe leisten.

Zusammenfassung:

Ziel dieser Arbeit ist die methodisch umfassende Charakterisierung von Pyrolyseligninen. Diese stellen den wasserunlöslichen, oligomeren Bestandteil von Pyrolyseölen aus der Flash-Pyrolyse von Biomassen dar. Durch die gewonnenen Erkenntnisse sollen die Nutzungschancen des erneuerbaren Rohstoffs Pyrolyseöl in industriellen Prozessen als Substitut für Kohle und Erdöl erhöht werden. Der Fokus ist dabei auf die Einflüsse der eingesetzten Rohstoffe, der Pyrolyseparameter und der Fällbedingungen zur Isolierung des Pyrolyselignins gerichtet.

Es wurden 17 Pyrolyseöle aus 13 verschiedenen Rohstoffen bei unterschiedlichen Temperaturen in einem Labor-Wirbelschichtreaktor hergestellt und bezüglich ihrer physico-chemischen Eigenschaften charakterisiert. Aus den Ölen wurden 59 Pyrolyselignine gefällt. Dabei wurden die Lagerdauer und die Konzentration der Öle im Fällbad variiert. Zur Charakterisierung der chemischen Eigenschaften des Pyrolyselignins wurden zahlreiche Methoden eingesetzt. Mit erprobten Methoden wie GPC, Flüssigphasen-NMR- und FTIR-Spektroskopie, Py-GC/MS und Bestimmung des Methoxyl-, Hydroxyl-, Carbonylgruppengehaltes wurden Ergebnisse erhalten, die sich mit Literaturdaten vergleichen ließen.

Darüber hinaus wurden neue Analysetechniken angewandt, die bisher noch nicht zur Untersuchung von Pyrolyseligninen eingesetzt wurden: MALDI-TOF/MS, LDI-TOF/MS, Py-FI/MS, TMAH-Py-GC/MS, TEAH-Py-GC/MS, UV-Differenzspektroskopie, Hochtemperatur-GC/MS, Thioacidolyse, KMnO4-Oxidation, ESR-Spektroskopie, DSC, Feststoff-13C-NMR, HPLC-1H-NMR und APCI/MS. Ferner wurden lignintypische Bestimmungsverfahren der 1H- und der FTIR-Spektroskopie an acetylierten Pyrolyseligninen zur Bestimmung von funktionellen Gruppen angewendet. Aus den Untersuchungsergebnissen wurden monomere, dimere und oligomere Pyrolyseligninstrukturen hergeleitet.

Pyrolyselignine unterschieden sich deutlich von Milled-Wood-Ligninen. Durch thermische Spaltungsreaktionen sinken mittlere molare Masse, Sauerstoffgehalt, Methoxylgruppengehalt und der Gehalt an Aryl-Ether-Bindungen. Die Struktureinheiten des Pyrolyselignins weisen einen erhöhten Kondensationsgrad auf und der Glasübergangspunkt sinkt deutlich ab. Bestimmt werden die Eigenschaften des Pyrolyselignins insbesondere von der Pyrolysetemperatur und der Lagerdauer des Öls. Auch die Ausbeute ist maßgeblich von diesen beiden Faktoren abhängig. Eine Steigerung der Temperatur um 50 C bewirkt eine Ausbeutezunahme um 2%. Durch sechsmonatige Lagerung des Öls steigt sie um bis zu 5% an. Die mittlere molare Masse erhöht sich mit steigernder Pyrolysetemperatur und der Lagerdauer des Pyrolyseöls von 600 Da auf 1000 Da. Laubholzöle enthalten durchschnittlich 3% weniger Pyrolyselignin als vergleichbare Nadelholzöle. Geringen Einfluss zeigt die Unterscheidung zwischen Kern- und Splintholz und eine Vorbehandlung durch Säurewaschung.

Es wurden 27 monomere Alkyl-Aryl-Grundstrukturen aus massenspektroskopischen Untersuchungsergebnissen abgeleitet. Die Seitenketten der Phenol-, Guaiacol- und Syringolderivate zeigen gesättigte Methyl, Ethyl- und Propyl-, als auch ungesättigte Vinyl- und Allylstruktur. Vanillin, Syringaldehyd, Sinapaldehyd und Trimethoxybenzaldehyd wurden als Träger von Aldehydgruppen nachgewiesen. Als Vertreter von dimeren Strukturen wurden Biphenyl, Phenylcoumaran, Diphenylether, Stilben und Resinolverbindungen identifiziert. Die Ergebnisse aller Untersuchungen wurden in fünf Strukturvorschlägen (Tetramer bis Oktamer) zusammengeführt.

Es wurde dargestellt, dass die Entstehung des Pyrolyselignins weder ausschließlich auf die „Thermal Ejection“ noch ausschließlich auf die „Recombination“-Theorie zurückgeführt werden kann, sondern dass sie durch die Kombination beider Mechanismen erklärt werden muss.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
1. ZUSAMMENFASSUNG 8
2. EINLEITUNG 10
3. ALLGEMEINER TEIL 13
3.1 Grundlagen der Flash-Pyrolyse von Biomasse 13
3.1.1 Mechanismen und Kinetik der Pyrolyse 13
3.1.1.1 Pyrolyse von Cellulose und Hemicellulosen 16
3.1.1.2 Pyrolyse von Lignin 17
3.1.2 Produkte der Flash-Pyrolyse von lignocellulosehaltiger Biomasse 29
3.1.3 Technische Verfahren der Flash-Pyrolyse 30
3.1.3.1 Reaktoren mit Sand als Wärmeträger 30
3.1.3.2 Reaktoren ohne Sand als Wärmeträger 32
3.2 Pyrolyseöl 33
3.2.1 Charakterisierung des Pyrolyseöls 33
3.2.2 Verwendung von Pyrolyseölen 34
3.2.3 Alterung von Pyrolyseölen 37
3.3 Pyrolyselignin 38
3.3.1 Entstehung, Definition und Gewinnung 38
3.3.2 Eigenschaften des Pyrolyselignins 40
4. MATERIAL UND METHODEN 43
4.1 Prozesse 43
4.1.1 Herstellung der Pyrolyseöle im Labor-Wirbelschicht-Reaktor 43
4.1.2 Ausfällen des Pyrolyselignins 45
4.2 Allgemeine Analytik und nasschemische Methoden 46
4.2.1 Acetylierung 46
4.2.2 Elementaranalyse 46
4.2.3 Direkte Sauerstoffbestimmung 47
4.2.4 Glührückstand-Bestimmung 47
4.2.5 Aschezusammensetzung 47
4.2.6 pH-Bestimmung 47
4.2.7 Feststoffgehalt 48
4.2.8 Viskosität 48
4.2.9 Wassergehalt 48
4.2.10 Reaktionskinetik 49
4.2.11 Glasübergang 49
4.2.12 Freie Radikale 50
4.2.13 Carbonylgruppen 50
4.2.14 Methoxylgruppen 51
4.2.15 Hydroxylgruppen 51
4.3 Chromatographische Methoden 52
4.3.1 Py-GC/MS (Pyrolyse-Gaschromatographie/Massenspektrometrie) 52
4.3.2 HT-GC/MS (Hochtemperatur Gaschromatographie/Massenspektrometrie) 52
4.3.3 GPC (Gelpermeationschromatographie) 53
4.3.3.1 Präparative GPC 53
4.3.3.2 Analytische GPC 54
4.4 Spektroskopische Methoden 54
4.4.1 MALDI-TOF/MS und LDI-TOF/MS (Matrix Assisted Laser Desorption Ionisation-Time Of Flight/Mass Spectrometry und Laser Desorption Ionisation-Time Of Flight/Mass Spectrometry) 54
4.4.2 Py-FI/MS (Pyrolyse-Field Ionisation/Mass Spectrometry) 55
4.4.3 APCI/MS (Atmospheric Pressure Chemical Ionisation/Mass Spectrometry) 56
4.4.4 FTIR-Spektroskopie (Fourier Transform Infrarot-Spektroskopie) 56
4.4.4.1 Kondensations-Indices 57
4.4.4.2 Carbonylgruppen 57
4.4.4.3 Hydroxylgruppen 57
4.4.5 UV/Vis-Spektroskopie (Ultra Violett und sichtbares Licht Spektroskopie) 58
4.4.6 NMR-Spektroskopie (Nuclear Magnetic Resonance-Spectroscopy) 58
4.4.6.1 Flüssig 1H-NMR 58
4.4.6.2 HPLC-1H-NMR (High Pressure Liquid Chromatography-1H-NMR) 58
4.4.6.3 Flüssig 13C-NMR 59
4.4.6.4 Feststoff 13C-NMR 59
4.5 Nasschemische Abbaumethoden 59
4.5.1 Thioacidolyse 59
4.5.2 KMnO4-Oxidation (Kaliumpermanganat-Oxidation) 60
5. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 62
5.1 Pyrolyseflüssigkeiten 62
5.1.1 Rohstoffe 62
5.1.2 Ölausbeute 63
5.1.3 Physico-chemische Charakteristika der Öle 64
5.2 Pyrolyselignin 65
5.2.1 Fällbarkeit 65
5.2.2 Ausbeuten 66
5.2.2.1 Rohstoff 66
5.2.2.2 Pyrolysetemperatur 67
5.2.2.3 Pyrolyseöl-Lagerdauer 68
5.2.2.4 Konzentration an Pyrolyselignin im Fällbad 68
5.2.3 Makroskopische Struktur 69
5.2.4 Elementarzusammensetzung 71
5.2.5 Glührückstand und Zusammensetzung der Spurenelemente 72
5.2.6 Thermische Analysen 73
5.2.6.1 DSC (Differential Scanning Calorimetry) 73
5.2.6.2 Glasübergang 74
5.2.7 Elektronen Spin Resonanz (ESR)-Spektroskopie/Freie Radikale 75
5.2.8 Carbonylgruppen 77
5.2.9 Methoxylgruppen 78
5.2.10 Hydroxylgruppen 80
5.2.11 Gelpermeationschromatographie (GPC) 81
5.2.12 MALDI-TOF/MS 84
5.2.13 LDI-TOF/MS 89
5.2.14 Py-FI/MS 95
5.2.15 APCI/MS 103
5.2.16 HT-GC/MS 105
5.2.17 FTIR-Spektroskopie 106
5.2.17.1 Unterschiede zwischen verfärbten und unverfärbten Pyrolyseligninen 106
5.2.17.2 Kondensationsindices 107
5.2.17.3 Funktionelle Gruppen an unacetylierten Spektren 108
5.2.17.4 Carbonylgruppen 110
5.2.17.5 Hydroxylgruppen 111
5.2.18 UV-Spektroskopie 113
5.2.19 NMR-Spektroskopie 115
5.2.19.1 Flüssigphasen-1H-NMR 115
5.2.19.2 HPLC-1H-NMR 118
5.2.19.3 Flüssigphasen-13C-NMR 120
5.2.19.4 Feststoff-13C-NMR 124
5.2.20 Py-GC/MS (Pyrolyse-Gaschromatographie/Massenspektrometrie) 128
5.2.20.1 Konventionelle Py-GC/MS 128
5.2.20.2 Py-GC/MS mit Derivatisierungsmitteln 132
5.2.21 Thioacidolyse 136
5.2.22 Kaliumpermanganatoxidation 140
6. STRUKTURVORSCHLÄGE UND ENTSTEHUNGSTHEORIE 145
6.1 Monomere Grundbausteine und freie Monomere 145
6.2 Dimere 147
6.3 Oligomere 148
6.4 Entstehung des Pyrolyselignins 154
7. LITERATUR 155
8. ANHANG 176
8.1 Temperaturverläufe der Pyrolysen 176
8.2 Berechnungen 180
8.3 Glossar 182

Automatisiert erstellter Textauszug:

B. Kraftlignine, Lignosulfonate oder Hydrolyseligninen) können Radikale durch die starre Polymermatrix und durch die Delokalisierung von ungepaarten Elektronen in polykonjugierten aromatische Strukturen stabilisiert werden (KUZINA et al. 1993; DIZHBITE et al. 2001). Die Werte der Linienbreiten befinden sich in einem engen Bereich von 0,6-0,7 mT. Im Gegensatz dazu variieren die Gehalte an freien Radikalen innerhalb der Proben. Auf 1000 C8Einheiten weisen Fichte- und Kiefer-Pyrolyselignin zwei bis drei Radikale, Robinie-Pyrolyselignin zehn Radikale auf (Tabelle 19). Der Gehalt an freien Radikalen sinkt bei Buchen- und Fichten-Pyrolyselignin mit zunehmendem Ölalter ab. Offensichtlich rekombinieren die freien Radikale gemäß der Theorie (REBICK 1983). Ungeklärt ist das Verhalten von Robinien- und Kiefern-Pyrolyselignin. Bei diesen Ligninen steigt der Gehalt an Radikalen an. Dass sich freie Radiale im Pyrolyseöl während der Lagerzeit neu bilden ist zweifelhaft. Die paramagnetischen Zentren aller Pyrolyselignine zeigen eine hohe Stabilität. Die Veränderung der ESR-Spektral-Parameter mit zunehmendem Ölalter ist vernachlässigbar gering. Eine direkte und eindeutige spektroskopische Charakterisierung der paramagnetischen Zentren und der damit assoziierten Ligninstruktur ist problematisch, da typische ESR-Spektren von Lignin inhomogen verbreiterte Signale ohne Hyperfeinstruktur zeigen. Trotzdem ist es möglich, die molekulare Umgebung von ungepaarten Elektronen mit den experimentell ermittelten Linienbreiten zu charakterisieren. Wird der niedrige Polymerisationsgrad von Pyrolyseligninen und der Herstellungsprozess zur Isolation berücksichtigt, so kann angenommen werden, dass die Radikale nicht durch eine große Polymermatrix, sondern durch Delokalisierung ungepaarter Elektronen in ausgedehnten π-konjugierten Systemen stabilisiert werden. In Anlehnung an die ESR-Theorie kann der Grad der Delokalisierung der ungepaarten Elektronen auf der Basis von ESR-Linienbreiten charakterisiert werden, indem der Parameter n verwendet wird. Der Parameter n entspricht der Anzahl an Protonen, die mit einem ungepaarten Elektron interagierten (KOVARSKi et al. 1998; VANCSO et al. 1982). Für Polymere, die aromatische Ringe enthalten gilt folgende Abschätzung: [...]

Lignin als amorphes Material schmilzt nicht bei einer definierten Temperatur, vielmehr ändert sich die Viskosität über einen bestimmten Temperaturbereich allmählich. Dieser Bereich wird als Glasübergang bezeichnet und kann zur Charakterisierung von unterschiedlichen nativen und technischen Ligninen verwendet werden (HATAKEYAMA 1992). Als Bezugsgröße wird meist der Glasübergangspunkt herangezogen. Dieser kann durch unterschiedliche mathematische Verfahren in der Mitte des Glasübergangsbereiches bestimmt werden. In diesen Untersuchungen wurde der Glasübergangspunkt von drei Pyrolyseligninen und drei MilledWood-Ligninen nach ASTM E 1356 bestimmt. Der Glasübergang ist bei allen Proben erkennbar ausgeprägt (in Abbildung 31 mit Pfeilen markiert). Die Pyrolyselignine zeigen im Gegensatz zu Milled-Wood-Ligninen keine Enthalpierelaxation. Die Glasübergangstemperaturen der Pyrolyselignine variieren zwischen [...]

Die DSC ist eine Analysenmethode zur Bestimmung von Temperaturfunktionen physikalischchemischer Größen, mit deren Hilfe Rückschlüsse u. a. auf Phasenumwandlungen, Reaktionskinetik und thermisches Verhalten von Polymeren möglich sind (RÖMPP 1995). Sie findet Anwendung bei der Klebstoffanalytik und wurde erfolgreich bei der Charakterisierung von Lignin und Mischungen aus Lignin und Klebstoffen angewendet (HATAKEYAMA 1992; HATAKEYAMA und QUINN 1995; ALONSO et al. 2004; LEHNEN 2006). Der Zersetzungsvorgang aller vermessenen Pyrolyselignine (Buche, Fichte und Bambus) beginnt bei ca. 350 °C und endet bei ca. 550 °C. Im Temperaturbereich von 350 °C bis 400 °C findet eine heterogene Zersetzung statt, die sich in unruhig verlaufenden DSCSignalen äußert. Im weiteren Temperaturbereich erfolgt die Zersetzung homogen und das DSC-Signal zeigt einen stetigen Verlauf. Die Schwerpunkte der Zersetzungsphasen liegen [...]

Arbeit zitieren:
Bayerbach, Rolf Juni 2006: Über die Struktur der oligomeren Bestandteile von Flash-Pyrolyseölen aus Biomasse, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Pyrolyseligninen, Flash-Pyrolyse, Rohstoff, Bioöl, wasserlöslich

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