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Struktur und Dynamik des vietnamesischen Bankensektors

Chancen und Risiken des Markteintritts für ausländische Banken

Struktur und Dynamik des vietnamesischen Bankensektors
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Annett Pilke
  • Abgabedatum: April 2005
  • Umfang: 166 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Bankwirtschaft (HfB) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9444-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9444-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9444-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pilke, Annett April 2005: Struktur und Dynamik des vietnamesischen Bankensektors, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Finanzsektor, Vietnam, marktwirtschaftliche Reformen, Rechtsunsicherheit, empirische Studie

MA-Thesis / Master von Annett Pilke

Einleitung:

Seit Beginn der sogenannten Doi Moi-Reformpolitik, die Vietnam aus der Planwirtschaft in eine sozialistische Markwirtschaft führen soll, erfährt das Land eine rasante Entwicklung. In den letzten Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt jährlich zwischen 7% und 8%, das Einkommen pro Kopf zwischen 5% und 6% angestiegen. Vietnam ist damit nach China das am schnellsten wachsende Land Asiens. Gleichzeitig ging die Armut deutlich zurück. Innerhalb einer Dekade vervierfachten sich die Exporte, die ausländischen Direktinvestitionen in Prozent des Bruttoinlandsproduktes übertreffen seit Jahren jene nach China. Selbst die Asienkrise schwächte den vietnamesischen Aufschwung geringfügig. Vietnam wird bereits als „aufgehenden Stern am asiatischen Wirtschaftshimmel“ und „Tiger auf dem Sprung“ gehandelt.

Hingegen erscheint der vietnamesische Bankensektor noch rückständig und von staatlichen Banken dominiert. So ist die Präferenz für Bargeld mit einem Anteil von 62% am Bruttoinlandsprodukt (2003) weiterhin hoch Die technische Entwicklung steht noch am Anfang. Desgleichen ist die Auswahl an Finanzdienstleistungen gemessen an internationalen Standards klein und zudem stark reglementiert. Zusätzlich ist die Durchsetzbarkeit von Rechtsansprüchen ungewiss und Informationen etwa über Kreditnehmer schwer zu erhalten. Allerdings sollte der bevorstehende Beitritt zur Welthandelsorganisation die Integration Vietnams in das Weltfinanzsystem befördern. Dies hätte zur Folge, dass der Druck zunimmt, sowohl die gesetzlichen Rahmenbedingungen als auch den Bankensektor selbst zu reformieren.

Angesichts der geschilderten Ausgangslage, kann ein Eintritt in den vietnamesischen Markt hervorragende Chancen für ausländische Banken bieten. Er birgt jedoch ebenso Risiken etwa wenn o.g. Reformen die nötige Konsequenz vermissen lassen. Ziel dieser Arbeit ist es daher, anhand eines im folgenden zu entwickelnden Analyserahmens, die den vietnamesischen Bankensektor prägenden Rahmenbedingungen zu beleuchten, dessen Struktur und Dynamik aufzudecken und aus beidem die Chancen und Risiken für den Markteintritt ausländischer Banken abzuleiten.

Mit dieser Zielsetzung schließt die vorliegende Arbeit eine Lücke im Forschungsbestand, in dem es bislang diesbezüglich an einer umfassenden, methodisch abgestützten Analyse fehlt.

Gang der Untersuchung:

In Kapitel 1 werden die zentralen Begriffe dieser Arbeit definiert, ein Überblick über die verwandten Untersuchungsmethoden gegeben und die einschlägige Literatur gesichtet. Das Kapitel 2 dient der Herleitung des Analyserahmens dieser Arbeit. Hierbei werden institutionen- und industrieökonomische Ansätze konzeptionell vereint und die Untersuchungsvariablen identifiziert. Anhand derer werden in Kapitel 3 die konkreten Umfeld- und Wettbewerbsbedingungen in Bezug auf den Markteintritt ausländischer Banken erörtert. Auf dieser Grundlage geschieht in Kapitel 4 die Hypothesenbildung als Ausgangspunkt der empirischen Untersuchung. Das abschließende Kapitel 5 diskutiert die Ergebnisse der vorangegangenen Analysen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis iii
Abbildungsverzeichnis v
Tabellenverzeichnis vi
1. Grundlegung 1
1.1 Problemstellung, Ziel der Arbeit und Abgrenzung 1
1.2 Untersuchungsgang 2
1.3 Untersuchungsobjekt und -situation 3
1.3.1 Bankbegriff und Bankensektor 3
1.3.2 Bankdienstleistungsmarkt und Differenzierung nach relevanten Märkten 4
1.3.3 Markteintritt ausländischer Banken 5
1.3.4 Wettbewerb als Funktion des Marktverhaltens und der Marktstruktur 9
1.4 Untersuchungsmethoden und Literaturübersicht 10
2. Herleitung des Analyserahmens 11
2.1 Überblick über den Analyserahmen 11
2.2 Erschließung der Variablen zur Analyse des Bankensektorumfeldes – Ansatz der Neuen Institutionenökonomik 15
2.2.1 Fundamentale und konstitutionelle Institutionen 16
2.2.2 Abgeleitete (sekundäre) Institutionen und Faktorallokation 17
2.3 Erschließung der Variablen zur Analyse der Märkte für Bankdienstleistungen und des Wettbewerbs – Industrieökonomischer Ansatz 18
2.3.1 Integrativer Ansatz zur Markt- und Wettbewerbsanalyse 19
2.3.2 Marktphasen: Entwicklung und institutionelle Ausgestaltung des Marktes 25
2.3.3 Motive des Markteintritts: Eklektischer Ansatz von Dunning 26
2.4 Zusammenführung der Untersuchungsvariablen 28
3. Vietnamesischer Bankensektor: Institutionelles Umfeldund Wettbewerb aus der Sicht ausländischer Banken 31
3.1 Fundamentale Institutionen des soziokulturellen Umfelds 31
3.1.1 Soziokulturelle Wurzeln 31
3.1.2 Wirkungen auf Geschäftskultur und Vertragsverständnis 34
3.2 Konstitutionelle Institutionen des politischen Umfelds 35
3.2.1 Transformationspolitik, Stabilität und Weichenstellung für den Privatsektor 35
3.2.2 Restrukturierung des staatlichen Unternehmenssektors 39
3.3 Konstitutionelle und sekundäre Institutionen des rechtlichen Umfelds 43
3.3.1 Gliederung und Funktionsweise der drei Staatsgewalten 45
3.3.2 Abbau von Markteintrittsbarrieren Banken: BTA und WTO-Beitritt 51
3.3.3 Registrierung von Sicherheiten, Rechnungslegung und Konkursgesetz 53
3.4 Sekundäre Institutionen des bankenspezifischen rechtlichen Umfeldes 56
3.4.1 State Bank of Vietnam: Zentralbank- und Aufsichtsichtsfunktionen vereint 57
3.4.2 Bankensektor: Definition der Bankengruppen und Reformen 59
3.5 Faktorallokation: Makroökonomisches Umfeld 65
3.5.1 Bruttoinlandsprodukt, Bevölkerung, Technologie und Bildung 65
3.5.2 Geschäftsklima für private in- und ausländische Investoren 68
3.5.3 Außenhandel: Zunehmende wirtschaftliche Integration 73
3.5.4 Kapitalmarkt: Frühe Phase der Marktentwicklung 75
3.6 Wettbewerb im vietnamesischen Bankdienstleistungsmarkt 77
3.6.1 Wettbewerber, Rivalität und Strategische Gruppen 79
3.6.2 Marktinstitutionen, Marktschranken und Substitute 86
3.6.3 Marktphasen und Marktergebnis 90
3.7 Fundament für die empirische Analyse: Struktur und Dynamik des Bankensektors sowie Chancen und Risiken des Markteintritts 92
4. Empirische Analyse zum Markteintritt ausländischer Banken 96
4.1 Untersuchungsdesign 96
4.1.1 Selektion der Hypothesen 96
4.1.2 Ziel und Form der Befragung 99
4.1.3 Konstruktion des Fragebogens 100
4.1.4 Selektion der Interviewpartner und Zusammensetzung des Datensatzes 101
4.1.5 Auswertung der Fragebögen 102
4.2 Darstellung der Ergebnisse 104
4.2.1 H1 und H2: Rechtliches Umfeld 105
4.2.2 H3, H4 und H5: Politisches und makroökonomisches Umfeld 106
4.2.3 H6 und H7: Eintrittsbarrieren und Geschäftsklima 109
4.2.4 H8 und H9: Chancen und Risiken für ausländische Banken 111
4.2.5 H10 und H11: Equitisierung und Wettbewerbsdruck 112
4.3 Neue Erkenntnisse gegenüber der Hypothesenfundierung 115
5. Schlussfolgerungen 117
Anhang 122
A-1 Industrieökonomische Branchenmodelle 122
A-2 Verzeichnis der Interviewpartner 123
A-3 Verzeichnis der Banken in Vietnam 126
A-4 Ausführungsrichtlinien zum Zentralbankgesetz (2003) und Bankgesetz (2004) 131
A-5 Fragebogen deutsch 132
A-6 Fragebogen englisch 137
A-7 Umfragen und Studien zum Geschäftsklima 142
Literaturverzeichnis 145
Verzeichnis der Gesetzestexte 158
Eidesstattliche Versicherung 160

Automatisiert erstellter Textauszug:

Im November 2003 entschied die Nationalversammlung über wirtschaftliche Ziele für die nächsten Jahre, u.a. ein Wachstum des BIP um 7,5 bis 7,8% pro Jahr, eine Inflationsrate und ein Staatsdefizit von jeweils unter 5% des BIP. Diese Richtwerte werden als erreichbar angesehen.376 Die derzeitigen Werte für die Inflationsrate und das Staatsdefizit (s. Abbildung 3-1 und 3-2 in Abschnitt 3.2.1) bewegen sich in einem vernünftigen Rahmen und sind langfristig tragfähig. Dies gilt ebenso für das Leistungsbilanzdefizit.377 Auf mittlere Sicht sollte das robuste Wachstum in Höhe von ca. 7% pro Jahr, bei einer moderaten Inflation von 3% bis 4% pro Jahr, anhalten. Daher rührt auch das solide Länderrating: Moodys stuft Vietnam mit B1 ein, S&P sowie Fitch vergeben ein BB.378 Die größten Risiken entstehen aus einer nur teilweisen Transformation hin zu einer Marktwirtschaft und einer weiterhin dominanten staatlichen Rolle bei der Finanzintermediation. Dies birgt das Risiko der unwirtschaftlichen Misallokation von Ressourcen, was die künftigen Wachstumsaussichten gefährden könnte. Zugleich entstehen Risiken für den Staatshaushalt, wenn SOCBs bzw. SOEs die Insolvenz droht und der Staat für die Verluste aufkommt.379 Vietnams Bevölkerung wächst mit durchschnittlichen 1,6% pro Jahr (1990-2003). Die Bevölkerungsanzahl betrug im Jahre 2003 80,9 Mio. und wird für das Jahr 2015 mit 90,7% prognostiziert. Im Jahre 2003 lebten 25,8% der Bevölkerung in Städten, 1990 waren es noch 19,5%; für das Jahr 2015 ist ein Anstieg auf 32,4% prognostiziert.380 Vietnams Bevölkerung ist sehr jung, 31% sind unter 14 Jahren alt, 64% zwischen 15 und 64 und 5% über 65. Bis zum Jahre 2015 wird sich das Verhältnis folgendermaßen verändern: 25% unter 14, 69% zwischen 15 und 64 und 6% über 65 Jahre. 41,9 Mio. Einwohner zählen zur Erwerbsbevölkerung, von der nur 1,7% als arbeitslos gilt.381 Vietnam hat mit ca. 480 USD das im Vergleich zu den ASEAN-4-Staaten und China niedrigste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Indes, die Wachstumsraten sind ansehnlich; zwischen 1990 und 2003 stieg der Wert um jährlich 20,9% pro Jahr, zuletzt um 11,4% (2003).382 Nicht einbezogen sind hier die hohen Überweisungen der Auslandsvietnamesen an ihre Familien in Höhe von 2,6 Mrd. USD im Jahr 2003.383 [...]

Bisher ist das regulative Umfeld in einer Weise gestaltet, welche die SOCBs bevorzugt. Nicht nur unterliegen sie z.B. weniger strengen Regulierungen in Bezug auf die Breite der Dienstleistungen, die sie anbieten und Geschäfte, die sie ausführen dürfen. Ferner haben sie größere Freiheiten bei der Eröffnung von Filialen oder der Standortwahl bei Bankautomaten und genießen bessere Konditionen bei der Inanspruchnahme von Zentralbank-Fazilitäten.356 Verschiedene Deregulierungsbemühungen haben bisher noch kein ebenes Spielfeld für alle Bankengruppen erreichen können.357 Interessanterweise bestätigt Art. 4 des Bankengesetzes (2004) weiterhin die Schlüsselrolle der staatlichen (kommerziellen) Banken im vietnamesischen Bankensektor, obwohl es gleichzeitig die Existenz verschiedenen Arten von Kreditinstituten bestätigt. Dies spiegelt die Entscheidung der politischen Akteure wider, Eigentum und Kontrolle im Bankensektor zu behalten und für dessen Entwicklung nicht auf außenstehende Kräfte wie strategische Investoren zu vertrauen.358 [...]

und ineffizient (papiergebundene Transaktionen statt elektronischer) bezeichnet, der freie Zugang zu den SBV-Fazilitäten bleibt faktisch ebenfalls verwehrt. • • Verbot für vietnamesische Individuen, USD-Konten bei ausländischen Banken zu unterhalten, hingegen ist ihnen dies bei autorisierten inländischen Banken und JVBs erlaubt. Darlehen in ausländischer Währung dürfen nur für genau festgelegte Zwecke an einen inländischen Kreditnehmer vergeben werden, etwa für Im- und Exportzahlungen im Zusammenhang mit der Produktion von Gütern oder einem Investitionsprojekt.353 • Hemmnisse bei der Einführung neuer Produkte, während für inländische Banken die Prozedur zur Erlaubniserteilung durch die SBV vereinfacht wurde, müssen ausländische Banken die Erweiterung ihrer Lizenz beantragen, ein kosten- und zeitintensiverer Weg. [...]

Arbeit zitieren:
Pilke, Annett April 2005: Struktur und Dynamik des vietnamesischen Bankensektors, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Finanzsektor, Vietnam, marktwirtschaftliche Reformen, Rechtsunsicherheit, empirische Studie

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