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Stress und Gewalt

Evaluierung und Bewältigung

Stress und Gewalt
Über dieses Buch
  • Art: Studienarbeit
  • Autor: Katja Henschke
  • Abgabedatum: Januar 2003
  • Umfang: 74 Seiten
  • Dateigröße: 574,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7976-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7976-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7976-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Henschke, Katja Januar 2003: Stress und Gewalt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mobbing, Arbeit, Stressor, Belastung, Beansprachung

Studienarbeit von Katja Henschke

Einleitung:

Das Thema der psychosozialen Belastungen und der daraus entstehenden Risiken in der Arbeitswelt genießt hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, wie die allgegenwärtigen Schlagworte Stress und Mobbing verdeutlichen. Den überwiegenden Teil des Tages verbringen erwachsene Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Dort treffen sie mit verschiedenen Kollegen und Vorgesetzten zusammen, von denen jeder individuelle Interessen, Ziele und Wertvorstellungen vertritt.

Diese Unterschiede im Denken und Handeln bergen erhebliches Konfliktpotential, das durch die vielfältigen Anforderungen der jeweiligen Tätigkeit noch verstärkt wird. Der Anteil der Arbeitnehmer, der aufgrund psychischer Belastungen frühzeitig verrentet worden ist, hat sich im Zeitraum von nur 10 Jahren verdoppelt; er stieg von 1980 bis 1990 von 7% auf 14% an. Der Anteil der Frauen liegt 1996 mit 24% bereits deutlich über dem der frühverrenteten Männer.

Stress ist das zweithäufigste arbeitsbedingte Gesundheitsproblem und betrifft nahezu ein Drittel aller Arbeitnehmer. 23% aller Arbeitnehmer klagen über allgemeine Erschöpfung. 13% leiden unter Kopfschmerzen, 17% über Muskelschmerzen und 30% über Rückenschmerzen bei der Arbeit. 4% aller Arbeitnehmer geben an, Opfer physischer Gewalt durch andere Personen während der Ausübung ihrer Tätigkeit zu sein.

Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch Stress am Arbeitsplatz und dessen Auswirkungen verursacht wird, beläuft sich auf 20 Mrd. Euro jährlich. Die Kosten der arbeitsbedingten psychischen Probleme einschließlich der Therapie der Stresssymptome machen 3% des Bruttoinlandproduktes der Europäischen Union aus. Die vorliegende Seminararbeit nimmt nach einer kurzen Einführung zunächst eine Abgrenzung der vielfach verwendeten, oftmals aber nur unscharf definierten Begriffe Stress, Mobbing, Bullying, Gewalt und Aggression vor.

Anschließend werden die Wandlungen in der modernen Arbeitswelt betrachtet und deren Auswirkungen auf die Phänomene Stress und Gewalt herausgestellt. Im folgenden werden die wichtigsten Erklärungsmodelle für Stress herangezogen und deren Anwendbarkeit auf den Arbeitsbereich untersucht. Hierbei werden insbesondere die Zusammenhänge zwischen der psychologischen Erscheinung Stress und Mobbing, einem weit verbreiteten Phänomen in der Arbeitswelt, und dessen Steigerungsformen bis hin zu Gewalt erläutert.

Dabei wird der Untersuchung der Ursachen und Auslöser für Stress und dessen Folgen eine ebenso große Bedeutung beigemessen wie der Beleuchtung der relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen.

Im zweiten Teil der Arbeit werden praxisnahe Möglichkeiten zur Evaluierung und Strategien der Bewältigung von Stress und Gewalt in Unternehmen vorgestellt und anhand einprägsamer aktueller Beispiele aus der Arbeitswelt veranschaulicht. Zentrales Anliegen dieser Arbeit ist es, die aus Stress resultierenden Risiken für Gesundheit und Wohlbefinden aller Arbeitenden als ein komplexes gesellschaftliches Problem aufzuzeigen, das im Zusammenhang mit Aggression und Gewalt immense Schäden in allen Bereichen unserer modernen Gesellschaft verursacht. Zum Abschluss der Ausführungen wird ein Ausblick auf die weitere Entwicklung gegeben sowie Problematiken und Tendenzen aufgezeigt.

Inhaltsverzeichnis:

Exposé 1
1. Einleitung 2
2. Terminologie der wichtigsten Begriffe 3
2.1 Stress 3
2.2 Mobbing 4
2.3 Bullying 4
2.4 Aggression 5
2.5 Gewalt 5
3. Wandlungen in der modernen Arbeitswelt 6
3.1 Demographische Änderungen 6
3.2 Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft 7
3.3 Arbeit mit neuen Regeln 7
3.4 Das menschliche Wissen als wichtigste Ressource 8
3.5 Neue Formen von Beschäftigungsverhältnissen 9
3.6 Einfluss neuer Arbeitsstrukturen auf die Gesundheit der Beschäftigten 10
4. Belastung und Beanspruchung 10
4.1 Belastungs- und Beanspruchungskonzept 10
4.1.1 Arbeitswissenschaftliche Definition 10
4.1.2 Das Ingenieurwissenschaftliche Belastungs- und Beanspruchungskonzept 11
4.1.3 Erweiterte Anwendung des Modells auf die Arbeitswelt 12
4.2 Fehlbeanspruchung 13
5. Stress am Arbeitsplatz 14
5.1 Positives und negatives Stressempfinden 14
5.2 Symptome von arbeitsbedingtem Stress 15
5.2.1 Physiologie der menschlichen Stressreaktion 15
5.2.2 Persönlicher Distress und individuelle Folgen von Stress bei der Arbeit 17
5.3 Erklärungsansätze und Klassifizierung von Stresskonzeptionen 18
5.3.1 Überblick über die häufigsten Stressoren am Arbeitsplatz 18
5.3.2 Determinanten der dispositionellen Stressanfälligkeit – Risikogruppen 19
5.3.3 Erklärungsansätze der psychologischen Stressforschung 20
5.3.3.1 Reizorientierte Stressmodelle 20
5.3.3.2 Reaktionsorientierte Stressmodelle 21
5.3.3.3 Das transaktionale Modell 22
5.3.4 Arbeitswissenschaftliches Konzept des Rollenstresses 23
5.3.5 Das arbeitswissenschaftliche Handlungsregulationskonzept 24
5.3.6 Das tätigkeitsorientierte Stresskonzept 25
5.3.7 Das Stress-Management-Model of Strain 25
5.3.8 Das Person-Environment-Fit-Model 26
5.4 Physische Gefahren als Ursachen für Stress 27
5.5 Mobbing 27
5.5.1 Formen und Ursachen von Mobbing am Arbeitsplatz 27
5.5.2 Die Beteiligten 29
5.5.3 Folgen von Mobbing 30
5.5.4 Typisches Verlaufsmodell eines Mobbing-Prozesses 31
5.6 Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz 33
5.7 Gewalt bei der Arbeit 35
5.7.1 Gefährdete Berufsgruppen 35
5.7.2 Das Gesundheitswesen als weltweit gewalttätigster Sektor 36
5.7.3 Bullying bei der Arbeit 38
5.8 Rechtliche Rahmenbedingungen 41
5.8.1 Gesetze und Richtlinien auf EU-Ebene 41
5.8.2 Vorgehensweise für Mobbing- und Gewaltopfer in Deutschland 42
5.9 Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Folgen von Stress 43
6. Möglichkeiten der Evaluierung 45
6.1 Probleme der arbeitspsychologischen Belastungsforschung 45
6.2 Messmodelle in der stressbezogenen Arbeitsanalyse 47
6.3 Die Fragebogenmethode 47
7. Strategien und Programme zur Bewältigung 49
7.1 Verpflichtung der Arbeitgeber zur Verringerung von arbeitsbedingtem Stress 49
7.2 Förderung bewährter Präventionspraktiken 50
7.3 Effektive Methoden zur Stressbewältigung 51
7.4 Ein erfolgreiches Praxisbeispiel – Stressprävention für Fahrpersonal 52
7.4.1 Die tägliche Situation für einen Berufskraftfahrer 52
7.4.2 Maßnahmen der BG Bahnen zur ganzheitlichen Stressprävention 53
7.5 Maßnahmen zur Gewaltprävention 55
7.5.1 Unternehmensinterne Voraussetzungen 55
7.5.2 Beispiele für gewaltpräventive Maßnahmen 56
7.5.3 Maßnahmen nach gewalttätigen Zwischenfällen bei der Arbeit 57
8. Fazit und Ausblick 58
9. Literatur 59
Anhang 63
I. Die zwanzig häufigsten Mobbing Handlungen 63
II. Ein Mobbing Fallbeispiel 64
III. Rechtliche Rahmenbedingungen 66

Automatisiert erstellter Textauszug:

sieren. Der Betroffene gerät in eine unterlegene Position, da er im beruflichen Umfeld keine Hilfe findet. Zudem schätzt er oftmals die Situation falsch ein, da er noch immer bestrebt ist, den Streit mit vernünftigen Argumenten beizulegen, obwohl die andere Seite längst zu Attacken übergegangen ist. Beim Gemobbten entstehen in dieser Zeit die ersten psychosomatischen Symptome; er leidet unter Schlafmangel und infolge des erhöhten Stresses kann es zu Magen- und Darmstörungen sowie zu leichten depressiven Verstimmungen kommen. In der dritten Phase, die durch eine stabile Rollenzuweisung gekennzeichnet ist, erfolgt die öffentliche Brandmarkung des Gemobbten. Er wird als Sündenbock für das gestörte Betriebsklima gezeichnet. Man sieht in ihm den Querulanten, den Übersensiblen oder Besserwisser. Spätestens in dieser Phase schalten sich auch die Vorgesetzten ein, sofern sie nicht ohnehin bereits involviert sind. Ihre Versuche, die Situation unter Kontrolle zu bekommen, wird fast immer von Verstößen gegen geltendes Arbeitsrecht begleitet. So greifen Abteilungsleiter oftmals zu ungerechtfertigten Abmahnungen der Betroffenen, da dies der einfachere Weg ist. Ebenso häufig erfolgt eine Degradierung des Mobbingopfers innerhalb der Abteilung, indem ihm minderwertige oder gar überflüssige Arbeit zugewiesen und er aus der Gruppe entfernt wird. Die Gemobbten erfahren die ungerechtfertigten Beschuldigungen aus ihrer Arbeitsumwelt als tiefgehende Kränkungen, auf die sie entweder mit Hilflosigkeit oder mit aggressiven Abwehrreaktionen reagieren. Dadurch wird jedoch lediglich eine Verschlimmerung der zustände für alle Beteiligten erreicht. Die psychosomatischen Beschwerden des Mobbingopfers haben mittlerweile stark zugenommen und sind oftmals behandlungsbedürftig, wodurch erste krankheitsbedingte Fehlzeiten auftreten. Die nun erreichte vierte Phase ist gekennzeichnet durch eine dramatische Zuspitzung des Konfliktes. Die betroffene Person ist den beruflichen und sozialen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Eine Weiterführung des Beschäftigungsverhältnisses am [...]

In der Anfangsphase entstehen Konflikte, die nur unzureichend oder gar nicht bewältigt werden, wobei es sich zumeist um solche Probleme handelt, deren Lösung innerhalb der Bewältigungsmöglichkeiten aller Beteiligten liegen. Oftmals wird jedoch auch aus einer Meinungsverschiedenheit in Sachfragen, wie sie im Berufsalltag an der Tagesordnung ist, ein ernsthafter Beziehungskonflikt. Dann steht plötzlich nicht mehr die Klärung der inhaltlichen Differenzen an erster Stelle, sondern es wird in der Person des anderen die Ursache für die festgefahrene Situation gesehen. Damit hat ein Prozess eingesetzt, der ausgehend von einem zugespitzten Konflikt zunehmend systematischer wird und leicht in den im folgenden beschriebenen Mobbing-Verlauf abrutschen kann. Zunächst ist die betroffene Person noch bereit, zu einer vernünftigen Konfliktbewältigung beizutragen. In der dann einsetzenden zweiten Phase kommt es jedoch erstmals zum gezielten Einsatz von typischen Mobbing-Handlungen9 und somit zur Eskalation des Konfliktes, wobei sich die Fronten der Mobber auf beiden Seiten stabili- [...]

Die Auswirkungen von Mobbing sind für die Betroffenen besonders schwerwiegend. Physische, psychische und psychosomatische Störungen wie Depressionszustände, Selbstanschuldigungen, Phobien, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, Muskel- und Skeletterkrankungen sowie posttraumatische Stresserkrankungen sind mittlerweile nachgewiesene Folgen von Mobbing. Zu den Symptomen, wie sie für traumatische Erlebnisse wie Katastrophen und Überfälle üblich sind, kommen bei Mobbing besonders lang anhaltende Probleme hinzu wie soziale Ausgrenzung, familiäre und finanzielle Schwierigkeiten, da nahezu alle Mobbingopfer den Arbeitsplatz aufgeben. Angesichts der Hilflosigkeit und dem Unvermögen der Opfer, aus eigener Kraft Veränderungen ihrer beruflichen Situation zu bewirken, steigt die Bereitschaft zur Einnahme von Suchtmitteln aller Art. Besonders häufig wird Alkohol als Problemlöser eingesetzt. Untersuchungen diesbezüglich ergaben, dass 11% aller Angestellten täglich Alkohol am Arbeitsplatz konsumieren. 37% der Befragten gaben als Grund hierfür Problembewältigung in Belastungssituationen an (KISTNER, 1999), was jedoch nicht bedeutet, dass Mobbing der generelle Auslöser für Alkoholabhängigkeit ist. In Schweden sind nahezu 15% aller Selbstmordfälle direkte Folge von Mobbing-Prozessen. Die Zahl der Selbstmorde in Japan, die auf Mobbing am Arbeitsplatz zurückzuführen sind, ist seit Mitte der 90er Jahre um 20% gestiegen (Stress, Mobbing und Tyrannei, 2002). Für den Betrieb ergeben sich ebenfalls große Schäden durch Mobbing seiner Mitarbeiter. Dazu gehören höhere Krankenstände und die daraus resultierenden Kosten, stärkere Mitarbeiterfluktuation, geringere Produktivität, Verlust von Kunden und Arbeitseffizienz. Die Rechtskosten, die aus Prozessen [...]

Arbeit zitieren:
Henschke, Katja Januar 2003: Stress und Gewalt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mobbing, Arbeit, Stressor, Belastung, Beansprachung

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