Strategieprogramm der Regierung der Russischen Föderation zur Beseitigung von Eintrittsbarrieren in den russischen Markt
Analyse und kritische Würdigung aus Sicht ausländischer Direktinvestoren
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Dirk Heering
- Abgabedatum: März 2002
- Umfang: 84 Seiten
- Dateigröße: 618,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5531-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5531-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5531-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Heering, Dirk März 2002: Strategieprogramm der Regierung der Russischen Föderation zur Beseitigung von Eintrittsbarrieren in den russischen Markt, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Direktinvestitionen, Markteintrittsbarieren, Putin, Rußland
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Diplomarbeit von Dirk Heering
Einleitung:
Nachdem Ende der 80er Jahre das politische und wirtschaftliche System der UdSSR zerfallen ist, befindet sich die Russische Föderation (RF) im Transformationsprozess von der ehemaligen Zentralverwaltungswirtschaft in Richtung Marktwirtschaft. Die zum Teil schlagartig eingeführten marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben Veränderungen verursacht, die in der RF teilweise enorme Schwierigkeiten hervorgerufen haben. Diese Schwierigkeiten gilt es in der kommenden Zeit zu beseitigen.
Um die zahlreichen Probleme lösen zu können, bedarf es in Russland eines nachhaltigen und stabilen Wirtschaftswachstums, welches unter anderem durch umfangreiche Investitionszuflüsse erreicht werden kann. Die Gestaltungsmöglichkeiten von Seiten des Staates sind aufgrund des äußerst knapp bemessenen Haushalts sehr begrenzt. Es verbleiben folglich noch private Direktinvestitionen aus dem In- oder Ausland. Mit massiven Direktinvestitionszuflüssen kann aufgrund des ungünstigen Direktinvestitionsklimas nicht gerechnet werden. Ausländische Direktinvestoren investieren vorwiegend in Länder, in denen weniger Risiken anzutreffen und deren Rahmenbedingungen für sie günstiger sind.
Das in dieser Arbeit zu behandelnde Problem ist folglich das ungünstige Direktinvestitionsklima in der RF sowie das daraus resultierende Ausmaß an ausländischen Direktinvestitionen, welches sich in den vergangenen Jahren bis in die heutige Zeit nur auf relativ niedrigem Niveau befindet. Gerade die Direktinvestitionen sind für Russland einer der Faktoren, wovon die wirtschaftliche Zukunft des Landes abhängt. Die Gründe für das ungünstige Direktinvestitionsklima sind in dem Vorhandensein von Markteintrittsbarrieren administrativer Art zu suchen.
Die Regierungen unter Präsident Jelzin vermochten es nicht, das Direktinvestitionsklima nachhaltig zu verbessern. Es wurde versucht, mit einzelnen Reformen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Direktinvestoren beizutragen. Diese haben jedoch bisher nicht zu den gewünschten Resultaten geführt. Es fehlte ein Reformprogramm, das sämtliche Bereiche der Wirtschaft umfasst. Götz berichtet, dass sich Präsident Jelzin während seiner Amtszeit immer nur mit Regierungsentlassungen zu helfen wusste, sobald der Druck von Seiten der westlichen Kreditgeber, wie etwa dem Internationalen Währungsfonds (IWF), allzu groß wurde. Dadurch versprach er sich Verbesserungen, die jedoch nicht eintraten.
Erst die jetzige russische Regierung unter Präsident Putin hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit dem erarbeiteten Strategieprogramm „Grundlegende Richtungen der sozial-ökonomischen Entwicklung der Russischen Föderation auf langfristige Sicht“, die administrativen Markteintrittsbarrieren zu beseitigen. Damit soll das Direktinvestitionsklima wesentlich verbessert werden. Inwiefern dieses Programm zu einer Verbesserung der momentanen Situation führen kann, ist die Fragestellung der vorliegenden Arbeit und wird nachfolgend analysiert und kritisch hinterfragt.
Gang der Untersuchung:
In Kapitel 2 werden zunächst die theoretischen Grundlagen der vorliegenden Arbeit erläutert. Nach dem allgemeinen Verständnis von Direktinvestitionen und den Motiven werden die Gesetze in der RF betrachtet, welche den ausländischen Direktinvestitionen in Russland zugrunde liegen. Seit der Gründung der RF im Jahr 1992 wurden zwei Gesetze verabschiedet, die für die ausländischen Direktinvestoren von Bedeutung sind. Anschließend wird betrachtet, welche speziellen Motive ausländische Unternehmen in die RF führen. Darüber hinaus ist es erforderlich, die Auswirkungen der Direktinvestitionen auf die russische Wirtschaft zu beleuchten. Die tatsächliche Entwicklung der Direktinvestitionen in der RF bildet den Abschluss des zweiten Kapitels. Dabei wird ein Vergleich mit Ungarn vorgenommen, das aufgrund des bereits weiter vorangeschrittenen Transformationsprozesses und der Entwicklung der Direktinvestitionen einen Gegensatz zu Russland darstellt.
Kapitel 3 resultiert aus den in Kapitel 2 betrachteten Motiven und der Entwicklung der Direktinvestitionen in Russland. Hier wird veranschaulicht, dass in der RF eine Verbesserung des Direktinvestitionsklimas von Seiten der Regierung aufgrund der bisher aufgezeigten Ergebnisse unumgänglich ist. Dazu ist es notwendig, das Direktinvestitionsklima allgemein zu definieren und anhand eines qualitativen Indikators, der die RF in seine Betrachtung mit einbezieht, zu bestimmen. Ergebnisse dieser Betrachtung führen zu Kapitel 4.
Kapitel 4 stellt zusammen mit Kapitel 5 den Hauptteil der vorliegenden Arbeit dar und ist den Markteintrittsbarrieren, denen ausländische Direktinvestoren in der RF gegenüberstehen, sowie dem Strategieprogramm zur Beseitigung dieser Markteintrittsbarrieren gewidmet. Nach der allgemeinen Begriffsbestimmung von Markteintrittsbarrieren und einiger einführender Worte zur Entstehung des Strategieprogramms wird auf in der RF konkret vorherrschende administrative Markteintrittsbarrieren eingegangen. Insgesamt wurden fünf Markteintrittsbarrieren ausgewählt, die für die Ausprägung des Direktinvestitionsklimas in Russland vorrangig von Bedeutung sind. Jeweils nach der Darstellung der Markteintrittsbarriere wird beschrieben, welche Maßnahmen zu deren Beseitigung im Strategieprogramm vorgesehen sind. Dabei bedarf es einiger kritischer Anmerkungen zu den jeweiligen Markteintrittsbarrieren, die auf Unzulänglichkeiten hinweisen und Verbesserungsvorschläge formulieren. Ein Zwischenfazit schließt das Kapitel 4 ab, indem die Grundausrichtung des Strategieprogramms erläutert wird.
In Kapitel 5 folgt schließlich die kritische Würdigung des gesamten Strategieprogramms, dessen Inhalt zwar von Seiten der ausländischen Direktinvestoren positiv beurteilt wird, jedoch stellt die Umsetzung der einzelnen im Programm enthaltenen Maßnahmen noch immer das Kernproblem dar, wie in diesem Kapitel erörtert wird.
Die Arbeit schließt in Kapitel 6 mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und einem Ausblick, der die Einbindung der Russischen Föderation in die WTO betrachtet.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| 1. | Problematik der Direktinvestitionen in der Russischen Föderation | 1 |
| 2. | Motive und Entwicklung der Direktinvestitionen in der Russischen Föderation | 4 |
| 2.1 | Zum Verständnis von Direktinvestitionen | 4 |
| 2.2 | Gesetz über ausländische Investitionen in der Russischen Föderation | 6 |
| 2.3 | Motive für Direktinvestitionen in der Russischen Föderation und Auswirkungen auf die russische Wirtschaft | 8 |
| 2.3.1 | Motive für Direktinvestitionen in der Russischen Föderation | 8 |
| 2.3.2 | Auswirkungen der Direktinvestitionen auf die russische Wirtschaft | 10 |
| 2.4 | Entwicklung der Direktinvestitionen in der Russischen Föderation seit 1992 | 12 |
| 3. | Notwendigkeit einer Verbesserung des Direktinvestitionsklimas in der Russischen Föderation | 17 |
| 4. | Markteintrittsbarrieren für ausländische Direktinvestitionen in der Russischen Föderation und deren Beseitigung durch das Strategieprogramm der Regierung der Russischen Föderation | 22 |
| 4.1 | Zum Verständnis von Markteintrittsbarrieren | 22 |
| 4.2 | Zur Entstehung des Strategieprogramms der Regierung der Russischen Föderation | 24 |
| 4.3 | Konkrete Markteintrittsbarrieren in der Russischen Föderation und deren Beseitigung durch das Strategieprogramm | 25 |
| 4.3.1 | Rechtsunsicherheit | 26 |
| 4.3.2 | Steuersystem | 29 |
| 4.3.3 | Korruption | 34 |
| 4.3.4 | Bankensystem | 39 |
| 4.3.5 | Rechnungslegungsprinzipien | 45 |
| 4.4 | Grundausrichtung des Strategieprogramms | 48 |
| 5. | Kritische Würdigung des Strategieprogramms aus Sicht der ausländischen Direktinvestoren | 53 |
| 5.1 | Positive Reaktionen von Seiten der ausländischen Direktinvestoren | 53 |
| 5.2 | Umsetzung des Strategieprogramms als Kernproblem | 56 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 63 |
| Literaturverzeichnis | 69 |
gerechter gestaltet werden. Zusätzlich soll so Transparenz gesichert werden. Der erste stellvertretende Finanzminister Šatalov betont: „The purpose of tax reform is to create a stable and predictable tax system“.90 Dadurch erhofft man sich, die schlechte Steuerzahlungsmoral von Seiten der russischen und ausländischen Unternehmen zu beseitigen. Der fiskalische Steuerzweck steht somit nicht mehr im Vordergrund; es wird vielmehr versucht, mit den im Strategieprogramm aufgeführten Maßnahmen das Investitionsklima für die in- und ausländischen Investoren zu verbessern – natürlich in der Hoffnung, durch neue Investitionen in die russische Industrie das Wirtschaftswachstum Russlands steigern zu können. Näher auf die einzelnen Änderungen der Steuergesetzgebung eingehend, ist im Strategieprogramm beispielsweise geplant, den Gewinnsteuersatz abermals zu senken.91 Erste Erfolge wurden in der Gewinnsteuerpolitik bereits erzielt. Mit Wirkung zum 01. Januar 2002 ist der Gewinnsteuersatz für alle Unternehmen einschließlich der Banken – der Gewinnsteuersatz für Banken betrug zuvor 43% – auf 24% gesenkt worden. Wie der VDW in seinem Jahresbericht 2001 über die aktuelle wirtschaftspolitische Lage in der RF mitteilt, können die einzelnen russischen Regionen diesen Gewinnsteuersatz noch um weitere vier Prozentpunkte senken.92 In Russland ist somit einer der geringsten Gewinnsteuersätze Europas vorzufinden. Außerdem sind ab Januar diesen Jahres eine Reihe von Aufwandspositionen für die Berechnung der Steuerbemessungsgrundlage uneingeschränkt abzugsfähig, so dass sich die Ermittlung der Steuerbemessungsgrundlage den internationalen Maßstäben anpasst. All dies und eine Reihe von weiteren Maßnahmen zeigt deutlich, dass die Steuerpolitik einer der Hauptpunkte von Präsident Putins Programm ist. Dies stellt mit Sicherheit eine besondere Signalwirkung für ausländische Direktinvestoren dar. Jedoch erfordert die Steuerpolitik noch eine Menge an zusätzlichen Änderungen, die nicht so leicht durchzusetzen sind. Fruchtmann und Pleines stellen dieses Problem treffend dar: „Ein zentraler Aspekt bei der Analyse des russischen Steuersystems und auch bei der Bewertung der Steuerreform 2000 ist die Tatsache, dass Steuergesetze nur soweit wirken [...]
Die hohe Gewinnsteuerbelastung liegt zum einen an der Steuerbemessungsgrundlage86, wie Nastavšev erläutert.87 Wird die Gewinnsteuer im internationalen Vergleich betrachtet, so liegt die Steuerbemessungsgrundlage in Russland deutlich höher, da einige betriebsbedingte Aufwendungen wie beispielsweise Ausbildungskosten nicht abzugsfähig sind. Dies stellt besonders für diejenigen ausländischen Direktinvestoren ein Hindernis dar, die viel in die Ausbildung der russischen Arbeitskräfte investieren. Gerade dies ist für die Entwicklung der russischen Wirtschaft aber wichtig, wird von Seiten der russischen Regierung jedoch nicht gefördert. Als ebenfalls steuerlich nicht abzugsfähig gelten Reisekosten und Werbeaufwendungen. Des weiteren ist die hohe Steuerbelastung damit zu erklären, dass in Russland eine Vielzahl von Steuerarten existiert, welche den effektiven Gewinnsteuersatz zusätzlich in die Höhe treibt. Darunter fallen beispielsweise gemäß des Forschungsberichts des OCC die Steuer für die Straßenbenutzung (2,5% des Umsatzes) oder auch die Abgabe zum Erhalt der Miliz, die bis zu 3% des Mindestlohnes beträgt.88 So kann es sein, dass der effektive Gewinnsteuersatz durch diese zusätzlichen artifiziellen Steuerarten um ca. 20 Prozentpunkte höher liegt. Die oben aufgeführten Beispiele lassen vermuten, dass sich das russische Steuersystem nicht gerade positiv auf das Direktinvestitionsklima auswirkt. Das Steuersystem galt in den vergangenen Jahren als Hindernis für das Wirtschaftswachstum Russlands. Die vielfältigen Änderungen, die zwischen 1992 und 1999 durchgeführt wurden, haben nur einige spezielle Probleme gelöst. Grundlegende Probleme wurden nicht erkannt, so dass im Endeffekt das Steuersystem durch große Unstabilität gekennzeichnet ist. Das Strategieprogramm der Regierung der RF analysiert besonders die Markteintrittsbarriere „Steuersystem“ näher.89 Das Ziel der Steuerreform besteht grundsätzlich darin, die Steuerlast zu senken. Das gesamte Steuersystem soll durch die Abschaffung vieler kleiner Steuern und der Steuervergünstigungen für einzelne Unternehmen vereinfacht und damit [...]
angewandt. Unter dem Druck eines zu niedrigen Steueraufkommens sucht der Staat so nach neuen Einnahmequellen. Diesbezüglich hat sich der Verein der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation (VDW) Ende August 1998 an Präsident Jelzin gewandt. Der VDW hielt fest, dass „die Intensität beim Vorgehen der Steuerbehörden gegen Ausländer ungleich höher ist als gegenüber russischen Steuerschuldnern“.82 Als eines von vielen ähnlich gelagerten Beispielen sei hier das deutsche Unternehmen Robert Bosch GmbH angeführt. Die Moskauer Steuerbehörde hatte aufgrund eines Vorwurfs von angeblich nicht korrekt abgeführter Umsatzsteuer im Herbst des Jahres 1996 gesetzeswidrig ohne Vorwarnung mehr als eine Million DM von den Firmenkonten der Firma Bosch pfänden lassen.83 Dieser Streitfall konnte erst nach Einbeziehung der Deutschen Botschaft in Moskau sowie der Regierung Deutschlands in einem Verfahren vor dem Moskauer Arbitragegericht zugunsten der Firma Bosch beigelegt werden. Derartige Vorkommnisse erschüttern natürlich das Vertrauen eines jeden ausländischen Investors, für den die Verlässlichkeit auf eine im ganzen Land gleichmäßige und gerechte Besteuerung ein wichtiges Kriterium für ein positives Investitionsklima darstellt. Eine der wichtigsten Steuern, die ein Unternehmen zu zahlen hat, ist die Gewinnsteuer. Diese soll im folgenden näher betrachtet werden. Alle Unternehmen, die ihren ständigen Sitz im Gebiet der RF haben, folglich auch Unternehmen aus dem Ausland oder mit ausländischer Beteiligung, sind verpflichtet, Gewinnsteuer zu zahlen.84 Die Gewinnsteuer wird auf den Nettogewinn berechnet. Bis Ende 1999 betrug der Gewinnsteuersatz 35% und wurde dann auf 30% gesenkt. Dieser Steuersatz wird laut einer Analyse des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BIOst) als immer noch zu hoch angesehen.85 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832455316
Arbeit zitieren:
Heering, Dirk März 2002: Strategieprogramm der Regierung der Russischen Föderation zur Beseitigung von Eintrittsbarrieren in den russischen Markt, Hamburg: Diplomica Verlag
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