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Das Stimmen des Instruments

Bewegungstraining für Musiker nach Elsa Österling

Das Stimmen des Instruments
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ulrike Langer
  • Abgabedatum: Oktober 2002
  • Umfang: 87 Seiten
  • Dateigröße: 9,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Musik Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6556-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6556-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6556-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Langer, Ulrike Oktober 2002: Das Stimmen des Instruments, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Musikpädagogik, Musikmedizin, Körper, Rhythmik, Schauspiel

Diplomarbeit von Ulrike Langer

Einleitung:

„Der Körper vermittelt uns alle Momente des Lebens und ist oft ein unbestechlicher Spiegel, aber wir wissen nichts über den Körper.” Im Fach Praktische Anatomie an der Musikhögskolan Göteborg (Musikhochschule in Göteborg, Schweden) kam ich als Austauschstudentin durch Ulla Eckersjö das erste Mal in Kontakt mit einer Bewegungsmethode, die ich als sehr funktionell empfand: ‘Elsatechnik’. Nie zuvor hatte ich davon gehört. Diese Technik faszinierte mich mehr und mehr – schloss ich durch sie doch endlich Bekanntschaft mit dem mir bis dahin zwar geläufigem, aber nicht wirklich erkanntem M. pyramidalis (s. Kapitel 2.2, gerade Bauchmuskulatur). Ich begann, nach weiteren Möglichkeiten der Auseinandersetzung und Hintergründen der Elsatechnik zu suchen.

Als Bewegungspädagogin und Person prägte sie eine Reihe von Schauspielern, Rhythmikern, Tänzern und Sängern durch ihre Methode. Elsa Österling lebte von 1911 bis 1979 in Schweden und unterrichtete an der Scenskolan Göteborg (Hochschule für Theater, Oper und Musical).

Der Begriff ‘Elsatechnik’, wie er in Göteborg und Stockholm an den Hochschulen sowie von Elsa-Schülern verwendet wird, existiert als solcher nicht. Es ist eine von Elsa Österlings Schülern geprägte Bezeichnung für die von ihr ausgearbeitete Körpertechnik. Sie selbst wollte nicht benannt werden. Zum einen lag dies daran, dass sie nicht alleinige Urheberin der Banktechnik war, auf die ich später eingehen werde; sie erhielt ihre Inspiration dafür durch Hedvig Nottebohm. Zum anderen: ‘Leben ist Bewegung’, was Fluss und damit ständige Veränderung bedeutet – ‘Tod ist Stagnation’. Man solle diese Bewegungstechnik nicht durch einen Namen erstarren lassen, sondern sie mit dem, der sie zu bzw. an sich nimmt, weiterleben lassen. Elsa selbst erwiderte auf die Frage von Anita Åstrand, ihre Assistentin und Nachfolgerin, wie sie den von ihr übernommenen Unterricht nun benennen solle: ”Bewegungstechnik mit Atmung”.

Die Studenten der Schauspiel-, Musical- sowie Operngesangsausbildung an der Scenskolan Göteborg werden durch Anita Åstrand in dieser Technik unterrichtet; nicht allen ist die Ausarbeitung durch Elsa Österling bekannt. Da es allgemein üblich ist, seine Fächer durch die Namen der Lehrer zu bezeichnen, hat man nun – umgangssprachlich – Anita, so wie früher Elsa, für ‘Bewegungstechnik’ bzw. ‘Körperbewusstsein’ auf dem Stundenplan. Man bedient sich auch des Wortes ‘pyschen’, um das Praktizieren der Technik zu benennen. ‘Pysch’ ist der Laut, auf den man während der Übungen mit Widerstand ausatmet.

In meiner Diplomarbeit möchte ich das Stimmen des Instruments, wie Elsa Österling es auch ausdrückte, anhand ihrer Bewegungsmethode veranschaulichen. Es sollen deren Technik erarbeitet, sowie Ziele, Entstehungsgeschichte und die dahinterstehende Persönlichkeit beleuchtet werden. Dies ist ein Stück weit dokumentarische und biografische Aufarbeitung.

Zunächst werde ich die zum theoretischen Verständnis notwendigen anatomischen wie physiologischen Grundlagen erläutern, bevor ich auf die eigentliche Methode eingehe. Daran anschliessend folgt ein praktischer Teil mit Übungen, den ich trotz der Problematik des Festhaltens durch Worte für sehr wesentlich halte. Zum einen, da Bewegungsarbeit nur schwer über Worte alleine zu verstehen und vermitteln ist, sondern nur durch das Tun gelernt und verstanden wird – und über Schilderung von Übungen veranschaulicht werden kann. Zum anderen, da es keinerlei für die Allgemeinheit zugänglichen Veröffentlichungen über diese Körperarbeit gibt. Durch einen Anteil mit konkreten Aufzeichnungen von Übungen hoffe ich, zum Erhalt dieser Körpertechnik beizutragen, ohne dabei jedoch ihre Dynamik erstarren zu lassen. Daher werde ich beispielhaft an einer Übung die Variabilität innerhalb der Methode ansatzweise aufzeigen.

Umgeben von musizierenden Menschen fiel mir als Studentin einer deutschen Musikhochschule immer deutlicher auf, dass wir unser ureigenstes Instrument ausser Acht lassen. Wir wissen unser Hauptinstrument, den menschlichen Körper, oft weniger zu verstehen und zu bedienen als sämtliche andere. Ist das nicht paradox, zumal für Musiker, deren Instrument doch nur als eine Verlängerung des Instruments Körper sich natürlich auszudrücken vermag? Zumindest aus präventiver Sicht sollte die Auseinandersetzung mit diesem doch von Betracht sein (vgl. Kapitelanfang 2).

Hiermit möchte ich die Technik Elsas als Vorarbeit für jegliches Musizieren darlegen. In einem die Übungsbeispiele abrundenden Teil werde ich näher auf die von ihrer Arbeit nicht völlig zu trennenden Person Elsa Österling selbst eingehen. Im Anschluss daran werde ich einige Namen, der für die Vergangenheit wie Gegenwart der Elsatechnik wichtiger Personen erwähnen, wodurch eine Einordnung dieser Arbeit in den Kontext der Rhythmik und damit Musikpädagogik Verdeutlichung erfährt.

Als Nachklang gebe ich Auskunft über die Vorgehensweise in der Erstellung meiner Arbeit. Dies hat sich schon allein aus dem Grunde als sehr interessant erwiesen, da sich kaum auf vorhandene Literatur aufbauen lies. Das der Arbeit zugrunde liegende Material beruht zum Grossteil auf persönlichen, durch längeren Aufenthalt in Schweden ermöglichten, eigenen Erfahrungen und Beobachtungen beim Erlernen sowie Recherchieren.

Inhaltsverzeichnis:

klangvorstellung 3
1. INTRO 5
1.1 Instrument Körper - Instrumentenkörper 5
2. ANATOMISCHE UND PHYSIOLOGISCHE 'BEDIENUNGSHILFEN' 11
2.1 Das Skelett 12
2.2 Die Muskulatur 15
2.3 Die Faszien 21
2.4 Die Atmung 22
2.5 Zentren 29
3. DAS INSTRUMENT KÖRPER 33
3.1 Die Entstehung der Bewegungsmethode nach Elsa Österling 33
3.1 Der Körper als Instrument 34
3.2 Die aufbauende Arbeit: Das Stimmen - Elsatechnik 35
3.3 Transversale Ebenen 37
4. ÜBUNGEN 39
4.1 Übersicht der Übungen 42
4.2 Elsas Arbeitsweise 59
5. PERSONEN UND DATEN 68
5.1 Biografie 68
5.2 Einordnung in den Kontext der Musikpädagogik 71
5.3 Personen um Elsa Österling 73
6. OUTRO 75
nachklang 78
Literaturverzeichnis 80
CODA

Automatisiert erstellter Textauszug:

wird durch Zusammenziehen seiner Gegenspieler während der Ausatmung gedehnt. In der Dehnung wird das Muskelgewebe bereits auf die nächste Kontraktion vorbereitet. Die Schenkelbögen des Zwerchfells, der M. iliopsoas, der M. levator ani, der M. quadratus lumborum, der M. transversus abdominis, der M. pectineus (Kammuskel) und die zugehörigen Faszien, die mit den oberen Oberschenkelmuskeln verbunden sind, werden bei den Atembewegungen einbezogen. Dieser mit dem Zwerchfell verbundene Apparat hat seine aktivste Phase während des Ausatmens.107 In den Übungen der Elsatechnik findet aktive Bewegung in dieser Phase statt, also während der Ausatmung. Das anschliessende Entspannung wird zum ‘Einatmen lassen’ genutzt, zum Kraft sammeln, um direkt neu anzusetzen. Man arbeitet mit Widerständen: Zum einen mit äusseren – an der Bank, an einer Stange oder mit dem Boden – und zum anderen mit körpereigenen, d.h. durch den Antagonisten und einen Gegendruck in verschiedenen Richtungen. Zum besseren Verständnis möchte ich hier noch die Verwendung einiger Begriffe klären. Elsa selbst hat einen grossen Unterschied gemacht zwischen entspannen und kollabieren: Bei letzterem gibt man die Kontrolle, den Kontakt zum Kraftzentrum, völlig ab. Enstpannen beinhaltet aber eine gewisse Grundspannung, die nicht aufgegeben wird. Entspannung kann sich auch auf einzelne Körperteile beziehen, wogegen kollabieren stets ganzkörperlich erfolgt. Das Wechselspiel von An- und Entspannung bildet die Basis aller Übungen – wie übrigens auch aller Bewegung [...]

> Erläuterungen zum Umgang mit den Übungen Ihr Bewegungsunterricht baute im Grossen und Ganzen von Bankübungen aus der Bodenlage auf. Dieser Beginn war sehr umfangreich. Von da ausgehend arbeitete man sich immer höher, bis schliesslich in den Stand an der Stange und dann frei in den Raum. Elsatechnik ist als ein funktionelles Aufwärmen zu verstehen. Die in diesem Kapitel beschriebenen Übungen sollen einen Einblick geben sowie eine Gedächtnisstütze für diejenigen, die bereits mit Elsatechnik trainiert haben. Ihre Unterteilung folgt grob der räumlichen Lage an einem bzw. ohne Objekt. Innerhalb ihrer Unterteilung sind sie in einer v.a. für ein Kennenlernen günstig aufbauenden Reihenfolge geordnet, können aber beliebig kombiniert werden. Elsa ging davon aus, dass jeder eine individuelle Struktur zu trainieren und zu erleben hat. Für eine Vielzahl der Übungen wird wie bereits mehrfach erwähnt eine Bank von ca. 40-50 cm Höhe zur Hilfe genommen. Da wirklich viele Übungen mithilfe dieser stattfinden, wird Elsatechnik auch als Banktechnik bezeichnet. Es kann aber auch ein Stuhl – vorzugsweise ein Klavierhocker – sein. Die Bank bzw. der Stuhl sollte fest stehen, so dass man sich dagegen stützen kann. Weitere Objekte dienen als Hilfe: - Massagebälle, hier als Set mit 2 kleinen, 1 mittleren und 1 grossen - ein Seil oder Thera- bzw. Deuserband - eine (Gymnastik-) Matte, um das Wegrutschen in der Rückenlage auf glattem Boden zu vermeiden Ausserdem dient einigen Übungen eine Stange wie im Ballettsaal, oder die eines Geländers, zum Ablegen der Beine sowie zum Gegenstützen aus der Bodenlage. Die Anwendung des Seils bzw. Therabandes als Widerstandshilfe erwähne ich direkt hier, ohne in den Übungsanweisungen nochmals extra darauf einzugehen: Es kann nach Belieben eingesetzt werden, um bspw. das Bein mit Gegenzug vom Seil, das um den Fuss gehängt von beiden Händen gehalten wird, zu strecken (s. 4.1.3.2.4). Ist die Idee einer Übung klar und v.a. auch im Körper erfasst, lassen sich jedoch fast alle auch zu solchen ohne Objekthilfe abwandeln. Für alle Aufgaben gilt es, weder Haltung noch Form zu imitieren. Vielmehr sollen die notwendigen Muskeln in ihrer Funktion wahrgenommen und geschult, die Gelenke vom richtigen Ansatz aus bewegt werden. “Ohne Spüren kannst Du üben, so viel du willst. Es passiert nichts.”103 Beweglichkeit ist nicht alleine durch Ausführung eines Übungsmusters zu erreichen. Der Erfolg hängt vom Wissen ab, wo und wie die Körpergewichte liegen oder hängen [...]

Im Abschnitt über Faszien ist bereits beschrieben, dass deren Organisation im menschlichen Körper hauptsächlich in longitudinaler Richtung verläuft und von quer verlaufenden Faszienebenen gestützt wird. Für die Bewegungstechnik nach Elsa Österling kann man fünf transversale Ebenen als Diaphragmen verstehen, welche in ihrer Funktion elastisch und federnd sein müssen. Sie sind eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig: Verspannungen einer Ebene ziehen weiter oder werden ausgeglichen durch eine andere, der Körper leitet ökonomisch um und hilft sich damit. Daher ist es nötig, stets in mehreren Ebenen zu denken und zu arbeiten. Diese sind: Das Plantaraponeurosendiaphragma, die Fusssohlen (s. Coda, Abbildung F) Die Beckendiaphragmata (diaphragma pelvis, diaphragma urogenitale), der Beckenboden (s. Abbildung 3) Das thorakolumbale Diaphragma, das Zwerchfell (s. Abbildung 4) Das zervikothorakale Diaphragma, um und unter dem Schlüsselbein [...]

Arbeit zitieren:
Langer, Ulrike Oktober 2002: Das Stimmen des Instruments, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Musikpädagogik, Musikmedizin, Körper, Rhythmik, Schauspiel

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