Der Stellenwert und die Entwicklung der Spiele in der Antike
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Nicole Knebel
- Abgabedatum: März 2004
- Umfang: 178 Seiten
- Dateigröße: 3,6 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8111-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8111-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8111-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Knebel, Nicole März 2004: Der Stellenwert und die Entwicklung der Spiele in der Antike, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Olympische Spiele, Gladiatoren, Wagenrennen, Untergang, Kritik
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Magisterarbeit von Nicole Knebel
Einleitung:
Der Titel verrät, dass sich die Arbeit mit den antiken Spielen und deren Entwicklung befasst.
Es handelt sich hierbei um die antiken römischen und griechischen Feste. Bei Griechenland werde ich mich aber hauptsächlich auf die Olympischen Spiele beschränken, da ich von ihnen das meiste Quellenmaterial vorliegen habe. Falls ich einen Sachverhalt auf andere griechische Spiele beziehen werde, werde ich dies im Text erwähnen. Ich möchte auch hier bemerken, dass ich in meiner Arbeit den modernen Begriff „Sport“ für die antiken Spiele benutzen werde.
Meine Arbeit beginnt damit, dass ich die verschiedensten Bedeutungen der Spiele untersuchen werde. Bei den römischen Spielen werde ich mich näher mit den Gladiatoren- kämpfen, den Wagenrennen und den athletischen Wettkämpfen auseinandersetzen. Bei Griechenland werde ich, wie gesagt, hauptsächlich die Olympischen Spiele näher betrachten.
Eine Behandlung der genauen Inhalte der Spiele, das Beschreiben der einzelnen Sportarten, das Erläutern der bestehenden Regeln und weiterer Bestimmungen oder Erklärungen, z. B. wie damals ein Training durchgeführt wurde, darin sehe ich nicht mein Ziel. Ich finde, dass diese Thematik bisher sehr ausführlich genug behandelt wurde und gehe daher nicht auf diese Sachverhalte ein.
Bei diesem ersten Kapitel, dass sich mit den verschiedensten Sportbedeutungen beschäftigt, werde ich eine Trennung zwischen Römern und Griechen vornehmen. Ich betrachte diese beiden Völker getrennt voneinander. Bei den Griechen bewege ich mich hauptsächlich in der Zeitspanne von den ersten Olympischen Spielen (776 v. Chr) bis zum Beginn der Eroberungsfeldzüge Roms (~ 200 v. Chr.) und auf römischer Seite in dem Zeitraum ab 300 v. Chr. bis 400 n. Chr.
Es wird hauptsächlich darum gehen, näher zu betrachten, auf wie viele Bereiche des alltäglichen Lebens die Spiele ihren Einfluss hatten. Welche Bedeutungen hatten sie auf römischer Seite für die Kaiser oder welche Wichtigkeit hatten sie für beide Mittelmeervölker in Hinblick auf die führende Oberschicht und für das „gewöhnliche“ Volk.
Nachfolgend zeige ich auf, dass damals von allen möglichen Seiten viel Kritik an den Spielen geübt wurde. Aber ging es bei dieser Kritik um das Wohl der Akteure, kamen humanistische Gefühle auf oder ging es eher um egoistische Ziele? Auch möchte ich in diesem Kapitel die Kritik der Neuzeit behandeln, wie es zu dem Bild der „heiligen ehrenhaften“ Spiele in Griechenland und zu den „dekadenten“ Spielen der Römer kam.
Auch heute wird noch viel Kritik geübt über die unmenschlichen Spiele der damaligen Zeit. „ ... die Typisierung der Römer als nüchtern, utilitaristische und daher am aktiven Sport kaum oder gar nicht interessierte Menschen, ferner die demzufolge naheliegende Neigung, den Römern mit der griechischen Agonistik zu kontrastieren und daran zu messen, und schließlich die abwertende Beurteilung des Römersportes als eines Zuschauersportes.“ (Weiler 1988, 232). Dieses Zitat beschreibt sehr genau eines meiner Anliegen und zwar mit diesen Vorurteilen aufs Neue aufzuräumen. Leider ist es für die meisten leichter ein „Schwarz-Weiß- Bild“ zu zeichnen, anstatt zu erkennen, dass vieles schwarz und weiß ist. „Grau“ zu sagen, wäre aber sicherlich falsch, da die Antike bestimmt alles andere als grau war, sondern sehr bunt.
Eine weitere wichtige Frage wird für mich sein, ob durch die römische Machtübernahme Veränderungen aufgetreten sind, hierbei werde ich gezielt auf den Einfluß Roms auf Griechenland eingehen, insbesondere auf die Olympischen Spiele, aber auch auf die Verstrickungen, welche die beiden Nationen miteinander hatten. Hier halte ich mich hauptsächlich in der Epoche des Hellenismus (336 v. Chr – 30 v. Chr.) auf, da ab diesem Zeitpunkt die beiden Völker stärker miteinander in Kontakt traten.
Überleitend zum Kapitel „Der Untergang der Spiele“ werde ich untersuchen, ob diese Machtergreifung Roms zum Niedergang der Spiele führte. War dies wirklich der auslösende Faktor? Kann man sagen, dass die Einführung der Gladiatorenkämpfe in Griechenland zum Niedergang des griechischen Sports führten und dass sich das Volk gegen diese neuen Spiele wehrte? Vielleicht brachte die Machtübernahme der christlichen Kaiser das Ende? !
Oder war es doch eher das nachlassende Interesse der Bevölkerung, dass die Spiele ihre Bedeutung und damit ihren Sinn verloren? Aber warum? Hat sich die Lebenseinstellung, Lebensart- und weise so verändert?
Der letzte Punkt, der zum Untergang der Spiele führte, war vielleicht die immer größer werdende Korruption. Ruinierte dies die Spiele? Schon Hippokrates sagte, die Spiele wären „eine Schule des Betruges“ und der Niedergang der guten alten Zeit wird durch das Aufkommen des Berufsathletentums begründet. Wobei es gerade bei diesem Thema auch viele Parallelen zur heutigen Situation gibt. Befinden sich unsere heutigen Spiele, insbesondere die Olympischen, auf einem Abwärtstrend? Zu oft hat sich gezeigt, „ ... dass dem Erfolg nicht nur Willenskraft und konsequentes Training zugrunde liegen, sondern widernatürliche Manipulation der körperlichen Leistungsfähigkeit.“ (Sinn 1996, 7).
Als Verbesserungsvorschlag galt oder gilt, „ ... die Olympischen Spiele der Neuzeit an ihre alten Wurzeln zurückzuführen?“ (Sinn 1996, 7). Aber sind denn diese alte Wurzeln die besseren, oder müssen wir schauen, dass wir gerade dort nicht mehr hinkommen? Alle diese Fragestellungen empfinde ich als sehr interessant und finde, dass bisher nicht ausführlich genug darüber geschrieben wurde. Gerade die Beziehungen der einzelnen Gesichtspunkte und auch die Interaktionen der zwei Mittelmeervölker in einen Sachverhalt zu bringen, darin sehe ich meine Aufgabe bei dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Die Bedeutungen der Spiele im Altertum | 4 |
| 1.1 | Die Bedeutungen der griechischen Spiele | |
| 1.1.1 | Die militärische Bedeutung der Spiele | |
| 1.1.2 | Die Bedeutung der Spiele als Erziehungsbestandteil | |
| 1.1.3 | Die religiöse Bedeutung der Spiele | |
| 1.1.4 | Die Bedeutungen der Spiele für die Bevölkerung | |
| 1.1.5 | Die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Spiele | |
| 1.2 | Die Bedeutungen der römischen Spiele | 26 |
| 1.2.1 | Die militärische Bedeutung der Spiele | |
| 1.2.2 | Die Bedeutung der Spiele als Erziehungsbestandteil | |
| 1.2.3 | Die religiöse Bedeutung der Spiele | |
| 1.2.4 | Die Bedeutungen der Spiele für das Römische Volk | |
| 1.2.4.1 | Die Bedeutungen der Spiele für die Bevölkerung | |
| 1.2.4.2 | Die Bedeutungen der Spiele für die Kaiser | |
| 1.2.5 | Die politische Bedeutung der Spiele | |
| 1.3 | Zusammenfassung | 70 |
| 2. | Die Kritik an den Spielen | 75 |
| 2.1 | Die Kritik an den Griechischen Spielen | |
| 2.2 | Die Kritik an den Römischen Spielen | |
| 2.3 | Die Kritik der Neuzeit an den Spielen | |
| 2.4 | Zusammenfassung | |
| 3. | Der Einfluß Roms auf die Olympischen Spiele Verstrickung Rom – Griechenland | 98 |
| 4. | Der Untergang der Spiele | 112 |
| 4.1 | Der Untergang der Olympischen Spiele | |
| 4.2 | Der Untergang der Römischen Spiele | |
| 4.3 | Zusammenfassung | |
| 5. | Bezug zu Heute | 146 |
| 6. | Zusammenfassung | 154 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 157 |
| 8. | Abbildungsverzeichnis | 166 |
1. Die Bedeutungen der Spiele im Altertum In diesem Kontext bin ich auch auf den Begriff der Kalokagathia gestoßen, ein Ausdruck, der in der Zeit des Klassizismus geformt wurde, um dem damals bestehenden Erziehungsmodell ein Vorbild zu geben, dass in dieser Art und Weise nicht bestand. Doch darf man nicht leugnen, dass die Griechen, im Gegensatz zu heute, der sportlichen Erziehung viel mehr Gewicht beimaßen und sie erkannten bereits damals, dass es wichtig für den Menschen ist, sich während der Entwicklung sportlich zu betätigen. Bei den Römern fällt auf, dass deren Erziehungsmodell stark militärisch geprägt war. Der Sport war hier nicht in diesem starken Maße verankert wie im griechischen Erziehungswesen. Doch beeinflussten die Griechen die römische Ausbildung, aber mehr im Hinblick auf die intellektuelle Erziehung. Meistens hatten nur aristokratische junge Männer in Privatschulen Zugang zu einer fundierten sportlichen Ausbildung. Bei der religiösen Bedeutung auf griechischer Seite erkannte man, wie tiefverwurzelt diese mit den Spielen war. Primär wurden die Feste für die Götter veranstaltet. Auch stellte ich mir in diesem Abschnitt die Frage, ob die religiöse Bedeutung mit der Zeit verloren ging und die Wettkämpfe in den Mittelpunkt vordrangen. Man kann zu dem Ergebnis gelangen, dass die Bedeutung wahrscheinlich schon etwas nachließ aber trotzdem erhalten blieb. Genau wie bei den Griechen, hatten die Römer auch viele Götter, zu deren Ehren sie Feste veranstalteten. Aber es wurden nicht nur Götter verehrt, sondern die Kaiser erlangten auch gottgleiche Stellung und zu ihren Ehren fanden zusätzlich Spiele statt. Neben den Festen hatten aber auch die Sportstätten einen religiösen Charakter. Sie waren templa und gewissen Göttern gewidmet. Daneben wurde beim Ablauf der Spiele sehr darauf geachtet, keine Fehler zu begehen, um die Götter nicht zu verärgern. So liegt die ursprüngliche Βedeutung des munus darin, den Verstorbenen nach seiner Beerdigung freudig zu stimmen und sein Ansehen zu bewahren. Wenn man nachfolgend betrachtet, warum Menschen in der Antike den Beruf des Sportlers wählten, fällt auf griechischer Seite primär auf, falls man erfolgreich war, dass viele Vergünstigungen lockten, z. B. kostbare Preise, hohes Ansehen, Häuser, Erleichterung im Hinblick auf eine spätere politische Laufbahn und Reichtum. Welchem gesellschaftlichen Stand der Sportler entsprang, war noch ein anderer Gesichtspunkt, der in diesem Abschnitt erörtert wurde. In der Frühzeit waren die Athleten zum größten Teil Aristokraten, da hauptsächlich die reichere Bevölkerung die Mittel hatte, den Beruf eines Sportlers zu bestreiten. Später, als mehrere, auch kleinere Wettkämpfe hinzukamen, wurde der Sport auch für andere [...]
In diesem Abschnitt werde ich die wichtigsten Punkte des Kapitels über „Die Bedeutungen der Spiele im Altertum“ aufführen. Die allgemein verbreitete Meinung, der Sport in Griechenland hätte keine militärische Bedeutung gehabt, konnte ich wiederlegen. Man hat gesehen, wie breit gefächert die Begriffe Militär und Krieg mit dem griechischen Sport verwickelt waren. Begonnen mit dem Begriff für Wettkampf (Agon), der schon die unterschiedlichsten militärischen Bedeutungen besitzt, überleitend zu den Sportstätten, die auch gleichzeitig militärische Ausbildungsorte der jungen aristokratischen Männer waren, danach die Tatsache, dass man in Olympia den Kriegsgott Zeus verehrte und die Sportstätte ursprünglich als Orakel in Kriegsangelegenheiten diente, bis hin zu den kriegerischen Übergriffen, die es in Olympia gegeben hat. Obwohl doch der Festfriede (Ekecheirie) solch etwas verhindern sollte. Man hat gesehen, dieser bestand aber auch nicht immer in der Art und Weise, dass es in ganz Griechenland einen allgemeingültigen Frieden gegeben hat. Die Ekecheirie kann man noch eher mit einem vorübergehenden Waffenstillstand vergleichen. Auf römischer Seite liegt die Verbindung zum Militär schon näher, da die Römer als kriegerisches Volk sehr bekannt waren. Dementsprechend diente der Sport dazu, die jungen, aristokratischen Männer kampfbereit zu machen. Demzufolge gab es Jungendvereinigungen, die sich den Leibesübungen widmeten und Wettkämpfe veranstalteten. In dieser Hinsicht gibt es auch Bezüge zum Gladiatorenwesen. Der Gladiatorenausbilder bildete zusätzlich die jungen Männer im Waffentraining aus und die sportlichen Übungsstätten der jungen Männer lagen meist in der Nähe des Amphitheaters (siehe Pompeji). Im Gegenzug dazu war auch das Gladiatorenwesen sehr stark am militärischen Apparat orientiert. Organisation, Hierarchie, Waffengattungen und Kampftechniken entstanden nach militärischem Vorbild. Doch wurden Gladiatoren fast nie für militärische Interventionen eingesetzt, Ausnahmen bildeten der Markomannenkrieg und der Bürgerkrieg von 69 n. Chr. Falls ein Feldherr erfolgreich vom Krieg zurückkehrte, stiftete er meistens Spiele, um seinen Sieg zu feiern und das Andenken daran zu bewahren (z. B. die Aktia). Wenn wir uns die Bedeutung des Sports innerhalb der Erziehung betrachten, fällt bei den Griechen auf, dass dieser einen sehr hohen Stellenwert besaß. So wurde der sportlichen Erziehung neben der Mathematik, Literatur und Rhetorik viel Zeit gewidmet. [...]
1. Die Bedeutungen der Spiele im Altertum Interesse zu erfüllen, nämlich den bevorzugten Nachfolger des amtierenden Kaisers dem römischen Volk vorzustellen und die Loyalität der Gemeinschaft an ihn zu binden.“ (Wiedemann 1992, 21). Dementsprechend rechtfertigte Vespasian seine Machtübernahme, in dem er das Kolosseum auf dem Gelände des neronischen Palastes errichten ließ. „Während der Bürgerkriege von 68/69 n. Chr. versuchten rivalisierende Kaiser, ihre Machtergreifung in rechtmäßige Herrschaft zu verwandeln, indem sie kostspielige munera aufführten ...“ (Wiedemann 1992, 56). Dies war natürlich ein wirkungsvolles Instrument, um seine Beliebtheit in den römischen Provinzen zu erhöhen, und so gab ein Kaiser während seiner Reisen durchs Römische Reich prächtige Kämpfe, um sich die Beliebtheit in seinem ganzen Territorium zu sichern (siehe Weeber 1994, Höcker 1997, Aigner 1988 und Thuillier 1999). „Gli imperatori potevano, ad esempio nel corso dei loro viaggi, offrire dei munera nelle città dove si trovavano a risiedere temporaneamente.” (Maurizio 1996, 62)35 Nach dieser Betrachtung erkennt man allzu gut wie sehr Politik und Sport im Römischen Reich zusammengespielt haben und dass die Spiele ein potenzielles politisches Machtmittel waren, aber nicht nur für die Kaiser, auch das Volk konnte politische intervenieren. [...]
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Knebel, Nicole März 2004: Der Stellenwert und die Entwicklung der Spiele in der Antike, Hamburg: Diplomica Verlag
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