Steigender Wettbewerbsdruck und verändertes Privat-kundenverhalten im deutschen Finanzdienstleistungsmarkt
Analyse der Marktentwicklung und Ableitung möglicher Konsequenzen für das Geschäftsmodell einer traditionellen Genossenschaftsbank
- Art: MA-Thesis / Master
- Autor: Ulrich Thaidigsmann
- Abgabedatum: Mai 2006
- Umfang: 119 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein Deutschland
- Bibliografie: ca. 69
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9924-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9924-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9924-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Thaidigsmann, Ulrich Mai 2006: Steigender Wettbewerbsdruck und verändertes Privat-kundenverhalten im deutschen Finanzdienstleistungsmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Finanzdienstleistungen, Banken, SWOT, Business Model, Volksbank
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MA-Thesis / Master von Ulrich Thaidigsmann
Einleitung:
Der Finanzdienstleistungsmarkt ist in den letzten Jahren stark in Bewegung gekommen. Traditionelle Bankinstitute klagen über Kostendruck, Risiken aus dem Kreditgeschäft und unbefriedigende Erträge. Trends im Wettbewerbs- und Kundenverhalten treten im Branchenvergleich zwar häufig erst mit etwas zeitlicher Verzögerung im Finanzdienstleistungsmarkt auf. Aufzuhalten sind sie dennoch nicht. Einige seit vielen Jahren beobachtbare Entwicklungen haben auch hier Einzug gehalten und zwingen nun die verantwortlichen Manager, darauf zu reagieren.
Auf der Anbieterseite hat die Zunahme des Wettbewerbsdrucks verschiedene Gründe. Insbesondere neue Wettbewerber mit anderen Geschäftsmodellen drängten und drängen mit Macht auf den Markt und nehmen traditionellen Universalbanken Marktanteile ab. Hinzu kommen Non- und Near-Banks wie Ableger von Automobilherstellern, Großkonzernen oder Einzelhändlern. Deren spezifische Geschäftsmodelle zielen auf ganz bestimmte Bedarfsfelder und/oder Kundengruppen der Universalbanken ab. Dabei zeigen sie eine klare Positionierung als preisoptimierte (z. B. ING-DiBa, Postbank) oder qualitätsoptimierte Anbieter (z. B. MLP).
Auf der Nachfragerseite ist ein deutlich verändertes Kundenverhalten spürbar. Eine höhere Wechselbereitschaft resultiert vornehmlich aus einem sensiblen Preisbewusstsein der Verbraucher, das mit Werbeslogans wie „Geiz ist geil“ in allen Branchen Deutschlands massiv Einzug gehalten hat. Die Kundentreue hat abgenommen. Das zeigt sich darin, dass Privatpersonen in der Regel inzwischen mehrere Bankverbindungen haben. Insbesondere Universalbanken werden zu aktiverem und intensiverem Vertrieb und besserer Kundenpflege gezwungen.
Die rund 1300 Genossenschaftsbanken in Deutschland sind von ihrer regionalen, dezentralen Struktur schon immer als Bank für „jedermann“ bekannt. Sie versuchen geschäftspolitisch einen Spagat: mit einigermaßen akzeptablen Preisen & Konditionen eine ausreichend gute Qualität in Beratung und Service darstellen zu können. Dabei laufen sie heute Gefahr, ohne erkennbares Profil im Markt weiter an Boden zu verlieren.
Problemstellung:
Die MBA-Arbeit verfolgt folgende Ziele:
Transparenz schaffen auf der Nachfrageseite bezüglich der Trends im Kaufverhalten von Privatkunden und ihrer Bedeutung für genossenschaftliche Banken.
Transparenz schaffen auf der Anbieterseite bezüglich der vorfindbaren Strategien und Geschäftsmodelle, um das Entstehen des erhöhten Wettbewerbsdruck nachvollziehen zu können.
Analyse der Ausgangssituation der VR-Banken bezüglich Kunden- und Ertragsstrukturen sowie des heutigen typischen Geschäftsmodells.
Erst wenn diese Grundlagen gelegt sind kann das Kernziel der Arbeit angegangen werden:
Ausarbeitung einer möglichen Positionierungsstrategie einer VR-Bank im Preis- und Qualitätswettbewerb in den heutigen Strukturen als Universalbank. Identifikation der Erfolgsfaktoren für diese Positionierung. Gesamtbewertung der Strategie auf ihre langfristige Überlebensfähigkeit. Überprüfung möglicher Konsequenzen für das zukünftige Geschäftsmodell einer Genossenschaftsbank zur dauerhaften erfolgreichen Marktpositionierung, ggf. auch durch Infragestellen der heutigen Strukturen Herausarbeitung der Voraussetzungen für einen erfolgreichen „Change Prozess“.
Gang der Untersuchung:
Zunächst wird eine gründliche, themenspezifische Literaturrecherche betrieben, um einen Überblick über aktuelle Entwicklungen bezüglich des Kundenverhaltens der Wettbewerbssituation in der Finanzbranche zu bekommen.
Die Ergebnisse geben eine Erklärung für aktuelle Tendenzen. Der Leser bekommt einen Überblick über das Umfeld, in dem sich Genossenschaftsbanken bewegen. Diese Grundlage erlaubt es, die relevanten Faktoren auf Genossenschaftsbanken übertragen und die notwendigen Konsequenzen herauszuarbeiten zu können.
Das Überprüfen der möglichen Konsequenzen für Genossenschaftsbanken wird mit Hilfe von Experteninterviews durchgeführt. Schwerpunktmäßig kommen dabei Vorstände von VR-Banken zu Wort. Es wurden aber auch Unternehmensberater aus dem Branchenumfeld sowie ausgewählte Vertreter von genossenschaftlichen Dachverbänden oder Wettbewerbern befragt.
Die Interviews selbst werden als freie Interviews mit offenen und direkten Fragen unter zu Hilfenahme eines Gesprächsleitfaden geführt.
Die Ableitung der Handlungserfordernisse beschränkt sich bewusst auf Genossenschaftsbanken. Andere Universalbanken wie z. B. Sparkassen werden nicht betrachtet. Hier müssen andere Besonderheiten des Geschäftsmodells berücksichtigt werden, obwohl sicherlich Parallelen ableitbar wären.
Eine unreflektierte Anwendung auf jede Genossenschaftsbank ist zwar nur bedingt möglich, da die Ausgangssituationen bezüglich Größe, Region und Struktur unterschiedlich ausfallen. Die grundlegenden Gemeinsamkeiten von Genossenschaftsbanken reichen jedoch aus, um obige Verallgemeinerung vornehmen zu können. NICHT leisten kann diese MBA-Arbeit aus zeitlichen Gründen einen detaillierten Umsetzungsplan für die Gestaltung der Strategie.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | 3 | |
| Abbildungsverzeichnis | 5 | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 1.1 | Ausgangssituation | 7 |
| 1.2 | Zielsetzung | 8 |
| 1.3 | Vorgehensweise | 9 |
| 1.4 | Beschränkungen | 10 |
| 2. | Die Nachfrageseite - Kundenverhalten im Wandel der Zeit | 11 |
| 2.1 | Trends im Kundenverhalten - wahrnehmbare Entwicklungen | 11 |
| 2.2 | Der Kunde - warum er (nicht) kauft | 18 |
| 2.2.1 | Kaufentscheidende Faktoren aus Kundensicht | 18 |
| 2.2.2 | Differenzierung nach Zielgruppen | 25 |
| 2.3 | Zu erwartende Entwicklungstendenzen | 28 |
| 2.4 | Fazit | 30 |
| 3. | Die Angebotsseite - neue Anbieter mit neuen Strategien und Geschäftsmodellen | 32 |
| 3.1 | Definition „Geschäftsmodell“ | 32 |
| 3.2 | Bedeutung des Geschäftsmodells | 35 |
| 3.3 | Struktur des deutschen Finanzdienstleistungsmarktes | 38 |
| 3.4 | Strategien und Geschäftsmodelle wichtiger Wettbewerber im Vergleich | 40 |
| 3.5 | Zusammenfassung und Schlussfolgerung | 53 |
| 4. | Herausforderungen für Genossenschaftsbanken | 57 |
| 4.1 | Das Genossenschaftswesen | 57 |
| 4.1.1 | Wurzeln des Genossenschaftswesens | 57 |
| 4.1.2 | Spielräume und Grenzen für die Zukunftsgestaltung aus historisch-ideeller Sicht | 60 |
| 4.2 | VR-Banken heute - eine genauere Analyse | 61 |
| 4.2.1 | Zielgruppensegmentierung und Positionierung | 61 |
| 4.2.2 | Zwischenfazit | 66 |
| 4.2.3 | SWOT-Analyse der Genossenschaftsbanken | 66 |
| 4.2.4 | Das Geschäftsmodell in der Falle? | 69 |
| 4.3 | Gesamtfazit zur Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells | 73 |
| 5. | Künftige strategische Positionierung als Universalbank | 75 |
| 5.1 | Grundstrategische Ausrichtung einer Genossenschaftsbank | 75 |
| 5.2 | Positionierung im Preis- und Qualitätswettbewerb als Universalbank | 80 |
| 5.3 | Erfolgsfaktoren im Preis- und Qualitätswettbewerb | 82 |
| 5.3.1 | Erfolgsfaktoren im Preiswettbewerb | 82 |
| 5.3.2 | Erfolgsfaktoren im Qualitätswettbewerb | 84 |
| 5.4 | Auswirkungen auf das Geschäftsmodell | 85 |
| 5.5 | Kritische Bewertung | 89 |
| 6. | Strategische Wege aus der Positionierungs- und Komplexitätsfalle | 91 |
| 6.1 | Grundansatz zur strategischen Positionierung | 91 |
| 6.2 | Einzigartigkeit durch Positionierung in lukrativen Wachstumsmärkten (innovative Produkt- und Leistungskonzepte) | 93 |
| 6.3 | Wettbewerbsfähigkeit durch Konzentration auf Vertrieb (Neugestaltung der Wertschöpfungsstruktur) | 97 |
| 6.4 | Fazit | 102 |
| 7. | Den Wandel gestalten | 104 |
| 7.1 | Voraussetzungen | 104 |
| 7.2 | Change Management - die „weichen“ Faktoren berücksichtigen | 106 |
| 7.3 | Eingearbeitete Ergebnisse der Experteninterviews | 108 |
| 8. | Abschließendes Fazit | 110 |
| Literaturverzeichnis | 112 | |
| Anlagen | 118 |
Rund 2500 Berater der MLP Finanzdienstleistungen werden auf hohem Niveau meist in der eigenen Akademie ausgebildet und arbeiten als selbstständige Handelsvertreter in knapp 300 Geschäftsstellen in Deutschland und 5 weiteren europäischen Ländern. Unterstützt werden sie von der MLP Bank, die den gesamten Finanzdienstleistungsmarkt auf interessante Angebote überprüft und maßgeschneiderte Produkte und Konzepte für die Berater zur Verfügung stellt. Die für den Kunden erhältliche Produktpalette ist deutlich breiter als bei allen anderen oben beschrieben Anbietern. Da der überwiegende Teil jedoch keine MLP-eigenen Produkte sind, steht der Vermittlungsaspekt klar im Fokus. Diese Strategie der Konzentration auf Vertrieb wurde durch den Verkauf der Töchter MLP Leben und MLP Versicherung AG in 2005 unterstrichen. Marktentwicklung: In 2004 erhöhte sich das betreute Vermögen um 14 % und die Anzahl der Kunden um 10 %. [...]
Finanzkonzeptes soll die Hausbank des Neukunden vergessen gemacht werden. Der durchschnittliche MLP-Kunde ist nur 35 Jahre alt. Wie viel Geld mit Berufseinsteigern jedoch verdient werden kann, hat die MLP auf der Hauptversammlung 2005 gezeigt (siehe Abbildung 13). Danach weist sie die höchsten Umsatzerlöse mit über 2.500 Euro pro Jahr überraschenderweise bei den jüngsten Kunden im Alter von 25 bis 29 Jahren auf. Schwerpunkt sind dabei Produkte zur Altersvorsorge wie Lebensversicherungen etc. Die meisten Genossenschaftsbanken wären froh, wenn sie bei ihren vermögenden Privatkunden diese Durchschnittserträge erzielen könnten. Umso mehr kann es als fahrlässig bezeichnet werden, wenn Volks- und Raiffeisenbanken nach 25 Jahren des Jugendmarketings im lukrativen und entscheidenden Moment kurz vor Studienabschluss außer zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Gebührenbefreiung kaum Vertriebsaktivitäten entfalten. [...]
(+10 %) und Kundenkrediten (+25 %) ist aus der einstigen grauen Maus ein Riese geworden.66 Spardabanken67 Ursprünglich als Genossenschaftsbank für Eisenbahner und deren Familien gegründet, öffneten sich die heute 13 unabhängigen Regionalinstitute erst in den siebziger Jahren für andere Beschäftigtengruppen. Der ausschließliche Fokus auf das Privatkundengeschäft blieb bei den „Spar- und DarlehenVereinen“ (kurz: Sparda) jedoch bis heute konsequent erhalten. Den Erfolg der letzten Jahre verdankt die Bankengruppe der konsequenten Standardisierung von Leistungen und Produkten. Einhergehend mit einer höchst effizienten Abwicklung im Produktions- und Betriebsbereich werden die Voraussetzungen geschaffen, diese Kostenvorteile über günstigere Preise an den Kunden weiterzugeben. Somit werden viele Kunden über die attraktiven Konditionen in Kerngeschäftsfeldern wie Kontoführung und Baufinanzierung angelockt. Auf großangelegte emotionale Werbekampagnen verzichtet man bewusst und baut auf die These, dass Kunden über den Preis und die Produkte zur Bank finden. Da die rund 370 Niederlassungen deutschlandweit (historisch bedingt häufig in der Nähe von Bahnhöfen) nicht allen Kunden eine Filiale vor der Haustüre bieten, sind die medialen Vertriebswege Internet und Telefon professionell ausgebaut. Der spezielle Nutzen des Sparda-Kunden liegt neben den günstigen Konditionen in einer konsequenten Kundenorientierung der Bankengruppe, die sich regelmäßig durch erste Plätze bei der größten Verbraucherstudie „Kundenmonitor Deutschland“ widerspiegelt. Insgesamt betrachtet erfüllt dieser Anbieter durch seine konsequente Orientierung an den (Standard-) [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832499242
Arbeit zitieren:
Thaidigsmann, Ulrich Mai 2006: Steigender Wettbewerbsdruck und verändertes Privat-kundenverhalten im deutschen Finanzdienstleistungsmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Finanzdienstleistungen, Banken, SWOT, Business Model, Volksbank



