Start-up-Unternehmen in der deutschen Medienbranche
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Thomas Wolff
- Abgabedatum: Mai 2000
- Umfang: 84 Seiten
- Dateigröße: 675,6 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2745-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2745-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2745-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wolff, Thomas Mai 2000: Start-up-Unternehmen in der deutschen Medienbranche, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Internet, Managementsysteme, Balanced Scorecard, Medienbranche, Start-ub
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Diplomarbeit von Thomas Wolff
Einleitung:
Das Internet löst in Deutschland derzeit dramatische Veränderungen im geschäftlichen und privaten Bereich aus. Es ist auch der Auslöser eines Gründungsbooms, der auf allen Stufen der internetbasierten Wertschöpfungskette stattfindet. Während vor einigen Jahren Innovationen im Medien- sowie im Informations- und Kommunikationsbereich vorwiegend von großen Unternehmen hervorgebracht wurden, spielen heute zunehmend neu gegründete Unternehmen in diesem Bereich eine entscheidende Rolle. Dabei hängt der Erfolg von der raschen Umsetzung der Geschäftsidee sowie der Nutzung des Internets als Distributionskanal ab. „Denn am Ende gewinnt der schnellere Läufer und nicht der mit den besseren Schuhen!”.
Die rasante Entwicklung lässt ständig neue Geschäftsformen entstehen und die aus diesen Geschäftsformen hervorgehenden Start-ups weisen häufig gravierende Veränderungen der traditionellen Unternehmensphilosophien und Spielregeln auf. Durch den Einfluss des Internets zeichnet sich in der deutschen Medien- und IuK-Branche die Entstehung einer neuen „Gründungsökonomie” ab. Bestehende Grundsätze eines langsamen und kontinuierlichen Geschäftsaufbaus sind nur noch beschränkt anwendbar. Die möglichst schnelle Umsetzung einer Geschäftsidee und die damit verbundene rasche Marktdurchdringung stellt für das Management eine große Herausforderung dar und erfordert eine Menge Kapital. Neben sehr guten Managementqualitäten und einer ausreichenden Finanzierung spielt die Bildung von Kooperationen eine wichtige Rolle, um Synergiepotentiale auszunutzen und so qualitativ hochwertige Leistungen anbieten zu können, neue Marktsegmente zu erschließen und Standards durchzusetzen. Aufgrund der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt für qualifiziertes Personal im IT-Bereich gewinnt das Personalmanagement zunehmend an Bedeutung. Der Erfolg dieser Start-ups hängt entscheidend von der Fähigkeit ab, talentierte Mitarbeiter zu rekrutieren, ihre Leistungsfähigkeit sowie ihre Leistungsbereitschaft zu erhöhen und sie langfristig an das Unternehmen zu binden.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, theoretisch und empirisch die Besonderheiten und Problemfelder von Start-up-Unternehmen in der deutschen Medienbranche aufzuzeigen und darauf aufbauend mögliche Problemlösungen darzulegen.
Gang der Untersuchung:
Um dieses Ziel zu erreichen folgt diese Arbeit einer deduktiven Vorgehensweise. Während zunächst theoretische Grundlagen erarbeitet wurden, folgten anschließend Interviews mit Experten aus Start-up-Unternehmen der deutschen Medienbranche, um das anfänglich aufgestellte Theoriemodell zu überprüfen.
Diese Arbeit ist in fünf Kapitel unterteilt. Die Einleitung (Kap. 1) soll dem Leser einen Überblick über das Thema geben sowie ihm die Problemstellung und die Schwerpunkte dieser Arbeit näher bringen.
Im Grundlagenteil (Kap. 2) werden zunächst die zentralen Begriffe „Start-up-Unternehmen” und „Medienbranche” definiert, die Motive für Unternehmens-gründungen in der deutschen Medienbranche dargestellt und besonders die Rolle des Internets als Motor der derzeitigen Gründungswelle hervorgehoben. Außerdem werden die Konkurrenzvorteile von Start-ups gegenüber etablierten Unternehmen erarbeitet und die Bedeutung der Etablierung von Branchenstandards betont. Daran anschließend wird ein idealtypisches Modell vorgestellt, das den Werdegang eines Start-ups von der Geschäftsidee bis hin zum etablierten Unternehmen beschreibt.
Im Theoriemodell (Kap. 3) werden die möglichen Finanzierungsquellen eines Start-ups behandelt und bezüglich ihrer Eignung untersucht, die Problembereiche und Besonderheiten des Managements diskutiert und die Bedeutung möglicher Organisationsformen beleuchtet. Schließlich wird näher auf die Gestaltung einiger Anreizsysteme eingegangen und deren Wirksamkeit hinterfragt.
Im empirischen Teil dieser Arbeit (Kap. 4) werden drei deutsche Internet-Start-ups, die SGH mbH, AOL Europe und das LYCOS Europe Network, auf die Themenbereiche des Theoriemodells hin untersucht. Dabei soll das Theoriemodell bestätigt und eventuell verbessert werden.
In der Schlussbetrachtung (Kap. 5) werden die Ergebnisse zusammengefasst und mit einem Ausblick auf künftige Entwicklungen verbunden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| Abbildungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung, Vorgehensweise und Struktur | 2 |
| 2. | Grundlagen | 3 |
| 2.1 | Definition der zentralen Begriffe | 3 |
| 2.2 | Motive für die Gründung eines Start-ups | 4 |
| 2.2.1 | Situation in der deutschen Medienbranche | 4 |
| 2.2.2 | Konsequenzen für Unternehmen in der deutschen Medienbranche | 5 |
| 2.2.3 | Konkurrenzvorteil von Start-ups gegenüber etablierten Unternehmen | 6 |
| 2.2.4 | Die Bedeutung der Etablierung eines Branchenstandards | 7 |
| 2.3 | Die Entwicklungsphasen eines Start-ups | 9 |
| 2.3.1 | Entwicklung der Geschäftsidee (IDEE) | 10 |
| 2.3.2 | Unternehmensplanungsphase (START) | 11 |
| 2.3.3 | Gründungs- und Wachstumsphase (WACHSTUM) | 11 |
| 3. | Theoriemodell | 12 |
| 3.1 | Die Finanzierung | 12 |
| 3.1.1 | Fremdkapitalquellen der Finanzierung | 14 |
| 3.1.2 | Eigenkapitalquellen der Finanzierung | 16 |
| 3.2 | Das Management | 17 |
| 3.2.1 | Die Bedeutung des Innovationsmanagements | 17 |
| 3.2.2 | Die Grenzen betriebswirtschaftlicher Instrumente | 18 |
| 3.2.3 | Die Grenzen des klassischen strategischen Managementprozesses | 22 |
| 3.2.4 | Strategisches Management mit Balanced Scorecard (BSC) | 23 |
| 3.3 | Die Organisation | 27 |
| 3.3.1 | Die innerbetriebliche Organisation | 28 |
| 3.3.2 | Die zwischenbetriebliche Organisation | 32 |
| 3.4 | Anreizsysteme | 36 |
| 3.4.1 | Verhaltenstheoretische Grundlagen | 36 |
| 3.4.2 | Systematisierung von Anreizen | 37 |
| 3.4.3 | Maßnahmen zur Steigerung der Leistungserbringung | 38 |
| 3.4.4 | Die Gestaltung einer geeigneten Prämienfunktion | 40 |
| 3.4.5 | Die Wahl einer geeigneten Bemessungsgrundlage | 43 |
| 4. | Fallbeispiele | 45 |
| 4.1 | SGH mbH | 47 |
| 4.1.1 | Geschäftsidee und Gründung | 47 |
| 4.1.2 | Die Finanzierung | 47 |
| 4.1.3 | Das Management | 48 |
| 4.1.4 | Die Organisation | 49 |
| 4.1.5 | Anreizsysteme | 49 |
| 4.2 | AOL Europe | 50 |
| 4.2.1 | Geschäftsidee und Gründung | 50 |
| 4.2.2 | Die Finanzierung | 50 |
| 4.2.3 | Das Management | 51 |
| 4.2.4 | Die Organisation | 53 |
| 4.2.5 | Anreizsysteme | 53 |
| 4.3 | LYCOS Europe N. V. | 54 |
| 4.3.1 | Geschäftsidee und Gründung | 54 |
| 4.3.2 | Die Finanzierung | 55 |
| 4.3.3 | Das Management | 56 |
| 4.3.4 | Die Organisation | 59 |
| 4.3.5 | Anreizsysteme | 60 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 61 |
| Literaturverzeichnis | VIII | |
| Interviewverzeichnis | XII | |
| Anhang | XIII |
Abb. 3.3.2/1 Organisationsstrategien [PiRW98, 246], leicht modifiziert In diesem Kapitel soll deshalb auf die Bedeutung von Kooperationen für Start-upUnternehmen in der deutschen Medienbranche eingegangen werden. Von den fünf Strukturdimensionen nach KIESER und KUBICEK soll hier nur die Spezialisierung als Ausgangsproblem der organisatorischen Strukturierung eines Kooperationsgeflechts angeführt werden. Wie Stellen und Abteilungen können auch Unternehmen durch eine Spezialisierung der Tätigkeiten die Wirtschaftlichkeit der gemeinsamen Zielerreichung einer Kooperation steigern. Diese Annahme deckt sich mit der Theorie der Kernkompetenzen [PiRW98, 264ff.]. Diese besagt, dass Unternehmen ihre spezifischen Fähigkeiten pflegen und sich auf ihre eigentliche Unternehmensidee beschränken sollen. Benötigte Leistungen außerhalb dieser Fähigkeiten sollen durch Kooperationen (Komplementärkompetenzen) oder über den Markt (Peripheriekompetenzen) erworben werden. Die Entstehung von Kooperationen wird auch häufig mit der Transaktionskostentheorie begründet. Dabei versteht man unter Transaktionskosten die anfallenden Kosten für Information und Kommunikation bei der Übertragung von Verfügungsrechten. Diese können durch die Anbahnung, die Vereinbarung, die Abwicklung, die Kontrolle sowie die Anpassung verursacht werden. Der Spezifitätsgrad einer Transaktion ist dabei entscheidend für die Wahl der Koordinationsform einer Unternehmung. „Für Leistungen geringer Spezifität sind Märkte, für Leistungen hohen Spezifitätsgrades [...]
32 und Verantwortung, wodurch die Motivation gesteigert wird und dies somit zu neuem Wachstum führen kann. Diese höhere Eigendynamik führt zu Problemen wie die Überschneidungen von Bereichen oder zu Tätigkeiten, die sich nicht an den Zielen der Unternehmung orientieren, wodurch eine Kontrollkrise ausgelöst wird. Die hier beschriebenen Modelle von KIESER/KUBICEK und GREINER schildern die Entwicklung schnell wachsender Unternehmen. Start-ups in der deutschen Medienbranche zeichnen sich allerdings vielfach durch ein explosionsartiges Wachstum aus, so dass die angesprochenen Probleme der Unternehmensentwicklung in viel größerem Ausmaß zum Tragen kommen. So ist bei Start-ups der Prozess der Arbeitsteilung und Stellenbildung vielfach schwer zu realisieren. Die Koordination wird größtenteils über eine Unternehmenskultur vorgenommen, die Konfiguration ist vielfach nicht eindeutig darstellbar, die Entscheidungsdelegation unklar und der Grad der Formalisierung meist äußerst gering. Auch die von GREINER beschriebenen Krisen wirken sich bei Start-ups in der Medienbranche wesentlich stärker als bei normalwachsenden Unternehmen aus und folgen in kürzeren Abständen aufeinander. 3.3.2 Die zwischenbetriebliche Organisation Es stellt sich nun die Frage, welche zwischenbetriebliche Organisationsform für Startup-Unternehmen der deutschen Medienbranche geeignet ist. PRIBILLA, REICHWALD und GOECKE schlagen vier verschiedene Organisationsformen in Abhängigkeit von der Marktunsicherheit und der Produktkomplexität vor, wie in Abbildung 3.3.2/1 dargestellt ist. Da die deutsche Medienbranche durch eine sehr hohe Marktunsicherheit gekennzeichnet ist, kommen nach dieser Unterteilung nur Kooperationen in Frage, also Joint Ventures, Strategische Allianzen oder Unternehmensnetzwerke. Innerbetriebliche Organisationsformen wie hierarchische oder modulare Organisationen sind demnach für die Produktion von Gütern oder Dienstleistungen in unsicheren Märkten eher ungeeignet. Ein Beispiel für die Produktion eines komplexen Produkts in einem unsicheren Markt ist die Erstellung von Internetapplikationen. Produkte mit niedriger Komplexität in einem unsicheren Markt sind z.B. standardisierte Dienstleistungen wie die Bereitstellung eines Internetzugangs. [...]
29 Diese Arbeitsteilung bedarf einer Koordination. Es muss gewährleistet werden, dass die Teilleistungen der einzelnen Mitarbeiter und Abteilungen aufeinander abgestimmt und auf die gemeinsamen Unternehmensziele ausgerichtet werden. Um dies zu erreichen bedarf es Koordinationsinstrumente. Die Koordination kann einerseits als vorausschauende Abstimmung, andererseits als Reaktion auf Störungen erfolgen. Eine vorausschauende Abstimmung ist nicht unbedingt erforderlich und in diskontinuierlichen Branchen auch äußerst schwierig. Die Koordination kann auch ausschließlich durch Reaktionen auf Störungen erfolgen. Dann spricht man von einer Feedbackkoordination. Bei explosionsartig wachsenden Start-ups in werden kürzester an Zeit diese zu Feedbackkoordination hohe Ansprüche gestellt, da sich aufgrund der hohen Wachstumsgeschwindigkeit auftretende Diskrepanzen unternehmensbedrohenden Problemen entwickeln können. Eine kontinuierliche und reaktionsschnelle Anpassung der Koordination an sich ständig verändernde Anforderungen wird somit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Diese Maßnahmen können durch persönliche Weisungen, Selbstabstimmung, Pläne und Programme eingeleitet werden. In der Anfangsphase des Start-ups kann die Koordination durch persönliche Weisungen des Gründers oder eines Managers vorgenommen werden. Mit zunehmender Größe des Unternehmens kommt es schnell zur Überlastung der Führungsperson, so dass eine Koordination durch Selbstabstimmung eher geeignet ist, um die auf persönlichen Weisungen basierende hierarchische Koordination zu entlasten. Dies erhöht zum einen die Motivation der Mitarbeiter und zum anderen die Flexibilität der Unternehmung. Pläne und Programme sind Instrumente einer Vorauskoordination und deshalb für Start-ups in der deutschen Medienbranche eher nicht anwendbar, da die organisatorische Entwicklung ausgesprochen unsicher und deshalb kaum vorhersehbar ist. In einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium bietet sich für Start-ups in der Medienbranche ein weiteres Koordinationsinstrument an, nämlich die Schaffung einer Unternehmenskultur. Hierunter versteht man die Festsetzung gemeinsamer Normen und Werte, die die Abstimmung der Tätigkeiten auch ohne strukturelle Vorgaben ermöglicht. Aufgrund der sich rasch verändernden Unternehmensumwelt müssen eine Reihe innovativer Projekte durchgeführt werden, die am besten mit einer ausgeprägten Unternehmenskultur bewältigt werden können. Dies ist darauf zurückzuführen, dass durch die Vermittlung von gemeinsamen Zielvorstellungen und Präferenzen die Mitarbeiter in schwierigen Entscheidungssituationen die gleichen Prioritäten setzen. [...]
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Internet, Managementsysteme, Balanced Scorecard, Medienbranche, Start-ub



