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Standard- und Individuallösungen für Informationssysteme

Am Beispiel von SAP

Standard- und Individuallösungen für Informationssysteme
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ingemar Anderson
  • Abgabedatum: Dezember 1993
  • Umfang: 156 Seiten
  • Dateigröße: 2,8 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Rosenheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2191-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2191-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2191-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Anderson, Ingemar Dezember 1993: Standard- und Individuallösungen für Informationssysteme, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Flexibilität, Software, Effizienz, Standard, SAP

Diplomarbeit von Ingemar Anderson

Einleitung:

Sowohl Literatur für Informationstechnologien als auch politische, kulturelle und gesellschaftskritische Veröffentlichungen nehmen Begriffe wie Normung, Standardisierung und Vernetzung immer häufiger in ihr Vokabular auf und machen sie zum Thema zahlreicher Schriften.

Viele Software-Hersteller haben den Trend der 'Informationsexplosion' erkannt und versuchen mit Ihren Produkten auf dem DV-Markt Boden zu gewinnen. So setzen sich verschiedene Produkte durch und werden zu einem 'Quasi'-Standard.

Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Effizienz, die Entscheidungsfindung von Anwendern und den Standardisierungsprozeß selbst hat, ist Thema dieser Arbeit.

Im Mittelpunkt steht das Informationssystem, dem als Produktionsfaktor in Unternehmen heute ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Ich versuche das Informationssystem aufzubrechen und seine Einzelelemente unter dem Gesichtspunkt der Standardisierung und Normung zu durchleuchten.

Diese Elemente sehe ich miteinander in Wechselbeziehungen stehen und behandle das Informationssystem wie jedes andere System, nämlich als ein Gefüge mit eigenen sehr schwer erkennbaren Gesetzen. Ich gehe davon aus, dass eine Eigendynamik und seine Synergieeffekte nicht in seiner gesamten Mannigfaltigkeit vorausgesagt werden können.

Die ganze Dimension des Begriffs Identität spielt in dieser Arbeit eine wesentliche Rolle. Im Zusammenhang mit den Begriffen System und Information kann ein Standard auf eine Gleichheits- und Unterschieds-Beziehung, also auf einen Prozess der Abgrenzung zurückgeführt werden.

Die schwierige Aufgabe eines Entscheidungsträgers, sich auf eine bestimmte Lösung eines Informationssystems festzulegen, sehe ich durch evolutionistische Entwicklungen solcher Systeme zusätzlich kompliziert. Deswegen sind meine Ausführungen interdisziplinär gehalten. Eine Beschränkung auf ein bestimmtes Fachgebiet könnte zu keiner befriedigenden Lösung führen, da zu viele Faktoren ignoriert werden müssten. Die Grenze der Standardisierbarkeit kann so skizziert werden. Sie muss aber relativiert werden, da sie vom Sinn und der Relevanz eines Standards bestimmt wird.

Der Leser, der schnell die Grenzen der Standardisierbarkeit für Informationssysteme nachlesen möchte, sei auf die Kapitel 2.4 Standard und Objektorientiertheit, Kapitel 3.3 Offene Systeme und Kapitel 2.6 Entscheidungsverfahren verwiesen. Das Thema dieser Arbeit ist allerdings so vielschichtig, so dass es nicht durch eine Formel oder ein allgemeingültiges Gesetz dargestellt werden könnte. Daher möchte ich durch folgende Kapitel den Horizont dieser Arbeit erweitern: 2.8 Grenzen der Standardisierung, 2.3 Standard und Kommunikation, 2.5 Standard und Vielfalt und 3.5 Verteilung der Verantwortung.

Welche Rolle der Standard bei solchen Informationssystemen spielt, soll diese Arbeit erörtern. Die Grenzen für den Einsatz von Standard-Software werde ich ausmachen, indem ich den ominösen Begriff 'Standard-Software' untersuche.

Inhaltsverzeichnis:

TEIL A 8
Einleitung 8
Das Unternehmen Rosenthal 9
Historie 9
Die DV-Landschaft der Firma Rosenthal (RAG) 11
TEIL B 14
1. Informationsverarbeitende Systeme 14
1.1 Begriffsfestlegungen 14
1.1.1 Grundbegriffe 14
1.1.2 Information 16
1.1.3 System 19
1.1.4 Das Informationssystem 21
1.2 Wege zum Standard 25
1.2.1 Standardisierung der Daten 25
1.2.2 Standardisierung der Methoden 28
1.2.3 Standardisierung der Organisation 32
1.2.4 Standardisierung der Benutzeranforderungen 34
2. Kriterien bei der Wahl zwischen Standard- und Individuallösungen 37
2.1 Einführung 37
2.2 Standards und Standard-Software 40
2.3 Standards und Kommunikation 42
2.4 Standard und Objektorientiertheit 45
2.5 Standards und Vielfalt 50
2.6 Entscheidungsverfahren 54
2.6.1 Entscheidungsformeln 54
2.6.2 Komponentenanalyse 60
2.6.3 Entscheidungstabellen 61
2.6.4 Beobachtung der kritischen Masse 63
2.6.5 Entscheidungsbaum 64
2.7 Entwicklungsumfeld und Auswirkungen von Standards 65
2.7.1 Politik 66
2.7.2 Gesellschaft 67
2.7.3 Betriebe 69
2.7.4 Kultur 70
2.8 Grenzen der Standardisierung 71
2.8.1 Standard und Individualität 72
2.8.2 Auswüchse der Standardisierung 74
2.8.3 Evolutionistische Standardisierung 77
2.9 Teil- oder Komponentenstandardisierung als Kompromisslösung 78
3. Informationsverwaltung als Schlüssel zur Systemlösung 79
3.1 Prinzipien der Organisation 80
3.1.1 Zentralisierung und Dezentralisierung 80
3.1.2 Client-Server-Technologie 81
3.2 Datenbanken 82
3.3 Offene Systeme, geschlossene Systeme 85
3.4 Daten- und Programmadministratoren 88
3.5 Verteilung der Verantwortung 90
3.6 Informationssystem-Standards 92
3.6.1 Daten-Standards 92
3.6.2 Programm-/ Methoden-Standards 95
3.6.3 Organisations-Standards 96
3.6.4 Benutzer-Standards 100
3.7 Informationsquellen für Standards 101
3.7.1 Daten-Standards 101
3.7.2 Programm-/Methoden-Standards 102
3.7.3 Organisations-Standards 103
3.7.4 Anforderungs-Standards 103
TEIL C 106
1. SAP, das Unternehmen und sein Umfeld 106
1.1 Gründung und Philosophie 106
1.2 Die Produkte von SAP 109
1.3 Die Kunden von SAP 111
1.4 Das Datenmodell von SAP 112
2. Beobachtungen bei der Einführung von SAP/RV 117
2.1 Vorgehensweise 118
2.2 Individualisierungsprozess und Dokumentation 119
2.3 Angepasstheit von SAP 127
3. Hinweise zu der 4-GL-Sprache ABAP/4 136
3.1 Die Elemente der Sprache 136
3.2 Eigenarten von ABAP/4 137
4. Quintessenz 138
Quellenverzeichnis Literatur 141
Abbildungsverzeichnis 145
Formelverzeichnis 147
Abkürzungsverzeichnis 147
Index 148

Automatisiert erstellter Textauszug:

Findet die Akzeptanz auf einer der drei Ebenen nicht statt, so wird sich der neue Standard langfristig nicht etablieren. Die Ursachen dafür sollten nicht ignoriert werden, sondern der Grund für die Ablehnung gefunden werden. Dabei ist es wichtig, daß verschiedene Standards, also verschiedene Vorlieben, Verfahren oder Strukturen, offen zur Diskussion ausgesetzt werden und eventuell berichtigt werden. Vor allem muß ein Bewußtsein dafür vorhanden sein, daß Probleme nur gemeinsam und durch persönlichen Einsatz gelöst werden können. Fehlt diese Grundlage in einer Gesellschaft, können sich neue Standards nur sehr schlecht und sehr langsam durchsetzen. Natürlich ist dabei immer die Angst verbunden, etwas Fremden völlig ausgesetzt zu werden. Ist diese Angst immer begründet? Sie ist dann nicht begründet, wenn es darum geht ein gemeinsames Problem zu lösen. Eberhard Sinner MdL meint in seinem Vortrag über die Auswirkungen der Telekommunikation auf Wirtschaft und Gesellschaft: "Nefiodow schreibt in seinem Buch Der fünfte Kondratieff: ' ein zu großer Teil unserer Energie wird in die Erhaltung überholter Strukturen, in zweitrangige Probleme, in Prestigevorhaben und relativ unproduktive Bereiche investiert, dadurch können die für den Aufbau einer Informationsgesellschaft notwendigen Ressourcen nicht freigesetzt werden.'." Vielleicht ist es in der Natur des Menschen, in sich wandelnden, schlechter werdenden Zeiten, an alten Denkmustern festzuhalten und sie nur dann aufzugeben, wenn die Not ein Ausmaß anzunehmen droht, die seine Existenz unmittelbar gefährdet. Geht es bei diesen neuen Standards um solche Denkmuster? Vergl. [TeleHaus93, Sinner]. Die neuen Technologien der Informationssysteme betreffen die betriebliche und das gesellschaftliche Umfeld so stark, daß heute viele Menschen ihre herkömmlichen Denkweisen, Arbeitsweisen und Arbeitsmethoden gänzlich vergessen müssen, um den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt gerecht werden zu können. Durch die Einführung neuer Standards bilden sich Spezialisten heraus, die diese Standards sehr gut beherrschen. Durch ihre Fixierung auf diese eine Aufgabe, diesen Standard zu beherrschen, haben sie dabei oft nicht mehr die Möglichkeit, sich mit anderen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Bei einem sich ändernden Standard kann es passieren, daß sie anderen Aufgaben nicht mehr gänzlich gewachsen sind oder ein großes Wissens- und Erfahrungsdefizit nachholen müssen. So fordert eine Standardisierung immer ein Spezialistentum. Diese Forderung ansich birgt gesellschaftliche Folgen, die sich auf die Wirtschaft und Gesellschaft äußerst negativ auswirken können. Standards, die ein zu großes Spezialistentum fordern, sollten also vermieden werden. Mit einem Zitat von Carl Sagan möchte ich diesen Absatz abrunden: [...]

2.7.2 Gesellschaft Die Grundvorraussetzung für eine sinnvolle Innovation ist die Akzeptanz. Der Begriff der Akzeptanz ist sehr vielschichtig und wird vielfach im Zusammenhang mit sehr unterschiedlichen Intentionen verwendet. So referiert Norbert Kordey von der Gesellschaft für Kommunikations- und Technologieforschung: "Es gibt in der Akzeptanzforschung nur wenige Versuche, den Begriff der Akzeptanz zu definieren; dies steht ganz im Gegensatz zur Häufigkeit seines Gebrauchs." Im Zusammenhang mit der Einführung eines neuen Standards sagt er weiter: "Akzeptanz ist nicht alles, doch ohne Akzeptanz ist alles nichts." [TeleHaus93, Kordey] Häufig wird Akzeptanz mit Toleranz verwechselt. "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen" meinte J.W. v. Goethe in Maximen und Reflexionen. Toleranz alleine führt dementsprechend nicht zu einer harmonischen Entwicklung einer Innovation. Kordey spricht in diesem Zusammenhang von zwei Wesensmerkmalen der Akzeptanz: der kognitiven verstandesgemäßigen und der konotativen, handlungsorientierten Akzeptanz. Eine kognitive Akzeptanz, das heißt der Befürwortung aber nicht das Einsetzen einer Neuerung, sei keine wirkliche Akzeptanz. Sie sei erst dann akzeptiert, wenn sie befürwortet und eingesetzt werde. Über die Akzeptanz eines neuen Standards kann zusammenfassend gesagt werden: "Lösungen liegen in der frühzeitigen Beteiligung der Anwender auf allen Ebenen. Frühzeitige Schulung bei der Einführung eines neuen Produkts. Ängste und Widerstände gegen neue Techniken beziehen sich in der Regel nicht auf die Technik an sich, sondern auf die mit ihrer Implementation verbundenen sozialen Veränderungen." [TeleHaus93, Kordey] Die Akzeptanz muß nach Kordey ferner auf drei verschiedenen Ebenen vorhanden sein: der gesellschaftlichen, der betrieblichen und der individuellen. Die betrieblichen und die gesellschaftlichen Ebenen sind eng verknüpft mit dem allgemeinen Zeitgeist, der Politik und der medialen Landschaft. Das Individuum ist die letzte Instanz in der Akzeptanzkette und ist sehr subjektiven Kriterien unterworfen. Ein neuer Standard muß nicht nur möglichst nutzbringend sein, er muß auch den ganz persönlichen Eigenheiten des Benutzers entsprechen. Die sind sehr weit gestreut und können unmöglich komplett abgedeckt werden. So sollen dem Anwender nach Kordey Vorteile im Arbeitsablauf geboten werden, sein Tätigkeitsfeld nicht direkt gefährdet werden und er soll rechtzeitig und umfassend informiert werden. Vergl. [TeleHaus93, Kordey] [...]

2.7.1 Politik Natürlich hängen viele Investitionen der Firmen von politischen Rahmenbedingungen ab. Als der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß den Freistaat Bayern zu einem Hoch-Technologiestandort machen wollte, investierten viele Firmen in Bayern. Das Land zehrt heute noch von diesen Innovationsschüben der siebziger Jahre. Heute hat der Freistaat Bayern einen neuen Ministerpräsidenten: Edmund Stoiber, und damit auch ein neues Innovationsprogramm. Edmund Stoiber setzt mit Nachdruck auf den Ausbau der Informationstechnologien. So berichtet Eberhard Sinner MdL, "Die CSU-Fraktion hat sieben Anträge unter dem Titel "Wirtschaftsstandort Bayern - Telekommunikation" im Bayerischen Landtag eingebracht, die am 30. Juni 1993 durch das Plenum beschlossen wurden. Ziel dieser Anträge ist: Heimatmarkt Bayern für die Telekommunikation stärken, weitere Ansätze für neue Innovationen geben und Spitzenstellung Bayern als Innovations- und Industriestandort sichern." [TeleHaus93, Sinner] Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr unterstützt maßgeblich das anfang 1990 gegründete Telekommunikationszentrum Oberfranken e.V.. Ziel ist es, Impulse zur Anwendung zeitgemäßer Kommunikationsverfahren auszulösen und die Vermittlung von Wissen zur Umsetzung neuer Techniken in organisatorische und wirtschaftliche Verbesserungen. Zentrale Anwendungen sind dabei das neue ISDN-Kommunikationsnetz (Integrated Service Data Network) und der elektronische Datenaustausch über die gemeinsame Schnittstelle von EDI (Elektronic Data Interchange) zwischen den Informationssystemen der Firmen. Vergl. [TeleHaus93, Sinner] Die Politiker des Landes Bayern wollen also einen neuen Standard für Informationssysteme setzen. Folglich sind sie auch an einer gewissen Einheitlichkeit dieser Systeme interessiert. Nur so ist der effiziente Datenfluß sowohl außerhalb als auch innerhalb der Betriebe möglich. Anwender von Informationssystemen sollten deshalb auch die politischen Rahmenbedingungen bei der Entwicklung von Standards miteinbeziehen. Welche Technologien, oder allgemein, welche Tendenzen werden von der Politik gefördert? Die Beantwortung dieser Frage kann eine Entscheidung für einen Standard erleichtern. Natürlich sind politische, wirtschaftliche und technische Wechselwirkungen nicht von der Hand zu weisen. Aber die politische Rahmenvorgaben sollen ja gewisse Standards setzen und sollten daher zwar nicht bedingungslos akzeptiert aber zumindest erörter werden. [...]

Arbeit zitieren:
Anderson, Ingemar Dezember 1993: Standard- und Individuallösungen für Informationssysteme, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Flexibilität, Software, Effizienz, Standard, SAP

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