Stakeholder Management
Wertorientierte Steuerung als strategische Herausforderung für Kreditgenossenschaften
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Thomas Stützer
- Abgabedatum: August 2003
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 564,2 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Berufsakademie für Bankwirtschaft Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7373-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7373-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7373-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stützer, Thomas August 2003: Stakeholder Management, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Stakeholder Value, Balanced Scorecard, Unternehmenswert, Strategisches Management, Unternehmensfühung
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Bachelorarbeit von Thomas Stützer
Zusammenfassung:
Die Praxis liefert ein aktuelles und passendes Beispiel dafür, welches Potential in der gezielten Einbeziehung strategischer Anspruchsgruppen in die Geschäftspolitik einer Bank schlummert: Die Citibank steuert im Jahr 2003 auf ein Rekordergebnis zu, und das ausgerechnet mit ihrem Privatkundengeschäft. Für die Citibank bedeutet dies trotz der Strukturkrise der Banken eine Gewinnsteigerung vor Steuern um 12,5 %, ein Cost-Income-Ratio von gerade mal 41 und eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von sagenhaften 42 %. Das Erfolgsgeheimnis liegt in der Philosophie von Citibank-Chefin Christine Licci . Mit ihrer außergewöhnlichen Orientierung an den Anforderungen von Mitarbeitern und Kunden lebt sie in den Grundzügen eine bereits bekannte, aber bisher unterdurchschnittlich beachtete Konzeption, welche wesentlich zur Steigerung des wirtschaftlichen Erfolges von Unternehmen beitragen kann – das Stakeholder Management. Damit fungiert die Lady an der Spitze der Düsseldorfer Citibank als innovative Vorreiterin einer modernen Neuauslegung der Stakeholder Philosophie und glänzendes Vorbild für viele weitere Kreditinstitute.
Die Banken stehen als Unternehmung in ständigen Kontakt mit verschiedenen internen oder externen Personengruppen wie beispielsweise Kunden, Mitarbeitern oder Eigenkapitalgebern. Unterstellt man, dass Banken, wie jedes Unternehmen, gegründet werden, um Werte zu schaffen, dann stellen sich bei Präzision dieser Funktion allerdings die Fragen, welche Art von Wert für wen und auf welche Weise geschaffen werden soll. Bilden die Sicherung der Existenz und der ökonomische Erfolg für die Kreditinstitute die obersten Maximen, dann ergibt sich das Problem, dass die Personengruppen, die zur Erfüllung dieser Ziele beitragen, ganz unterschiedliche Vorstellungen von Werthaltigkeit für die Aufrechterhaltung ihrer Beziehungen zur Bank zugrunde legen. Soll der ökonomische Erfolg gesteigert werden und will sich ein Kreditinstitut entsprechend am Markt positionieren, dann wird die Analyse dieser Beziehungen sowie die Berücksichtigung der Wertvorstellungen dieser Gruppen in der Geschäftspolitik zum strategischen Erfolgsfaktor eines modernen Managements.
Zielsetzung dieser Arbeit ist es nun, die Bedeutung des in der Betriebswirtschaftslehre bereits bekannten Stakeholder Ansatzes für die unternehmerische Neuorientierung und das Management komplexer Beziehungsnetzwerke aufzuzeigen sowie die Konzeption, angepasst auf institutsgruppenspezifische Belange, auf den Organisationstyp einer Kreditgenossenschaft zu übertragen. Eine Analyse der strategisch relevanten Personengruppen sowie die Berücksichtigung deren Wertvorstellungen soll deren Erfolgssteigerungspotential für die Genossenschaftsbank verdeutlichen. Dabei dient das Stakeholder Konzept in erster Linie dazu, durch strategisches Management von Beziehungsstrukturen den ökonomischen Erfolg einer Bank zu sichern und langfristig zu steigern.
Dabei liefert das Stakeholder Modell explizite Antworten für die Fragen, welche Art von Werten für wen und in welcher Weise geschaffen werden sollte. Anhand der Übertragung des Stakeholder Managements auf den Organisationstyp der Kreditgenossenschaften wird exemplarisch verdeutlicht, welches Potential in den Stakeholdern steckt und wie dieses Potential zur Sicherung und Steigerung des wirtschaftlichen Erfolges sowie zur Abgrenzung der Kreditgenossenschaften von den Wettbewerbern genutzt werden kann.
Stakeholder Management wird dabei nicht als allumfassendes Instrument der Gesamtbanksteuerung gesehen, sondern vielmehr als Modell, welches die Integration vorhandener Steuerungsinstrumente zulässt und eine ganzheitliche Basis für das komplexe System „Bank“ liefert. Werden die Zeichen der Zeit erkannt und kommt es zur unternehmerischen Neuorientierung, dann wird deutlich, dass in der Balanced Scorecard bereits ein optimales, anpassungsfähiges Grundmodell besteht, dass die Umsetzung neuer Strategien und innovativer Managementkonzepte ermöglicht. In wiefern das Management von Stakeholderbeziehungen die Performance der Bank verbessert und dazu beiträgt, deren Fortbestehen zu sichern, ist wesentlich vom Umdenken der Führungsbereiche und von der Beachtung und Einbeziehung der Stakeholderinteressen in die Geschäftspolitik abhängig. Die größte Hürde und damit auch der stärkste Erfolgsfaktor liegt in der Fähigkeit der Genossenschaftsbank, traditionelle Werte mit modernen Wertvorstellungen zu verknüpfen und in einem dynamischen Konzept umzusetzen – dem Stakeholder Management.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung der Arbeit | 1 |
| 1.3 | Aufbau der Arbeit | 2 |
| 2. | Wertvorstellungen im Wandel – Notwendigkeit zur unternehmerischen Neuorientierung | 3 |
| 2.1 | Von der Industrie- zur Informationsgesellschaft – Die Herleitung des gesellschaftlichen Wandlungsprozesses | 3 |
| 2.2 | Bedeutung für die Unternehmung | 6 |
| 3. | Das Prinzip der wertorientierten Banksteuerung | 9 |
| 3.1 | Definition und Ziel der wertorientierten Banksteuerung | 9 |
| 3.2 | Objekt der wertorientierten Steuerung – Der Unternehmenswert der Kreditinstitute | 10 |
| 3.2.1 | Die interessenmonistisch-monetäre Wertauslegung | 10 |
| 3.2.2 | Die erweiterte, interessenpluralistischeWertdiskussion | 15 |
| 3.3 | Prozesse der wertorientierten Banksteuerung | 20 |
| 4. | Stakeholder Management | 25 |
| 4.1 | Das Stakeholder Konzept – Ein Analyseinstrument | 25 |
| 4.1.1 | Darstellung des Stakeholder Konzepts | 26 |
| 4.1.2 | Shareholder Value – Gegensatz oder Ergänzung | 30 |
| 4.1.3 | Die unterschiedlichen Auslegungen des Stakeholder Value | 36 |
| 4.2 | Repräsentative Identifikation bestimmter, strategischer Anspruchsgruppen für Kreditgenossenschaften | 40 |
| 4.2.1 | Vorstand | 43 |
| 4.2.2 | Mitarbeiter | 47 |
| 4.2.3 | Kunden | 50 |
| 4.2.4 | Mitglieder | 54 |
| 4.2.5 | Verbundpartner. | 56 |
| 4.3 | Das Beziehungsnetzwerk der Stakeholder | 57 |
| 4.4 | Strategische Wertsteigerungsansätze für Kreditgenossenschaften | 64 |
| 4.4.1 | Erzeugung eines Member Value | 66 |
| 4.4.2 | Relationship-Banking | 70 |
| 4.4.3 | Human Resource Management | 74 |
| 5. | Institutsgruppenspezifische Beurteilung des Stakeholder Konzepts | 80 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 86 |
| Literaturverzeichnis | VI |
source Arbeit und vermarktlicht die Arbeitsbeziehungen. Dabei verliert insbesondere der Dienstleistungsbetrieb als Kollektiv von Individuen seine lebensweltliche Qualität. Der Trend zur Reduzierung der Ressourcenumwelt auf ökonomische Austauschbeziehungen und der Vernichtung von Wettbewerbsvorteilen kann lediglich durch die Behandlung des Mitarbeiters und der von ihm getragenen Kompetenzpotentiale als Einheit erfolgen.153 Der Wert der Mitarbeiter einer Unternehmung wird in der Diskussion um die wertorientierte Steuerung auch als „Intellectual Capital“, zu deutsch als Wissens- oder auch Humankapital bezeichnet.154 Vor diesem Hintergrund lassen sich für den Mitarbeiter fünf Kompetenzbereiche abgrenzen, die im Sinne des sechsten Kondratieff155 unentbehrliche und existenzsichernde Ressourcen darstellen:156 Fachkompetenz (tätigkeitsbezogenes, spezielles Wissen und Können) Persönlichkeitskompetenz (Fähigkeit und Wissen bezogen auf das individuelle Verhalten sowie die persönliche Darstellung) Methodenkompetenz (Fähigkeit und Wissen, den eigenen Arbeitsbereich zu organisieren, zu kontrollieren und zu steuern) Soziale Kompetenz (Fähigkeit und Wissen über eine erfolgsversprechende Kommunikation und Interaktion mit anderen Individuen, sowohl auf der Sachebene, als auch auf der Beziehungsebene) Problemlösungskompetenz (Fähigkeit und Wissen, die Anforderungen zur Lösung einer Problemstellung durch systematische Herangehensweise in einem strukturierten Prozess erfolgsversprechend zu erfüllen) Von Bedeutung ist aber nicht nur der Zugriff auf ein vorhandenes Niveau von Kompetenzen. Vielmehr bedarf es auch deren Weiterentwicklung und Ergänzung, denn das Humankapital bestimmt im Wesentlichen die Ent- [...]
Um die Mitarbeiter als strategische Anspruchsgruppe für Kreditgenossenschaften zu identifizieren, bedarf es einer genaueren Betrachtung der bankbetrieblichen Wertschöpfung. Da es sich im Leistungsprozess der Banken nicht um die Produktion physischer Güter handelt, sind die Produkte von entsprechender Abstraktheit und Immaterialität gekennzeichnet. Die Erbringung von Dienstleistungen in Form von Beratung und Verwaltung ist somit wesentliches Element des bankbetrieblichen Wertschöpfungsprozesses. Legt man die Tatsache zugrunde, dass es sich um den Umgang mit Geld handelt, dann lässt sich die Bankdienstleistung außerdem als besonders erklärungsbedürftig und vertrauensempfindlich klassifizieren.150 Die Dienstleistung als solche lässt sich mit Hilfe unterschiedlicher Betrachtungsweisen definieren. Bei einer phasenorientierten Begriffsauslegung können potential-, prozess- und ergebnisorientierte Wesensmerkmale der Dienstleistung unterscheiden werden.151 Im Rahmen dieser Analyse soll lediglich die potentialorientierte Definition Anwendung finden. Demnach ist die Dienstleistung im Sinne von Fähigkeit und Bereitschaft des Dienstleistungsanbieters zur Erbringung einer Leistung zu verstehen. Die Dienstleistung selbst stellt ein Leistungsversprechen dar, das aufgrund der geistigen Fähigkeiten des Dienstleistungsanbieters (z.B. Fachwissen der Mitarbeiter einer Bank) und dessen Bereitschaft zur Leistung (z.B. durch Motivation, Einstellung und Verhalten der Mitarbeiter) gegeben wird.152 Diese Definition bringt bereits die Wesentlichkeit der Mitarbeiter als Träger des Potentials (Fähigkeiten und Bereitschaft) im bankbetrieblichen Wertschöpfungsprozess zum Ausdruck. Wird das Personal der Bank hingegen nur als Kostenfaktor betrachtet, geht dies oft mit der Annahme einher, Arbeit sei eine vom Mitarbeiter losgelöste, frei verfügbare Ware, die bei Bedarf jederzeit wiederbeschafft und bei Überhängen jederzeit freigesetzt werden kann. Die Unternehmung beansprucht so freien Zugang zur Res150 151 [...]
Erfolges. Aus den angeführten Nutzenerwartungen und geforderten Gegenleistungen lassen sich im Wesentlichen die Wertgeneratoren Einkommen, Geschäfts- und Erfolgsspannenwachstum, Sicherheit und JobDesign ableiten.146 Das Einkommen an sich leitet sich primär aus den Teilnutzen Sicherheit und der geforderten Entlohnung ab. Sekundär lassen sich die Nutzenerwartungen Macht, Prestige, sozialer Status und Erfolg anführen. Das Einkommen kann aus den Komponenten Festgehalt, Sozialleistungen, variable Vergütung (Boni, Erfolgsbeteiligung) und persönlichen Sondernutzungsrechten (z.B. Dienstwagen) bestehen. Insbesondere die Erfolgsbeteiligung stellt einen Leistungsanreiz für die Geschäftsführung dar und dient dem Ziel der wertorientierten Steuerung.147 Die Gefahr eines operativen Gewinnstrebens sollte durch ein langfristig ausgerichtetes, periodenübergreifendes Modell der betrieblichen Erfolgsbeteiligung verringert werden. In positivem Zusammenhang mit der variablen Vergütung des Vorstandes steht der Wertgenerator des Geschäfts- und Erfolgsspannenwachstum. Dieser kann nicht losgelöst von der Sicherheit in Bezug auf die Existenzsicherung der Bank und der Risikobeschränkung im Bereich der Kapitalanlage (Kredit- und Wertpapierportfolio) gesehen werden. Die Erreichung wachstums- und erfolgspolitischer Zielsetzungen darf nicht zu Lasten der langfristigen Risikosituation und damit der Sicherung des Fortbestehens der Kreditgenossenschaft erfolgen.148 Der Wertgenerator des Job-Designs drückt die Möglichkeit der Selbstverwirklichung der Vorstände in ihrem Bereich aus und geht einher mit der Zielsetzung der Anwendung des Stakeholder Konzepts: Der Erhöhung des Handlungsspielraums für das Top-Management.149 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832473730
Arbeit zitieren:
Stützer, Thomas August 2003: Stakeholder Management, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Stakeholder Value, Balanced Scorecard, Unternehmenswert, Strategisches Management, Unternehmensfühung



