Stadtumbau Ost
Großwohnsiedlungen als stadtentwicklungspolitische Herausforderung für die Hansestadt Rostock
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ulrike Neubauer
- Abgabedatum: Oktober 2006
- Umfang: 144 Seiten
- Dateigröße: 6,5 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Wien Österreich
- Bibliografie: ca. 80
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0201-3
- ISBN (CD) :978-3-8366-0201-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Neubauer, Ulrike Oktober 2006: Stadtumbau Ost, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rostock, Schrumpfen, Stadtumbau, Trabantenstadt, Großtafelbau
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Diplomarbeit von Ulrike Neubauer
Einleitung:
Die Stadtentwicklung wird von politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen wesentlich beeinflusst. Mit der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten setzte in den neuen Bundesländern in all diesen Bereichen ein Prozess des Umbruchs und Wandels ein, der sich in unterschiedlicher Intensität auf das unmittelbare Lebensumfeld in den Städten und Regionen auswirkte. Besonders die wirtschaftsstrukturellen Veränderungen führten zu massiven Abwanderungsbewegungen in der Bevölkerung in wirtschaftlich stärkere Regionen, die bis heute aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage anhalten. Die damit verbundenen hohen Bevölkerungsverluste spiegeln sich seit Ende der 90er Jahre in steigenden Wohnungsleerständen wider, die zusätzlich durch eine erhöhte Eigenheimbildung im Umland der Städte und eine dynamische Ausweitung des Wohnungsangebotes (Neubau und Instandsetzung von Altbauten) verstärkt wurden.
Der strukturelle Leerstand ist nicht nur ein optisches Problem, der sich negativ auf die Wahrnehmung des Wohnumfeldes auswirkt, sondern stellt für die Wohnungsunternehmen aufgrund von Mietausfällen zunehmend eine Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz dar und bringt zudem die städtische Infrastruktur aus dem Gleichgewicht. So werden einerseits öffentliche Infrastruktureinrichtungen nicht mehr ausreichend genutzt, andererseits ist eine effiziente Auslastung von Netzen und Anlagen der stadttechnischen Infrastruktur nicht mehr gegeben. Da sich der Trend der Wohnungsleerstände infolge der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahren weiter verstärken wird, ist eine Neuorientierung in der Stadtentwicklungspolitik – vom Wachstum zur Schrumpfung – erforderlich. Aufgabe der kommenden Jahre wird es daher sein, angemessene Strategien und Maßnahmen für eine Stadtentwicklung unter Schrumpfungsbedingungen zu entwickeln.
Der Stadtumbau ist als Antwort auf die Frage der Lösung der komplexen Problematik zu verstehen. Er soll dazu beitragen, „die Auswirkungen des sich weiter vollziehenden Strukturwandels aufzufangen und auszugleichen“ und somit die Lebens- und Funktionsfähigkeit der Städte bewahren. Neben der Aufwertung ganzer Stadtteile und der Anpassung der technischen und sozialen Infrastruktur, sind auch Eingriffe in die Bausubstanz in Form von Abriss- und Rückbaumaßnahmen notwendig, um den Wohnungsmarkt den veränderten Bedingungen anzupassen.
Insbesondere die Großwohnsiedlungen sind seit der Wende einem enormen Veränderungsdruck ausgesetzt. So haben einzelne Stadtgebiete infolge hoher Einwohnerverluste ihre ausgewogene Bevölkerungsstruktur verloren und werden sich in den nächsten Jahren auch weiterhin durch Stadtumbaumaßnahmen räumlich verändern. Die Entwicklungsperspektive der Großwohnsiedlungen, die ein wesentlicher Bestandteil der Siedlungsstruktur in ostdeutschen Städten sind, bleibt somit ungewiss. Es wird daher eine stadtentwicklungspolitische Herausforderung für die Kommunen sein, neue Strategien zu entwickeln und anzuwenden, um die Großwohnsiedlungen langfristig stabilisieren zu können.
Die Hansestadt Rostock verfügt über einen hohen Anteil an Wohnungen in industriell erbauten Wohngebieten. Etwa zwei Drittel des gesamten Wohnungsbestandes sind in Plattenbauweise errichtet, wobei sich dieser Bestand auf neun Großwohnsiedlungen aufteilt. Er ist auf lange Sicht ein unverzichtbarer Bestandteil des Rostocker Wohnungsmarktes und sichert die Versorgung mit Wohnraum. Allerdings verlief in den vergangenen Jahren die Entwicklung in diesen Gebieten sehr unterschiedlich. Insbesondere in den fünf Großwohnsiedlungen Evershagen, Schmarl, Groß Klein, Dierkow und Toitenwinkel zeigen sich die Folgen der Stadtschrumpfung in besonderem Maße, indem die sozioökonomischen und wohnungswirtschaftlichen Entwicklungen von der Gesamtstadt abweichen. Die Hansestadt Rostock ist daher bemüht, gezielt durch stadtumbaubezogene Maßnahmen obgenannte Stadtgebiete zu konsolidieren.
Problemstellung:
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung der Veränderung von Großwohnsiedlungen unter Schrumpfungsbedingungen am Beispiel der Hansestadt Rostock. Anhand der Ergebnisse sollen die zukünftigen Perspektiven der Rostocker Großwohnsiedlungen am Wohnungsmarkt eingeschätzt werden, um daraus Handlungsempfehlungen formulieren zu können. Entsprechend der Zielsetzung gliedert sich die Arbeit in zwei Schwerpunkte, die auf Basis zweier Fragenkomplexen genauer erforscht werden.
Fragenkomplex 1: Analyse der bisherigen Entwicklung in den Rostocker Großwohnsiedlungen:
Welche städtebaulichen und wohnungspolitischen Ausgangsbedingungen liegen den Großwohnsiedlungen zugrunde? Welche Besonderheiten ergeben sich daraus für diese?
Wie stellten sich die Rostocker Großwohnsiedlungen zur Wendezeit dar?
Welche Auswirkungen hatte der durch die Wende ausgelöste Strukturwandel auf die Großwohnsiedlungen?
Fragenkomplex 2: Umgang mit den Rostocker Großwohnsiedlungen sowie deren Perspektiven in Bezug auf den Stadtumbau:
Welche Leitbilder, Strategien und Instrumente zur Steuerung gesamtstädtischer Schrumpfungsprozesse finden auf kommunaler Ebene Anwendung?
Welche Ansätze verfolgt die Hansestadt Rostock im Umgang mit den Großwohnsiedlungen unter den veränderten Rahmenbedingungen und wie gestaltet sich der Stadtumbau?
Inwieweit können mit Fördermitteln Entwicklungsprozesse in Bezug auf eine langfristige Stabilisierung der Großwohnsiedlungen gesteuert werden? Welche Strategien lassen sich daraus für den künftigen Umgang mit den Rostocker Großwohnsiedlungen ableiten?
Aufbauend auf den aus der allgemeinen Betrachtung gewonnenen Erkenntnissen, beschränken sich die praxisorientierten Untersuchungen, aufgrund ähnlicher Entwicklungsverläufe, auf die Großwohnsiedlungen Groß Klein und Toitenwinkel, die sich v.a. im Zeitversatz ihrer Entwicklung unterscheiden. Dabei können die Veränderungen in Groß Klein mit jenen im Stadtteil Schmarl verglichen werden und jene in Toitenwinkel mit denen in Dierkow.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit ist in vier Teile untergliedert, in denen die aufgeworfenen Fragestellungen (vgl. Kapitel 1.1) behandelt werden. Teil A gibt einen Überblick über die Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung bis 1989 und beinhaltet die Hintergründe, warum die ostdeutschen Großwohnsiedlungen im Gegensatz zu den westdeutschen keine sozialen Problemgebiete waren. Im Teil B werden die Ursachen des Transformationsprozesses und dessen Auswirkungen auf die Großwohnsiedlungen aufgezeigt. Der Schwerpunkt im Teil C liegt auf dem Stadtumbau. Anhand des Stadtumbauprozesses der Hansestadt Rostock werden die Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit schrumpfenden Strukturen detailliert dargestellt. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen werden im Teil D die Perspektiven der Rostocker Großwohnsiedlungen zusammenfassend beurteilt und Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Um die künftigen Perspektiven von Großwohnsiedlungen am Wohnungsmarkt einschätzen zu können, wird eine umfassende Analyse der Auswirkungen der städtebaulichen und wohnungspolitischen Rahmenbedingungen in der DDR (Kapitel 2) und des Strukturwandels in Mecklenburg-Vorpommern (Kapitel 4) auf die Entwicklung der Großwohnsiedlungen durchgeführt. Dabei werden insbesondere die durch den Transformationsprozess hervorgerufenen demografischen Auswirkungen, wohnungswirtschaftlichen Folgen und sozialräumlichen Veränderungen veranschaulicht.
Auf dieser Grundlage erfolgt eine theoretische Betrachtung zur Entstehung benachteiligter Stadtgebiete (Kapitel 5), die mit einem allgemeingültigen Fazit zur Entwicklungsperspektive von Großwohnsiedlungen abschließt. Parallel zu der allgemeinen Betrachtung werden die Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung Rostocks in der DDR beleuchtet (Kapitel 3), um den Entwicklungsverlauf und die Veränderungen in Rostocker Großwohnsiedlungen seit 1990 umfassend bewerten zu können (Kapitel 6). Hierzu werden nicht nur die Auswirkungen des Strukturwandels auf die beiden Großwohnsiedlungen Groß Klein und Toitenwinkel im Zeitraum von 1992 bis 2003/04 mittels der Auswertung von empirischen Daten untersucht, sondern auch die Neupositionierung in der Stadtentwicklungspolitik Rostocks hinsichtlich des Umgangs mit den Großwohnsiedlungen. Grundlage für die Festlegung eines Handlungsrahmens in Form von Stadtumbaukonzepten bilden verlässliche Prognosen für die Entwicklung der Einwohnerzahlen sowie des Rostocker Wohnungsmarktes bis zum Jahr 2018 (Kapitel 7).
Ausgehend von einer allgemeinen Betrachtung des Stadtumbaus, bei der Leitbilder, Strategien und Instrumente zur Steuerung von Schrumpfungsprozessen aufgezeigt werden (Kapitel 8), wird der aktuelle Stadtumbauprozess der Hansestadt Rostock vertiefend betrachtet und einer genauen Analyse unterzogen (Kapitel 9). Im Einzelnen werden, insbesondere auf Basis geführter Expertengespräche, die Planungen zum Stadtumbau und die Umsetzung behandelt, mit Praxisbeispielen aus den Stadtumbaugebieten Groß Klein und Toitenwinkel untermauert und eine kritische Bewertung des bisherigen Stadtumbauprozesses in der Hansestadt Rostock vorgenommen. Auf der Grundlage der praxisbezogenen Betrachtung des Stadtumbaus erfolgt eine Einschätzung zur Entwicklungsperspektive der Rostocker Großwohnsiedlungen (Kapitel 10). Abschließend werden Handlungsempfehlungen aus stadtentwicklungspolitischer/-planerischer Sicht für den weiteren Stadtumbau in Form von Thesen erarbeitet.
Im Anhang der Arbeit befinden sich Musterverträge. Insbesondere sei an dieser Stelle auf die Quartierseinteilungen zu den untersuchten Stadtumbaugebieten verwiesen, die v.a. zum besseren Verständnis der Kapitel 6 und 9 beitragen.
Immer wiederkehrende wichtige Fachbegriffe sind im Text in grauer und kursiver Schrift dargestellt und können im Glossar, das sich im hinteren Teil der Arbeit befindet, nachgeschlagen werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | ||
| 1. | Einleitung | 6 |
| 1.1 | Zielsetzung der Arbeit | 7 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 7 |
| TEIL A. | RAHMENBEDINGUNGEN DER STADTENTWICKLUNG BIS 1989 | 11 |
| 2. | Städtebauliche und wohnungspolitische Ausgangsbedingungen | 11 |
| 2.1 | Der Städtebau in der DDR | 11 |
| 2.2 | Die Territorialplanung der DDR | 15 |
| 2.3 | Die Wohnungspolitik der DDR | 16 |
| 3. | Die Stadtentwicklung Rostocks in der DDR | 19 |
| 3.1 | Entstehung der Rostocker Großwohnsiedlungen | 19 |
| 3.2 | Rostocker Neubaugebiete zur Wende | 27 |
| TEIL B. | DER TRANSFORMATIONSPROZESS: THEORETISCHE GRUNDLAGE UND FOLGEN | 30 |
| 4. | Die Wiedervereinigung - Auslöser des Strukturwandels in den neuen Ländern | 30 |
| 4.1 | Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen | 30 |
| 4.1.1 | Das alte System: Die sozialistische Wirtschaftsordnung der DDR | 30 |
| 4.1.2 | Die Wende: Ungeahnte Dimensionen des Strukturwandels in den neuen Ländern | 31 |
| 4.2 | Auswirkungen des Strukturwandels in Mecklenburg-Vorpommern auf die Entwicklung von Großwohnsiedlungen | 34 |
| 4.2.1 | Demografische Auswirkungen | 34 |
| 4.2.2 | Wohnungswirtschaftliche Folgen | 37 |
| 4.2.3 | Sozialräumliche Veränderungen | 39 |
| 5. | Großwohnsiedlungen als Lift nach unten? | 41 |
| 5.1 | Der Wohnungsmarkt in filtertheoretischer Konzeption als Basis benachteiligter Stadtgebiete | 41 |
| 5.2 | Theoretische Überlegungen zur Entstehung benachteiligter Stadtgebiete auf der Grundlage regionalspezifischer Effekte aus dem Wohnungsmarkt | 43 |
| Fazit zur Entwicklungsperspektive von Großwohnsiedlungen | 46 | |
| 6. | Rostocker Großwohnsiedlungen - Entwicklungsverlauf und Veränderungen seit 1990 | 47 |
| 6.1 | Die Stadtentwicklungspolitik von Rostock | 47 |
| 6.2 | Auswirkungen des Strukturwandels auf die Rostocker Großwohnsiedlungen | 51 |
| 6.2.1 | Groß Klein | 51 |
| 6.2.2 | Toitenwinkel | 56 |
| 6.3 | Zusammenfassende Bewertung der Entwicklungsverläufe beider Großwohnsiedlungen | 61 |
| 7. | Entwicklungsprognosen für die Hansestadt Rostock | 64 |
| 7.1 | Entwicklung der Einwohnerzahlen Rostocks bis 2018 | 64 |
| 7.2 | Entwicklung des Rostocker Wohnungsmarktes bis 2018 | 67 |
| 7.2.1 | Haushaltsprognose | 67 |
| 7.2.2 | Wohnraumnachfrageprognose | 68 |
| 7.2.3 | Prognose der Leerstandsentwicklung in den Stadtumbaugebieten Groß Klein und Toitenwinkel | 70 |
| TEIL C. | UMGANG MIT SCHRUMPFENDEN STRUKTUREN | 73 |
| 8. | Schrumpfende Stadtstrukturen - Folgen einer Stadtentwicklung ohne Wirtschaftswachstum | 73 |
| 8.1 | Leitbilder der Stadtentwicklung unter Schrumpfungsbedingungen | 73 |
| 8.2 | Strategien im Umgang mit Großwohnsiedlungen | 74 |
| 8.3 | Instrumente zur Steuerung gesamtstädtischer Schrumpfungsprozesse | 79 |
| 8.3.1 | Finanzielle Instrumente (Förderprogramme) | 80 |
| 8.3.2 | Rechtliche Instrumente | 82 |
| 8.3.3 | Akteursorientierte Instrumente | 85 |
| 8.3.4 | ISEK - Integriertes Stadtentwicklungskonzept | 87 |
| 9. | Stadtumbau Rostock | 89 |
| 9.1 | Planungen zur Steuerung des Stadtumbauprozesses | 89 |
| 9.1.1 | Leitbilder, Strategien und Steuerungsinstrumente | 89 |
| 9.1.2 | ISEK der Hansestadt Rostock | 90 |
| 9.1.3 | Planungen bis 2009 für die Umstrukturierungsgebiete Groß Klein und Toitenwinkel | 92 |
| 9.1.4 | Rolle der Wohnungsunternehmen im Stadtumbauprozess | 94 |
| 9.2 | Der Stadtumbau in der Umsetzung | 99 |
| 9.2.1 | Kosten im Stadtumbau und Lastenausgleich | 99 |
| 9.2.2 | Anpassung der technischen und sozialen Infrastruktur an veränderte Gegebenheiten | 101 |
| 9.2.3 | Umsetzungsprobleme | 104 |
| 9.3 | Praxisbeispiele aus den Stadtumbaugebieten | 104 |
| 9.3.1 | Groß Klein | 104 |
| 9.3.2 | Toitenwinkel | 109 |
| 9.4 | Kritische Bewertung des bisherigen Stadtumbauprozesses der Hansestadt Rostock | 112 |
| TEIL D. | SCHLUSSBETRACHTUNG | 116 |
| 10. | Perspektiven für Großwohnsiedlungen | 116 |
| 10.1 | Chance Stadtumbau: Vom schlechten Ruf zum attraktiven Wohnstandort? | 116 |
| 10.2 | Empfehlungen aus stadtentwicklungspolitischer/-planerischer Sicht | 119 |
| 11. | Zusammenfassung | 123 |
| Glossar | 126 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 128 | |
| Abbildungsverzeichnis | 129 | |
| Tabellenverzeichnis | 131 | |
| Verzeichnis der Gesprächspartner | 131 | |
| Literaturverzeichnis | 132 | |
| ANHANG | 137 | |
| I. Plandokumente | 138 | |
| Quartierseinteilung Groß Klein und Toitenwinkel | 138 | |
| II. Musterverträge | 139 | |
| Mustervertrag1 - Grundvereinbarung | 139 | |
| Mustervertrag2 - Förderungsvertrag | 140 |
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | ||
| 1. | Einleitung | 6 |
| 1.1 | Zielsetzung der Arbeit | 7 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 7 |
| TEIL A. | RAHMENBEDINGUNGEN DER STADTENTWICKLUNG BIS 1989 | 11 |
| 2. | Städtebauliche und wohnungspolitische Ausgangsbedingungen | 11 |
| 2.1 | Der Städtebau in der DDR | 11 |
| 2.2 | Die Territorialplanung der DDR | 15 |
| 2.3 | Die Wohnungspolitik der DDR | 16 |
| 3. | Die Stadtentwicklung Rostocks in der DDR | 19 |
| 3.1 | Entstehung der Rostocker Großwohnsiedlungen | 19 |
| 3.2 | Rostocker Neubaugebiete zur Wende | 27 |
| TEIL B. | DER TRANSFORMATIONSPROZESS: THEORETISCHE GRUNDLAGE UND FOLGEN | 30 |
| 4. | Die Wiedervereinigung - Auslöser des Strukturwandels in den neuen Ländern | 30 |
| 4.1 | Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen | 30 |
| 4.1.1 | Das alte System: Die sozialistische Wirtschaftsordnung der DDR | 30 |
| 4.1.2 | Die Wende: Ungeahnte Dimensionen des Strukturwandels in den neuen Ländern | 31 |
| 4.2 | Auswirkungen des Strukturwandels in Mecklenburg-Vorpommern auf die Entwicklung von Großwohnsiedlungen | 34 |
| 4.2.1 | Demografische Auswirkungen | 34 |
| 4.2.2 | Wohnungswirtschaftliche Folgen | 37 |
| 4.2.3 | Sozialräumliche Veränderungen | 39 |
| 5. | Großwohnsiedlungen als Lift nach unten? | 41 |
| 5.1 | Der Wohnungsmarkt in filtertheoretischer Konzeption als Basis benachteiligter Stadtgebiete | 41 |
| 5.2 | Theoretische Überlegungen zur Entstehung benachteiligter Stadtgebiete auf der Grundlage regionalspezifischer Effekte aus dem Wohnungsmarkt | 43 |
| Fazit zur Entwicklungsperspektive von Großwohnsiedlungen | 46 | |
| 6. | Rostocker Großwohnsiedlungen - Entwicklungsverlauf und Veränderungen seit 1990 | 47 |
| 6.1 | Die Stadtentwicklungspolitik von Rostock | 47 |
| 6.2 | Auswirkungen des Strukturwandels auf die Rostocker Großwohnsiedlungen | 51 |
| 6.2.1 | Groß Klein | 51 |
| 6.2.2 | Toitenwinkel | 56 |
| 6.3 | Zusammenfassende Bewertung der Entwicklungsverläufe beider Großwohnsiedlungen | 61 |
| 7. | Entwicklungsprognosen für die Hansestadt Rostock | 64 |
| 7.1 | Entwicklung der Einwohnerzahlen Rostocks bis 2018 | 64 |
| 7.2 | Entwicklung des Rostocker Wohnungsmarktes bis 2018 | 67 |
| 7.2.1 | Haushaltsprognose | 67 |
| 7.2.2 | Wohnraumnachfrageprognose | 68 |
| 7.2.3 | Prognose der Leerstandsentwicklung in den Stadtumbaugebieten Groß Klein und Toitenwinkel | 70 |
| TEIL C. | UMGANG MIT SCHRUMPFENDEN STRUKTUREN | 73 |
| 8. | Schrumpfende Stadtstrukturen - Folgen einer Stadtentwicklung ohne Wirtschaftswachstum | 73 |
| 8.1 | Leitbilder der Stadtentwicklung unter Schrumpfungsbedingungen | 73 |
| 8.2 | Strategien im Umgang mit Großwohnsiedlungen | 74 |
| 8.3 | Instrumente zur Steuerung gesamtstädtischer Schrumpfungsprozesse | 79 |
| 8.3.1 | Finanzielle Instrumente (Förderprogramme) | 80 |
| 8.3.2 | Rechtliche Instrumente | 82 |
| 8.3.3 | Akteursorientierte Instrumente | 85 |
| 8.3.4 | ISEK - Integriertes Stadtentwicklungskonzept | 87 |
| 9. | Stadtumbau Rostock | 89 |
| 9.1 | Planungen zur Steuerung des Stadtumbauprozesses | 89 |
| 9.1.1 | Leitbilder, Strategien und Steuerungsinstrumente | 89 |
| 9.1.2 | ISEK der Hansestadt Rostock | 90 |
| 9.1.3 | Planungen bis 2009 für die Umstrukturierungsgebiete Groß Klein und Toitenwinkel | 92 |
| 9.1.4 | Rolle der Wohnungsunternehmen im Stadtumbauprozess | 94 |
| 9.2 | Der Stadtumbau in der Umsetzung | 99 |
| 9.2.1 | Kosten im Stadtumbau und Lastenausgleich | 99 |
| 9.2.2 | Anpassung der technischen und sozialen Infrastruktur an veränderte Gegebenheiten | 101 |
| 9.2.3 | Umsetzungsprobleme | 104 |
| 9.3 | Praxisbeispiele aus den Stadtumbaugebieten | 104 |
| 9.3.1 | Groß Klein | 104 |
| 9.3.2 | Toitenwinkel | 109 |
| 9.4 | Kritische Bewertung des bisherigen Stadtumbauprozesses der Hansestadt Rostock | 112 |
| TEIL D. | SCHLUSSBETRACHTUNG | 116 |
| 10. | Perspektiven für Großwohnsiedlungen | 116 |
| 10.1 | Chance Stadtumbau: Vom schlechten Ruf zum attraktiven Wohnstandort? | 116 |
| 10.2 | Empfehlungen aus stadtentwicklungspolitischer/-planerischer Sicht | 119 |
| 11. | Zusammenfassung | 123 |
| Glossar | 126 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 128 | |
| Abbildungsverzeichnis | 129 | |
| Tabellenverzeichnis | 131 | |
| Verzeichnis der Gesprächspartner | 131 | |
| Literaturverzeichnis | 132 | |
| ANHANG | 137 | |
| I. Plandokumente | 138 | |
| Quartierseinteilung Groß Klein und Toitenwinkel | 138 | |
| II. Musterverträge | 139 | |
| Mustervertrag1 - Grundvereinbarung | 139 | |
| Mustervertrag2 - Förderungsvertrag | 140 |
Textprobe:
Kapitel Wirtschaftsentwicklung: Der plötzliche Systemwechsel im November 1989 bewirkte in den neuen Ländern eine völlige Neustrukturierung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Aufbau marktorientierter Strukturen ging mit dem Wandel der Branchenstruktur einher, der sich in relativ kurzer Zeit mit erheblichen Einschnitten vollzog, sodass sich dem politischen Zusammenbruch der wirtschaftliche anschloss.
Während bereits im ersten Halbjahr 1990 mit der Öffnung der Märkte die ostdeutschen Unternehmen Absatzschwierigkeiten bekamen, folgte der eigentliche Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft erst mit der Währungsumstellung im Juli 1990. Mehrere ungünstige Faktoren kamen zusammen: So brachen unerwartet die Handelsbeziehungen innerhalb des RGW zusammen, wodurch traditionelle Absatzmärkte für ostdeutsche Produkte und somit die Existenzgrundlage vieler Unternehmen wegbrachen, während osteuropäische Länder auf andere Märkte auswichen.
Zudem bedeutete die durch die Währungsunion hervorgerufene Wettbewerbssituation für viele ostdeutsche Betriebe das vorzeitige Ende, da diese aufgrund der übermäßig angestiegenen Lohnkosten, der vorhandenen Produktivitätsrückstände (ca. ein Drittel der westdeutschen Produktivität) sowie der fehlenden finanziellen Mittel für notwendige Investitionen nicht wettbewerbsfähig sein konnten, insbesondere gegenüber der westdeutschen Konkurrenz. Auch die später sich verschlechternden weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa und den USA wirkten sich negativ auf die neuen Länder aus, da die schlechte Konjunktur in den alten Ländern die Chancen auf einen investitionsgestützten Aufschwung in Ostdeutschland verringerte.
All das führte Anfang der 90er Jahre vorwiegend zur Stilllegung ostdeutscher Betriebe und, insbesondere im sekundären Sektor, zu einem extremen Beschäftigungseinbruch. So verloren allein im Jahr 1991 gegenüber dem Vorjahr 2,31 Mio. Menschen ihren Arbeitsplatz. Der Anpassungsdruck an marktorientierte Strukturen, der sich zuerst fast ausschließlich über einen „Gesundschrumpfungsprozess“ vollzog, führte im Industriebereich letztlich sogar zu einer Unterindustrialisierung.
Gleichzeitig wurde im Rahmen der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion eine Privatisierung der im Volkseigentum befindlichen Unternehmen vereinbart. Die ehemaligen Kombinate (siehe Kapitel 4.1.1) wurden in Kapitalgesellschaften umgewandelt und zunächst in die eigens dafür gegründete Treuhandanstalt (THA) überführt. Die THA zergliederte die Großunternehmen in wettbewerbsfähige, wirtschaftlich selbstständige Einheiten (Kernbereiche), um diese schnellstmöglich zu privatisieren. Allerdings blieb die Kritik an der THA nicht aus, der vorgeworfen wurde die Kombinate so aufgesplittert zu haben, dass sie gegenüber westdeutschen Unternehmen nicht mehr konkurrenzfähig gewesen wären. So wurden zwischen 1990 und 1994 rund 3.600 Betriebe stillgelegt, wodurch mehr als 300.000 Arbeitsplätze verloren gingen.
Betrachtet man die neuen Länder separat, so ergibt sich entsprechend des Industrialisierungsgrades ein Süd-Nord-Gefälle, das sich im transformationsbedingten Strukturwandel, insbesondere in der Arbeitslosenstatistik widerspiegelt. Mecklenburg-Vorpommern, das strukturschwächste der neuen Bundesländer mit dem geringsten Industrialisierungsgrad, wies 1992 zugleich die höchste Arbeitslosenquote der neuen Länder auf. So schreibt BANDELIN betreffend des Strukturwandels in Mecklenburg-Vorpommern: „Ihren Ausdruck findet diese Krise v.a. am Arbeitsmarkt, wo eine 37 %ige Unterbeschäftigungsquote lediglich durch diverse Instrumente der Arbeitsmarktpolitik sowie Pendler und Abwanderer auf einem offiziellen Niveau der Arbeitslosenquote von ‚nur’ 18 % (April 1994) gehalten wird.“ Bis heute konnte sich der Negativtrend in Mecklenburg-Vorpommern nicht umkehren und stellt die Kommunen aufgrund geringer Einnahmen und hoher Ausgaben vor eine schwierige finanzielle Situation.
Rahmenbedingungen für die Stadtentwicklung: Mit dem Systemwechsel kam es auch zu einer Umstrukturierung der institutionellen Infrastruktur, wodurch sich die Instrumente und Akteure der Stadtplanung sowie das Planungsrecht grundlegend änderten. Die Wohnungspolitik des Bundes verfolgte Anfang der 90er Jahre zwei Schwerpunktsetzungen: Zum einen sollten auch auf dem Wohnungsmarkt, bei gleichzeitiger Belebung der Wirtschaft, marktwirtschaftliche Strukturen entstehen (z.B. durch Einführung von Vergleichsmieten, Förderung der Eigentumsbildung, Steuervergünstigungen beim Wohnungsneubau), zum anderen sollten vorhandene städtische Strukturen aufgewertet werden.
Dazu wurden von Bund und Ländern umfassende Förderprogramme aufgelegt, die neben der „normalen“ Städtebauförderung spezifische Programmbereiche für die neuen Länder vorsahen, mit der Hauptzielsetzung eine Wohnumfeldverbesserung zu erreichen (z.B. städtebauliche Weiterentwicklung großer Neubaugebiete, städtebauliche Erneuerung in Gebieten der Block- und Plattenbauweise, städtebaulicher Denkmalschutz). Zudem gab es eine Vielzahl an Sonderprogrammen im Bereich der Städtebauförderung, bspw. für städtebauliche Planungsleistungen (1991/92), Modellvorhaben des experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (1991-94), städtebauliche Entwicklung von Wohngebieten (1993).
Allerdings beeinflussten zwei Dinge nach der Wiedervereinigung erheblich die Stadtplanung: So wurden einerseits, durch das anfängliche Fehlen geeigneter städtebaulicher Konzepte und Rechtsmittel, Fehlentwicklungen im Speckgürtel der Städte, insbesondere durch Fördermittel des Bundes für Investitionstätigkeiten, eingeleitet. Andererseits erschwerte die Flut von Eigentumsansprüchen, die auf der im Einigungsvertrag enthaltenen Klausel „unrechtmäßige Enteignungen durch Rückübertragung an die ursprünglichen Eigentümer rückgängig zu machen“ beruhten, die Entwicklung und Sanierung innerstädtischer Flächen.
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Arbeit zitieren:
Neubauer, Ulrike Oktober 2006: Stadtumbau Ost, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Rostock, Schrumpfen, Stadtumbau, Trabantenstadt, Großtafelbau



