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Stabilität hoher Fluorchinolonresistenz bei Enterobakterien ohne Selektionsdruck

Die Dissertation erhielt 2001 den "Aventis Travel Award" und wurde 2002 mit dem "PEG-Doktoranden- Stipendium" ausgezeichnet.
Stabilität hoher Fluorchinolonresistenz bei Enterobakterien ohne Selektionsdruck
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Ansgar Schulte
  • Abgabedatum: August 2001
  • Umfang: 113 Seiten
  • Dateigröße: 6,9 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6285-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6285-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6285-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: Die Dissertation erhielt 2001 den "Aventis Travel Award" und wurde 2002 mit dem "PEG-Doktoranden- Stipendium" ausgezeichnet.
  • Arbeit zitieren: Schulte, Ansgar August 2001: Stabilität hoher Fluorchinolonresistenz bei Enterobakterien ohne Selektionsdruck, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Fitness, Escherichia coli, Antibiotika, Proteomics, Ciprofloxacin

Dissertation / Doktorarbeit von Ansgar Schulte

Beide Auszeichnungen wurden auf Vorschlag der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. verliehen. Der Aventis Travel Award 2001 war ein Stipendium zum Besuch der 40th ICAAC, Toronto, Kanada, gestiftet von Aventis Pharma GmbH.

Zusammenfassung:

Als Präventivmaßnahme zur Eindämmung der Resistenz gegen Antibiotika wurde 1995 von der WHO vorgeschlagen, den Antibiotikaeinsatz weltweit zu reduzieren, um damit der Selektion von resistenten Bakterien entgegenzuwirken. Grundlage dieser WHO-Empfehlung ist die Annahme, daß die Fitness von Antibiotika-resistenten Mutanten im Vergleich zu sensitiven Stämmen signifikant verringert ist und diese daher beim Wegfall des Selektionsdrucks die resistenten Stämme verdrängen.

Die klinische Fluorchinolonresistenz bei Escherichia coli ist eine Folge der Akkumulation von Mutationen in den Genen der Zielstrukturen Gyrase und Topoisomerase IV. Des weiteren spielt oftmals eine Veränderung der mar-regulierten Expression von Porinen und Effluxpumpen eine Rolle. Bei in vitro selektierten E. coli konnte, im Zusammenhang mit der Resistenzentwicklung, eine erhebliche Verminderung der Fitness festgestellt werden. Neben einer verlängerten Generationszeit, wurde die Abnahme des negativen Superspiralisierungsgrads der DNA, sowie der Verlust der Typ 1 Fimbrienexpression festgestellt. Dies steht im Gegensatz zu den Befunden bei klinischen Isolaten.

Um die Frage zu klären, ob der Fitnessverlust der Bakterien die WHO-Annahme bestätigt, oder, ob eventuell kompensatorische Mutationen diesen Fitnessverlust ausgleichen können, wurde in dieser Arbeit ein Fitness-Kompensationsexperiment durchgeführt. Es bestand darin, die Ciprofloxacin-resistenten Zellen über 300 Generationen ohne Antibiotikaselektionsdruck in vitro zu kultivieren, dabei setzten sich die fittesten Mutanten durch. Es wurde somit auf Wachstumsgeschwindigkeit und Lebensfähigkeit selektiert.

Es konnte gezeigt werden, daß eine Generationszeitverkürzung bei Mutanten der Generation 300 auf Wildtyp-Niveau, mit der Wiederherstellung des DNA-Superspiralisierungsgrads einherging. Gleichzeitig blieb die klinische Chinolonresistenz erhalten. Die bekannten Resistenzmutationen in gyrA, parC und marR blieben unverändert. Zusätzlich war bei den untersuchten Mutanten der Generation 300 die Fähigkeit zur Typ 1 Fimbrienexpression wiederhergestellt.

Entsprechend dem Mehrschrittmechanismus der zur hohen Chinolonresistenz und zur phänotypischen Ausprägung des Fitnessverlustes führte, konnte in dieser Arbeit auch ein Mehrschrittmechanismus der Kompensation nachgewiesen werden. Die phänotypischen Unterschiede zwischen den Mutanten der Generation 300 bestand neben der 2min kürzeren Generationszeit der später identifizierten Stämme (MasIII300-16s und MasIV300-32s), in deren Verringerung der MHK-Werte gegenüber Ciprofloxacin, Tetracyclin und Chloramphenicol, sowie in der erhöhten Chinolonaufnahme. Diese Revertierung des sogenannten MAR-Phänotyps bei den Mutanten MasIII300-16s und MasIV300-32s fand wie erwartet ohne Veränderung der Deletion in marR statt. Statt dessen führte die DNA-Sequenzanalyse des marCORAB-Locus der Mutanten zur Identifizierung von kompensatorischen Mutationen im marA-Gen.

Falls die nachgewiesenen Mutationen in marA zu einer Inaktivierung des Transkriptionsaktivators marA führen, könnten diese nicht nur zu einer erhöhten Chinolonaufnahme und dadurch zu einer niedrigeren Ciprofloxacin-MHK führen, sondern zusätzlich durch die vermehrte Expression der OmpF-Porine zu einer verbesserten Nährstoffversorgung der Zelle beitragen. Dies würde die um 2min verkürzte Generationszeit der Mutanten MasIII300-16s und MasIV300-32s gegenüber den Mutanten MasIII300 und MasIV300 erklären.

Aufgrund der Fitnesskompensation wird die von der WHO in Genf empfohlene Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes wegen des Zusammenhangs zwischen der Häufigkeit von resistenten Krankheitserregern und der Intensität der Antibiotikaanwendung zwar eine hilfreiche Maßnahme sein, wird aber wahrscheinlich, auch aufgrund der in dieser Arbeit gezeigten Ergebnisse bei E. coli, den einmal in Gang gesetzten weltweiten Prozeß der Resistenzselektion nicht umkehren können.

Inhaltsverzeichnis:

Inhalt
1. Einleitung 4
1.1 Bakterienfitness 5
1.2 Typ 1 Fimbrien 7
1.3 Enterobacteriaceae 9
1.4 Fluorchinolone 10
1.4.1 Wirkmechanismus der Fluorchinolone 11
1.4.2 DNA-Superspiralisierung 12
1.4.3 Chinolonresistenz 14
1.5 Zielsetzung 17
2. Material und Methoden 18
2.1 Material 18
2.1.1 Bakterienstämme 18
2.1.2 Eukaryontenzellen 19
2.1.3 Vektoren 19
2.1.4 Oligonukleotide 20
2.1.5 DNA-Größenmarker 22
2.1.6 Nährmedien 22
2.1.7 Chemotherapeutika 22
2.1.8 Chemikalien 23
2.1.9 Enzyme 24
2.1.10 Puffer und Lösungen 25
2.1.11 Geräte und Material 26
2.2 Methoden 27
2.2.1 Konzentrationsbestimmung von Oligonukleotiden 27
2.2.2 Polymerase-Ketten-Reaktion 27
2.2.3 PCR des regulatorischen Bereichs der Typ1 Fimbrien 29
2.2.4 Isolierung von Plasmid-DNA 30
2.2.5 Agarose-Gelelektrophorese 31
2.2.6 Aufreinigung der DNA mit dem QIAquick-PCR Purification Kit 32
2.2.7 Spektralphotometrische Konzentrationsbestimmung von DNA 32
2.2.8 Sequenzierung von DNA 33
2.2.9 Enzymatische Modifikation von DNA 34
2.2.10 Herstellung kompetenter Bakterien und Transformation 35
2.2.11 Konjugation 35
2.2.12 Identifizierung der Bakterien durch Mikronaut E 36
2.2.13 Bestimmung der minimalen Hemmkonzentration 37
2.2.14 Aufnahme von Ciprofloxacin in die Bakterienzellen 37
2.2.15 Keimzahlbestimmung 39
2.2.16 Bestimmung der Generationszeit 39
2.2.17 Fitness-Kompensationsexperiment 40
2.2.18 Direkter Wachstumsvergleich in einer Kultur 40
2.2.19 Mannose-sensible Saccharomyces cerevisiae Agglutination 41
2.2.20 Präparation der -Laktamase 41
2.2.21 Bestimmung der spezifischen -Laktamase-Aktivität 42
2.2.22 Proteinbestimmung nach Lowry 43
2.2.23 Bestimmung des DNA-Superspiralisierungsgrads über (-Laktamase-Expression 43
2.2.24 Bestimmung des DNA-Superspiralisierungsgrads über Chloroquingele 45
2.2.25 Proteomanalyse mittels 2D-Elektrophorese 46
2.2.25.1 Probenvorbereitung 46
2.2.25.2 Isoelektrische Fokussierung 46
2.2.25.3 SDS-Polyacrylamid-Gelelektrophorese 47
2.2.25.4 Coomassiefärbung 48
2.2.25.5 Silberfärbung 49
2.2.25.6 Bildauswertung der 2D-Elektrophoresegele 49
2.2.25.7 Peptide Mass Fingerprinting Analyse mit MALDI-MS 50
3. Ergebnisse 51
3.1 Fitnesskompensation 51
3.1.1 Bestimmung der Generationszeit ausgewählter Stämme 51
3.1.2 Fitness-Kompensationsexperiment 53
3.1.3 Generationszeitbestimmung als Berechnungsgrundlage 54
3.2 Charakterisierung der Mutanten nach 300 Generationen 54
3.2.1 Identifizierung der Keime mittels Micronaut-E-System 54
3.2.2 Bestimmung der Generationszeit 55
3.2.3 Direkter Wachstumsvergleich in einer Kultur über 10,5 Tage 56
3.2.4 MHK-Bestimmung der Mutanten nach 300 Generationen 60
3.2.5 MHK-Bestimmung mittels Micronaut-S-System 61
3.2.6 Bestimmung der Resistenzmutationen im Vergleich zu den Elternzellen 62
3.3 Multiple Antibiotika-Resistenz 63
3.3.1 Bestimmung des MAR-Phänotyp 63
3.3.2 Messung des Ciprofloxacingehaltes in der Bakterienzelle 64
3.3.3 Sequenzvergleich des marCORAB-Locus 66
3.4 Untersuchung der Adhärenzeigenschaften der E. coli-Isolate 67
3.4.1 Mannose-sensible Saccharomyces cerevisiae Agglutination (MSSA) 67
3.4.2 PCR des regulatorischen Bereichs der Typ 1 Fimbrien 68
3.5 Untersuchung des DNA-Superspiralisierungsgrads 70
3.5.1 Untersuchung des DNA-Superspiralisierungsgrads mittels Expression der (-Laktamase 70
3.5.2 Untersuchung des Superspiralisierungsgrads mit Chloroquingelen 72
3.5.3 DNA-Sequenzanalyse der Topoisomerasen und DNA-Bindeproteine 73
3.5.4 Überprüfung der Mutation in gyrA an Position 678 74
3.6 Proteomanalyse mittels 2D-Elektrophorese 74
3.6.1 Proteinexpressions-Unterschiede der Mutanten 75
3.6.2 Sequenzanalyse des Protein-codierenden Gens (yqgE) 77
3.6.3 Sequenzanalyse des Transkriptionsaktivators fadR 77
4. Diskussion 78
5. Zusammenfassung 95
6. Literaturverzeichnis 97
7. Anhang 106
7.1 Lebenslauf 106
7.2 Danksagungen 107
7.3 Abkürzungsverzeichnis 108

Arbeit zitieren:
Schulte, Ansgar August 2001: Stabilität hoher Fluorchinolonresistenz bei Enterobakterien ohne Selektionsdruck, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Fitness, Escherichia coli, Antibiotika, Proteomics, Ciprofloxacin

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