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Lesen im Wandel der Multimediageneration

Einflüsse des Internets auf Leseverhalten und Lesekompetenz

Lesen im Wandel der Multimediageneration
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Maike Alberti
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 136 Seiten
  • Dateigröße: 982,4 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9687-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9687-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9687-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Alberti, Maike November 2005: Lesen im Wandel der Multimediageneration, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: PISA, Lesesozialisation, Lesestudien, Leseförderung, Hypertext

Staatsexamensarbeit von Maike Alberti

Einleitung:

Lesen und die damit verbundenen Kompetenzansprüche wandeln und erweitern sich ständig, und es ist kein Ende abzusehen, um sich dieser zur Zeit vieldiskutierten Kulturtechnik zu entziehen. So kurz und pragmatisch lässt sich vielleicht das Zitat von Goethe in die heutige Mediengesellschaft übertragen. Lesen lernen dauert somit ein Leben lang und endet nie. Dabei kann jedoch nicht abgestritten werden, dass der beschleunigte technologische Wandel des 21. Jahrhunderts das Lesen in seinen Sog gezogen hat und Veränderungen mit sich bringt, deren Ausmaße sicherlich erst im Laufe der Zeit sichtbar werden. Eines ist allerdings deutlich, man spricht schon jetzt davon, dass das Buch sein einst so sicheres Wissens- und Statusmonopol verloren hat und sich in die Reihe der neuen Medien, wie Fernseher und vor allem dem Internet, einordnen muss. Das Buch ist nicht mehr Grundmetapher unseres Zeitalters, es musste dem Bildschirm Platz machen.

Ob die neuen Medien jedoch in Konkurrenz oder als Ergänzung im „Rahmenprogramm“ Lesen in Erscheinung treten, ist keine einheitlich zu klärende Frage. Sprechen die Kulturpessimisten eher von Konkurrenz und Verdrängung, so treten auf der anderen Seite verstärkt Äußerungen auf, die das Lesen als Schlüsselkompetenz für die Orientierung in der Medienlandschaft und den mündigen Umgang mit einzelnen Medien ansehen.

Vor allem junge Menschen, die von Geburt an in einer Flut von multivalenten Signalen aus vielfältigsten Informationsquellen leben, nutzen das breite „stand-by“ Medienangebot, das unbegrenzten, jederzeit abrufbaren, beliebig wiederholbaren und orts- und zeitungebundenen Zugang zu Informationen und wechselseitiger Kommunikation z.B. via Internet ermöglicht. In einer auf Schrift aufbauenden Kultur und der immer weiter zunehmenden Verschriftlichung des Alltags bleibt es demnach nicht aus, dass sich Leseverhalten, Leseumwelt und Textsorten entscheidend wandeln, und man die Ansprüche ans Lesen neu definieren muss. Vor allem das Internet mit seiner Hypertextstruktur, zahlreichen sowie teilweise irreführenden Verlinkungen und multimedialen Angebotsstrukturen verlangt neue kognitive Lesefähigkeiten. Kaum jemand kann sich dem Umgang mit Website und E-Mail entziehen, will man uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben partizipieren. Lesen können erweitert somit nicht nur in diesem Bereich die soziale Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit. Anscheinend gibt es nicht mehr den beschaulichen Leser, der in einem gemütlichen Lehnsessel sitzt und bei Kerzenschein ein gutes Buch liest. Vielmehr ist der multimediale Leser gefragt, der seine Informationen aus verschiedenen Medienquellen zusammenträgt und Unterhaltung in den neuen Medien sucht und findet.

Trotzdem haben nicht nur die prägenden Veränderungen in der Multimediawelt Einfluss auf das Lesen, sondern auch die Lesediskussion in Deutschland, die durch den sogenannten „PISA-Schock“ hervorgerufen wurde. Die PISA-Studie zeigte dabei vor allem Defizite bei 15-jährigen Schülern in der Lesekompetenz auf. Im öffentlichen Meinungsbild rief dies unter anderem eine neue Wertigkeit des Lesens hervor, die zu außerordentlich kontroversen Diskussionen um Lesefähigkeit in der Gesellschaft führte und heute noch führt. Fragen zur Leseförderung, Leseerziehung und Lesesozialisation geraten in ein neues Licht und zielen auf eine immer stärkere Verknüpfung mit dem medialen Umfeld, unter anderem im schulischen Alltag ab.

Die vorliegende Examensarbeit soll sich daher mit dem Wandel des Lesens in der Multimediageneration, vornehmlich auf Deutschland bezogen, beschäftigen. Die Brisanz und Wichtigkeit dieser Thematik wird besonders durch den Umstand einer großen Anzahl von Forschungsprojekten, Statistiken und Aufsätzen unterstützt, die in der Vergangenheit immer wieder auf die Problematik des Lesens in quantitativer und qualitativer Form aufmerksam gemacht haben. Sicherlich kann es jedoch nicht Ziel dieser Arbeit sein neue Forschungen auf diesem Gebiet durchzuführen. Vielmehr soll es darum gehen, die Erweiterung und somit Veränderung des Lesespektrums durch den Medieneinfluss darzustellen. Da sich die Auswirkungen auf das Lesen im Dschungel der Medien divergent äußern können, liegt der Schwerpunkt auf dem Einfluss des Mediums Internet. Unter diesem Aspekt soll auch das Leseverhalten und die Lesekompetenz explizit thematisiert werden. Als zentrale Inhalte der Arbeit können daher die Themen zur Lesekompetenz sowie eng damit verbunden die Darstellung der aktuellen Lesesituation im oben genannten Einfluss des Internets angesehen werden. Hinzu kommt letztlich auch die Betrachtung der Leseförderung. Detailliertere Ausführungen zur Struktur und Vorgehensweise der Arbeit folgen im anschließenden Punkt „Aufbau der Arbeit".

Gang der Untersuchung:

Lesen gilt als hochkomplexer, vielschichtiger Prozess, dem in der Gesellschaft immer eine besondere Bedeutung beigemessen wurde und wird. Unter diesem Aspekt steht auch das Kapitel 2, in dem es vor allem darum gehen soll, eine allgemeine Definition des Lesebegriffes, soweit dies überhaupt möglich ist, vorzunehmen und auf erste Merkmale der Komplexität und der Dimensionen des Lesens hinzuweisen. Daran anschließen wird sich die Betrachtung der historischen Entwicklung des Lesens. Anhand dieses Exkurses soll letztendlich verdeutlicht werden, dass das Lesen bereits in seiner Geschichte einem prägenden Einfluss von Medien als Trägerplattform von Schrift ausgesetzt war und sich die Anforderungen ans Lesen sowohl in technischer, aber auch in soziokultureller Form kontinuierlich gewandelt und erweitert haben. Schließlich ist es Ziel zum Abschluss dieses allgemeinen Kapitels den Schritt zur aktuellen Situation des Lesens in der Multimediageneration zu gehen. Dabei wird es entscheidend sein, zunächst zu klären, was die heutige Generation zu einer Multimediagesellschaft macht, d.h. was Multimedia genau bedeutet.

Das schwerpunktsetzende Kapitel 3 „Lesekompetenz in der heutigen Gesellschaft“ beschreibt anhand einer Umfrage zum Lesekompetenzbegriff, sowie mittels wissenschaftlicher Definitionen des Begriffes aus pragmatisch-funktionalistischer Sicht bei PISA sowie kulturwissenschaftlicher Sicht die Bedeutung und die Merkmale von Lesekompetenz und skizziert schließlich die Einflussgrößen, wie Lesesozialisation, Lesemotivation sowie Lesearten und Textformen. Ziel dieses Kapitels ist es hierbei die Mehrdimensionalität von Lesekompetenz in der heutigen Gesellschaft darzustellen und zu verstehen, da zur Erfassung der neuen Anforderungen an diese Kompetenz durch das Internet dieses Wissen Voraussetzung sein muss.

Nach der Beleuchtung dieser grundlegenden Kompetenzen im Medienzeitalter wird im darauffolgenden Abschnitt die aktuelle Situation des Lesens im Medienumfeld vorgestellt. Zur Einleitung dieses 4. Kapitels steht zunächst die Interrelation zwischen Medien- und Lesekompetenz im Mittelpunkt, um ebenfalls auf den theoretisch-konzeptionellen Bezug der beiden Kompetenz-Konstrukte hinzuweisen.

Im Anschluss daran soll dann der quantitative sowie qualitative Wandel des Lesens anhand verschiedener Leseforschungsstudien dargestellt werden. Dabei finden sowohl die Studien der Stiftung Lesen und der Bertelsmann Stiftung ihre Berücksichtigung in der Dokumentation von aktuellen Daten und Fakten, als auch vereinzelt ausgewählte Ergebnisse der PISA-Studie. Schließlich soll mit Bezug auf die bereits erfolgte Darstellung der Lesearten und Formen des Lesens im Einfluss auf die Lesekompetenz in Kapitel 3 am Ende dieses Abschnittes im speziellen auch noch auf die notwendigen Strategien und Umgangsformen des Lesens in medialer Abhängigkeit verwiesen werden. Die weitest gehende Ausklammerung der Leseformen und neuen Ansprüche ans Lesen im Internet ergeben sich hierbei aus der gesonderten Thematisierung im 6. Kapitel. Schließlich heißt Mediennutzung heutzutage vor allem auch verstärkt Internetnutzung. Um im Folgenden eine genaue Analyse des Leseverhaltens und der Anforderungen an die Lesekompetenz für die Internetnutzung darstellen zu können, werden in Kapitel 5 zunächst Basisinformationen zur Geschichte und zum Aufbau und der Struktur des Internets gegeben.

Des Weiteren soll das besondere Schriftformat dieses elektronischen Mediums, der Hypertext, thematisiert und schließlich aktuelle Nutzungsdaten des Internets in Deutschland vorgestellt werden. Danach liegt der Fokus besonders auf der Betrachtung des Untertitels dieser Arbeit. Aus diesem Grund besitzt das Kapitel 6 auch zentralen Charakter, da das Internet wachsenden Zuspruch und verstärkte Nutzung erfährt. Immer häufiger liegt somit das Augenmerk auch auf dem Leseverhalten am Bildschirm. Neben allgemeinen Leseanforderungen im Internet finden in diesem Bezug auch die positiven und negativen Aspekte des Internets ihre Berücksichtigung. Schließlich gilt es ebenfalls die neue Herausforderung von Lesen und Internet für den Bereich der Schule zu skizzieren.

Neben aller Veränderung scheint der Ruf nach Leseförderung, sowohl im schulischen Bereich als auch im gesamt-gesellschaftlichen Kontext, immer lauter zu werden. Kapitel 7 dieser Arbeit beschäftigt sich deshalb zunächst generell damit, was Leseförderung heißt und welche Formen diese im Medienzeitalter anzunehmen hat. Außerdem soll anhand eines ausgewählten Fallbeispiels auch deutlich werden, dass Lesen nicht nur für den Umgang mit „neuen Medien“ und besonders für das Internet gefördert werden sollte, sondern dass auch das Internet durchaus Potenziale besitzt, um das Lesen zu fördern. Aus diesem Grund findet die Internetplattform „Antolin“ ihre Darstellung, die sich mit Leseförderungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit der Schule auseinandersetzt.

Am Ende der Arbeit steht schließlich ein Fazit, das neben einer abschließenden Betrachtung bzw. Stellungnahme auch einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungstendenzen des Lesens in der Multimediageneration bieten soll. Die Vorgehensweise zur Betrachtung der einzelnen Kapitel wird hierbei, abgesehen von der durchgeführten Umfrage zur Lesekompetenz in Kapitel 3 ausschließlich wissenschaftlich-analytisch anhand von Forschungsliteratur, sowie unter Einbezug verschiedener Medien, wie zum Beispiel des Internets sein.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung: Lesen und der mediale Einfluss im Blick der Zeit 3
1.1 Einführung ins Thema 3
1.2 Aufbau der Arbeit 5
2. Basisinformationen zum Lesen 8
2.1 Bestimmung des Lesebegriffs 8
2.2 Historische Entwicklung des Lesens 13
2.3 Multimediageneration - Lesen im Zeichen der Medienvielfalt 19
3. Lesekompetenz in der heutigen Gesellschaft 26
3.1 Ein Konstrukt auf dem Prüfstand 26
3.2 Umfrage zur heutigen Begrifflichkeit von Lesekompetenz 29
3.2.1 Formale Verfahrensweisen zur Erhebung 29
3.2.2 Auswertungsergebnisse der Umfrage 30
3.3 Wissenschaftliche Bestimmungen des Begriffs Lesekompetenz 33
3.3.1 Eine pragmatisch-funktionalistische Definition nach PISA 33
3.3.1.1 Internationale Konzeption und Grundlagen der Leistungsmessung 33
3.3.1.2 Kritik am Lesekompetenzbegriff nach PISA 37
3.3.2 Eine kulturwissenschaftliche Definition von Lesekompetenz 41
3.4 Einflussfaktoren auf die Lesekompetenz 44
3.4.1 Grundlagen der Lesesozialisation unter medialen Bedingungen 44
3.4.1.1 Informelle Sozialisationsinstanz Familie 45
3.4.1.2 Formelle Sozialisationsinstanz Schule 47
3.4.1.3 Informelle Sozialisationsinstanz peer group 49
3.4.2 Lesemotivation 50
3.4.3 Texttypen und Formen des Lesens 52
4. Lesen im Medienumfeld 57
4.1 Medienkompetenz – Ein Konstrukt in Interrelation zum Lesen!? 57
4.2 Quantität und Qualität des Lesens im Wandel!? 61
4.2.1 Daten, Fakten, Trends – Leseforschung im Querschnitt 63
4.2.2 Aktuell prägende Lesemuster und neue kognitive Ansprüche 70
5. Internet – vorerst letzter Baustein der Mediengesellschaft? 74
5.1 Von Multimedia zu Hypermedia 74
5.2 Einblick in die Grundlagen des Internets 75
5.2.1 Entwicklungsgeschichte des Netzes – Ein historischer Abriss 76
5.2.2 Strukturelle Eigenschaften des Internets 78
5.3 Hypertext – Elementares Präsentationsformat des Internets 80
5.3.1 Entwicklung des hypertextuellen Systems 80
5.3.2 Definition und Merkmale des Hypertextes im Internet 81
5.4 Aktuelle Nutzungsdaten des Internets deutschlandweit 86
6. Lesen im Internet – Dem Text auf der Spur 90
6.1 Tummelplatz Internet – Zum Leseverhalten am Bildschirm 90
6.2 „Lost in Hyperspace“? Oder der Ruf nach Lesekompetenz! 94
6.3 Exkurs: Ein Plädoyer für Internet, Lesen und Schule 101
7. „Learning by reading“ – Leseförderung im Medienzeitalter 104
7.1 Lesen fördern: Schlüssel statt Auslaufmodell!? 104
7.2 Fallbeispiel Internet-Leseprogramm „Antolin“ 107
8. Fazit: Lesekompetenz macht frei! 110
9. Bibliographie 113
10. Anhang 126
10.1 Auswertung der Umfrage zur Lesekompetenz 126

Automatisiert erstellter Textauszug:

war 1992 nur jeder achte Haushalt mit einem Computer ausgerüstet, 2000 war es bereits jeder dritte mit steigender Tendenz, da auch das Internet im täglichen Medienkonsum immer stärker nach vorn rückt.204 Bei einem Blick auf das Zeitbudget für die einzelnen Medien nimmt das Fernsehen den Spitzenplatz mit durchschnittlich rund 1.133 Minuten pro Woche (2000) ein; gefolgt vom Radio und weiteren elektronischen Medien. Der PC und das Internet können dabei bereits im Jahr 2000 ein Zeitbudget von 203 Minuten pro Woche auf ihrem Konto verbuchen. Im Verhältnis dazu wird hingegen für gedruckte Medien, wie z.B. Bücher und Zeitschriften sehr viel weniger Zeit aufgewendet. So wird unter anderem Belletristik fast 20 Minuten pro Woche weniger gelesen als noch 1992 (163 Minuten/Jahr). Fach- und Sachbücher werden tendenziell im Durchschnitt mehr als früher gelesen. Waren es 1992 31 Prozent der Bevölkerung die Sach- und Fachbücher lasen, so sind es 2000 bereits 41 Prozent gewesen. Diese Zunahme ist dabei in allen Bevölkerungsschichten ähnlich.205 Gleichzeitig zeigt sich jedoch auch, dass für die Menschen die persönlich empfundene Wichtigkeit und die tatsächliche Nutzung nicht unbedingt bzw. nur lose miteinander korrespondieren. So schätzen etwa rund 40 Prozent das Lesen von Sach- und Fachbüchern als wichtig ein, die tatsächliche Nutzung mehrmals pro Woche beträgt allerdings nur 19 Prozent. Ähnliches bestätigt sich auch für das Lesen von belletristischer Lektüre, das mit ca. 30 Prozent als wichtig eingestuft, aber nur von 14 Prozent täglich oder mehrmals die Woche genutzt wird. Die hohe Einschätzung der Wichtigkeit hängt dabei vor allem am Sozialprestige des Lesens. Hingegen verhält es sich mit Medien wie dem Fernseher und dem Radio genau umgekehrt. Diese werden regelmäßiger genutzt, als es ihrer Einschätzung der Wichtigkeit entspricht (z.B. Fernseher: für 86% wichtig, tägliche/mehrfache Nutzung in der Woche 97%).206 Auch wird bereits deutlich, dass sich trotz der rapiden Verbreitung von PC und Internet die Dauer der Nutzung der traditionellen Medien, ob gedruckt oder elektronisch, kaum geändert hat. Häufig haben die traditionellen elektronischen Medien noch an Nutzungszeit gewonnen, was an einem häufig vorzufindenden [...]

4.2.1 Daten, Fakten, Trends – Leseforschung im Querschnitt Wegen des immens großen Umfanges der Studien muss noch einmal vorab darauf verwiesen werden, dass es sich im Nachstehenden nur um einen Überblick bzw. Auszug zum Leseverhalten in Deutschland handeln kann, wobei das Lesen am Computer bzw. im Internet auf Grund einer später intensiveren Thematisierung (Kapitel 5/6) zunächst weitgehend ausgeklammert wird. Als generelle Tendenz gilt, dass sich die Deutschen in eine „Drittelgesellschaft“ von regelmäßigen, gelegentlichen und Nichtlesern von Büchern grob aufgliedern lassen, wobei sich ein hoher Leseranteil bei den Jugendlichen zum großen Teil aus den Leseaktivitäten in der Schule erklären lässt.200 Lesen, so zeigt sich, ist aber indes kein Zeitproblem. Schließlich bestätigt sich, dass Vielleser meistens weniger frei verfügbare Zeit haben als Wenig-/Kaumleser. Stehen Kaumlesern demnach durchschnittlich 370 Minuten pro Tag Freizeit zur Verfügung, so ist es bei Viellesern täglich fast eine Stunde weniger (311 Minuten). Freizeit scheint also keine Voraussetzung für das Viellesen zu sein.201 Wer Lesen will, nimmt sich auch die Zeit dazu. So muss auch der Einfluss und Umgang mit elektronischen Medien für die aufgewendete Zeit differenziert betrachtet werden. Zwar stieg die aufgewendete Zeit in den letzten 30 Jahren zum Beispiel für das Fernsehen auf mehr als das Doppelte, aber auch die aufgewendete Zeit für andere Medien, so auch für das Bücherlesen, nahm zu. Besonders die Nutzung von Fachliteratur stieg um das Doppelte an.202 Die Nutzung von Medien unabhängig von ihrer Gestalt kann somit im Vergleich zu anderen Freizeitaktivitäten die vordersten Ränge einnehmen.203 Grundlage für diese Entwicklung ist unter anderem eine drastische Veränderung der Haushaltsausstattung mit technischen Geräten, die die Studie der Stiftung Lesen für den Zeitraum zwischen den Jahren 1992 und 2000 versucht hat zu skizzieren. Demnach gibt es Fernsehgeräte praktisch überall, hinzu kommen zunehmend auch DVD-Player, Videokameras sowie auditive Medien (z.B. CD-Player, MP3-Player). Auch die Computerausstattung darf an dieser Stelle nicht vergessen werden. Schließlich [...]

Stiftung (1999) sowie ansatzweise auf die PISA-Studie aus dem Jahr 2000 verwiesen werden soll. Generell muss wohl eher von der Vision bzw. bereits wahr gewordenen Realität ausgegangen werden, dass „der Leser der Zukunft ein Vielmediennutzer sein wird“.197 Ob der Multimediageneration dabei die Bücher ausgehen, versuchen die ersten beiden Studien zu klären. Auffällig ist, dass beide Studien Befunde zum Leseverhalten am Buchlesen festmachen und darauf aufbauend Vergleiche zwischen Buch und anderen Medien ziehen, auch wenn eine grundsätzliche, studienübergreifende Reliabilität differenziert zu betrachten ist.198 Meiner Ansicht nach muss somit darauf hingewiesen werden, dass das Buch vermeintlich leicht als Synonym für das Lesen verwendet wird und dabei aus dem Blick gerät, dass es sich bei diesem zunächst auch „nur“ um ein Medium handelt, das zum Lesen zur Verfügung steht. Trotz dieser „kritikwürdigen“ Fixierung auf das Buch und der erst danach vorzufindenden Betrachtung des rezipierenden Menschen, geben diese Studien einen guten Einblick in die Quantität und Qualität des heutigen Leseverhaltens. Die Fixierung auf das Medium Buch lässt sich vor dem Hintergrund der Auftraggeber dieser Studien erklären, zu denen unter anderem das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Der Spiegel, Bertelsmann, aber auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gehört, der natürlich besonderes Interesse am Buchlesen hat.199 Aus diesem Grund lehnt sich der folgende Punkt an diese Konzentration auf das Buchlesen im Medienumfeld an, um die aktuellen Tendenzen zu Lese-, Medien- und Freizeitgewohnheiten der deutschen Bevölkerung darzustellen. Im Anschluss daran, finden im nächsten Unterpunkt die Lesemuster und Anforderungen ans Lesen in der Medienwelt ihren Eingang in die vorliegende Arbeit. [...]

Arbeit zitieren:
Alberti, Maike November 2005: Lesen im Wandel der Multimediageneration, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
PISA, Lesesozialisation, Lesestudien, Leseförderung, Hypertext

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