Heiliger Ort im Mehrzweckraum
Der Gemeinderaum als Gottesdienstraum
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Sara Stengel
- Abgabedatum: April 2004
- Umfang: 43 Seiten
- Dateigröße: 313,8 KB
- Note: 3,0
- Institution / Hochschule: Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8133-9
- ISBN (CD) :978-3-8324-8133-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stengel, Sara April 2004: Heiliger Ort im Mehrzweckraum, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Theologie, Ästhetik, Raumfragen, Semiotik, Anthropologie
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Staatsexamensarbeit von Sara Stengel
Zusammenfassung:
Menschliche Identität konstituiert sich durch Geschichten, Ereignisse und Erlebnisse: Momente der Freude, des Glücks, der Krise: eine Liebesgeschichte, eine Prüfung, eine Krankheit.
Menschliche Identität konstituiert sich aber auch durch Räume und Orte: An dieser Stelle haben wir etwas besonderes erlebt. An diesem Ort sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Dort habe ich studiert. Hier haben wir uns verlobt.
Orte spielen im Leben des Menschen eine wichtige Rolle. Angesichts zunehmender Mobilität wird die Sehnsucht nach festen Orten, Wurzeln und Verankerungen immer größer.
Während meines Vikariats im Pfarrbereich Hohenthurm besonders in der Gemeinde Niemberg stellte sich mir folgendes Problem: Mit Beginn der kalten Jahreszeit sollte der sonntägliche Gottesdienst auf Wunsch des Gemeindekirchenrates mit der Begründung, daß die Heizkosten zu hoch seien, nicht mehr in der St. Ursula Kirche stattfinden, sondern in einem Raum des vor wenigen Jahren frisch renovierten Lutherheims; der Kategorie nach einem Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde Niemberg. Dieser Raum wird vielfältig genutzt, u.a. regelmäßig vom Seniorenkreis, der Christenlehre und der Jungen Gemeinde. Zugleich besteht auch für Bewohner des Ortes die Möglichkeit, den Raum für Familienfeiern wie Konfirmation, Jugendweihe, Jubiläumsgeburtstage oder anderes zu nutzen.
Ich hatte im ersten Vikariatsjahr eingewilligt, den Gottesdienst in diesem Mehrzweckraum zu feiern, ersuchte aber im folgenden Jahr den Gemeindekirchenrat, auch im Winterhalbjahr die Kirche zu nutzen. Dies vor allem, weil ich den Raum des Lutherheims auch während des Gottesdienstes eher als einen Mehrzweckraum als einen heiligen Raum erlebte.
Ausgehend von diesem Problem und angesichts der Tatsache, daß sich Menschen identitätsstiftende Räume und Orte ersehnen, stellt sich mir die Frage nach Kriterien und Anhaltspunkten für heilige Räume. In dieser Hausarbeit für das Zweite Theologische Examen beschäftige ich mich eingehender mit dieser Thematik, um letztlich handlungsleitende Erkenntnisse innerhalb der Diskussion um heilige Räume und Orte für meine zukünftige Arbeit in anderen Kirchengemeinden zu gewinnen.
Die vorliegende Arbeit teilt sich in zwei große Teile. Im ersten Teil werden zunächst für das Vorverständnis nötige Aspekte wie die Wesensbestimmung des Heiligen, die Historie gottesdienstlicher Räume und die Entstehungsgeschichte des Mehrzweckraums geklärt. Im zweiten Teil werden Mensch, Raum und Liturgie in anthropologischer, theologischer, ästhetischer und semiotischer Hinsicht aufeinander bezogen. Die Arbeit schließt mit einer Konkretisierung der gewonnenen Erkenntnisse in Anwendung auf die Problematik und andere mögliche Fälle.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Vorbemerkungen | 3 |
| 2. | Heilige Räume | 4 |
| 2.1 | Heilige Orte in der biblischen Tradition | 4 |
| 2.1.1 | Altes Testament | 4 |
| 2.1.2 | Neues Testament | 5 |
| 2.3 | Systematisch-theologische Besinnung | 6 |
| 3. | Entwicklung und Verständnis heiliger Räume im Christentum | 7 |
| 3.1 | Die Anfänge des heiligen Raumes und seine Weiterentwicklung | 7 |
| 3.2 | Die Reformation und Luthers neues Verständnis heiliger Räume | 8 |
| 3.3 | Heilige Räume in moderner und postmoderner Zeit - verschiedene Aspekte | 10 |
| 3.4.1 | Kirchenräume - gottesdienstliche Räume | 11 |
| 3.4.2 | Gemeindekonzept der KPS | 11 |
| 3.5 | Besondere Formen von gottesdienstlichen Räumen seit dem 19. Jahrhundert | 12 |
| 3.5.1 | Das Gemeindezentrum | 12 |
| 3.5.2 | Der Mehrzweckraum | 14 |
| 3.5.3 | Gemeindezentrum Niemberg | 15 |
| 3.6 | Gesetzliche Bestimmungen zum Ort des Gottesdienstes | 16 |
| 1) | Ordnung der EKU | 17 |
| 2) | Recht der Evangelischen Kirche der KPS | 17 |
| 3) | Agendarische Verfügungen | 18 |
| 4) | Wolfenbüttler Empfehlungen | 18 |
| 3.6.1 | Resümee | 19 |
| 4. | Mensch - Raum - Liturgie | 19 |
| 4.1 | Anthropologische (und phänomenologische) Gesichtspunkte | 20 |
| 4.1.1 | Raumbezogenheit als Grundbefindlichkeit | 20 |
| 4.1.2 | Identifikation | 20 |
| 4.2 | Theologische Gesichtspunkte | 21 |
| 4.2.1 | Kirchliche Gebäude und Gottesdiensträume als Orientierung in säkularer Welt | 21 |
| 4.2.2 | Funktionalität versus Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott | 22 |
| 4.3 | Semiotische Gesichtspunkte | 23 |
| 4.3.1 | Raumcodes | 24 |
| 4.3.2 | Räume als Texte- Auslöser von Kommunikation | 24 |
| 4.4 | Ästhetische Gesichtspunkte | 25 |
| 4.5 | Zusammenfassung | 26 |
| 5. | Heiliger Ort im Mehrzweckraum? Ein Fazit. | 26 |
| 5.1 | Exemplarisch handlungsleitende Kriterien | 27 |
| 5.1.1 | Vorhandenes Gemeindezentrum | 28 |
| 5.1.2 | Neubau eines Gemeindezentrums | 28 |
| 5.1.3 | Der gottesdienstliche Raum im Gemeindezentrum | 29 |
| 5.1.4 | Aspekte des katholischen Verständnisses | 29 |
| 5.2 | Anwendung auf das Lutherheim in Niemberg | 30 |
| 5.2.1 | Anthropologisch | 30 |
| 5.2.2 | Theologisch- rechtlich | 30 |
| 5.2.3 | Semiotisch | 31 |
| 5.2.4 | Ästhetisch | 31 |
| 6. | Anhang | 33 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 36 |
17 1) Ordnung der EKU Die Ordnung des kirchlichen Lebens der Evangelischen Kirche der Union legt im Abschnitt Gottesdienst unter Absatz 65 fest, daß der Gottesdienst zu jeder Zeit und an den verschiedensten Orten stattfinden kann, „auch im Stadion oder am Waldrand, in einer Werkhalle oder in einem Wohnzimmer, im Krankenhaus oder in der Schule.“65 Zugleich betont sie jedoch weiter, daß es einen guten Grund hat, „daß es besondere gottesdienstliche Räume und Kirchenbauten gibt“, die ein öffentliches Glaubenszeichen sind.66 Im Abschnitt Richtlinien und Regelungen findet sich unter Artikel 2 (2) die Verordnung, daß Gottesdienst in der Regel in Kirchenbauten oder in anderen geeigneten Räumen stattfinden.67 Artikel 2 (3) legt die Bestimmung des gottesdienstlichen Ortes in die Hand des Gemeindekirchenrates, der im Rahmen des gliedkirchlichen Rechts darüber zu entscheiden hat.68 Abschnitt 65 im Teil der biblisch- theologischen Orientierung legt besonderen Wert auf die festliche und künstlerische Gestaltung des Raums. Begründet wird dies mit dem liturgischen Zweck des Raumes und dem Gemeinschaftsaspekt innerhalb der Gemeindemitglieder.69 Unter der Überschrift ‚Kirchengebäude‘ in Artikel 10 finden sich folgende Sätze: „Zur liturgischen Verantwortung für den Gottesdienst gehört der angemessene Umgang mit dem gottesdienstlichen Raum. Deshalb ist die Ausstattung des Raumes in ihrer geistlichen Aussagekraft zu beachten und zu pflegen.“70 Fazit: Die Ordnung der EKU definiert gottesdienstliche Räume als besondere Räume mit geistlicher Aussagekraft, mit der die Ausstattung übereinstimmen soll. [...]
Die St. Ursula Kirche wurde erbaut auf dem Grund und Boden der vorigen Kirche, die im Jahre 1863 abgerissen wurde. Nach der Form der Fenster, der Bauausführung und der schriftlichen Überlieferung gehörte diese Kirche zu den wohl ältesten des Gebiets, sie wurde um 1150 erbaut. Zudem nimmt man an, daß auch davor schon ein kirchlicher Bau existierte, Niemberg wird bereits 966 von Kaiser Otto I. urkundlich erwähnt, das Gebiet ist seit ca. 1000 christianisiert. Baumeister Friedrich August Stüler, ein Nachfolger K.F. Schinkels, war mit der Beaufsichtigung des Bauwesens von ganz Preußen betraut. Sein größtes Arbeitsfeld war der Kirchenbau. Auch der Entwurf für die Niemberg Kirche entstammt seiner Feder. Erwähnenswert ist vor allem der Altar, der sich bereits in der alten Kirche befand. Es handelt sich um einen spätgotischen Flügelaltar. Dargestellt sind die 12 Apostel, im Mittelteil Maria, umgeben von zwei weiblichen Heiligen. Eine der Figuren stellt die Heilige Ursula, die Namenspatronin der Kirche, dar. In der Predella wird die Anbetung des Christuskindes dargestellt.63 [...]
16 Das Dachgeschoß wird durch die Gruppe der Jungen Gemeinde genutzt, eine Couchgarnitur und andere Sitzgelegenheiten laden zu einem gemütlichen Beisammensein ein. Gerade im Sommer treffen sich verschiedene Gruppen zu Grillabenden und Veranstaltungen, die auch im angrenzenden Garten des Gemeindezentrums stattfinden können. Wegen der sanitären Einrichtungen und der Küche ist es möglich, im Lutherheim auch einzelne Gruppen übernachten zu lassen, so geschehen auch bei der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2002. In dieser Zeit diente das Gemeindehaus als Wohnstatt für eine obdachlos gewordene Familie. Die ansässige Kirchengemeinde ist sehr stolz auf das Lutherheim und gibt sich große Mühe, den baulichen Zustand zu erhalten, bzw. immer wieder zu verbessern. Zugleich verfügt die Gemeinde auch über ein beeindruckendes Kirchengebäude: die neuromanische St. Ursula Kirche (1864), die im Zentrum des Dorfes Niemberg steht und deren Turm weithin sichtbar ist. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832481339
Arbeit zitieren:
Stengel, Sara April 2004: Heiliger Ort im Mehrzweckraum, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Theologie, Ästhetik, Raumfragen, Semiotik, Anthropologie




