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Humorvolles Lernen - mehr als ein Witz?

Eine Studie über eine pädagogische Rarität

Humorvolles Lernen - mehr als ein Witz?
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Frank Becker
  • Abgabedatum: Juli 2000
  • Umfang: 66 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5970-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5970-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5970-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Becker, Frank Juli 2000: Humorvolles Lernen - mehr als ein Witz?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Humor, Lachen, Lernen, Pädagogik, Psychologie

Staatsexamensarbeit von Frank Becker

Einleitung:

Lieber Leser, liebe Leserin, Sie müssen jetzt ganz stark sein.

Bei dem Thema „Humorvolles Lernen – mehr als ein Witz?“ erwarten Sie sicher eine Abhandlung, bei deren Lektüre Sie sich vor Lachen nur so kringeln werden und nach deren Beendigung Sie alles über dieses Thema wissen.

Dem ist aber nicht so.

Humor ist ein Thema, zu dem eigentlich jeder etwas sagen kann, denn schließlich haben wir alle schon einmal Erfahrungen mit Humor (ob gutem oder schlechtem sei dahingestellt) gemacht.

Genau aus diesem Grund möchte ich keine philosophische Arbeit schreiben, sondern dieser Arbeit einen wissenschaftlichen Hintergrund geben, der das ansatzweise belegt, was man immer schon irgendwie gedacht hat. („Klar kann man mit Humor besser lernen. Wieso ? Keine Ahnung...“) Die erleuchtende Erkenntnis werden Sie aber auch nach dieser Lektüre nicht erhalten, da Humor und insbesondere „humorvolles Lernen“ ein Thema ist, das noch lange nicht gänzlich erforscht ist, falls es dies jemals werden wird. Überhaupt kam ich nach der Lektüre von philosophisch-esoterisch-aufgeblähten wie auch von rein wissenschaftlichen Humorforschungstexten meistens zu einem Schluß, den ich mit gesundem Menschenverstand auch schon vorher hatte.

So ist das nun einmal mit einem allgegenwärtigen Thema, welches jedoch nur schwer greifbar ist.

In Ihren Händen halten Sie eine reine Literaturarbeit. Bei meiner Recherche habe ich dank unzähliger E-mails auch Kontakt zu Forschern aufnehmen können, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Humor befassen. Überwiegend stieß ich dabei auf deren Bücher oder Aufsätze (fast alle aus dem englischsprachigen Raum), die sich auf so trockene Weise diesem eigentlich doch so erfrischend witzigen Thema „Humor“ widmeten, daß man nicht nur den Spaß am Lesen verliert, sondern sich den Autor auch als durchweg humorlosen Menschen vorstellt.

Wenn man sein Umfeld um eine Beschreibung von Humorforschern bittet, so sind zwei Arten besonders häufig. Für die einen sind das kleinkarierte, humorlose Menschen, die jeden Witz so lange analysieren, bis nichts mehr davon übrig ist. Für die anderen sind Humorforscher lustige Menschen, die bei ihrer Forschung (am besten natürlich mit der obligatorischen roten Clownsnase) den ganzen Tag nur lachen. Für keine der beiden Annahmen konnte ich jedoch empirische Belege finden.

Paul McGhee, eine Koryphäe der Humorforschung, wurde einmal nach einem Vortrag kritisiert, daß dieser gar nicht amüsant gewesen sei. Offenbar scheint man von Humorforschern zu erwarten, ihre Ergebnisse auch in unterhaltsamer und witziger Form zu präsentieren. Nach Ansicht von Paul McGhee nimmt die Disziplin der Humorforschung in dieser Hinsicht eine Sonderrolle ein, schließlich erwartet man von Aggressions- oder Sexualforschern auch nicht, daß sie besonders aggressiv oder sexy sind.

Diese Arbeit ist nicht darauf angelegt, ein kabarettistisches Meisterwerk zu sein. Ich möchte jedoch die Gratwanderung probieren zwischen wissenschaftlicher Präsentation (mit all ihren Tabellen und Grafiken) und einer gut leserlichen und manchmal vielleicht auch amüsanten Arbeit.

Inhaltsverzeichnis:

VORWORT 4
1. EINLEITUNG, HYPOTHESE UND ARBEITSAUFBAU - ALLESIN EINEM 6
2. DEFINITION VON „HUMOR“ 8
2.1 DER URSPRUNG DES BEGRIFFS „HUMOR“ 8
2.2 HUMORTHEORIEN 8
2.2.1 Überlegenheitstheorie 9
2.2.2 Inkongruenztheorie 10
2.3 VERSCHIEDENE DEFINITIONSVERSUCHE 11
3. DEFINITION VON „LERNEN“ 14
3.1 LERNTHEORIEN 14
3.1.1 Das Grundmodell der menschlichen Informationsverarbeitung 15
4. EXKURS IN DIE GELOTOLOGIE - WAS PASSIERT EIGENTLICH BEIM LACHEN? 17
4.1 LACHEFFEKTE - MEDIZINISCH GESEHEN 18
5. LÄCHELN, LACHEN UND VERSTEHEN - DIE HUMOR-ENTWICKLUNG DES KINDES 20
5.1 DAS LÄCHELN 20
5.2 DAS LACHEN 21
5.2.1 Der Gegensatz: kindliches Lachen - Auslachen 22
5.3 DIE ENTWICKLUNG DES HUMORVERSTÄNDNISSES 23
5.3.1 Das kognitive Stufenmodell von McGhee 24
6. HUMORVOLLES LERNEN 28
6.1 HUMOR ALS BASIS 28
6.1.1 Humor in der Schule 29
6.1.2 Weitere Eigenschaften des Humors 30
6.1.3 Fünf wichtige Aspekte für den Einsatz von Humor beim Lernen 31
6.2 FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN - WISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE 33
6.2.1 Etwas Kritisches vorweg 33
6.2.2 Wie alles begann 35
6.2.3 Avner Ziv's Studie - eine Art Referenz 36
6.2.4 Erhöht Humor die Aufmerksamkeit der Schüler ? 40
6.3 KINDER, IRONIE & CO - PAßT DENN DAS ZUSAMMEN ? 41
6.4 DIE KEHRSEITE DER MEDAILLE - NACHTEILE VON HUMOR 44
7. DARSTELLUNG UND ANWENDUNG EINES LERNMODELLS AUF HUMOR 47
7.1 FREDERICK VESTERS MODELL DES VERNETZTEN LERNENS 47
7.1.1 Informationsverarbeitung durch den Hals einer Flasche 49
7.1.2 Eine Information im Milieukleid 50
7.1.3 Fazit 52
8. ZUM SCHLUß EIN PAAR PERSÖNLICHE GEDANKEN 52
8.1. WUNSCHLISTE AN DIE HUMORFORSCHER 57
9. LITERATURVERZEICHNIS 59
10. ABBILDUNGSVERZEICHNIS 64

Automatisiert erstellter Textauszug:

In einer solchen positiven Atmosphäre, die durch eine humorvolle erzieherische Grundhaltung entsteht, sind die Schüler wesentlich motivierter, sich am Unterricht zu beteiligen als bei unserem Beispiel des humorlosen (oder wenn dann nur zynisch ätzenden) sadistischen Mathematiklehrers. Schon Augustinus beschrieb im vierten Jahrhundert: „Ein...mit Mißstimmung begonnener Unterricht muß freilich weniger gut sein; denn auf dem trockenen Boden der Niedergeschlagenheit kann er ja auch nur wenig gedeihen“ (zit. n. März 1967, S. 61). Die humorvolle erzieherische Grundhaltung allein reicht für einen humorvollen Unterricht jedoch nicht aus, denn es ist bedeutsam, daß die witzigen Äußerungen der Schüler auch als solche gewürdigt werden. Laut einer Studie im Kindergartenbereich von A. Saar (1992) blieben „viele Erzieherinnen bei einer humorvollen Reaktion von Kindern allzu unbeteiligt und gleichgültig“. Dies ist nicht gerade ein fruchtbarer Boden für weiteres humorvolles Verhalten, denn es fehlt die positive Verstärkung durch den Pädagogen. [...]

„Met der Schole est es wie met einer Medizin – sä moß better schmecken, sonst nötzt sä nechts.“ (Prof. Crey aus der Feuerzangenbowle) Auch heute gibt es noch Lehrer, die diesen Satz am liebsten selbst gesagt hätten, denn schließlich soll die Schule nicht Platz zum herumalbern sein, sondern die Kinder sorgfältig auf den „Ernst des Lebens“ vorbereiten. Daß man das auch ein wenig lebhafter und humorvoller verwirklichen kann, hat sich durch einen Wandel der letzten Jahrzehnte gezeigt. Trotzdem ist bei uns in Deutschland im Vergleich zu den USA Humor nur schwer mit Professionalität, effizienter Arbeit und Seriösität zu vereinen. Doch allmählich kommen Dinge zu uns über den großen Teich, die sehr wohl zeigen, daß man mit Humor durchaus [...]

Die vierte Humorstufe beinhaltet auch das Erkennen von Mehrdeutigkeiten von Wörtern. Dazu muß das Kind nicht nur beide Bedeutungen des Wortes kennen, sondern auch die Fähigkeit erlangen, die eine Bedeutung noch im Kopf zu behalten, während es die andere ausprobiert. Wortspiele, wie das Erfinden von Unsinnswörtern oder Reimen, werden genauso als komisch empfunden wie das Hören eines Wortes, welches auf ungewöhnliche Weise betont wird. Bei einer solchen Wortveränderung ist jedoch die Verzerrung der „physikalischen“ Aspekte (McGhees Bezeichnung für den Klang) wichtiger als die Bedeutungsänderung des Wortes. Auch wenn McGhees Modell der kognitiven Humorentwicklung nach der vierten Humorstufe endet, so räumt er dennoch ein, daß nach dem Erreichen der Phase des formalen operationalen Denkens (entspricht [...]

Arbeit zitieren:
Becker, Frank Juli 2000: Humorvolles Lernen - mehr als ein Witz?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Humor, Lachen, Lernen, Pädagogik, Psychologie

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