Computergestützte Lernsysteme als Realisierung von Konzepten des selbstorganisierten Lernens im schulischen Kontext
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Brunhild Arnswald
- Abgabedatum: Oktober 2001
- Umfang: 120 Seiten
- Dateigröße: 2,7 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4857-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4857-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4857-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Arnswald, Brunhild Oktober 2001: Computergestützte Lernsysteme als Realisierung von Konzepten des selbstorganisierten Lernens im schulischen Kontext, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: selbstgesteuert, netzgestützt
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Staatsexamensarbeit von Brunhild Arnswald
Einleitung:
„Dass Lernende ihre eigenen Lehrer sein sollten, ist eine alte pädagogische Forderung und ein aktueller Trend in der pädagogisch-psychologischen Diskussion.“ Dabei vermischen sich nicht selten ideologische (autonomes Lernen als Wert an sich), gesellschaftliche (die Notwendigkeit lebenslangen Lernens aufgrund des ständigen Wandels der Umweltbedingungen erfordert die Entwicklung entsprechender Fähigkeiten bzw. Schlüsselqualifikationen) und pädagogisch-psychologische Argumente (günstige kognitive, motivationale und volitionale Rückwirkungen dieser Methode auf den Lernenden).
Ebenso werden computergestützte Lernformen im erziehungswissenschaftlichen und pädagogisch-psychologischen Bereich aktuell heftig diskutiert; sie werfen Fragen der Organisation und Effizienz von Bildungsprozessen bezüglich neuer Chancen für den Wissenserwerb, der Möglichkeiten einer gezielten Variation von Merkmalen der Lernumgebung sowie der Kontrolle von Bedingungen des Lernprozesses auf.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit nun soll diese beiden Aspekte zusammenführen. Sie beschäftigt sich mit der Frage, ob und inwieweit selbstorganisiertes Lernen in der schulischen Praxis durch computergestützte Projekte umgesetzt werden kann.
Hierzu werden zunächst in einem ersten Teil Thematik und Grundlagen des selbstgesteuerten bzw. selbstorganisierten sowie des multimedialen Lernens theoretisch erörtert. Auf dieser Grundlage wird ein Kriterienkatalog der für selbstorganisiertes Lernen relevanten Bedingungen erstellt und im folgenden als Basis zur Evaluation zweier konkreter, computergestützter Schulprojekte im Hinblick auf den Grad an Selbstorganisation herangezogen.
Für seine Anregungen, Hilfestellungen, die Durchsicht des Manuskripts und insbesondere seine Geduld danke ich Jürgen Großmann, der mich trotz einer Vielzahl anderweitiger Verpflichtungen bei meiner Arbeit unterstützt hat.
Ebenfalls zu danken habe ich Johann Wolfgang Reiling und Helmut Kohorst, die mir ihre Aufzeichnungen zu den von ihnen durchgeführten Projekten zur Verfügung gestellt haben.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | VORÜBERLEGUNGEN | |
| 1.1 | Einführung | 4 |
| 1.2 | Historischer Bezug | 5 |
| 1.3 | Eine neue Lernkultur | 6 |
| 2. | THEORETISCHE GRUNDLAGEN | |
| 2.1 | Lerntheoretische Grundlagen für selbstgesteuertes Lernen | 9 |
| 2.1.1 | Behaviorismus - Ansatz der traditionellen Lernpsychologie | 10 |
| 2.1.2 | Kognitivismus | 12 |
| 2.1.3 | Konstruktivismus | 14 |
| 2.1.4 | Zusammenfassung und Relevanz für den Wissenserwerb im Unterricht | 16 |
| 2.2 | Der Begriff SGL | |
| 2.2.1 | Definition | 20 |
| 2.2.2 | Abgrenzung des Begriffs „selbstgesteuertes Lernen“ | 21 |
| 2.2.3 | Voraussetzungen für SGL | 24 |
| 2.2.3.1 | Selbstlernkompetenz | 24 |
| 2.2.3.2 | Selbstlernbereitschaft | 25 |
| 2.2.3.3 | Selbstlernfähigkeit | 26 |
| 2.3 | Implikationen für SGL | 28 |
| 2.3.1 | Lernumgebung / Lernarrangement | 28 |
| 2.3.2 | Ein neues Lehrer-Lerner-Verständnis | 31 |
| 2.3.2.1 | Der selbstgesteuert Lernende | 31 |
| 2.3.2.2 | Die veränderte Lehrerrolle | 35 |
| 2.4 | Multimediales Lernen | 38 |
| 2.4.1 | Computereinsatz unter lernpsychologischen Gesichtspunkten | 39 |
| 2.4.2 | Formen multimedialen Lernens | 40 |
| 2.4.2.1 | Computergestütztes Lernen ohne Netzanbindung (offline) | 40 |
| 2.4.2.1.1 | Bildungssoftware / Lernprogramme unter lernpsychologischen Gesichtspunkten | 41 |
| 2.4.2.2 | Computergestütztes Lernen mit Netzanbindung (online) | 43 |
| 2.4.3 | Lerntheoretische Anforderungen an die verschiedenen Arten computergestützter Lernsysteme | 49 |
| 2.4.4 | Multimediale Lernorte und selbstgesteuertes Lernen | 60 |
| 2.5 | Relevanz für die unterrichtliche Praxis | |
| 2.5.1 | Selbstorganisiertes Lernen | 62 |
| 2.5.2 | Selbstorganisiertes Lernen im Unterricht - eine Anforderungsliste | 63 |
| 3. | PRAKTISCHER BEZUG - DIE THEMATIK IM RAHMEN EINES KONKRETEN SCHULISCHEN KONTEXTES | 68 |
| 3.1 | Das Projekt „Vorstadtkrokodile“ | 68 |
| 3.1.1 | Vorstellung des Projekts | 69 |
| 3.1.2 | Beurteilung des Projekts | 74 |
| 3.2 | Das Projekt „Dynamische Geometrie“ | 82 |
| 3.2.1 | Vorstellung des Projekts | 83 |
| 3.2.2 | Beurteilung des Projekts | 91 |
| 4. | AUSBLICK | 97 |
| 5. | LITERATURVERZEICHNIS | 100 |
| 6. | ANHANG | 107 |
verbunden mit der Veränderung und Neubildung mentaler Modelle und der Erweiterung von kognitiven Strukturen der Lernenden.“195 Der Bedeutung der Integration neuer Informationen in das bestehende neuronale Netz des Langzeitgedächtnisses, wie sie im kognitivistischen Modell der Informationsverarbeitung aufgezeigt wurde, wird damit in besonderem Maße Rechnung getragen. Durch die Anbindung an die Situation des Lernenden und seine Interessen sowie seine kognitiven Strukturen wird die Speicherung im Langzeitgedächtnis begünstigt. Die Anknüpfung an bereits vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten ermöglicht ein leichteres Auffinden der Informationen und eine längere Präsenz im Kurzzeitgedächtnis, wo sie dem Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen.196 Die Verbindung einzelner Elemente zu einem komplexen Ganzen ermöglicht die Bildung mentaler Modelle, die wiederum Voraussetzung für Problemlösefähigkeiten auf höherer Ebene und metakognitive Leistungen sind.197 Somit spielt für die Speicherung von Informationen neben der multimedialen Präsentation sowie der Memorierung auch die Einbettung bzw. Vernetzung eine Rolle. Dabei ist sie insofern von großer Bedeutung, als sie im Gegensatz zu den beiden anderen in besonderer Weise den Erwerb komplexerer kognitiver Fähigkeiten ermöglicht, abhängig von dem Grad der Ausrichtung des Programms an den individuellen kognitiven Voraussetzungen.198 Die Organisation und Strukturierung der Erfahrung, wie sie die kognitive Lerntheorie als ausschlaggebend postuliert, wird dabei als eine wesentliche Bedingung des Lernens in den Mittelpunkt gerückt. Tutorielle Systeme orientieren sich maßgeblich an dieser lerntheoretischen Sicht, wobei ältere Programme lediglich auf spezifische Lerngruppen ausgerichtet waren, neuere hingegen bereits über eine kontinuierliche Diagnose individuelle Gegebenheiten und Veränderungen für den Programmablauf zugrundelegen.199 Zentral für ein Intelligentes [...]
Dabei sollte ein Übungsprogramm weniger die Fehler als vielmehr die Erfolge hervorheben und so beschaffen sein, dass bei mangelhaften Leistungen eine Wiederholung einfacherer Übungen vorgesehen ist. „Gute Programme verzweigen selbständig nach einem bestimmten Prozentsatz richtig gelöster Aufgaben zu den nächstschwierigeren bzw. geben dem Schüler Empfehlungen für weitere Übungen.“191 Übungsprogramme auf Computerbasis sollten nach Issing die Vorzüge einer differenzierten (visuellen und akustischen) Darbietung aufweisen, durch die sie ein realitätsbezogenes und abwechslungsreiches Üben ermöglichen. Dabei ist jedoch nicht zu übersehen, dass die starke Strukturierung von Übungsprogrammen auch Nachteile enthält. „Gute Ergebnisse bei computerunterstützten Übungen ziehen nicht automatisch auch gute Ergebnisse im handschriftlichen Bereich nach sich. Ebenso ist es fraglich, ob diese Ergebnisse sich später in der Anwendung rechnen.“192 Eine derartig starke Strukturierung solcher Lernprogramme erleichtert offensichtlich in vielerlei Hinsicht die (Lern-)Arbeit, kann aber bei weniger spezifischen Vorgaben zu schlechteren Leistungen, d. h. zu Problemen hinsichtlich der Übertragbarkeit der Ergebnisse führen. Somit ist eine Einbettung von Übungsprogrammen in andere Formen der Wiederholung und Übung zu fordern.193 [...]
Zugang zum Langzeitgedächtnis führt.“185 Dabei bezieht sich Memorieren sowohl auf das bloße Auswendiglernen als auch auf das Einüben von Techniken. Die Automatisierung dieser Techniken im Sinne einer Beherrschung des Basiswissens entlastet den Lerner und dient als Grundlage, auf welcher aufbauend komplexere kognitive Leistungen und problemorientiertes Arbeiten erst möglich sind.186 Sie sind im Rahmen der gegebenen Fähigkeiten der Lerner zwar durchaus individuell zu strukturieren und von diesen eigenständig zu reflektieren, müssen jedoch geübt und in neuen Kontexten eingebettet gefestigt werden.187 Somit wäre weniger das Üben an sich, vielmehr die Übereinstimmung und Transparenz von Gelerntem und dessen Memorierung von Bedeutung. Der Computer birgt unter dieser Aufgabenstellung durchaus Möglichkeiten, die anderen Medien vorenthalten sind. Grundlegend ist im Rahmen schulischer Lernprozesse v. a., dass er nicht in dem Maße wie der Lehrer negativ besetzt ist, sich vielmehr bei Kindern und Jugendlichen im allgemeinen einer besonderen Wertschätzung erfreut. Viele Schüler sind aufgrund bisheriger unerfreulicher Lernerfahrungen ängstlich und meiden den unterrichtlichen Kontakt zu ihrem Lehrer. Der Computer eröffnet ihnen Möglichkeiten angstfreien Lernens und schafft auch in der Situation des Übens eine entspannte Atmosphäre.188 Er stellt insbesondere in Bezug auf die Beurteilung der Lern-Leistungen eine neutrale Instanz dar. Dadurch, dass die Lern-Kontrolle unabhängig von der Lehrperson erfolgt, erfährt der Lerner sein Tun als eigenständig und selbständig. Die Tatsache, dass Lernen umso erfolgreicher ist, je mehr Selbsttätigkeit und Aktivität dem Lerner gewährt ist, belegt die Notwendigkeit von Übungsformen, bei denen sich die Schüler lehrerunabhängig mit ihren Aufgaben beschäftigen.189 Die Leistungen werden unmittelbar akzeptiert, gelobt oder korrigiert, was mit keinem anderen Medium in dem Maße erreicht wird. Gerade bei Schülern mit unterdurchschnittlichem Durchhalte- und Konzentrationsvermögen ist diese direkte Motivation zur Weiterarbeit von besonderer Bedeutung.190 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832448578
Arbeit zitieren:
Arnswald, Brunhild Oktober 2001: Computergestützte Lernsysteme als Realisierung von Konzepten des selbstorganisierten Lernens im schulischen Kontext, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
selbstgesteuert, netzgestützt



