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Die Italienpolitik Friedrich Barbarossas und die Auseinandersetzung mit der Kurie

Die Italienpolitik Friedrich Barbarossas und die Auseinandersetzung mit der Kurie
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Hüseyin Eryüzlü
  • Abgabedatum: April 2009
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 336,8 KB
  • Note: 3,0
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 33
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3175-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Eryüzlü, Hüseyin April 2009: Die Italienpolitik Friedrich Barbarossas und die Auseinandersetzung mit der Kurie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mittelalter, Friedrich Barbarossa, Alexander III, Staufer, Papst

Staatsexamensarbeit von Hüseyin Eryüzlü

Einleitung:

Aufbau der Arbeit und Formulierung der Ziele:

Wie kaum eine andere Figur des Mittelalters beschäftigte der Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa die Geschichtsforschung in Deutschland bis in die heutige Gegenwart. Die intensive Beschäftigung mit seiner Reichspolitik und die Ereignisse, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Bezug auf den italienischen Reichsteil stattfanden, sollen den thematischen Schwerpunkt der folgenden Untersuchung bilden.

Weit mehr als der Konflikt mit den welfischen Verwandten, überschattete die Auseinandersetzung Barbarossas mit der römischen Kurie und ihrem lombardischen Verbündeten, den größten Teil der Regierungszeit Barbarossas.

Aufgrund des zu durchleuchtenden Aufgabenbereichs trägt die folgende Arbeit den Titel, ‘Die Italienpolitik Friedrich Barbarossas und die Auseinandersetzung mit der Kurie’.

Der Fokus liegt dabei in der Aufdeckung der Hintergründe, die zu Zwistigkeiten zwischen dem Kaiserreich und dem apostolischen Stuhl führten. Die Uneinigkeit der beiden einflussreichsten Kräfte des 12. Jahrhunderts beschäftigte die politischen Protagonisten beinahe die gesamte zweite Jahrhunderthälfte hin und bewegte Friedrich Barbarossa zu seinen Kriegszügen über die Alpen.

Damit verbunden wird auch die Konfrontation zwischen dem deutschen Regenten und der Kurie, insbesondere mit Papst Hadrian IV., seinem Nachfolger Alexander III. und ihren engsten Verbündeten, dem Lombardischen Bund, unter die Lupe genommen.

Darüber hinaus sollen die unterschiedlichen Beziehungsgeflechte zwischen den beteiligten Parteien beleuchtet werden, um das Verständnis aufzubringen aus welchem Antrieb heraus Bündnisse eingegangen und Feindschaften ausgesprochen wurden.

Dabei ist es wichtig sich der Universalpolitik Friedrich Barbarossas in einigen charakteristischen Erscheinungsformen zuzuwenden, um so Einblicke in seine Handlungsmotive und in sein Herrschaftsverständnis zu bekommen.

Daneben wird die Bedeutung der vielförmigen Macht- und Interessenbereiche der christlichen Welt, die neben der Lega Lombardia und dem Papsttum die Italienpolitik des deutschen Kaisers bestimmten, aufgeschlüsselt.

Auch die Beschlüsse auf den unterschiedlichen Verhandlungs- und Beschlussorten sind, unter Berücksichtigung der dort erzielten Ergebnisse, im Zeitraum zwischen dem Vertrag von Konstanz und dem späteren Frieden von Venedig, gleichbedeutend zu den kriegerischen Auseinandersetzungen, Gegenstand der Beleuchtung und stellen zusätzlich den chronologischen Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit dar.

Ein zusätzliches Augenmerk liegt dabei auf dem Ziel über die politischen Herrschaftsverhältnisse in Oberitalien Erkenntnisse zu gewinnen und zu entschlüsseln, aus welcher Kraftquelle heraus der intensiv betriebene Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und seinen italienischen Bewohnern entsprang.

Inhaltsverzeichnis:

1. Aufbau der Arbeit und Formulierung der Ziele 5
2. Die Italienpolitik Friedrich Barbarossas und die Auseinandersetzung mit der Kurie 6
2.1 Das Verhältnis zwischen Friedrich I. und Papsttum 1153-1159 6
2.1.1 Vertrag von Konstanz 6
2.1.2 Der erste Italienzug und Kaiserkrönung in Rom 8
2.1.2.1 Der Weg zur Kaiserkrönung 8
2.1.2.2 Erster italienischer Reichstag 10
2.1.2.3 Streit zwischen den Bürgern der Stadt Rom und Hadrian IV. 11
2.1.2.4 Begegnung bei Sutri 12
2.1.2.5 Kaiserkrönung in Rom und gegenseitige Zugeständnisse 12
2.1.2.6 Rückblick über die Ereignisse in Italien 13
2.1.3 Vertrag von Benevent zwischen Papst und Sizilien im Juni 1156 14
2.1.4 Der zweite Italienzug 15
2.1.4.1 Beschluss zum zweiten Italienzug 15
2.1.4.2 Friedrichs Suche nach Verbündeten fürden Italienzug 16
2.1.5 Reichstag von Besancon 18
2.1.5.1 Eklat von Besancon im Oktober 1157 18
2.1.5.2 Ausgleichsbemühungen der Kurie nach den Ereignissen von Besancon 22
2.1.6 Aufbruch gegen Mailand 23
2.1.7 Die Ronkalischen Beschlüsse und ihre Folgen 24
2.1.7.1 Ronkalischer Reichstag 1158 24
2.1.7.2 Folgen der Ronkalischen Beschlüsse 26
2.2 Tod Hadrian IV. und der Ausbruch des alexandrinischen Schismas 27
2.2.1 Zeremonie der Papstwahl 27
2.2.2 Konzil von Pavia 1160 und die Verbannung Friedrichs 28
2.2.3 Friedrichs Bemühungen um Frankreich und England gegen Alexander III. 29
2.2.4 Kapitulation Mailands 1162 30
2.2.5 Versöhnliche Worte Alexanders im Jahr 1162 32
2.2.6 Der dritte Italienzug 33
2.2.7 Tod Viktor IV. 1164 34
2.2.8 Front gegen Friedrich im italienischen Reichsteil 35
2.2.9 Rainald von Dassels Reise zu Heinrich II. 36
2.2.10 Die Würzburger Eide am 23. Mai 1165 37
2.2.11 Legitimationsversuche des Kaisers 1164 und 1165 38
2.2.12 Der vierte Italienzug und politische Entwicklungen 1165-1174 39
2.2.12.1 Die Entwicklungen in der Papststadt Rom 39
2.2.12.2 Kämpfe in der Lombardei und die Eroberung Roms 40
2.2.12.3 Malaria und Flucht des Kaisers 41
2.2.12.4 Bildung des lombardischen Städtebundes 1167 42
2.2.12.5 Auswärtige Politik des Kaisers 44
2.2.12.6 Ausgleichsversuche mit dem Papst 44
2.2.12.7 Erneuter Versuch um ausländische Unterstützung 48
2.2.13 Fünfter Italienzug und Kampf gegen die Lega 49
2.2.13.1 Friedrichs Auseinandersetzung mit dem Bund 49
2.2.13.2 Frieden von Montebello 50
2.2.14 Verhandlungen mit dem Papst 1175-1176 53
2.2.15 Kampf der Lega gegen kaiserfreundliche Städte in der Lombardei 53
2.2.16 Letzter Feldzug der schismatischen Zeit 54
2.2.16.1 Kniefall des Kaisers vor Heinrich dem Löwen 54
2.2.16.2 Schlacht bei Legnano 1176 55
2.3 Aufnahme von Friedensgesprächen Ende 1176 57
2.3.1 Verhandlungen mit den Bundesstädten 57
2.3.2 Zusammenkunft der kaiserlichen und päpstlichen Gesandten in Anagni 59
2.3.3 Veränderung der Absprachen von Anagni und Spaltung der antistauferischen Koalition 60
2.4 Frieden von Venedig im Juli 1177 62
2.4.1 Absprachen zum Verlauf der Zeremonien 62
2.4.2 Zusammenkunft der lombardischen Städte mit dem Papst 62
2.4.3 Treffen zwischen kaiserlichen Abgeordneten und Alexander III. 66
2.4.4 Ankunft des Papstes in Venedig und Vertragsverhandlungen 67
2.4.5 Unruhen im Rahmen der Friedensverhandlungen und Friedrichs Ankunft 70
2.4.6 Letzte Verhandlungen und Friedensschluss von Venedig 71
3. Ergebnisse der Untersuchung 73
3.1 Allgemeine Einblicke in die stauferische Politik 73
3.2 Charakteristika der einzelnen Italienzüge 75
3.3 Aufschlüsse zum Verhältnis Friedrichs zu den lombardischen Städten 77
3.4 Ergebnisse zum Beziehungsgefecht zwischen Kaiser- und Papsttum 81
3.4.1 Ursprung der Zwietracht 81
3.4.2 Ausführung der Verhältnisse zwischen Friedrich I., der Kurie und Kaisergegnern 82
3.4.3 Klarlegung der unterschiedlichen Hoheitsverständnisse 84
3.4.4 Ergebnisse zu den Auswirkungen der gegensätzlichen Regalienpolitik 85
3.4.5 Deutung der politischen Wendemanöver 87
3.5 Letzte Schlussbetrachtung 88
4. Literaturliste 90
4.1 Quellenliteratur 90
4.2 Sekundärliteratur 90

Textprobe:

Kapitel 2.2.8, Front gegen Friedrich im italienischen Reichsteil:

Inzwischen begegnete Friedrich in Italien neuen Herausforderungen. Nach der Zerstörung Mailands befürchteten die Venezianer ihre Selbständigkeit zu verlieren und begannen die Macht des Kaisers zu schwächen. Aufgrund ihres Einflusses gelang es ihnen einige lombardische Städte, allen voran Verona, zum Aufstand gegen Barbarossa zu bewegen. Auch das Angebot Friedrichs, die verhassten Beamten abzusetzen, konnte einen Aufstand nicht mehr verhindern.

Die kaiserergebenen Städte stellten ihm dabei nur widerwillig Soldaten, denn der Veroneser Bund genoss in der gesamten Lombardei ein hohes Ansehen und Friedrich war gezwungen den verbündeten Städten besondere Vorrechte zu verleihen, um wenigstens ein kleines Heer zusammenstellen zu können.

Ende Juni 1164 rückte er mit seinen Truppen gegen Verona vor. Doch die geringe Zahl an Soldaten konnte gegen das Heer aus Verona, das zusätzlich von Venedig, Griechenland und Sizilien Unterstützung erhielt, nichts anrichten. Nach nur wenigen Tagen musste er das Gebiet der Veroneser verlassen.

Dieser Aufstand bewies den Anhängern Friedrichs, dass die kaiserliche Herrschaft in der Lombardei nicht so sehr gefestigt war, wie der Staufer selbst dachte. Der Kaiser sah nun ein, dass er ohne ein kräftiges Heer in Italien verloren war und beschloss am 1. Oktober Pavia in Richtung Norden zu verlassen.

Während seiner Abwesenheit war die Stimmung in Deutschland gegen Paschalis ungünstiger geworden. Nach Viktors Tod gewann Alexanders Partei zunehmend Anhänger, was den Kaiser unter Druck setzte. Am 22. Juni 1164 war der Erzbischof Eberhard von Salzburg, der wichtigste Befürworter Alexanders in Deutschland, gestorben und der alexandrinisch gesinnte Konrad von Passau als sein Nachfolger erwählt worden. Friedrich wollte ihn erst als Bischof anerkennen, wenn er Paschalis als Papst anerkannte, was aber dieser ablehnte. Auf dem Würzburger Reichstag zu Pfingsten 1165 sollten alle diese Fragen geklärt werden.

Rainald von Dassels Reise zu Heinrich II.:

Die Auseinandersetzung zwischen König Heinrich und Thomas Becket, dem Erzbischof von Canterbury, schien für Friedrich die richtige Gelegenheit zu sein, um einen vernichtenden Schlag gegen Alexander III. auszuführen. Alexander hatte sich dem Erzbischof angenommen, wodurch er den Zorn des englischen Königs auf sich geladen hatte. Der Regent von England war zudem auch über die Hilfe des französischen Königs an Becket erzürnt und aus diesem günstigen Anlass heraus reiste Rainald von Dassel im Jahr 1165 zum englischen Hof nach Rouen.

In Begleitung des Kanzlers waren der Sohn Friedrichs und Herzog Heinrich der Löwe. Durch das Arrangement der Vermählung der beiden Töchter Heinrichs II. mit den beiden deutschen Fürsten Barbarossas, sollte eine Wendung zugunsten der kaiserlichen Politik eintreten.

Die Verhandlungsabsichten Friedrichs waren nicht von vornherein als aussichtslos zu bezeichnen. Der englische König war durch das Bündnis zwischen dem französischen König und Alexander III. in seiner Ehre verletzt worden. Für den Kanzler war es zwar schwierig König Ludwig zu einer Ablösung von Alexander zu bewegen, aber ein mögliches Zustandekommen eines kaiserlichen Übereinkommens mit Frankreich, würde die englische Position auf dem Festland zu stark schwächen, weshalb er den Engländer zum Handeln bewegen wollte.

Die Verlobungen der englischen Königstöchter galten ausschließlich politischen Interessen, aber König Heinrich ging damit auch eine Verpflichtung in Bezug auf das Schisma ein und verweigerte deshalb Alexander III. die weitere Unterstützung.

Die Würzburger Eide am 23. Mai 1165:

Auf der Würzburger Versammlung beabsichtigte der Kaiser der Kirchenspaltung ein Ende zu bereiten. Ein großer Teil der Fürsten riet Friedrich sich mit Alexander auszusöhnen, aber der im Anschluss an seinen Besuch beim englischen Königshaus in Deutschland angekommene Rainald empfahl ihm Alexander III. nicht als Papst anzuerkennen und Paschalis weiterhin als Papst zu unterstützen.

Unter kaiserlichem Druck erklärten sich die anwesenden Würdenträger zur Ablegung der Würzburger Eide bereit. Vor den Augen des Kaisers wurde diese Übereinkunft vom Großteil der teilnehmenden Fürsten und Bischöfe getroffen. Diese Vereinbarung war notwendig geworden, damit gemeinsam mit England eine einheitliche politische Linie verfolgt werden konnte.

Darüber hinaus setzte Friedrich den Mainzer Erzbischof Konrad von Wittelsbach ab und verstärkte in der alexandertreuen Region Salzburg seinen Einfluss.

Wenige Tage nach den Geschehnissen in Würzburg erließ der Kaiser ein Manifest, indem die Beschlüsse verkündet wurden. In allen Kirchen sollten die Kleriker für Paschalis III. beten und unter Androhung strenger Strafen den Eid auf seinen Papst, innerhalb von sechs Wochen, ableisten.

Ein solcher Zwang war im deutschen Reichsgebiet noch nie da gewesen und stieß in vielen Orten auf großen Widerstand, weshalb selbst der Kaiser sich in alexanderfreundliche Gebiete begeben musste, um den Eid persönlich einzufordern.

Die Zäsur auf dem Würzburger Hoftag verdeutlicht den endgültigen Entschluss Barbarossas die noch vorhandenen Verbindungen zu Alexander III. und zu Ludwig VII. abzureißen und den alexandertreuen Klerus im Reich, unter Druck zu setzen. Die im Anschluss an die Würzburger Eide erhobenen Führungswechsel waren ein zusätzliches Indiz für die zunehmende Schärfe seiner Gegenpapstpolitik.

Arbeit zitieren:
Eryüzlü, Hüseyin April 2009: Die Italienpolitik Friedrich Barbarossas und die Auseinandersetzung mit der Kurie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mittelalter, Friedrich Barbarossa, Alexander III, Staufer, Papst

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