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Textprobe:
Kapitel 4.4, Friedensverhandlungen seit 2001:
Nach dem Sieg der Partei UNP (United National Party – konservativ westlich eingestellt) erklärte sich der Ministerpräsident Ranil Wickremasinghe dazu bereit, Friedensgespräche ohne Vorbedingungen zu führen. Als das Wirtschaftswachstum 2001 einen noch nie dagewesenen Tiefpunkt erreichte, wurden die Kosten des Krieges untragbar. Wirtschaftliche Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und zerstörte Infrastur sowie Demoralisierung der Armee bezeichneten das Ausmaß des Krieges.
Die LTTE konnte ihre Macht zwar bekräftigen, sah sich aber nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 unter internationalen Druck ausgesetzt.
„Die USA konstatierten zumindest ein regional sich stetig verschärfendes Terrorproblem. Sicherheitsdienste und Terrorismusexperten wiesen zudem auf die Verbindungen der LTTE mit Organisationen in anderen Ländern und ihr weltweites Spenden- und Unterstützernetz in westlichen Ländern hin. Dementsprechend stand die LTTE in Großbritannien, den USA, Australien und Kanada auf der Liste der verbotenen Organisationen“.
Unter norwegischer Vermittlung konnte nun schließlich ein formaler Waffenstillstand unterzeichnet werden: das Memorandum of Understanding (MOU). Auf beiden Seiten wurden die militärischen Offensiven und Attacken eingestellt und Gesprächen Priorität eingeräumt. Die Regierungsseite erklärte sich dazu bereit, den Tamilen eine Föderation im Nordosten anzubieten. Die LTTE erklärte sich bereit, auf einen Separatstaat zu verzichten und von einem Alleinvertretungsrecht im Nordosten abzutreten. Ebenso erklärten sie, dass sie sich von einer militärischen zu einer politischen Organisation umwandeln wollen. Die Regierung und die LTTE sprachen sich dafür aus, dass eine Rückkehr zum Krieg ausgeschlossen werden konnte und eine Notwendigkeit der Friedensprozesse ohne Zweifel vorhanden war. Um sicher zu gehen, dass sich niemand ausgeschlossen oder benachteiligt fühlte, wurden die Vereinbarungen gemeinsam von beiden Parteien erarbeitet.
Die Vorteile der fortdauernden Gespräche zeigten sich für die LTTE, indem sie ihren De-facto-Staat mit der Errichtung von Polizeistationen, Verwaltungseinheiten und Gerichten weiter ausbauen konnten. Die Vorteile der Regierung bestanden darin, dass sich die Wirtschaft erholte und die allgemeine Lage stabilisierte.
Durch die Unterstützung Norwegens, einem internationalem Monotoring Team (SLMM) und der Abhängigkeit erfolgreicher Friedensprozesse, um Mittelzuweisungen von internationalen Geberländern zu erhalten, bestand seitens der Regierung ein gewisser Druck. Die LTTE zog sich im April 2003 aus den Gesprächen zurück. Die Regierung als auch die Geberländer USA und EU forderten eine Demilitarisierung ohne weitere Sicherheiten zu bieten. Die Forderung eines konföderalen Entwurfs der LTTE und eines föderalen Dezentralisierungsplan der UNP standen sich nun gegenüber. Die LTTE sah die Einmischung der Geberländer sehr misstrauisch. Sie nahmen sie als Sicherheitsnetz der singhalesichen Regierung wahr. Um den Druck auf die Regierung zu verstärken, zogen sich die LTTE – wie schon oben erwähnt – aus den Gesprächen zurück.
„Zudem opponierten auf der anderen Seite radikale Gruppierungen und ein Teil des Buddhistischen Klerus gegen eine wie auch immer geartete Teilung des Staates. Föderation wurde hier als Vorstufe zur Sezession gewertet“.
Der Kontakt zwischen der Regierung und der LTTE wurde zwar durch Vermittler aufrechterhalten, jedoch konnten weder weitere Friedensgespräche erreicht werden, noch konnte die steigende Gewalt im Nordosten verhindert werden.
Die neuen Wahlen des Parlaments im April 2004, die die SLFP (Sri Lanka Freedom Party) in Allianz mit der radikal-singhalesischen Janatha Vimukthi Peramuna (Volksbefreiungsfront) JVP gewann, brachten die Gespräche zum kompletten Stillstand. Es schien Ende 2004, dass die Friedensverhandlungen am Ende waren. Die Flut am 26. Dezember 2004 schien dies jedoch zunächst zu verhindern.
„Krisenmanagement der Bevölkerung und eigene Re-Organisation banden die Kräfte der Parteien. Zudem sind beide Seiten auf internationale Hilfe angewiesen und können es sich nicht leisten, die dringend benötigten Finanzmittel zu gefährden“.
Nach einer kurzen Phase der Zusammenarbeit nach dem Tsunami, verfielen beide Parteien wieder in ihre alten Muster. Sie beschuldigten sich gegenseitig, die Verteilung der Güter zu behindern und die Lage politisch auszunutzen. In neuen Diskussionen ging es um den so genannten Joint Mechanism (JM) beziehungsweise Post Tsunami Operation Management Structure (P-TOMS), ein Mechanismus, der die Verteilung der Hilfs- und Spendengelder koordinieren sollte (siehe Kapitel 5.2.2 ). Die LTTE forderten ein Mitbestimmungsrecht und Verfügungsgewalt über die Verwendung der Gelder für den Nordosten. Die Regierung zeigte sich dafür nicht bereit und verdeutlichte, dass sie keine Machtteilung dulde. Als die Präsidentin Chandrika Kumaratunga ohne Absprache ein P-TOMS Abkommen mit der LTTE unterzeichnete, schied die JVP schließlich 2005 aus der Regierung aus. Jedoch wurde aus dem Inhalt des Abkommens klar, dass dies kein neuer Schritt zu Verhandlungen darstellte. Nach Protesten buddhistischer Mönche wurde der Verteilungsmechanismus sowohl auf ein Jahr begrenzt, als auch die Verwendung der Geldmittel stark reglementiert. Zur gleichen Zeit orderte die Präsidentin neue Kriegsgeräte in Großbritannien, Serbien und Uruguay.
Katastrophenmanagement in Sri Lanka nach dem Tsunami vom 26. Dezember 2004:
Ein Katastrophenmanagement nach dem Tsunami in Sri Lanka erwies sich mit dem Hintergrund des jahrzehntelangen Bürgerkriegs als eine schwierige Herausforderung. In diesem Kapitel sollen demnach die Möglichkeiten und Grenzen des Katastrophen-managements in Bürgerkriegsregionen (hier am Beispiel Sri Lankas) in Bezug auf ein idealtypisch verlaufendes Katastrophenmanagement aufgezeigt werden. Da nicht wenige Akteure an diesem Katastrophenmanagement beteiligt waren, sollen die Handlungen und aus dem Blickwinkel einiger Beteiligter (Regierung, LTTE, nationaler und internationaler NGOs, Betroffene und weitere Akteure) beleuchtet und zusammen-getragen werden.
Fehlende Katastrophenvorsorge:
In Bezug auf die Katastrophenvorsorge kann hinsichtlich Sri Lanka weder von einer Katastrophenvorbeugung noch von einer Katastrophenvorbereitung gesprochen werden. Domrös berichtet, dass Sri Lanka nach historischen Quellen her über einen Zeitraum von 2.200 Jahren von keiner Naturkatastrophe heimgesucht wurde. Es wird trotz seiner Lage von tropischen Wirbelstürmen weitestgehend verschont und gilt als erdbebensicher. All dies führte dazu, dass Sri Lanka unerwartet und unvorbereitet von dem Tsunami am 26. Dezember 2004 getroffen wurde. Ganz im Gegenteil sogar verstärkten verschiedene Gründe die Ausmaße des Tsunami in Sri Lanka. Den natürlichen Küstenformen und durch Menschenhand veränderten Küstenformen wurde kein Schutz vor den Wellen geboten, die mit 8 bis 10 Meter Höhe auf die Küste trafen und stellenweise bis zu einem Kilometer in das Hinterland vordrangen. Die Naturräume entlang den Küsten sind vom Menschen stark verändert worden. Mangroven wurden abgebaut, Raubbau der Korallenbänke wurde betrieben und viele Gebäude, wie Hotels oder Pensionen, sowie Fischerdörfer wurden nahe der Küste gebaut. Die Küstenformen, wie die Riasküste im Süden und die Lagunenküste im Osten, bieten keinen natürlichen Schutz vor dem Meer. Ebenso wurde der Küstenschutz vernachlässigt sowie Dämme oder Deiche nicht zureichend errichtet.
„Tourismus, Garnelenzuchtfarmen und eine ökologisch blinde Entwicklungspolitik haben maßgeblich dazu beigetragen, dass beim Tsunami so viele Menschen ums Leben kamen: Mangrovenwälder, Küstendünen, Korallenriffe und Seegrasgebiete wurden zerstört, so dass die Flutwellen nahezu mit voller Wucht hereinbrechen konnten“.
Ungeachtet dessen streckten sich die Küstenregionen meistens flach ins Hinterland, so dass das Meer weit ins Innere vordringen konnte. Des Weiteren lagen viele Siedlungen ungeschützt kaum über dem Hochwasserniveau. So konnte rund zwei Drittel der gesamten Küstenlänge von dem Tsunami getroffen und zerstört werden und die ansässige Wirtschaft, wie unter anderem der Tourismus und die Fischerei, sowie die Infrastruktur lahm gelegt werden.
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