Die Möglichkeiten und Grenzen des Katastrophenmanagements in Bürgerkriegsregionen
Dargestellt am Beispiel Sri Lankas nach dem Tsunami vom 26. Dezember 2004
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Julia Molden
- Abgabedatum: Mai 2008
- Umfang: 88 Seiten
- Dateigröße: 1,6 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- Bibliografie: ca. 59
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1581-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Molden, Julia Mai 2008: Die Möglichkeiten und Grenzen des Katastrophenmanagements in Bürgerkriegsregionen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Katastrophenmanagement, Sri Lanka, Bürgerkrieg, Tsunami, Katastrophenhilfe
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Staatsexamensarbeit von Julia Molden
Problemstellung:
Über 300.000 Menschen an den Küsten Asiens und Afrikas verloren durch den Tsunami am 26. Dezember 2004 ihr Leben. Dies war die Hälfte aller Menschen, die bisher den zehn größten Tsunamis zum Opfer fielen. Darüber hinaus verloren über fünf Millionen Menschen in 14 Ländern Besitz und Einkommensquellen. Zusätzlich haben sie körperliche, seelische und gesundheitliche Folgen davon getragen. Ganze Küstenstreifen, Lebensgrundlagen und Infrastrukturen wurden verwüstet und zerstört.
Auslöser für diesen Tsunami war das Erdbeben im Indischen Ozean mit dem Epizentrum vor der Insel Sumatra. Es erreichte eine Stärke von Magnitude 9,1 bis 9,3 (Maß für die Stärke von Erdbeben) auf der Richterskala und führte zu Hunderten kleinerer und größerer Nachbeben (Reese/Eckhardt 2005: 5). Dies war das stärkste Beben in den letzten 40 Jahren. Es bewegte eine Menge von 30 Kubikkilometer Meerwasser und verursachte somit die „bisher schlimmste Tsunami-Katastrophe der Geschichte“.
„Der Tsunami hätte weit weniger Menschenleben gefordert, wenn es in der Region ein funktionierendes Frühwarnsystem gäbe“.
Jedoch auch ohne Frühwarnsystem wären Behörden in der Lage gewesen zu evakuieren, da das Tsunamizentrum auf Hawaii innerhalb von 15 Minuten das Erdbeben und den folgenden Tsunami registriert hatte, die Mitarbeiter aber nicht wussten, wen sie kontaktieren sollen. Sri Lanka, beispielsweise, hätte 2 Stunden Zeit für eine Evakuierung gehabt. Sri Lanka ist auch das Land, das in dieser Arbeit unter dem Gesichtspunkt des Katastrophenmanagements später näher betrachtet werden soll. Ebenso war das meteorologische Amt in Thailand informiert, entschloss sich jedoch nach einem Krisenstabstreffen, die Behörden nicht zu informieren, da negative Auswirkungen eines falschen Alarms „auf die lukrative Tourismusindustrie“ (ebd.) gefürchtet wurden.
Der Tsunami wurde meist als eine Naturkatastrophe wahrgenommen. Das heißt, dass die Katastrophe von Naturgewalten ausgelöst wurde und nicht auf menschliches Handeln zurückzuführen ist und dementsprechend auch nicht durch den Menschen verhindert werden könne. Damit verweisen Reese und Eckhardt darauf, dass die Opfer keine Schuld trifft und es jeden hätte treffen können:
„Sie gelten als 'würdige Opfer', die ihre Not nicht selbst verschuldet und daher auch unsere Hilfe verdient haben. Es schien, als ob uns nur eine Möglichkeit zu handeln offen stand: Denen solidarisch unter die Arme greifen, an denen sich die Natur dieses Mal abreagiert hat“.
Diese „vorpolitische Sicht“ (ebd.) wurde noch dadurch bestärkt, als ob es so schien, dass die Wellen des Tsunami nur Regionen getroffen hätten, deren Hauptprobleme die Armut sei und „die merkwürdig unberührt von Macht, Herrschaft oder Ausbeutung zu sein“ (ebd.) schienen.
Dies führte zu einer außergewöhnlich hohen Aufmerksamkeit in den Medien, der Bevölkerung und politischer Entscheidungsträger, zumal der Zeitpunkt (Weihnachtsfeiertage) eine besondere Betroffenheit beinhaltete. Die internationale Hilfs- und Spendenbereitschaft brach alle Rekorde. Die Reaktionen auf nationaler und internationaler Ebene waren schnell. Die Vereinten Nationen richteten einen Hilfsappell an die Öffentlichkeit und baten ihre Mitgliedstaaten um Gelder für die Soforthilfe, die sie innerhalb von vier Wochen zugesagt bekamen. Auch die Spendenbereitschaft der Bevölkerung war vergleichsweise hoch. Millionen von Menschen folgten den Aufrufen der Hilfsorganisationen und Medien, um den Opfern des Tsunami helfen zu können. Nach VENRO kamen insgesamt 13,5 Milliarden US-Dollar zusammen. Die privaten Spenden erreichten ein Rekordniveau von mehr als vier Milliarden US-Dollar. Hunderte von NGOs und INGOs, auch neugegründete, baten den betroffenen Ländern ihre Hilfe an.
Die Soforthilfephase wurde rückblickend von VENRO als erfolgreich bezeichnet. Tote wurden geborgen, Verletzte versorgt, Notunterkünfte aufgebaut, Trinkwasser zur Verfügung gestellt und weitere Maßnahmen, die zu Soforthilfemaßnahmen zählen, wurden schnell realisiert. Somit konnten zum größten Teil Hungersnot und Seuchen verhindert werden.
Nach Angaben deutscher NGOs wurden Hilfsprogramme für die Wiederaufbauphasen auf mehrere Jahre ausgelegt und geplant (ebd: 7). Die Erfahrungen der Bewältigung von Flutkatastrophen können aufgrund der verschiedenen Länder und deren politischen, ökonomischen und sozialen Hintergründe nicht verglichen werden. Ein Katastrophenmanagement, das unter anderem Soforthilfe und Wiederaufbau beinhaltet, kann daher nicht in ein Schema F gepresst werden. Es solle vielmehr idealtypischer Weise auf die Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnitten werden. In Sri Lanka kam erschwerend hinzu, dass hier seit über zwanzig Jahren ein Bürgerkrieg herrscht. Die Oppositionsparteien widersetzen sich seit dem Ausbruch 1983 einer Lösung. Erst 2001 gelang es den Konfliktparteien, der singhalesischen Mehrheitsbevölkerung und der tamilischen Minderheit, mit der Hilfe norwegischer Vermittler Friedensverhandlungen zu führen und ein Waffenstillstandsabkommen zu schließen. „Dieses ist zwar formell bis heute gültig, de facto steht das Land aber wieder kurz vor einem Bürgerkrieg“.
Die tamilische Befreiungsbewegung LTTE brachte einen Großteil der Gebiete im Norden und Osten unter ihre Kontrolle. Bereits vor dem Tsunami war es schwierig in diesen Gebieten Zugang zu erlangen. Meist gelang es nur über erfahrene Organisationen, die dort seit vielen Jahren arbeiten, Partnerstrukturen aufzubauen, um somit Flutopfern als auch Kriegsflüchtigen zu helfen.
Dass die folgenschweren Ausmaße des Tsunami nicht nur durch die Natur verursacht wurden, wurde schnell klar:
„Sehr bald aber waren die Stimmen immer deutlicher zu vernehmen, die darauf hinwiesen, dass durch menschliche Entscheidungen und Akteure (…) die dramatischen – sozialen und ökologischen – Schäden verschlimmert haben, und dass die Gefahr besteht, dass wegen der gesellschaftlichen Strukturen in den Flutländern nicht in erster Linie die Opfer, sondern die Mächtigen von der Flut(hilfe) profitieren werden“.
Ungleiche Strukturen aus sozialer und politischer Sichtweise vor Ort haben nicht nur dazu beigetragen, dass die Folgen des Tsunami schlimmer waren, sondern sie sind auch in der Katastrophenachsorge entscheidende Faktoren geblieben und haben enormen Einfluss über das weitere Leben der betroffenen Menschen in Sri Lanka bis zum heutigen Tag.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Grenzen und Möglichkeiten des Katastrophenmanagements in Sri Lanka am Beispiel des Tsunami vom 26. Dezember 2004 mit dem Hintergrund des über 20 Jahre andauernden Bürgerkriegs zu beleuchten. Aus dem Blickwinkel des idealtypischen Katastrophenmanagements, mit den Hauptkomponenten der Katastrophenvorsorge und –nachsorge, werden Methoden verschiedener beteiligter Akteure betrachtet. Die Handlungen und Strategien sollen dargestellt und aus verschiedenen Betrachtungsweisen herausgearbeitet werden.
Ein Teilziel ist es, ein idealtypisches Katastrophenmanagement darzustellen, um somit Vergleiche zu den Geschehnissen in Sri Lanka ziehen zu können.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 4 |
| 2. | Katastrophenmanagement | 5 |
| 2.1 | Begriffsbestimmung einer Katastrophe | 5 |
| 2.2 | Wahrnehmung von Risiken und Naturgefahren | 8 |
| 2.3 | Katastrophenvorsorge und –nachsorge | 10 |
| 2.3.1 | Katastrophenvorsorge | 10 |
| 2.3.1.1 | Risikoanalyse | 11 |
| 2.3.1.2 | Katastrophenvorbeugung und –vorbereitung | 12 |
| 2.3.2 | Katastrophennachsorge respektive Katastrophenbewältigung | 17 |
| 2.3.2.1 | Katastrophenhilfe | 17 |
| 2.3.2.2 | Wiederaufbau | 21 |
| 3. | Tsunami aus physisch-geographischer Sicht | 23 |
| 3.1 | Ursachen eines Tsunami | 24 |
| 3.1.1 | Erdbeben | 25 |
| 3.1.2 | Vulkanausbrüche | 27 |
| 3.1.3 | Hangrutsche | 28 |
| 3.1.4 | Meteoriten | 29 |
| 3.2 | Merkmale eines Tsunami und physikalische Größen | 29 |
| 3.3 | Auswirkung eines Tsunami | 34 |
| 4. | Exkurs: Der Bürgerkrieg in Sri Lanka | 36 |
| 4.1 | Anfänge der Konflikte | 36 |
| 4.2 | Gründung der LTTE | 39 |
| 4.3 | Ausbruch des Bürgerkriegs | 39 |
| 4.4 | Friedensverhandlungen seit 2001 | 41 |
| 5. | Katastrophenmanagement in Sri Lanka nach dem Tsunami vom 26. Dezember 2004 | 43 |
| 5.1 | Fehlende Katastrophenvorsorge | 43 |
| 5.2 | Katastrophennachsorge | 45 |
| 5.2.1 | Strategien und Methoden der srilankischen Regierung | 46 |
| 5.2.2 | Joint Mechanism (JM) | 53 |
| 5.2.3 | Zwischen Dankbarkeit und Sündenbocksuche – Die Stellung der nationalen und internationalen NGOs | 56 |
| 5.2.4 | Kritik an der Koordination und dem LRRD-Konzept | 63 |
| 5.2.4.1 | Mangelnde Koordination | 64 |
| 5.2.4.2 | Das LRRD-Konzept | 66 |
| 5.2.5 | Die TRO – Tamil Rehabilitation Organisation | 68 |
| 5.2.6 | Die Benachteiligten | 71 |
| 5.2.6.1 | Frauen traf es anders als Männer | 71 |
| 5.2.6.2 | Die benachteiligten Regionen im Norden und Osten | 73 |
| 6. | Schlussfolgerung | 75 |
| 7. | Literatur und Internetseiten | 77 |
| 7.1 | Literatur | 77 |
| 7.2 | Internetseiten | 80 |
Textprobe:
Kapitel 4.4, Friedensverhandlungen seit 2001:
Nach dem Sieg der Partei UNP (United National Party – konservativ westlich eingestellt) erklärte sich der Ministerpräsident Ranil Wickremasinghe dazu bereit, Friedensgespräche ohne Vorbedingungen zu führen. Als das Wirtschaftswachstum 2001 einen noch nie dagewesenen Tiefpunkt erreichte, wurden die Kosten des Krieges untragbar. Wirtschaftliche Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und zerstörte Infrastur sowie Demoralisierung der Armee bezeichneten das Ausmaß des Krieges.
Die LTTE konnte ihre Macht zwar bekräftigen, sah sich aber nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 unter internationalen Druck ausgesetzt.
„Die USA konstatierten zumindest ein regional sich stetig verschärfendes Terrorproblem. Sicherheitsdienste und Terrorismusexperten wiesen zudem auf die Verbindungen der LTTE mit Organisationen in anderen Ländern und ihr weltweites Spenden- und Unterstützernetz in westlichen Ländern hin. Dementsprechend stand die LTTE in Großbritannien, den USA, Australien und Kanada auf der Liste der verbotenen Organisationen“.
Unter norwegischer Vermittlung konnte nun schließlich ein formaler Waffenstillstand unterzeichnet werden: das Memorandum of Understanding (MOU). Auf beiden Seiten wurden die militärischen Offensiven und Attacken eingestellt und Gesprächen Priorität eingeräumt. Die Regierungsseite erklärte sich dazu bereit, den Tamilen eine Föderation im Nordosten anzubieten. Die LTTE erklärte sich bereit, auf einen Separatstaat zu verzichten und von einem Alleinvertretungsrecht im Nordosten abzutreten. Ebenso erklärten sie, dass sie sich von einer militärischen zu einer politischen Organisation umwandeln wollen. Die Regierung und die LTTE sprachen sich dafür aus, dass eine Rückkehr zum Krieg ausgeschlossen werden konnte und eine Notwendigkeit der Friedensprozesse ohne Zweifel vorhanden war. Um sicher zu gehen, dass sich niemand ausgeschlossen oder benachteiligt fühlte, wurden die Vereinbarungen gemeinsam von beiden Parteien erarbeitet.
Die Vorteile der fortdauernden Gespräche zeigten sich für die LTTE, indem sie ihren De-facto-Staat mit der Errichtung von Polizeistationen, Verwaltungseinheiten und Gerichten weiter ausbauen konnten. Die Vorteile der Regierung bestanden darin, dass sich die Wirtschaft erholte und die allgemeine Lage stabilisierte.
Durch die Unterstützung Norwegens, einem internationalem Monotoring Team (SLMM) und der Abhängigkeit erfolgreicher Friedensprozesse, um Mittelzuweisungen von internationalen Geberländern zu erhalten, bestand seitens der Regierung ein gewisser Druck. Die LTTE zog sich im April 2003 aus den Gesprächen zurück. Die Regierung als auch die Geberländer USA und EU forderten eine Demilitarisierung ohne weitere Sicherheiten zu bieten. Die Forderung eines konföderalen Entwurfs der LTTE und eines föderalen Dezentralisierungsplan der UNP standen sich nun gegenüber. Die LTTE sah die Einmischung der Geberländer sehr misstrauisch. Sie nahmen sie als Sicherheitsnetz der singhalesichen Regierung wahr. Um den Druck auf die Regierung zu verstärken, zogen sich die LTTE – wie schon oben erwähnt – aus den Gesprächen zurück.
„Zudem opponierten auf der anderen Seite radikale Gruppierungen und ein Teil des Buddhistischen Klerus gegen eine wie auch immer geartete Teilung des Staates. Föderation wurde hier als Vorstufe zur Sezession gewertet“.
Der Kontakt zwischen der Regierung und der LTTE wurde zwar durch Vermittler aufrechterhalten, jedoch konnten weder weitere Friedensgespräche erreicht werden, noch konnte die steigende Gewalt im Nordosten verhindert werden.
Die neuen Wahlen des Parlaments im April 2004, die die SLFP (Sri Lanka Freedom Party) in Allianz mit der radikal-singhalesischen Janatha Vimukthi Peramuna (Volksbefreiungsfront) JVP gewann, brachten die Gespräche zum kompletten Stillstand. Es schien Ende 2004, dass die Friedensverhandlungen am Ende waren. Die Flut am 26. Dezember 2004 schien dies jedoch zunächst zu verhindern.
„Krisenmanagement der Bevölkerung und eigene Re-Organisation banden die Kräfte der Parteien. Zudem sind beide Seiten auf internationale Hilfe angewiesen und können es sich nicht leisten, die dringend benötigten Finanzmittel zu gefährden“.
Nach einer kurzen Phase der Zusammenarbeit nach dem Tsunami, verfielen beide Parteien wieder in ihre alten Muster. Sie beschuldigten sich gegenseitig, die Verteilung der Güter zu behindern und die Lage politisch auszunutzen. In neuen Diskussionen ging es um den so genannten Joint Mechanism (JM) beziehungsweise Post Tsunami Operation Management Structure (P-TOMS), ein Mechanismus, der die Verteilung der Hilfs- und Spendengelder koordinieren sollte (siehe Kapitel 5.2.2 ). Die LTTE forderten ein Mitbestimmungsrecht und Verfügungsgewalt über die Verwendung der Gelder für den Nordosten. Die Regierung zeigte sich dafür nicht bereit und verdeutlichte, dass sie keine Machtteilung dulde. Als die Präsidentin Chandrika Kumaratunga ohne Absprache ein P-TOMS Abkommen mit der LTTE unterzeichnete, schied die JVP schließlich 2005 aus der Regierung aus. Jedoch wurde aus dem Inhalt des Abkommens klar, dass dies kein neuer Schritt zu Verhandlungen darstellte. Nach Protesten buddhistischer Mönche wurde der Verteilungsmechanismus sowohl auf ein Jahr begrenzt, als auch die Verwendung der Geldmittel stark reglementiert. Zur gleichen Zeit orderte die Präsidentin neue Kriegsgeräte in Großbritannien, Serbien und Uruguay.
Katastrophenmanagement in Sri Lanka nach dem Tsunami vom 26. Dezember 2004:
Ein Katastrophenmanagement nach dem Tsunami in Sri Lanka erwies sich mit dem Hintergrund des jahrzehntelangen Bürgerkriegs als eine schwierige Herausforderung. In diesem Kapitel sollen demnach die Möglichkeiten und Grenzen des Katastrophen-managements in Bürgerkriegsregionen (hier am Beispiel Sri Lankas) in Bezug auf ein idealtypisch verlaufendes Katastrophenmanagement aufgezeigt werden. Da nicht wenige Akteure an diesem Katastrophenmanagement beteiligt waren, sollen die Handlungen und aus dem Blickwinkel einiger Beteiligter (Regierung, LTTE, nationaler und internationaler NGOs, Betroffene und weitere Akteure) beleuchtet und zusammen-getragen werden.
Fehlende Katastrophenvorsorge:
In Bezug auf die Katastrophenvorsorge kann hinsichtlich Sri Lanka weder von einer Katastrophenvorbeugung noch von einer Katastrophenvorbereitung gesprochen werden. Domrös berichtet, dass Sri Lanka nach historischen Quellen her über einen Zeitraum von 2.200 Jahren von keiner Naturkatastrophe heimgesucht wurde. Es wird trotz seiner Lage von tropischen Wirbelstürmen weitestgehend verschont und gilt als erdbebensicher. All dies führte dazu, dass Sri Lanka unerwartet und unvorbereitet von dem Tsunami am 26. Dezember 2004 getroffen wurde. Ganz im Gegenteil sogar verstärkten verschiedene Gründe die Ausmaße des Tsunami in Sri Lanka. Den natürlichen Küstenformen und durch Menschenhand veränderten Küstenformen wurde kein Schutz vor den Wellen geboten, die mit 8 bis 10 Meter Höhe auf die Küste trafen und stellenweise bis zu einem Kilometer in das Hinterland vordrangen. Die Naturräume entlang den Küsten sind vom Menschen stark verändert worden. Mangroven wurden abgebaut, Raubbau der Korallenbänke wurde betrieben und viele Gebäude, wie Hotels oder Pensionen, sowie Fischerdörfer wurden nahe der Küste gebaut. Die Küstenformen, wie die Riasküste im Süden und die Lagunenküste im Osten, bieten keinen natürlichen Schutz vor dem Meer. Ebenso wurde der Küstenschutz vernachlässigt sowie Dämme oder Deiche nicht zureichend errichtet.
„Tourismus, Garnelenzuchtfarmen und eine ökologisch blinde Entwicklungspolitik haben maßgeblich dazu beigetragen, dass beim Tsunami so viele Menschen ums Leben kamen: Mangrovenwälder, Küstendünen, Korallenriffe und Seegrasgebiete wurden zerstört, so dass die Flutwellen nahezu mit voller Wucht hereinbrechen konnten“.
Ungeachtet dessen streckten sich die Küstenregionen meistens flach ins Hinterland, so dass das Meer weit ins Innere vordringen konnte. Des Weiteren lagen viele Siedlungen ungeschützt kaum über dem Hochwasserniveau. So konnte rund zwei Drittel der gesamten Küstenlänge von dem Tsunami getroffen und zerstört werden und die ansässige Wirtschaft, wie unter anderem der Tourismus und die Fischerei, sowie die Infrastruktur lahm gelegt werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836615815
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Molden, Julia Mai 2008: Die Möglichkeiten und Grenzen des Katastrophenmanagements in Bürgerkriegsregionen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Katastrophenmanagement, Sri Lanka, Bürgerkrieg, Tsunami, Katastrophenhilfe




