Funktion und Bedeutung von Berufseignungstests als Unterrichtsgegenstand der Arbeitslehre
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Robin Behr
- Abgabedatum: Oktober 2007
- Umfang: 132 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- Bibliografie: ca. 35
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1323-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Behr, Robin Oktober 2007: Funktion und Bedeutung von Berufseignungstests als Unterrichtsgegenstand der Arbeitslehre, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Berufseignungstest, Berufswahlpädagogik, Berufsinteressentest, Berufsorientierung, Arbeitslehre
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Staatsexamensarbeit von Robin Behr
Einleitung:
Berufseignungstests sind eine wichtige Maßnahme, um Schülern in der kritischen postpubertären Phase Orientierung zu geben bezüglich ihrer existenziellen Berufswahlentscheidung. Sie finden Verwendung bei Berufsberatern, im Berufs-Informations-Zentrum der Agentur für Arbeit oder auch in Form von Auswahl-, Einstellungstests bei Unternehmen oder deren Assessment-Centern, um die Eignung der Bewerber für zu besetzende Stellen oder Ausbildungsplätze zu prüfen. Sie geben so einerseits Orientierung für die Berufswahl vor der Berufswahlentscheidung und können andererseits auch konkret Basis für den Erhalt einer Ausbildungs- oder Arbeitsstelle sein. Sie leiten demnach zur Selbstreflexion an über eigene Interessen, Stärken und Schwächen oder schaffen auch Voraussetzung für den Eintritt ins Berufsleben. Es existiert eine breite Anzahl verschiedener Instrumente für derartige Eignungstests, die sich je nach Einsatzgebiet unterscheiden.
Neben den kostenfreien Angeboten gibt es eine Vielzahl von privaten, kommerziellen Anbietern, welche Berufseignungstests entwickelt haben und diese wirtschaftlich vermarkten, um Berufseinsteigern bei ihrer Berufswahl zu helfen. Es gibt spezielle Bücher mit verschiedenen Testverfahren und auch Webseiten-Angebote im Internet. Diese sollen jungen Menschen helfen, sich für einen bestimmten Beruf oder die für sie geeignete Berufsausbildung zu entscheiden. Vielen jungen Menschen, speziell Schülern, begegnen Berufseignungstests zum ersten Mal im Rahmen des Schulunterrichts.
Doch nicht in jeder Schule werden diese Testverfahren durchgeführt. Was sagt der Arbeitslehre-Lehrplan zu diesen Verfahren? Ist die Durchführung von Berufseignungstests im (Arbeitslehre-)Unterricht sinnvoll? Was sind Stärken, Schwächen dieser Verfahren und wo liegen ihre Grenzen? Sollen diese Tests Gegenstand des Unterrichts sein und durchgeführt werden oder soll lediglich darüber gesprochen und reflektiert werden? Was ist deren Bedeutung und Funktion für den Arbeitslehreunterricht? Die Tatsache, dass Berufseignungstests von vielen Schülern und Fachleuten kritisiert werden, stellt die Frage nach deren Objektivität und Relevanz für die Berufsplanung der Jugendlichen in der Praxis.
Diesen Fragen wird in der vorliegenden Examensarbeit nachgegangen. Hauptfokus der Arbeit ist es die Funktion und Bedeutung von Berufseignungstests als Gegenstand des Arbeitslehreunterrichts herauszuarbeiten und zu analysieren.
Dazu wird zunächst unter „Punkt 2“ Grundsätzliches zum Sachverhalt „Berufswahl“, „Berufsorientierender Unterricht“ und „Berufsberatung“ im Arbeitslehreunterricht erläutert und es werden Begrifflichkeiten geklärt. Im dritten Abschnitt werden einige dieser Berufseignungstests vorgestellt, miteinander verglichen und es wird versucht eine Klassifizierung vorzunehmen. Ferner wird auf folgende Fragen eingegangen: Welche Arten von Tests gibt es? Unterscheiden sie sich in ihrer Struktur und ihrer Intention? Welche Anbieter gibt es? Wie sieht die rechtliche Situation von Berufseignungstests aus und welche Kritikpunkte sind anzuführen?
Im vierten Teil sollen die erarbeiteten Erkenntnisse über Berufseignungstests im Hinblick auf das „System Schule“ evaluiert werden. Die Funktion und Bedeutung von Berufseignungstests für den Schulunterricht und wie diese im berufsorientierenden Arbeitslehreunterricht sinnvoll behandelt werden können, stellt sich hier als zentrale Frage dar.
Im fünften und abschließenden Teil wird aufgrund der vorherig gewonnenen Feststellungen und Beurteilungen eine sinnvolle Unterrichtseinheit zum Thema „Berufseignungstests“ vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 4 |
| 2. | THEORETISCHE GRUNDLAGEN | 6 |
| 2.1 | „Berufsorientierung“, „Berufswahl“ und „Berufswahlvorbereitung“ | 6 |
| 2.2 | Aufgabe und Einfluss der Schule bei der Berufsorientierung und Berufswahl | 9 |
| 2.3 | Berufswahlmodelle | 17 |
| 2.3.1 | Berufswahl als Zuweisungsprozess | 18 |
| 2.3.2 | Berufswahl als Entwicklungsprozess | 19 |
| 2.3.3 | Berufswahl als Lernprozess | 21 |
| 2.3.4 | Berufswahl als Matching-Prozes | 22 |
| 2.3.5 | Berufswahl als Entscheidungsprozess | 23 |
| 2.3.6 | Das ordnende Rahmenmodell nach Bußhof (Beispiel eines integrativen Modells) | 25 |
| 3. | BERUFSEIGNUNGSTESTS | 27 |
| 3.1 | Einführende Informationen über Berufseignungstests | 27 |
| 3.2 | Die Geschichte und Entwicklung der Berufseignungsdiagnostik | 33 |
| 3.3 | Gütekriterien für psychologische (Berufseignungs-)Tests | 35 |
| 3.4 | Die Qualität von Auswahlverfahren | 38 |
| 3.5 | Die rechtliche Situation von Berufseinstellungstests | 41 |
| 3.6 | Kritik an Berufseignungstests | 42 |
| 3.7 | Der Lehrplan Arbeitslehre im Hinblick auf „Berufswahl“ und „Berufseignungstests“ | 44 |
| 3.8 | Marktübersicht von „Berufseignungstests“ | 47 |
| 3.8.1 | Orientierungstests | 47 |
| 3.8.2 | Das Berufswahlkonzept „MACH´S RICHTIG“ (Bundesagentur für Arbeit) | 49 |
| 3.8.3 | Der Berufseignungstest „EXPLORIX“ | 57 |
| 3.8.4 | Der Berufseignungstest des „GEVA-INSTITUT“ | 58 |
| 3.8.5 | Berufseignungstests im Internet | 60 |
| 3.9 | Kategorisierung/Unterscheidungsmerkmale von Berufseignungstests | 68 |
| 3.10 | Bearbeitungsregeln bei Einstellungstests | 72 |
| 3.11 | Der „psychologische Dienst“ der Bundesagentur für Arbeit und seine „Berufswahltests“ | 73 |
| 4. | BERUFSEIGNUNGSTESTS ALS UNTERRICHTSGEGENSTAND DER ARBEITSLEHRE | 77 |
| 4.1. | Berufseignungstests in Form von „Orientierungstests“ als Unterrichtsgegenstand | 78 |
| 4.2. | Berufseignungstests in Form von „Einstellungstests“ als Unterrichtsgegenstand | 84 |
| 5. | UNTERRICHTSEINHEIT ZUM THEMA „BERUFSEIGNUNGSTESTS“ | 95 |
| 5.1 | Bedingungsanalyse | 95 |
| 5.2 | Ablaufplan | 101 |
| 5.3 | Anhang zur Unterrichtseinheit | 106 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 117 | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | 120 | |
| ANHANG A - REFERENZEN ZUM TEXT | 122 | |
| ANHANG B - INTERNETLINKS ZUM THEMA BERUFSORIENTIERUNG | 131 |
Textprobe:
Kapitel 3.2, Die Geschichte und Entwicklung der Berufseignungsdiagnostik:
Sprach man früher noch von „Personalauslese“, fallen heute Begriffe wie „Personenauswahl“ und die wissenschaftliche Bezeichnung „Berufseignungsdiagnostik“. Eine recht eingängige Definition von „Berufseignungsdiagnostik“ liefern H. Schule und u. Funke:
„Das Konzept der Eignung betrifft das Ausmaß der Übereinstimmung von Anforderungen des Arbeitsplatzes und der weiteren Arbeitsumgebung mit den Leistungsvoraussetzungen der Person. Dabei wird angenommen, dass der Grad dieser Übereinstimmung die Erfolgswahrscheinlichkeit für eine Berufstätigkeit mitbestimmt“.
In unserer heutigen Kultur wie auch in den meisten früheren Kulturen ist die gesamtgesellschaftliche Arbeit arbeitsteilig auf die verschiedenen Berufe und Tätigkeiten verlagert. Deshalb ist es nur logisch, dass man schon seit jeher versucht hat, die zweifellos existierenden unterschiedlichen Fähigkeitsvoraussetzungen frühzeitig zu erkennen. Spannt man den Bogen der Erfassungsmethoden etwas weiter, kann man feststellen dass es in nahezu allen Gesellschaftsformen und in fast jeder geschichtlichen Epoche psychologische Auswahlverfahren zu Eignungsfeststellungen für bestimmte gesellschaftliche Funktionen gab. Eine Vielzahl von Autoren befasste sich schon mit den historischen Wurzeln von Ausleseprüfungen. Es ist bekannt, dass sich solche bis in die Antike und das Alte China zurückverfolgen lassen. Weitere Beispiele findet man in der Bibel an mehreren Stellen oder Meisterprüfungen im Handwerk für englische Kolonialbeamte im 18. Jahrhundert. Fast schon anekdotischen Charakter gewinnt in diesem Zusammenhang die Schlussfolgerung, dass die Schlacht der Germanen um Arminius gegen die Römer („Schlacht am Teutoburger Wald“ im Jahre 9 n. Chr.) u. a. auf Basis der leistungsfähigeren Auswahlverfahren gewonnen werden konnte.
Der Ruf nach systematischen Eignungsuntersuchungen ist jedoch erst im Verlauf des letzten Jahrhunderts laut geworden. Hierbei geht es darum, wie bereits schon erwähnt, jeden Einzelnen gemäß seinem Fähigkeitspotential bei der gesamtgesellschaftlichen arbeitsteiligen Verrichtung von Tätigkeiten einzusetzen. Dies erfolgt gemäß dem „Leistungsprinzip“. In der Logik dieser Argumentation ist die Eignungsdiagnostik als organisatorische Konsequenz des Leistungsprinzips anzusehen. Die psychologischen Testverfahren erfüllen eine Art „rationale Entlastungsfunktion“, sodass bedeutsame und objektiv schwierige Entscheidungen von und über Menschen erleichtert werden. Dunnette & Bormann datieren den Beginn der modernen Ära der Personalauswahl auf den 6. April 1917. An diesem Tag erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika dem Deutschen Reich den Krieg. Und an diesem Tag wurde auch von allen Psychologen der „American Psychological Association“ (336 Mitglieder) ein Brief verfasst mit der Frage welche professionelle Unterstützung sie im Rahmen des Krieges zu leisten in der Lage wären. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wurden über 1,7 Millionen Rekruten getestet. Dabei wurden von den Psychologen Tätigkeitsbeschreibungen, Personalbeurteilungssysteme und Trainingsprogramme entwickelt. Aufgrund der gewaltsamen Verringerung des „Arbeitskräftereservoirs“ auf Grund der vielen Toten während des Krieges gewannen psychologische Testverfahren an Bedeutung. Durch den entstandenen Mangel an Arbeitskräften musste sichergestellt werden, dass die verfügbaren Arbeiter vor allem am richtigen, ihrer Qualifikationsstruktur entsprechenden Platz eingesetzt werden. Die Arbeitskräfte mussten deshalb vor der Eingliederung in den Produktionsprozess getestet werden. In dieser Zeit gewannen die Psychologie und ihre fähigkeitsdiagnostischen Testverfahren zunehmend an Bedeutung. Ab dem Jahre 1927 fand der großvolumige Einsatz von Intelligenztests in Zusammenhang mit der Erteilung von Einwanderungsgenehmigungen in die USA statt. Dies Maßnahme wurde von vielen Seiten ausgesprochen kritisch bewertet. Einen weiteren, jedenfalls quantitativen Höhepunkt, erreichte die eignungsdiagnostische Testung von praktisch allen 14 Millionen Kriegsteilnehmern der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg. Göbel kommt 1980 zu der Erkenntnis, dass der Einsatz von Testverfahren als Hilfsmittel zur Personalentscheidung in Deutschland parallel zur Bildungsreform (in den 1960 und 1970er Jahren) erfolgte. Dies hängt damit zusammen, dass sich eine Bewusstseinsveränderung in der Gesellschaft entwickelte, als im Zuge der Bildungsreform die Schulen den staatlichen Auftrag erhielten, ihre Schüler optimal zu bilden und ihre Begabungsreserven auszuschöpfen. So gingen auch Unternehmen verstärkt daran, ihre Mitarbeiter auf Fähigkeitspotentiale hin zu überprüfen.
Der Trend zur Anwendung von Berufseignungstests zur effizienteren Nutzung der menschlichen Arbeitskraft hält in Zeiten von Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Perfektionierung, stärkerem Wettbewerb durch neue Kommunikationstechnologien und Transparenz weiter an. Voraussichtlich wird die Berufseignungsdiagnostik sich noch weiter entwickeln und perfektionieren, und ihre Prognostizität und Validität weiter zunehmen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836613231
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Behr, Robin Oktober 2007: Funktion und Bedeutung von Berufseignungstests als Unterrichtsgegenstand der Arbeitslehre, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Berufseignungstest, Berufswahlpädagogik, Berufsinteressentest, Berufsorientierung, Arbeitslehre



