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Sprachliche Organisation der Kommunikation im Senioren-Chat Feier@bend

Sprachliche Organisation der Kommunikation im Senioren-Chat Feier@bend
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Sebastian Krüger
  • Abgabedatum: August 2004
  • Umfang: 124 Seiten
  • Dateigröße: 846,4 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8499-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8499-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8499-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Krüger, Sebastian August 2004: Sprachliche Organisation der Kommunikation im Senioren-Chat Feier@bend, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Senioren, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Emoticons, Inflektive

Magisterarbeit von Sebastian Krüger

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einem Internetdienst, der als „populärste Form der Online-Kommunikation“ gesehen wird: dem Chat. Oft wird die Verbindung zwischen Chat und Jugendsprache hergestellt bzw. unterstellt: „Da die Nutzung des Internets [...] relativ jungen Datums ist, gehören die Nutzer eher der jungen Generation an. Jugendsprachliche Züge dürfen deshalb nicht überraschen.“ Die Kausalität lässt sich nur schwer nachvollziehen, symbolisiert aber exemplarisch, dass in der Forschung die ältere Generation keine Berücksichtigung findet. Dabei befindet sich unsere Gesellschaft in einem demografischen Umbruch, der ebenfalls vor dem Internet nicht Halt macht. Die These von Haase et al. ist nicht mehr haltbar. Senioren drängen ins Netz. Das angesprochene Forschungsfeld der Internet-Chats bildet dabei keine Ausnahme. Wie sich dies insbesondere auf der kommunikationssprachlichen Ebene niederschlägt, ist Gegenstand dieser Untersuchung.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Hauptabschnitte. Zunächst wird der Chat im Allgemeinen untersucht. Arten von Chat-Systemen, technische Rahmenbedingungen, Funktionen, aber ebenso Aspekte der Anonymität und der Chatiquette werden in Kapitel 2.1 näher betrachtet. Anschließend rücken die kommunikationstheoretischen Spezifika dieses Mediums in den Mittelpunkt. Auf verschiedenen linguistischen Beschreibungsebenen werden kommunikative und sprachliche Strukturen herausgestellt, die charakteristisch für die Kommunikation im Chat sind. Grundlage für diesen Abschnitt sind verschiedenste Abhandlungen und Untersuchungen aus der Sekundärliteratur.

Der zweite größere Themenschwerpunkt befasst sich mit dem Kommunikationsverhalten älterer Menschen. In Kapitel 3 wird die Frage geklärt, ob es altersspezifische Kommunikationsweisen und Interaktionsstrategien gibt, die sich an konkreten sprachlichen Mitteln und Verfahren nachweisen lassen.

Im dritten, dem empirischen Teil der Arbeit werden die angeführten Themenschwerpunkte Chat-Kommunikation und Kommunikation im Alter zusammengeführt. Konkret heißt dies, dass es zunächst zu überprüfen gilt, ob die chattypischen Merkmale ebenfalls auf den untersuchten Senioren-Chat zutreffen oder ob es zu eventuellen Abweichungen kommt. Die Untersuchung kann auf diese Weise detailliert und vergleichend belegen, in welchen Bereichen Auffälligkeiten erscheinen.

Weiterhin wird im empirischen Teil hinterfragt, ob und wie die erarbeiteten Kommunikationsmerkmale älterer Menschen im Chat realisiert werden. Chatten Senioren anders? In welchen Bereichen existieren Parallelen und wo Differenzen? Unterliegt ihr Kommunikationsverhalten bestimmten Anpassungsmechanismen an das Medium bzw. an ihre Dialogpartner im Chat? Diese Fragen wurden bisher in der Literatur nicht gestellt. Die vorliegende Arbeit möchte dazu beitragen, diese Forschungslücke zu schließen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Chat-Kommunikation 5
2.1 Grundsätzliches zur Chat-Kommunikation 6
2.1.1 Technische Rahmenbedingungen 6
2.1.2 Anonymität beim Chatten 10
2.1.3 Chatiquette 13
2.2 Kommunikationsspezifisches zum Chat 14
2.2.1 Chat zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit 15
2.2.2 Sprachliche Aspekte der konzeptionellen Mündlichkeit im Chat 20
2.2.2.1 Aspekte der Syntax 22
2.2.2.2 Aspekte der Wortbildung 25
2.2.2.3 Aspekte der Lexik 27
2.2.2.4 Aspekte der Semiotik 32
2.2.2.5 Aspekte der Phonetik 35
2.2.2.6 Aspekte der „emulierten“ Prosodie 36
2.2.2.7 Korrekturphänomene in „getippten Gesprächen“ 38
2.2.2.7.1 Orthografie im Chat 39
2.2.2.7.2 Korrekturtypen und –merkmale 41
2.3 Zusammenfassung der sprachlichen Besonderheiten im Chat 45
3. Kommunikation im Alter 47
3.1 Vorbemerkungen 47
3.2 Der Begriff des Alters 50
3.3 Sprache und Kommunikation im Alter 53
3.3.1 Vorüberlegungen 53
3.3.2 Alter als interaktionale Kategorie 55
3.4 Zusammenfassung 58
4. Empirischer Forschungsteil 59
4.1 Datenerhebung und –material 60
4.2 Sprachliche Besonderheiten des Feier@bend-Chats 62
4.2.1 Ebene der Syntax 62
4.2.2 Ebene der Wortbildung 70
4.2.3 Ebene der Lexik 75
4.2.4 Ebene der Semiotik 78
4.2.5 Ebenen der Phonetik und der „emulierten“ Prosodie 83
4.2.6 Korrekturenanalyse 84
4.3 Altersrelevantsetzung im Feier@bend-Chat 91
4.3.1 Nennen des kalendarischen Alters 92
4.3.2 Thematisieren von Abbau, Krankheit, Tod 92
4.3.3 Nennung altersbezogener Rollen 97
4.3.4 Hinzufügen einer Vergangenheitsperspektive 98
5. Zusammenfassung, Fazit und Ausblick 102
Literaturverzeichnis
Anhang: Frequentierungsstatistiken der Anbieter Feier@bend und Chatcity

Automatisiert erstellter Textauszug:

Chatter A begeht in diesem Beispiel einen Tippfehler der Kategorie 1 (s. oben), d. h., er drückt den Buchstaben f, statt das auf der Tastatur nebenliegende g. Dies könnte zu Begriffs- und Verständigungsschwierigkeiten führen. Um diesen vorzubeugen, korrigiert der Chatter seinen Fehler umgehend. Der falsche Artikel von Chatter B („eine wunderschönen Feierabend“) kann wohl unkorrigiert bleiben, da die Ergänzungsleistung der Rezipienten nicht aufwändig ist. Der Produktionsdruck und die Gesprächsschnelligkeit verhindern es zudem, dass jeder orthografische „Defekt“ geahndet und richtig gestellt wird. Überhaupt ist die Toleranz gegenüber Fehlern im Chat sehr hoch. Runkehl et al. sehen darin begründet, dass Korrekturen in ihrem Korpus kaum zu finden sind.169 [...]

Des Weiteren werden mit Schegloff et al. (1977) drei Elemente bzw. Phasen der Reparatur differenziert: Zunächst wird die fehlerhafte Äußerung produziert. Sie beinhaltet das Reparandum (1), den zu korrigierenden Part der Äußerung, gefolgt von der Initiierungsphase (2) der Korrektur und der tatsächlichen Reformulierung bzw. der Korrekturdurchführung (3). Bei der Korrekturinitiierung wird die „Reparaturbedürftigkeit einer Äußerung“ angezeigt. „Als Indikatoren für die Selbstinitiierung einer Reparatur [gelten] Abbrüche und Dehnungen, Pausen und Reparaturpartikeln (wie äh und ähm) sowie Ausdrücke wie oder, also, beziehungsweise und nein.“163 Fremdinitiierte Korrekturen oder Spezifizierungen werden vom Gesprächspartner durch Ausdrücke wie hm, bitte, was etc. angezeigt oder das Reparandum wird wiederholt.164 Gelten diese Mechanismen ebenso für die Chat-Kommunikation? Im Chat-Beispiel (S. 21 f.) fallen zwei Präzisierungsinitiierungen auf: [...]

Erstaunlich sind diese Fehlertypen insofern, als dass die Chatter die Möglichkeit haben, die Äußerungen vor dem Senden zu überprüfen und zu bearbeiten. Wie stark diese Option genutzt wird, kann kaum überprüft werden. Die häufig aufIm Chat-Beispiel werden alle Chatter-Namen einwandfrei verwendet (Ausnahme: Abkürzung „Fin“ für „Findalf“). Selbst schwierige Nicknames werden stets in originaler Schreibweise wiedergegeben. Warum aus ökonomischen Gründen nicht auch die Adressaten kleingeschrieben werden, kann nur vermutet werden. Möglicherweise schreiben die Chatter die Namen aus Respektsgründen korrekt. 160 Runkehl et al. 1998, S. 100. Dies als Anzeichen für den Verfall der Schriftkultur zu sehen, ist meines Erachtens nicht tragbar. Vielmehr sind der medial bedingte Produktionsdruck, die Dialogizität und die konzeptionell mündliche Ausrichtung des Sprachduktus für die Fehleranfälligkeit im Chat ausschlaggebend. [...]

Arbeit zitieren:
Krüger, Sebastian August 2004: Sprachliche Organisation der Kommunikation im Senioren-Chat Feier@bend, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Senioren, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Emoticons, Inflektive

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