Die Sprachenwahl beim Eurovision Song Contest und ihre Auswirkungen und Konsequenzen
Untersuchung zum Zeitraum 1999-2004
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Eva-Maria Klapheck
- Abgabedatum: Juli 2004
- Umfang: 143 Seiten
- Dateigröße: 846,6 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8179-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8179-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8179-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Klapheck, Eva-Maria Juli 2004: Die Sprachenwahl beim Eurovision Song Contest und ihre Auswirkungen und Konsequenzen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: European Broadcasting Union, Grand Prix d`Eurovision, Deutscher Vorentscheid, Musik, ESC
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Magisterarbeit von Eva-Maria Klapheck
Einleitung:
„Ein Lied kann eine Brücke sein“, sang Joy Fleming im Jahre 1975 beim Eurovision Song Contest (ESC). Ebenso lautet auch der Titel eines der rar gesäten, deutschsprachigen Publikationen, die sich mit dem internationalen Sangeswettbewerb beschäftigen. Diese Parallele existiert nicht zufällig, denn ein besonders wertvolles Charakteristikum der Musik ist, dass sie eine völkerverbindende und grenzüberschreitende Kunst ist.
Die Begegnung der europäischen und auch außer-europäischen Nationen zum Zweck der musikalischen Verständigung kann als Kernaspekt des Eurovision Song Contest verstanden werden. Ein Motiv für die Gründung des ESC im Jahre 1955 war zwar, das damals noch neue Medium Fernsehen der europäischen Bevölkerung näher zu bringen, jedoch war der Hauptgrund die Symbolisierung eines wachsenden Zusammengehörigkeitsgefühls (West-) Europas auf populärkultureller Ebene (Moser, 1999).
Vielleicht gerade deshalb erfreut sich der traditionsreiche Grand Prix Eurovision, wie er in Deutschland lange genannt wurde, heute mehr denn je einer großen Beliebtheit und Aktualität. Seine Teilnehmer betreffend war und ist der Grand Prix seiner Zeit immer schon ein Stück voraus. Dort fühlen sich - zumindest in musikalischer Hinsicht - Estland, Litauen, Polen, Ungarn und andere aktuelle Beitrittsländer der Europäischen Union vom 1. Mai 2004 schon seit 1994 als Teil der europäischen Gemeinschaft, oder treffen Griechenland, die Türkei und Zypern seit vielen Jahren im musikalischen Wettstreit friedlich aufeinander. Vor dem Hintergrund des europäischen Zusammenwachsens besitzt dieser Wettbewerb eine Symbolhaftigkeit, denn er bringt den jährlich circa 100 Millionen Zuschauern im Kontext des musikalischen Miteinander - und Gegeneinander - die ihnen noch unbekannten Nationen und deren musikalisches Verständnis von populärem Liedgut ein wenig näher. Wie klingt Popmusik auf Finnisch? Wovon singen Lettland, Polen und Malta?
Jedoch ist die nationale Vielfalt beim Grand Prix nicht mehr gleichbedeutend mit einer sprachlichen Vielfalt. Nach über 20 Jahren bestehender Sprachenregelung beschlossen die Verantwortlichen des ESC-Veranstalters, der European Broadcasting Union (EBU), die Aufhebung dieser Regelungen. Folglich gilt seit 1999: Jedem Teilnehmerland ist es freigestellt, in welcher Sprache ihr ESC-Beitrag verfasst ist. Konnte man nun erwarten, dass die Teilnehmerländer von der Mannigfaltigkeit der europäischen Sprachen Gebrauch machen würden?
Das Gegenteil ist der Fall: Bereits im Jahre 1999 und in den darauf folgenden Jahrgängen zeigte sich hinsichtlich der Sprachenwahl eine klare Tendenz zum Englischen. Schon im ersten Veranstaltungsjahr ohne bestehende Sprachenregelung sang rund die Hälfte der nicht-englischsprachigen Länder auf Englisch. Erstaunlicherweise sind im Kontext des ESC Beiträge in einer anderen als den nationalen Amtssprache(n) und Englisch praktisch nicht vorhanden. Zeigt sich beim Grand Prix eine Parallele zu der allgemeinen Entwicklung, Englisch als Lingua franca in der internationalen Kommunikation zu verwenden? Funktioniert das Genre „Popmusik“, das beim ESC weitgehend Verwendung findet, etwa nur in Verbindung mit dem Englischen?
Die Grand-Prix-Titel werden von den Rezipienten respektive den Zuschauern bewertet. Gehen spezifische Teilnehmernation eventuell von der Annahme aus, mit einem englischen Beitrag den musikalischen und sprachlichen Geschmack der Zuschauermehrheit zu treffen, und ist die Resonanz der Rezipienten tatsächlich positiver als bei einem nicht-englischen Titel? In der Geschichte des Grand Prix sangen die Teilnehmer immer wieder von Frieden und Liebe. Doch neben allen versöhnlichen Klängen ist der Grand Prix ein Wettstreit mit Noten und Stimmgewalt. Daher besteht die Vermutung, dass ein Großteil der Teilnehmer Englisch als Garant für ein erfolgreiches Abschneiden ansieht.
Die Sprachenwahl beim ESC ist in Bezug auf Deutschland und die deutsche Sprache in vielerlei Hinsicht ein interessantes Forschungsgebiet. Zum einen wurde die Abschaffung der Sprachenregelung beim ESC insbesondere auf die Initiative der deutschen Delegation beschlossen. Laut Jürgen Meier-Beer, NDR-Unterhaltungschef und ESC-Verantwortlicher, sei eine existente Sprachenregelung für Deutschland diskriminierend (vgl. Meier-Beer 2002: 418).
Des Weiteren schloss sich Deutschland dem allgemeinen Trend an und präsentierte seit 1999 seinen nationalen Beitrag teilweise oder ganz in Englisch. Die Entscheidungsgewalt über Teilnahme oder Nicht-Teilnahme beim ESC-Finale besitzen beim deutschen Vorentscheid allein die Zuschauer. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die Wahl eines englischen Titels dem mehrheitlichen Geschmack des deutschen Publikums entspricht. Daher sollen im Folgenden nicht nur Motive für die deutsche Initiative zur Abschaffung der Sprachregelung aufgezeigt werden, sondern diese auch in den Kontext der deutschen Musiklandschaft eingebettet werden.
Bei der Recherche zum Themenkomplex ESC und speziell zur Sprachenregelung musste ich verwundert feststellen, dass im deutschsprachigen Raum wenig bis gar keine Forschungsliteratur dazu vorhanden ist. Wie schon eingangs berichtet, beschäftigt sich im Besonderen der Journalist Jan Feddersen mit dem Grand Prix. In seinen beiden Veröffentlichungen „Merci, Jury!“ (2000) und „Ein Lied kann eine Brücke sein“ (2002) dokumentiert der Autor sowohl den deutschen Vorentscheid als auch das internationale Finale seit 1956. Ferner liefern die nationalen sowie die internationalen Internetseiten der großen ESC-Fangemeinschaft aufschlussreiche Informationen in Form von Jahrestabellen und Statistiken. Zudem stellt auch der NDR als Organisator und Ausrichter des deutschen Grand-Prix-Vorentscheids in seinem Internetportal hilfreiche Hintergrundinformationen und Zusatzmaterial zu den deutschen und internationalen Teilnehmern und deren Titeln zur Verfügung. Jedoch findet sich weder bei Feddersen noch bei den Foren der Fanclubs und des NDR eine kritische Auseinandersetzung mit der ESC-Sprachenregelung, die einem Forschungsansatz dienlich sein könnte.
Hinsichtlich der thematischen Ausrichtung der vorliegenden Untersuchung beinhaltet nur die in der Fachzeitschrift Medien & Kommunikationswissenschaft publizierte Studie von Wolfgang Schweiger und Hans-Bernd Brosius (2003) interessante und aktuelle Aspekte. Unter dem Titel „Eurovision Song Contest – beeinflussen Nachrichtenfaktoren die Punktevergabe durch das Publikum?“ beleuchtet die Untersuchung aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht den Einfluss von verschiedenen Faktorenbündeln auf die Reaktion des ESC-Publikums. Aufgrund der praktisch nicht existenten Forschungsliteratur zur Sprachenwahl beim ESC beziehe ich mich im Folgenden primär auf die deutschsprachige Tagespresse sowie das Internet als Informationsquellen.
Zudem war es mir auch nach wiederholten Nachfragen bei der EBU leider nicht möglich, hilfreiche Hintergrundinformation bezüglich der Thematik von den Organisatoren des ESC zu bekommen. Diesbezüglich wurde mir von Seiten der EBU erklärt, es läge kein Pressematerial zu dieser Thematik vor. Die einseitige Informationslage in Bezug auf den ESC verdeutlicht, dass diesem als größten internationalen Unterhaltungswettbewerb seiner Art zwar jährlich ein ausgeprägtes öffentliches Interesse entgegengebracht wird, jedoch nicht im Sinne einer ernsthaften Auseinandersetzung. Für eine solche besitzt der ESC aber durchaus Potential, denn im Kontext der Veranstaltung werden wirtschaftliche, musikalische, politische und eben auch sprachliche Realitäten widergespiegelt.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| A. | Fragestellung und Forschungsstand | 1 |
| B. | Vorarbeiten | 4 |
| 1.1 | Die European Broadcasting Union: Geschichtlicher Überblick und zentrale Tätigkeitsfelder | 4 |
| 1.2 | Rechte und Pflichten der „Aktiven Mitglieder“ der EBU | 8 |
| 2.1 | Der Eurovision Song Contest: Entstehungsgeschichte und Teilnehmer des Wettbewerbes | 12 |
| 2.2 | Das Wertungssystem und der Abstimmungsmodus beim ESC | 17 |
| 2.3 | Die Sprachenregelung beim ESC in der Vergangenheit und heute | 19 |
| 2.4 | Die Modernisierung des ESC und des deutschen ESC-Vorentscheids | 21 |
| 3. | Die deutsche Sprache und ihre internationale Bedeutung | 27 |
| C. | Möglichkeiten empirische Forschung | 33 |
| 1. | Zentrale Fragestellung und bisherige Sekundärforschung | 33 |
| 2. | Exkurs: Lösungsvorschlag am Beispiel des „Conjoint-Measurments“ | 39 |
| D. | Analyse der ESC-Jahrgänge 1999-2004 | 45 |
| 1.1 | Die nationalen Vorentscheide 1999 | 45 |
| 1.2 | Das ESC-Finale 1999: Jerusalem | 50 |
| 2.1 | Die nationalen Vorentscheide 2000 | 53 |
| 2.2 | Das ESC-Finale 2000: Stockholm | 57 |
| 3.1 | Die nationalen Vorentscheide 2001 | 59 |
| 3.2 | Das ESC-Finale 2001: Kopenhagen | 64 |
| 4.1 | Die nationalen Vorentscheide 2002 | 66 |
| 4.2 | Das ESC-Finale 2002: Tallinn | 70 |
| 5.1 | Die nationalen Vorentscheide 2003 | 72 |
| 5.2 | Das ESC-Finale 2003: Riga | 77 |
| 6.1 | Die nationalen Vorentscheide 2004 | 79 |
| 6.2 | Das ESC-Finale 2004: Istanbul | 88 |
| 7. | Zusammenfassung der Analyseergebnisse | 93 |
| E. | Übergreifende Bewertung und kontextuelle Einordnung der Ergebnisse | 100 |
| Appendix A | 116 | |
| A1 | Aktive Mitglieder der EBU | 116 |
| A2 | Assoziierte Mitglieder und Beteiligte Mitglieder der | 118 |
| A3 | Sister Unions der EBU | 120 |
| Appendix B | 121 | |
| B1 | Die 42 ESC-Teilnehmerländer 1956-2004 | 121 |
| B2 | Vorgetragene Sprachen beim ESC 1956-2004 | 122 |
| Appendix C | 124 | |
| C1 | E-Mail Korrespondenz EBU | 124 |
| C2 | Fragebogen an Michael Sonneck | 125 |
| Bibliographie | 127 |
Vorentscheidungen in den Ländern Türkei, Spanien, Portugal, Israel und BosnienHerzegowina. Zudem blieben Spanien, Portugal und Israel auch beim Grand Prix standhaft, denn sie präsentierten auch dort ihren Titel in der jeweiligen Landessprache. Im Gegensatz dazu richteten die Türkei und BosnienHerzegowina zwar ihre Vorentscheide in der jeweiligen Landessprache aus, fügten beim ESC ihren Titeln jedoch teilweise englische Übersetzungen hinzu. Abschließend noch die Gruppe derjenigen Länder, die ihren Vorentscheid-2001 gänzlich mit landessprachlichen Liedern bestückten, jedoch beim ESC anschließend einen englischen Titel präsentieren. Mit Schweden, Dänemark, Island und Slowenien handelte die Mehrheit der fünf Länder aus dieser Kategorie nach bewährtem Muster. Nur Kroatien, das im Vorjahr einen sprachlich gemischten Vorentscheid veranstaltet hatte, wechselte beim ESC-2001 zum ersten Mal von der Landessprache zum Englischen. Die Vertreter Islands sangen beim ESC nicht nur in Englisch, sondern gaben sich zudem einen englischen Namen: aus Kristján Gí slason & Gunnar Ólason wurde der Bandname “Two Tricky”. [...]
Ladies and gentlemen, please put your patsche hands together For the sensational supersack of German television, Stefan Raab! […] Wadde hadde dudde da? Hadder denn da wat, un wenn ja, wat hadder da Hadder da watt glatt, oder hadder da wat haar da Hadder da wat, wat sonst keiner hat Oder hadder dat auf dat, dat wadder da hat Dat wadder da da hat, dat hadder nu ma da Dabei war ja gar nicht klar, dat dat dat da war Wat dat war, dat war unklar Um darum sammer domma bidde, wadde hadde dudde da? I am so curious, I just wanna know whatta you there have (Diggiloo 2000) [...]
Der deutsche Vorentscheid-2000 war das Jahr von Stefan Raab, der die Veranstaltung mal wieder zu einer Comedy-Show umfunktionierte und diese anschließend mit großem Vorsprung gewann.35 Erst zwei Jahre zuvor hatte Raab sich - als Persiflage auf Ralph Siegel - als „Alf Igel“ ausgegeben und mit seinem für Guildo Horn produziertem Lied „Guildo hat euch lieb“ Aufsehen erregt. Diesmal wollte Raab jedoch selbst als Künstler am Grand Prix teilnehmen und mobilisierte zu diesem Zweck insbesondere die Zuschauer seiner eigenen Fernsehsendung TV-Total. Doch zunächst einige Informationen zum übrigen Starterfeld des Vorentscheids, welches aus insgesamt elf Kandidaten bestand. Erneut anwesend war auch die blinde Sängerin Corinna May, für die der „GrandPrix-Veteran“ Ralph Siegel das Lied „I believe in God“ komponierte. Für May schien nur ein Titel in Englischer Sprache in Frage zu kommen, denn nach dem verlorenen Vorentscheid-2000 antwortete sie in einem Interview auf die Frage, ob sie in Zukunft deutschen Schlager singen werde: „Gott bewahre. Ich habe nur im vergangenen Jahr für den Grand Prix ein deutsches Stück gesungen. Jetzt singe ich nur noch englischen Pop“ (Stern 11.05.2000: 25). Doch gerade die deutschsprachigen Lieder zeichneten sich hinsichtlich des musikalischen Genres durch besondere Vielfalt aus. In diesem Zusammenhang wären zu nennen der Raptitel „Fliegen“ der Formation Lotto King Karl & Die Barmbek Dream Boys fishering ROH, oder die Gruppe Knorkator mit ihrem sehr rockigen Beitrag „Ick [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832481797
Arbeit zitieren:
Klapheck, Eva-Maria Juli 2004: Die Sprachenwahl beim Eurovision Song Contest und ihre Auswirkungen und Konsequenzen, Hamburg: Diplomica Verlag
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European Broadcasting Union, Grand Prix d`Eurovision, Deutscher Vorentscheid, Musik, ESC



