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Sportzuschauer und ihre Kontrollillusion

Sportzuschauer und ihre Kontrollillusion
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Thorsten Post
  • Abgabedatum: September 2001
  • Umfang: 157 Seiten
  • Dateigröße: 2,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5789-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5789-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5789-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Post, Thorsten September 2001: Sportzuschauer und ihre Kontrollillusion, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Soziale Kontrolle, Identifikation, Fußballfans, Sportpsychologie, Sozialpsychologie

Magisterarbeit von Thorsten Post

Einleitung:

Der Sport, und hierzulande insbesondere der Fußball, nimmt einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft ein, und die Literaturlage zu diesem Themenkomplex stellt sich dementsprechend breit gefächert dar. Von je her, seit der Fußball sich zum Zuschauersport entwickelte, interessierten die Autoren neben dem sportlichen Geschehen an sich, vor allen Dingen die Menschen, die, sei es lediglich als passive Rezipienten, oder besser noch als aktive Sympathisanten der Athleten an solcherlei Sportveranstaltungen partizipierten, deren Gemüt und Empfinden offensichtlich durch den Anblick der Sportdramatik bereichert wird.

Viele dieser Verhaltensweisen lassen sich in die heutige Zeit transportieren und bei aktuellen Sportveranstaltungen wiederfinden. Das „Phänomen“ Fußballfan als Zielobjekt der Wissenschaft hat im Laufe der Jahre eine enorme Entwicklung durchlaufen und immer extreme Auswüchse gebildet: Von den Anfängen im England des 19. Jahrhunderts, über die Etablierung der Gewalt und einer sogenannten „Hooliganszene“ seit Beginn der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, bis hin zu dem modernen, komfortverwöhnten Typus „Edelfan“, der in den VIP- Lounges aller Fußballarenen dieser Welt zu hause ist, und sich in den Mannschaftsfarben präsentiert, weil dies gerade als besonders „schick“ gilt. Die genannten Erscheinungsformen stehen in diesem Zusammenhang exemplarisch für eine Gruppe unserer Gesellschaft, die so vielfältig und schillernd ist, wie sich ihre Mitglieder in der Regel selbst optisch präsentieren. In der Öffentlichkeit wurde jedoch zunehmend, weniger die Gruppe der Sportzuschauer als vielmehr die der Fans, insbesondere nach den Katastrophen von Brüssel und Sheffield weitestgehend auf ihr vermeintliches Gewaltpotential reduziert und demzufolge oftmals mit der mit der sich mehr und mehr vom Sport separatisierenden Hooliganszene fälschlicherweise gleichgesetzt, und auch die Wissenschaft (u.a. Psychologie und Soziologie) nahm sich insbesondere diesem negativen Begleitumstand der Sportveranstaltungen an. Darüber hinaus reichend, ist die wissenschaftliche Literaturlage neben Beiträgen zur Motivlage der Zuschauer hinsichtlich des Besuchs einer Sportveranstaltung sowie zu ihren offensichtlichen Verhaltensweisen innerhalb der Arena, nur relativ dünn, weshalb tiefergehende Erkenntnisse über die Sportzuschauer und -Fans meist im Verborgenen bleiben.

Diese Tatsache bildet den Anstoßpunkt der vorliegenden Arbeit, deren Ziel es sein soll, auf einem wissenschaftlich weitestgehend unerforschten Gebiet herauszuarbeiten, welche Prozesse dazu führen, dass Sportzuschauer, und innerhalb dieser Gruppe insbesondere die ausgewiesenen Fans einer bestimmten Mannschaft (aufgrund der außerordentlichen Popularität dieser Sportart hierzulande, sind in diesem Falle speziell die Fußballfans von Interesse) daran glauben, auf welche Weise auch immer, auf die sportlichen Geschicke und somit in direktem Maße auf die Leistung der Athleten einwirken zu können, und somit eine Möglichkeit der Einflussnahme bzw. der Kontrolle zu besitzen. Sicherlich spielt die diesbezügliche Bestätigung von Seiten der Sportler, Trainer und Journalisten eine entscheidende Rolle, deren Aussagen hinsichtlich des leistungsfördernden Einflusses, insbesondere des Heimpublikums, sich wie ein roter Faden durch die Medienlandschaft ziehen. Die allgemeine Fragestellung gewinnt jedoch unter Berücksichtigung der kontroversen wissenschaftlich gestützten Erkenntnis, dass die Möglichkeit einer, zumindest zielgerichtet eingesetzten, Einflussnahme von Seiten der Zuschauer, grundsätzlich nicht aufrecht erhalten werden kann, zusätzlich an Relevanz.

Was ist also dran an der Kontrollmöglichkeit des Stadionpublikums, welches so gerne beispielsweise von den aktiven Fußballern vielsagend als „12. Mann“ bezeichnet wird? Diese Frage zu beantworten, bzw. die aus der Lektüre der wissenschaftlichen Literatur gewonnene Erkenntnis, dass es sich dabei weniger um Kontrolle, als vielmehr um eine Kontrollillusion handelt, zu bestätigen, ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit.

Gang der Untersuchung:

Hierzu wird zunächst eine definitorische Differenzierung und Charakterisierung der Zuschauerschaft anhand ihrer motivationalen Hintergründe sowie ihrer demografischen Merkmale vorgenommen, ehe die Entwicklung eines sportinteressierten Individuums hin zum ausgesprochenen Fan auf der Grundlage von Identifikationsprozessen vor dem Hintergrund der Herausbildung einer positiven sozialen Identität, skizziert werden soll. Diese geschilderten Identifikationsprozesse, und damit zusammenhängend die Zentralisierung des Identifikationsobjektes im Leben seiner Anhänger, zeichnen auch verantwortlich für die Entwicklung eines ausgeprägten Kontrollbedürfnisses selbiger, woraufhin das theoretische Konstrukt der „Kontrolle“ u.a. in bezug auf seine motivationalen und strukturellen Aspekte dargestellt werden soll, ebenso wie die negativen Folgen, die mit einem Kontrollverlust einhergehen, so dass vor diesem Hintergrund die Entstehung des Konstruktes der Kontrollillusion, verständlich wird.

Die Konzeption der Illusion von Kontrolle, welche allgemein besagt, dass objektiv nicht zu beeinflussende Lebenssituationen dennoch von Seiten eines Individuums „kontrolliert“ werden, kann je nach Art des ausgewählten Kontrollmechanismus, situationsabhängig vielfältige Erscheinungsformen annehmen. Einige Beispiele hierfür liefert Langer. In einem konkreten Bezugsrahmen wird im Folgenden der (zumeist behaviorale) Einfluss von Sportzuschauern auf die Leistung der Akteure auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien analysiert, ehe die resultierende Erkenntnis, dass sportliche Wettkämpfe in der Regel nicht von Seiten des Publikums zielgerichtet beeinflusst werden können und demzufolge auch nicht vorhersehbar sind, anhand einer eigenen empirischen Studie untermauert werden soll, deren vorrangiges Ziel es sein wird, nachzuweisen, dass ausgewiesene Fans einer Mannschaft der 1. Fußballbundesliga sich hinsichtlich eines Tippspiels bezüglich der Spielpaarungen des 1. Spieltages der Bundesligasaison 2001/2002 (welches eine objektiv nicht zu kontrollierende Situation repräsentiert, da der Spielausgang einer Bundesligapartie zwar nicht ausschließlich vom Zufall abhängig ist, jedoch nicht mit einhundertprozentiger Sicherheit vorhergesagt werden kann), dahingehend in ihrer Tipptendenz von den übrigen Testpersonen unterscheiden, dass sie einer aus den Identifikationsprozessen resultierenden Kontrollillusion, speziell im Hinblick auf die subjektive Informationsaufnahme und -Verarbeitung, unterliegen, derzufolge sie eine Überschätzung des Leistungsvermögens „ihrer“ Mannschaft vornehmen, die als vermeintliche Kontrolle gedeutet werden kann und in einem erhöhten Geldeinsatz sowie einer erhöhten Wahrscheinlichkeitseinschätzung bezüglich eines Sieges dieser Mannschaft ihren Ausdruck findet.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Problemstellung 1
2. Theoretischer Hintergrund 4
2.1 Sportzuschauer 4
2.1.1 Differenzierung des Sportpublikums 4
2.1.2 Demografische Merkmale 9
2.1.3 Zuschauermotivationen 13
2.2 Identifikation 17
2.2.1 Begriffsdefinition 17
2.2.2 Selbstkonzept und Soziale Identität 18
2.2.3 Identifikation mit Sportmannschaften 20
2.2.3.1 Motive 21
2.2.3.2 Ausprägungen 24
2.3 Kontrolle 26
2.3.1 Begriffsdefinition 27
2.3.2 Kontrollmotivation 29
2.3.2.1 Situative Einflussfaktoren 33
2.3.2.2 Individuelle Unterschiede 34
2.3.3 Kontrollkonzept 35
2.3.3.1 Kontrollvorgang 35
2.3.3.2 Differenzierungen 36
2.3.4 Strukturelle Aspekte personaler Kontrolle 37
2.3.4.1 Der Ansatz nach J.R. Averill 38
2.3.4.2 Der Ansatz nach S.C. Thompson 43
2.3.5 Geringe personale Kontrolle und Kontrollverlust 47
2.3.5.1 Theorie der gelernten Hilflosigkeit 48
2.3.5.2 Reaktanztheorie 50
2.3.5.3 Das integrative Modell 53
2.3.6 Kontrollillusion 55
2.3.6.1 Erklärungsansätze 57
2.3.6.2 Die Experimente von E.J. Langer 59
3. Zuschauer und die Beeinflussung sportlicher Leistung 65
3.1 Kontrollbedürfnisse von Sportzuschauern 65
3.2 Einfluss von (Sport)Zuschauern 66
3.2.1 Passive Zuschauer 67
3.2.1.1 „Drive theory of social facilitation“ 67
3.2.1.2 „Mere presence theory“ 68
3.2.2 Aktive Zuschauer 70
3.2.2.1 Distraktion 70
3.2.2.2 Feedback 71
3.2.2.3 Selbstpräsentation 72
3.2.2.4 Öffentliche Erwartungen 73
3.2.3 Zusammensetzung des Publikums 74
3.2.3.1 Das „Averaging- summation“ Modell 74
3.2.3.2 Die „Social impact“ Theorie 75
3.2.4 Heimvorteil 76
3.3 Effizienzanalyse: Kontrolle oder Kontrollillusion? 79
4. Formulierung der Arbeitshypothesen 82
5. Methode 85
5.1 Darstellung des Untersuchungsgegenstandes und Ablaufschema der Untersuchung 85
5.2 Untersuchungsteilnehmer 85
5.3 Untersuchungsdurchführung 86
5.3.1 Untersuchungszeitraum 86
5.3.2 Auswahl der Testpersonen 86
5.3.3 Der Fragebogen 87
5.3.3.1 Fußballinteresse und Mannschaftspräferenz 87
5.3.3.2 „Team Identification Scale“ 88
5.3.3.3 Persönlichkeitsmerkmale 89
5.3.4 Das Tippspiel 90
5.3.4.1 Spielausgang 90
5.3.4.2 Einsatz 90
5.3.4.3 Wahrscheinlichkeit 91
5.4 Untersuchungsauswertung 91
6. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse 92
6.1 Darstellung der Ergebnisse des Fragebogenanteils 92
6.1.1 Persönlichkeitsmerkmale 92
6.1.2 Fußballinteresse 94
6.1.3 Teamidentifikation und Mannschaftspräferenz 95
6.2 Darstellung und Interpretation der hypothesenrelevanten Ergebnisse 99
6.2.1 Tippspielergebnisse der Spielpaarungen 99
6.3 Überprüfung der Arbeitshypothesen 107
6.3.1 Spielausgang 108
6.3.2 Einsatz 112
6.3.3 Wahrscheinlichkeit 115
6.3.4 Unterschiede in Abhängigkeit von der Identifikationsstärke 121
7. Diskussion 123
8. Zusammenfassung 126
9. Literaturverzeichnis 129
10. Anhang 137
A. Grafische Aufbereitung der spielpaarungsrelevanten Ergebnisse 137
B. Datenerhebungsbogen 146

Automatisiert erstellter Textauszug:

61 Die Ergebnisse unterstützten die Vermutung: Die Untersuchungsteilnehmer wetteten im Durchschnitt höhere Geldbeträge (16.25 Cent) gegen den unkompetent erscheinenden Kontrahenten, als gegen den vermeintlich kompetenten (11.04 Cent). Sie schätzten also unter dieser Art von Wettbewerbsbedingung ihre Gewinnchancen deutlich höher ein, als diese tatsächlich waren. Experiment 2: Der Einfluss von Wahlmöglichkeiten auf die Illusion von Kontrolle In ihrem zweiten Experiment zu diesem Thema teste Ellen Langer den Einfluss der Entscheidungsfreiheit unter mehreren Möglichkeiten auf die Kontrollillusion, als einen aus zufallsunabhängigen Spielsituationen bekannten Hinweisreiz. Hierzu wurden die Versuchspersonen zu Teilnehmern an einer Lotterie. Die eine Gruppe der Vpn hatte die alleinige Entscheidungsfreiheit, eigenhändig ein Los zu ziehen, die andere Gruppe bekam ihr Lotterielos direkt vom Versuchsleiter zugeteilt. Einen Tag darauf erhielten die Versuchsteilnehmer unter einem Vorwand die Möglichkeit, ihr Ticket für einen selbst festzulegenden Preis zu verkaufen. Langer stellte nun die Vermutung auf, dass die Vpn, die eigenhändig ihr Los gezogen hatten, beim Verkauf einen höheren Preis dafür verlangen würden, als diejenigen, die diese Wahlmöglichkeit nicht hatten. Langers Hypothese wurde bestätigt: Die Versuchsteilnehmer schätzten ihre Gewinnchancen bei selbst gezogenen Lotterielosen deutlich höher ein und zeigten somit eine höhere Kontrollillusion als die Teilnehmer deren Lose ihnen zugeteilt wurden. Die Vpn der „choice condition“ verkauften ihre Tickets für durchschnittlich 8.67 $, während die Vpn der „no- choice condition“ dafür im Mittel nur 1.96 $ verlangten. Experiment 3: Der Einfluss von Bekanntheit einiger Aspekte der Situation auf die Illusion von Kontrolle Im dritten Experiment der Reihe wurde die Vermutung aufgestellt, dass das Vorhandensein von Reizen, die dem Versuchteilnehmer bekannt sind und mit denen er etwas ver- [...]

60 den bereits beschriebenen positiven Auswirkungen auf die menschliche Psyche führen kann. Sie definierte in ihren Experimenten die Illusion von Kontrolle über die höhere Einschätzung von persönlichem Erfolg als dieser eigentlich ist, in dem Sinne, dass ein Individuum glaubt, Ereignisse kontrollieren zu können, auf deren Eintreten oder Nichteintreten es in Wirklichkeit keinen Einfluss hat. Langer (1975) legte allen folgenden Experimenten zugrunde, dass bei Spielen deren Ausgang nicht vom Zufall abhängig ist, ein enger Zusammenhang zwischen dem Verhalten und dem Ergebnis besteht. Bei Zufallsexperimenten fehlt dieser Zusammenhang. Eine Übertragung einiger Erfahrungswerte aus Spielsituationen, bei denen der Ausgang von den eigenen Fähigkeiten oder Anstrengungen abhängig ist, wie etwa die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten, Bekanntheit einer Situation, Wettbewerb oder persönliche Involviertheit, auf Spielsituationen deren Ausgang ausschließlich vom Zufall abhängt, würde demnach bewirken, dass die Individuen dadurch auch in diesen Situationen zuversichtlicher bezüglich der Erfolgsaussichten sind und die Situation kontrollierbarer einschätzen, als diese in Wirklichkeit ist. In sechs Experimenten untersuchte Langer nun den Einfluss der oben genannten Erfahrungswerte auf die Illusion von Kontrolle: Experiment 1: Der Einfluss von Wettbewerb auf die Illusion von Kontrolle Eine Komponente eines zufallsunabhängigen Spiels ist der Wettbewerb mit mindestens einer weiteren Person, um herauszufinden, wer der Beste ist. Ellen Langer stellte die Hypothese auf, dass die Übertragung dieses Faktors auf ein zufallsabhängiges Spiel zu einer Erhöhung der Kontrollillusion führt. Diese Kontrollillusion ist jedoch stark abhängig von den charakterlichen Eigenschaften des Kontrahenten. Langer ließ nun die Versuchspersonen in einem Glücksspiel Geldbeträge von 0 Cent bis 25 Cent gegen einen entweder kompetent- oder weniger kompetent erscheinenden Gegner setzen. Sie stellte die Vermutung auf, dass die Vpn ihre Wetteinsatzentscheidungen aufgrund der Gewinnwahrscheinlichkeit treffen würden, so dass sie wegen der höhererscheinenden Gewinnchance gegen einen unkompetent erscheinenden Gegner höhere Geldbeträge setzen würden und umgekehrt. [...]

59 Auswirkungen für die Psyche des Menschen, wie Stressinduktion, Passivität, etc) zu reduzieren und zu minimieren. Zu diesen Kompetenzbestrebungen gehört ebenfalls, dass das Individuum versucht, objektiv unkontrollierbare Situationen unter seine Kontrolle zu bringen. Der zweite Ansatz bestätigt zwar eine grundsätzliche Annahme eines Zusammenhangs zwischen Kontrollmotivation und Kontrollillusion, verweist jedoch auf eine Reihe von informationsverarbeitenden Alternativerklärungen, die ohne den Rückgriff auf motivationale Einflüsse auskommen. Diesem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass die Personen fehlerhafte Einschätzungen zum Teil als Folge von früheren Erfahrungen über Erwartungen treffen (Frey et al., 1981). So ist ihnen beispielsweise der Zusammenhang bekannt, dass erwünschte Handlungsergebnisse sich durch Ausübung von Kontrolle oder allgemeines Üben verbessern lassen bzw. generell häufiger auftreten. Daraufhin werden falsche Umkehrschlüsse gezogen, in dem Sinne, dass eine Situation kontrollierbar ist, etwa wenn gewünschte Ergebnisse häufig auftreten. Jedoch ist es auch in vom Zufall abhängigen Situationen, in denen objektiv keine Kontrolle hinsichtlich der zu erwarteten Ergebnisse ausgeübt werden kann, durchaus möglich, dass gewünschte Ergebnisse (zufällig) häufiger auftreten. Der dritte Ansatz, welcher gewissermaßen die Kernthesen der zuvor beschriebenen Erklärungsmodelle in sich vereinigt, geht demnach von einem möglichen Zusammenhang von motivationalen- und informationsverarbeitungstheoretischen Faktoren aus, die zum Auftreten einer Kontrollillusion beitragen. Frey et al. (1981) beispielsweise sehen den Zusammenhang dadurch gegeben, dass die motivationale Signifikanz einer Situation einer der Faktoren sein könne, die zur Bildung oder Aktualisierung spezifischer Schemata, Erwartungen oder Theorien führen, die dann wiederum die Informationsaufnahme und –Verarbeitung steuern. 2.3.6.2. Die Experimente von Ellen J. Langer Im folgenden Abschnitt werde ich mich aufgrund des großen Interesses für meine Arbeit anhand der Experimente von Ellen J. Langer näher mit dem Thema Illusion von Kontrolle beschäftigen. In einer ganzen Reihe von Experimenten bestätigte Langer 1975 die aufgestellte Hypothese, dass bereits die Illusion einer Kontrollmöglichkeit über gewisse Ereignisse, zu [...]

Arbeit zitieren:
Post, Thorsten September 2001: Sportzuschauer und ihre Kontrollillusion, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Soziale Kontrolle, Identifikation, Fußballfans, Sportpsychologie, Sozialpsychologie

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