Sportwissenschaftliche Informationen in den neuen Medien
Präsentation, Pflege, Recherche und Archivierung mit modernem Content Management
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Philipp Wanning
- Abgabedatum: Dezember 2004
- Umfang: 121 Seiten
- Dateigröße: 2,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
- Bibliografie: ca. 159
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0789-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wanning, Philipp Dezember 2004: Sportwissenschaftliche Informationen in den neuen Medien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sportinformatik, Elektronisches Publizieren, Graue Literatur, OAI, Content Management
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Staatsexamensarbeit von Philipp Wanning
Einleitung:
Das Vorlesungsverzeichnis im Internet, ein Beamer im Hörsaal und die schnelle Referatsvorbereitung dank „Google“: Dass dies nicht alles sein konnte, was die Sportwissenschaft vom Informationszeitalter zu erwarten hatte, war für mich während des Studiums immer mehr als nur eine Hoffnung.
Auch wenn an unserem Institut sportinformatorische Themen bisher keine Rolle spielten, blieben mir die hoffnungsvollen Signale „aus der Ferne“ – zum Beispiel durch die Dokumentation des Projekts „Sportwissenschaft ins Internet“ – nicht verborgen.
Dabei stand für mich – als Betreuenden des institutseigenen Internetangebots – immer der Gedanke einer effizienten Verbreitung sportwissenschaftlicher Informationen über die Neuen Medien im Zentrum meines Interesses. So rieb ich mich beispielsweise beim Aufschlagen der „dvs-Informationen“ aus dem März 2001 an dem fehlenden Merkmal wissenschaftlicher Publikationen im Analyseraster der Untersuchung institutioneller Internetauftritte, genauso wie ich mich über die im gleichen Heft dargestellte Vision eines vernetzten Internetportals für die Sportwissenschaft freute.
Daher möchte ich den Rahmen dieser Examensarbeit nutzen, um einen Überblick der Sportinformatik im Allgemeinen zu erarbeiten, das Thema der elektronischen Publikation weitergehend zu untersuchen und diese Elemente abschließend in einer praktischen Anwendung zusammenzuführen.
Dementsprechend ist auch meine Arbeit in einen theoretischen Abschnitt mit dem Titel „Neue Medien und Sportwissenschaft“ sowie einen praktischen Bereich unter der Überschrift „Online-Publikation und Content Management“ aufgeteilt.
Die deutlich umfangreicheren theoretischen Betrachtungen bewegen sich dabei von einer medientheoretischen Analyse über die Bedeutung der Neuen Medien innerhalb der Wissenschaft zu den diesen Teil bestimmenden Punkten „Sportinformatik“ und „Elektronisches Publizieren“. In der Annahme, dass die Sportinformatik innerhalb der Sportwissenschaften eher ein Nischendasein fristet, wurde ich von der Vielzahl der vorgefundenen Arbeiten doch überrascht. Da das Standardwerk von Prof. Dr. J. Perl schon 1995 konzipiert wurde, arbeitete ich mich im Kontext der aktuellen Entwicklungen durch das dort dargestellte Spektrum der Sportinformatik.
Eine dieser Entwicklungen ist die Elektronische Publikation, der bezüglich unseres Produktions- und Rezeptionsverhaltens – nicht nur in der Wissenschaft – ein revolutionäres Potential nachgesagt wird. Inwieweit hier Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmen und welche Entwicklungen in der Zukunft zu erwarten sind, ist Inhalt des gewichtigsten Teils meiner Arbeit, der sich besonders auf die Untersuchungen zum Thema „E-Journals“ stützt.
Nach der theoretischen Erörterung der „Elektronischen Publikation“ setze ich dieses Thema in die Praxis um. Unter dem Titel „Online-Publikation und Content Management“ stelle ich abschließend die Implementierung des Content Management Systems Imperia mit dem Schwerpunkt einer – aus informationstheoretischer Sicht optimierten – Veröffentlichung digitaler Dokumente des Instituts für Sportwissenschaften der Universität Hannover vor.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Einleitung | 1 |
| II. | Neue Medien und Sportwissenschaft | 3 |
| 1. | Die Definitionsproblematik | 3 |
| 2. | Neue Medien in der Wissenschaft | 8 |
| 2.1 | Auswirkungen auf die universitäre Lehre | 8 |
| 2.2 | Einsatz Neuer Medien in der Forschung | 9 |
| 3. | Sportinformatik | 12 |
| 3.1 | Entwicklung | 12 |
| 3.2 | Gegenstands- und Anwendungsbereiche | 14 |
| 4. | Elektronisches Publizieren | 30 |
| 4.1 | Grundlagen | 30 |
| 4.2 | Kategorien | 31 |
| 4.3 | Elektronische Bücher (E-Books) | 34 |
| 4.4 | Elektronische Zeitschriften (E-Journals) | 37 |
| 4.5 | Graue Literatur | 79 |
| III. | Online-Publikation und Content Management | 89 |
| 1. | Ziel des Projekts | 89 |
| 2. | Einsatz eines Content Management Systems am IFSW | 90 |
| 2.1 | Systemauswahl | 90 |
| 2.2 | Frontend-Entwicklung | 91 |
| 2.3 | Architektur | 93 |
| 2.4 | Produktion | 94 |
| 3. | OAI-konforme Publikation | 96 |
| 3.1 | Theoretische Grundlagen | 97 |
| 3.2 | Realisierung am IFSW | 103 |
| IV. | Schlussbetrachtungen | 107 |
| V. | Literaturverzeichnis | 111 |
Textprobe:
Kapitel 3, Sportinformatik:
Die Sportinformatik, als Teildisziplin der Sportwissenschaft, versteht sich nicht nur als Nutzer von Standard-Lösungen der Informatik, sondern ebenso als Modellierer und Entwickler originärer Systeme. Der Einsatz von Computern zur reinen Verarbeitung großer Datenmengen (z.B. Archivierung, Dokumentation, statistische Auswertung, Präsentation) erscheint als Basis für eine Teilwissenschaft nicht ausreichend, erst die Entwicklung eigener Lösungen sowie die Integration informatorischer Theoriemodelle werden wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht.
Entwicklung:
Wie in den meisten geisteswissenschaftlichen Bereichen, war der erste Kontakt zwischen Datenverarbeitung und der Sportwissenschaft eher verhalten. Die ersten Berührungspunkte entstanden parallel zur aufkommenden EDV-Nutzung an den Universitäten Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Initiiert waren sie zum Großteil durch die bestehenden Probleme im Bereich der empirischen Auswertungen und Literatur-Recherche. Obwohl auch zu dieser Zeit schon der Begriff Sportinformatik geprägt und die ersten wissenschaftlichen Diskurse entstanden, beschränkte sich der praktische Einsatz in Forschung und Lehre noch auf die Nutzung des Computers als reines Werkzeug.
Erst nach etwa zehn Jahren nahm, besonders durch das Aufkommen der günstigen Personal Computer (PC), das Interesse an der Nutzung der EDV in der Sportwissenschaft stark zu. Parallel dazu entstanden auch eigenständige sportinformatorische Forschungsarbeiten, welche durch den seit 1989 stattfindenden Workshop „Sport & Informatik“ eine erste institutionelle Basis erhielten. Die dort vorgestellten Arbeiten in den Bereichen „Modellbildung“, „Einsatz relationaler Datenbanken“, „Datenerfassung, -verarbeitung und -auswertung“, „Spielbeobachtung“, „Multimedia“ und „Leistungsdiagnostik/ Trainingssteuerung“ dokumentieren einen regen Austausch innerhalb der deutschen Forschergemeinde, der 1995 zur Gründung einer eigenen Sektion „Sportinformatik“ in der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) führte.
In den folgenden Jahren öffnete sich die junge Disziplin dem internationalen Diskurs, der nun seit 1998 im Symposium „Informatik im Sport“ einen eigenen Rahmen erhalten hat. Neben neuen inhaltlichen Themen, unter denen mit dem Aufkommen des Internets besonders vernetzte Anwendungen zu finden sind, gehören auch institutionelle Fragen weiterhin zur aktuellen Diskussion. Vor allem das Berufsbild des Sportinformatikers, dessen Entstehung 1975 auf dem Kongress „Kreative Sportinformatik“ für das Jahr 2000 prognostiziert wurde, ist noch längst nicht gefestigt und die dazugehörige Ausbildung an deutschen Sportinstituten steckt noch in den Kinderschuhen. Aktuell gibt es zwei vollwertige Diplomstudiengänge und einen Magisterstudiengang im Spannungsfeld zwischen Sport und Informatik.
Seit 1993 besteht die integrierte Ausbildung zum „Diplom-Sportwissenschaftler“ bzw. zur „Diplom-Sportwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Informatik“ an der Technischen Universität Darmstadt. Seit 1997 gibt es die kooperative Ausbildung zum „Diplom-Sportingenieur (Dipl.-Sporting.)“ im Studiengang „Sport & Technik“ der Universität Magdeburg, in der die Fakultäten bzw. Fachbereiche Sportwissenschaft, Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik und Mathematik kooperieren. Seit 1998 kann an der Technischen Universität in Chemnitz der Magisterstudiengang „Sportwissenschaft und Informatik“ studiert werden, der zum Großteil aus einem parallelen Studium von Sportwissenschaft und Informatik besteht, ohne dass in der Theorie ein spezieller sportinformatorischer Anteil angeboten wird.
Neben diesen Studiengängen gibt es auch an anderen sportwissenschaftlichen Hochschulinstituten vereinzelt Angebote zur Sportinformatik. Oft sind diese Veranstaltungen allerdings rein anwendungsorientiert (so genannte EDV-Kurse) oder werden nur als Sonderveranstaltungen angeboten; kontinuierliche Ansätze sind immer noch selten zu erkennen.
Systematische Ansätze der universitären Ausbildung im Bereich Informatik im Sport, die auf die Verbesserung der allgemein-informatorischen Kompetenz abzielen, sind im Bereich der Sportwissenschaft spärlich gesät.
Das einzige Institut, das dieser Ausbildung auch einen formalen Rahmen gegeben hat, ist die Deutsche Sporthochschule Köln. Dort kann seit dem Wintersemester 2000 die 16 Semesterwochenstunden umfassende Zusatzqualifikation „Sportinformatik“ erreicht werden.
Es ist zu hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht, damit die Sportwissenschaftler die für die Arbeit in Forschung und Lehre immer wichtiger werdenden informatorischen Kompetenzen schon in ihrer universitären Ausbildung erwerben können. Dazu sollten die Angebote allerdings nicht mehr nur auf dem starken individuellen Engagement einzelner Lehrender basieren – der Aufbau von systematischen, integrierten und kontinuierlichen Aus- und Weiterbildungskonzepten ist der notwendige nächste Schritt auf dem Weg zu einer adäquaten Integration der Neuen Medien in das Studium der Sportwissenschaft.
Gegenstands- und Anwendungsbereiche:
Martin Lames beschreibt den Gegenstandsbereich der Sportinformatik in seinem Aufsatz zur Gründung der Sektion „Sportinformatik“ der dvs als eine „Kreuztabelle der Anwendungsfelder (Training und Wettkampf, Sportverwaltung, Informationsmanagement, Sportwissenschaft) mal der Bearbeitungsebenen (Werkzeuge, Konzepte, Theorienbildung)“. Im Gegensatz dazu trennt Perl zur Eingrenzung die „Einsatzbereiche“ (vergleichbar mit den Anwendungsfeldern von Lames) von den „Gegenstandsbereichen“, die bei Lames das Ergebnis der Matrix bilden. Inhaltlich unterscheiden sich die Ansätze nur wenig: Lames bietet mit seinem praxisnäheren Entwurf noch die Ebene der Unterscheidung nach „Werkzeugen“, „Konzepten“ und „Theoriebildung“, während bei Perl die einzelnen Gegenstandsbereiche aufgrund der Trennung von den Anwendungsfeldern theoretisch schärfer gefasst sind. Wenn auch Lames mit der Unterscheidung der einzelnen Bearbeitungsebenen besonders für das Verständnis zu unterscheidbaren wissenschaftlichen Formen von Sportinformatik wichtig erscheint, so orientiere ich mich in dieser Arbeit an dem generischeren Ansatz Perls, da diese Sicht die Integration aktueller Entwicklungen vereinfacht.
In der Folge stelle ich die von Perl definierten Gegenstandsbereiche „Modellbildung“, „Simulation“, „Methoden der Datenanalyse“, „Datenbanken/Expertensysteme“ und „Präsentation“ im Zusammenhang mit ihren Einsatzbereichen vor, wobei die Modellbildung und die Simulation aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für eine eigene sportinformatorische Theoriebildung in der Sportwissenschaft vertieft erläutert werden. Die Aspekte der Datenanalyse, Datenbanken, Expertensysteme und Präsentation erscheinen in ihren wesentlichen Grundzügen.
Weiterhin ergänze ich diese von Perl vorgestellten Bereiche um die Themen „E-Learning“ und „Elektronisches Publizieren“. Dies ist aufgrund der dynamischen Entwicklung in der Informatik und besonders in der noch jungen Disziplin Sportinformatik als rein inhaltliche Erweiterung im bestehenden theoretischen Konzept zu verstehen. Da das „Elektronische Publizieren“ die theoretische Basis für den praktischen Teil meiner Arbeit bildet, wird dieser Aspekt unter II.4 ausführlich behandelt.
Allerdings erscheint es aufgrund der ständig wachsenden Zahl an neuen Feldern angebracht diese abstrakter zu definieren, um den Gegenstandsbereichen ein beständiges theoretisches Gerüst zu geben. Eine solche Struktur ist auch in der durch Perl aktualisierten Darstellung der Sportinformatik, die nun „Datenbanken/ Datenverwaltung“, „Softwareentwicklung“, „Modellbildung“, „Medien“, „Kommunikationsnetze“, „Informationstechnologie“ als Schwerpunkte nennt, noch nicht abschließend zur erkennen. Einerseits ist hier eine Tendenz zur Abstraktion klar erkennbar: Aus „Expertensysteme“ wird „Softwareentwicklung“, die „Präsentation“ wird unter „Medien“ eingeordnet. Andererseits hat die Liste immer noch eher Aufzählungs- als Strukturcharakter. In ihr werden technisch definierte Teilbereiche wie Informationstechnologie oder Kommunikationsnetze neben einen so komplexen Begriff wie „Medien“ gestellt, der eine Vielzahl an pädagogischen, soziologischen und technischen Facetten vereint. Eine umfassende Theoriebildung ist in der Form eines lexikalischen Beitrags sicher auch nicht zu erwarten; jedoch scheint die Zeit nach fast 20 Jahren intensiver deutschsprachiger Forschung gekommen, der Sportinformatik ein klares Arbeitsfeld zu verleihen. Dass dieser Definitionsprozess zwangsläufig auch eine gewisse Unschärfe mit sich bringen wird, ist unvermeidlich – der Gewinn für die Disziplin wäre allerdings enorm.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836607896
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Wanning, Philipp Dezember 2004: Sportwissenschaftliche Informationen in den neuen Medien, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sportinformatik, Elektronisches Publizieren, Graue Literatur, OAI, Content Management



