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Sportspiele und Aggressivität

Versuch einer Systematisierung der „Kleinen Spiele“ aus pädagogisch-didaktischer Sicht

Sportspiele und Aggressivität
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Udo Kroack
  • Abgabedatum: Januar 1999
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 537,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7908-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7908-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7908-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kroack, Udo Januar 1999: Sportspiele und Aggressivität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gewalt, Sport, Werte, Erziehung, Pädagogik

Staatsexamensarbeit von Udo Kroack

Problemstellung:

Kindern und Jugendlichen scheint es auf den ersten Blick noch nie so gut wie heute gegangen zu sein. In den westlichen Industrienationen genießen sie ein hohes Maß an sozialer Selbständigkeit, eine vergleichsweise liberale Erziehung mit partnerschaftlich-demokratischen Eltern und breitgefächertem und selbst bestimmbaren Medien- und Freizeitangebot. Die jetzige Generation ist materiell hervorragend versorgt und früher lebensgefährliche Kinderkrankheiten sind weitestgehend besiegt bzw. relativ problemlos zu kurieren.

Sieht man allerdings genauer hin, so fällt auf, dass die Probleme der Kinder und Jugendlichen heute eher im sozialen Bereich liegen, in der Unsicherheit von Kontakten und Beziehungen. Zwar können sie die angenehmen Seiten der Wohlstandsgesellschaft für sich nutzen, sie bekommen aber auch die Nachteile zu spüren. Selbständigkeit und die Möglichkeit zur Selbstentfaltung stehen sozialer Unsicherheit und den damit verbundenen psychischen Irritationen gegenüber.

Gewalt und Aggression sind allgegenwärtig. Neben den in den Medien erscheinenden offensichtlichen Erscheinungsformen wie Krieg, Kriminalität, ausländerfeindliche Aktionen, sexueller Missbrauch etc. gibt es im Alltag unzählige weniger auffällige: Aggressionen im Straßenverkehr, in der Familie, in der Berufswelt (Mobbing), in der Schule, im Sport und subtilere Formen der psychischen Aggression (z.B. Schikanieren von Untergebenen oder von Dienstleistungspersonal).

Fast täglich berichten die Medien von Gewalttaten und aggressiven Übergriffen junger Menschen. Hierbei lässt sich feststellen, dass nicht nur die Anzahl der Gewalttaten steigt, sondern vor allem die Qualität der Aggressionen sich verändert hat. Die immer jünger werdenden „Täter“ haben immer weniger Hemmungen. Viele aggressive Verhaltensweisen werden in unserer modernen „Ellbogengesellschaft“ akzeptiert und von den meisten Erwachsenen sogar vorgelebt. Nach HURRELMANN (in: VALTIN/ PORTMANN 1995) zeigen aktuelle Studien, „dass 10 -12% der Kinder im Schulalter an psychischen Störungen vor allem in den Bereichen Leistung, Emotion und Sozialkontakt leiden. Dazu gehören auch aggressive und gewalthaltige Verhaltensweisen. Immer häufiger ist von körperlichen und psychischen Belästigungen die Rede. Viele Lehrerinnen und Lehrer berichten, die Kinder seien heute schon in der Grundschule, vor allem aber auch in der Mittelstufe nicht nur zappeliger, unruhiger und nervöser als die aus früheren Jahrgängen, sondern es nehme auch die Minderheit der ruppigen, aggressiven, gewalttätigen und sogar brutalen Schülerinnen und Schüler zu. Auch von Übergriffen auf Lehrerinnen und Lehrer wird berichtet, wobei offenbar an Hauptschule und Berufsschulen die meisten Probleme wahrgenommen werden, die oft mit der multiethnischen und kulturellen Zusammensetzung dieser Schülerschaften zu tun haben“.

Nicht nur weil die Schule von der zunehmenden Aggressivität besonders betroffen ist, sondern vor allem wegen ihres großen Einflusses auf die Kinder ist es sinnvoll, hier mit der Bekämpfung der Aggressivität zu beginnen. Die jetzigen und zukünftigen Lehrer werden besonders im pädagogischen Bereich gefordert sein, deshalb ist es notwendig, sich zum Thema Aggression Gedanken zu machen. Eine wichtige Rolle bei dieser Aufgabe spielen dabei die Sportlehrer, zum einen, weil aggressives Verhalten im Sportunterricht mehr als in anderen Fächern offen auftritt und sogar in gewisser Form dazugehört, zum andern, weil der Sportunterricht eine gute Möglichkeit bietet, die Schüler emotional geöffnet, leidenschaftlich und engagiert zu treffen und sie so positiv zu beeinflussen. Diese Überlegung spiegelt sich auch im neuen Lehrplan für das Fach Sport wider: Erziehung zur Fairness und Kooperation sind als wichtige Ziele aufgeführt und erstmals sollen diese beiden Verhaltensweisen auch in die Notengebung einfließen. Es wird also nicht länger nur auf Weiten, Zeiten und Technik, sondern auch auf die Sozialerziehung großer Wert gelegt. Um diese mit Erfolg durchzuführen benötigt man Formen des Sports, die diese gewünschten Verhaltensweisen fördern. Eine gute Möglichkeit bietet die ungeheure Vielzahl der sogenannten „Kleinen Spiele“. Sie sollen im Rahmen dieser Arbeit auf ihren pädagogischen Nutzen im Hinblick auf aggressive Verhaltensweisen untersucht und in einer bezüglich der Erziehung zum Umgang mit Aggression didaktisch sinnvollen Ordnung systematisiert werden.

Dabei sollen anfangs die bezüglich des Themas relevanten theoretischen Grundlagen angeführt werden, bevor im anschließenden praktischen Teil eine Neuordnung nach Kriterien hinsichtlich des aggressiven Gehalts der „Kleinen Spiele“ erfolgt. Zusätzlich soll noch ein Vorschlag einer progressiven Abfolge ausgewählter Spiele, die zur Erziehung zum Umgang mit Aggressionen sinnvoll erscheinen, aus der Sammlung von Erika und Hugo DÖBLER ausgearbeitet werden. Sie sollen als Anregung dienen, die übergeordneten Lehr- und Lernziele aus dem neuen Lehrplan für die bayrischen Hauptschulen im Fach Sport (siehe Seite 4) unter Verwendung der Kleinen Spiele zu erreichen. Deshalb werden einige geeignete Spiele ausgewählt, mit deren Hilfe in verschiedenen Lernschritten diese Ziele verfolgt werden und dieser Teil der Sozialerziehung verwirklicht werden sollen.

Inhaltsverzeichnis:

0. Problemstellung 3
I. Theoretischer Grundlagenteil 6
1. Begriffsklärung „Aggression“ 6
2. Konzepte zur Erklärung von Aggression 10
2.1 Triebdynamisches/ Instinkttheoretisches Aggressionsverständnis 10
2.2 Die Frustrations-Aggressions-Hypothese 11
2.3 Lerntheorethische Deutungsansätze 12
3. Katharsis durch Sport? 17
4. Vorüberlegungen zum Einsatz der Kleinen Spiele im Sportunterricht 18
II. Praktischer Teil 19
1. Begriffliche Eingrenzung „Kleine Spiele“ 20
2. Kurzbeschreibung der verschiedenen Spieltypen nach der Systematik von E. und H. DÖBLER 22
3. Auswahl der Kriterien zur Neueinteilung der „Kleinen Spiele“ 29
4. Neuordnung der Spielesammlung von E. und H. DÖBLER 34
5. Einteilung nach pädagogischen Kriterien 58
5.1 Kooperationsfördernde Spiele 58
5.2 Spiele zum Umgang mit Aggressionen 62
5.3 Pädagogisch bedenkliche Spiele 81
III. Zusammenfassung 84
Literatur 87

Automatisiert erstellter Textauszug:

B.6.3.) im Gelände: • Den Horchposten anschleichen • Anschleichen und Beobachten • Den Kuckuck suchen • Versteckspiel • Verschollene suchen • Schatzsucher • Suchspiel mit Aufgaben Bei den ersten drei Geländespielen geht es darum, sich möglichst geschickt im Freien zu bewegen, bei den anderen darum, etwas im Gelände zu finden. Auch diese Spiele laufen also „körperlos“ und ohne Aggressionen ab; auch sie wurden lediglich des Wettbewerbs wegen dieser Kategorie zugeordnet (auch Kategorie A wäre denkbar, besonders weil diese Spiele nicht direkt gegeneinander gespielt werden). B.6.4.) Partyspiele • Münze schieben • Armbeuge • Gewicht aufrollen • Löffelduell • Autorennen • Einfädeln • Bleistift aufheben • Pappdeckelrennen • Tischhockey • Wandernder Ring • Verbotene Übung • Münzenwandern • Schnelles Greifen • Kerze auspusten • Schwarz-Weiß am Tisch • Stuhlrutschen • Zündholzreise • Überholen [...]

• Indiaca; Indiacatennis • Federball • Shuttleball • Tennisspiele: Softball an der Wand, Volleyballtennis, Familytennis, Fänger in der Mitte, Kleinfeld-Tennis, Rundlauf-Tennis, Tennis als Torespiel • Fußball-Tennis B.3.3.) Torspiele • Mini-Fußballspiele: 1 gegen 1 auf ein kleines Tor, 1 gegen 1 um ein kleines Tor herum, 2 gegen 1 auf ein kleines Tor, Englisches Halbes, Strafstoßschießen, Kopfballduell, 2 Mannschaften auf 2 Tore, Breittor-Fußball, Gleitscheibenfußball • Minihockey • Streetball • Pushball Diese Spiele sind „verkleinerte“ Abwandlungen der großen Sportspiele. Durch die Beibehaltung der Grundsituationen bei gleichzeitiger Regelvereinfachung werden diese Spiele wie die „großen“ Varianten erlebt. Entscheidend für die Zuordnung der Torspiele ist, ob oder inwieweit hier Körperkontakt und instrumentelle Aggressionen vom Spielleiter zugelassen werden. Sicherlich wäre auch eine Einteilung in Kategorie C denkbar. B.4.) Kraft- und Gewandtheitsspiele • Hüpfender Kreis • Die Mühle • Rettungsdienst B.5.) Spiele zur Übung der Sinne Genaues Beobachten - Schnelles Handeln • Schuhsuchen • Die Stange fällt • Aufgepaßt! • Umgucker (Ochs am Berg) Reaktionsspiele ohne Aggressionen, ohne Körperkontakt und indirektem Wettbewerb (ohne Punktwertung), die man auch Kategorie A zuordnen könnte, zumal der Wettstreit nicht [...]

• Schlagball Hier wird nun nicht auf Gegenstände, sondern zu einem Mitspieler geworfen. Wird dies schnell genug erreicht, scheidet ein Spieler der gegnerischen Mannschaft aus, d.h. es wird geworfen, um jemand anderem einen spielerischen Nachteil zu verschaffen. Aber auch hier wäre es zuviel des Guten, eine wirklich schädigende Absicht zu unterstellen, vielmehr liegt hier eine besondere Form der Wertung vor, bei der die Punkte gesammelt werden, indem man einen Gegner ausscheiden läßt, mit anderen Worten: den Schlagballvarianten liegt eher ein „aggressives“ Punktewertungssystem als ein wirklich „aggressiver“ Spielgedanke zugrunde. B.2.4.) Grenz- und Torballspiele -ohne Gegner • Kreistorball • Kreisfußball • Bank-Torball • Torball • Ball unter die Schnur • Leinenhandball • Treiball/ Schleuderball - mit Gegner • Krebsfußball • Rollball • Turmball • Kastenhandball, -fußball • Ringhockey • (Kreis-) Korbball • Käscherball (Wasserball mit Schleuder) • Stockball (auf dem Eis) • Mini-Eishockey Bei den Grenz- und Torballspielen werden Fähigkeiten aus den großen Sportspielen in verschiedenen Situationen geschult. Die Teilnehmer vergleichen ihre Geschicklichkeit miteinander oder treten in Mannschaften gegeneinander an. Wird in diesen Spielen Körpereinsatz zugelassen, wären diese Spielformen Kategorie C zuzuordnen. [...]

Arbeit zitieren:
Kroack, Udo Januar 1999: Sportspiele und Aggressivität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gewalt, Sport, Werte, Erziehung, Pädagogik

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