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Sportrechte-Vermarkter im Fußball - Geldgeber und Einflußnehmer?

Eine kritische Analyse

Sportrechte-Vermarkter im Fußball - Geldgeber und Einflußnehmer?
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Tim Holzapfel
  • Abgabedatum: Januar 2002
  • Umfang: 161 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5770-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5770-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5770-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Holzapfel, Tim Januar 2002: Sportrechte-Vermarkter im Fußball - Geldgeber und Einflußnehmer?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Vermarktung, Zentralvermarktung, Rechtssprechung, Sportrechte-Agenturen, Kooperation

Magisterarbeit von Tim Holzapfel

Einleitung:

„Es darf nicht so weit kommen, daß Entscheidungen über den Ausgang der Spiele montags in Gütersloh oder Hamburg statt samstags in den Stadien fallen“ äußerte sich der Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, anno 1999 kritisch zum Thema einer möglichen Einflussnahme auf den Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga durch Sportrechte-Vermarkter. Anlass für Hoeneß’ Aussage war die damals kursierende Diskussion über die Möglichkeit einer Wettbewerbsverzerrung seitens des Vermarkters Ufa Sports. Am letzten Spieltag der Saison 1998/99 trafen nämlich Hertha BSC Berlin und der Hamburger SV im direkten Duell aufeinander und in beiden Vereinen hatte Ufa Sports Vertreter in den Führungsgremien positioniert. Der Gedanke der Wettbewerbsverzerrung hinsichtlich des Spielausgangs dieser Partie kam auf und warf ein schlechtes Bild auf den hiesigen Fußballsport und den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Deshalb intervenierte dieser mit einem Beiratsbeschluss zur so betitelten „Lex Ufa“ um „einen Akt sportpolitischer Hygiene“ durchzuführen, so Gerhard Mayer-Vorfelder, damaliger Ligaausschuss-Vorsitzender. Seit diesem Beschluss sind mehr als zwei Jahre vergangen und über eine mögliche Einflussnahme der Sportrechte-Agenturen auf den Spielbetrieb wird nur noch selten debattiert, weil sie in der Öffentlichkeit scheinbar kategorisch ausgeschlossen wird.

Doch konnte mit dem Inkrafttreten dieses Beschlusses eine Einflussnahme der verschiedenen Sportrechte-Vermarkter fortan wirklich verhindert werden? Werden vielleicht nicht doch geheime Absprachen an Konferenztischen über Spielausgänge getroffen? Fungieren die Agenturen ausschließlich als Geldgeber bzw. Geldbeschaffer oder üben sie nicht doch vielleicht aktiv Einfluss aus? Gibt es deshalb sogar Grund zur Annahme eines zweiten Bundesligaskandals nach 1971?

Mit diesen Fragestellungen setzt sich diese Arbeit auseinander. Ziel ist es anhand der Rückrunde in der Fußball-Bundesligasaison 2000/01 Indizien für mutmaßlich manipulierte Spiele zu finden. Grundlage sind dabei die Partien, in denen Mannschaften, die hinsichtlich der Fernsehrechte für Europapokalspiele mit derselben Vermarktungsagentur in vertraglicher Beziehung stehen, gegeneinander gespielt haben. Dafür werden insgesamt 23 Spiele analysiert und bewertet.

Gang der Untersuchung:

Zu Beginn der Arbeit wird ein geschichtlicher Abriss der Entwicklung der Vermarktung in der Sportart Fußball gegeben. Einen direkten Bezug dazu hat sowohl die geschichtliche Entwicklung der verschiedenen Fußballwettbewerbe als auch das Zusammenspiel zwischen Fußball, Fernsehen und Kommerz. Bis 1989 durften die Vereine ihre internationalen Wettbewerbsspiele selbstständig veräußern, anschließend übernahm der DFB stellvertretend für die Klubs die Vermarktung dieser Spiele.

Das Bundeskartellamt hatte 1994 fest gestellt, dass der Fußballverband mit der Zentralvermarktung ein wettbewerbswidriges Kartell ausübte. Am 11. Dezember 1997 endete der Rechtsstreit vor dem Bundesgerichtshof. Dem DFB wurde daraufhin die Ausübung dieser praktizierten Form der Vermarktung untersagt. Die Klubs vermarkten ihre Fernsehrechte an Europapokalspielen seitdem wieder selbstständig und arbeiten zunehmend mit Sportrechte-Agenturen zusammen, die den Vereinen in Fragen der Vermarktung mit professionellem Know-how zur Seite stehen. Dieser juristische Hergang wird in Kapitel 3 dokumentiert, dessen Auswirkungen in Kapitel 4 verdeutlicht werden.

Ein Exkurs verdeutlicht die Modi der europäischen Vereinswettbewerbe, ehe in Kapitel 6 eine Profil- und Funktionsdarstellung der für die Bundesliga wichtigen Sportrechte-Vermarkter erfolgt. Allen Agenturen gemeinsam ist zwar die Ambition nach finanziellem Profit – dennoch verfolgen sie jeweils unterschiedliche Schwerpunkte in Marketingangelegenheiten.

Bevor in Kapitel 9 die Beziehungen zwischen Vereinen und Vermarktern erläutert und die bestehenden Kooperationen aufgezeigt werden, erfolgt die Darstellung der „Lex Ufa“ und der Untersuchungsmethode.

Die daran anschließende Untersuchung widmet sich ab Kapitel 10 der Darstellung und Analyse von den Rückrundenspielen der Bundesligasaison 2000/01, wenn Mannschaften, die mit derselben Vermarktungsagentur in Verbindung stehen, direkt aufeinander trafen. Anhand der Resultate, Tabellensituationen und Spielverläufe wird abschließend ergründet, ob hinsichtlich der Deutschen Meisterschaft, der Champions League-, UEFA-Cup- und UI-Cup-Qualifikation eine Einflussnahme statt gefunden haben kann. Auch der Abstiegskampf bleibt in dieser Analyse nicht unberücksichtigt.

Ob es Anzeichen für mögliche Manipulationsvorwürfe gibt oder ob sich die Rolle der Vermarkter auf die Funktion der Geldgeber und -beschaffer beschränkt, wird Gegenstand der Diskussion am Ende der Arbeit sein.

Einen Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich der vor der Untersuchung geschilderten Themen erhebt diese Arbeit nicht. Die Themenbereiche werden jeweils so zusammen gefasst, dass eine Einordnung in den Gesamtzusammenhang erfolgen kann. Die geschichtliche Entwicklung des Fernsehens wird wegen ihres Umfangs und ihrer Komplexität auf das Wesentliche komprimiert um sich dem eigentlichen Bestandteil der Arbeit – der Rolle der Vermarkter in der Bundesliga - ausführlich zu widmen. Obwohl die Fans als Konsumenten eine essentielle Grundlage des professionellen Fußballsports darstellen, bleibt ihre Funktion in dieser Untersuchung weitestgehend unberücksichtigt.

Der Untersuchungszeitraum der Arbeit bezieht sich auf die Entwicklung bis zum Ende der Saison 2000/01. Eine Beteiligung an etwaigen Spekulationen über einen zukünftigen Fortgang findet nicht statt.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
2. Geschichte der Fußball-Vermarktung in Deutschland 4
2.1 Entwicklung der Fußball-Wettbewerbe 5
2.2 Zusammenhang zwischen Fußball, Fernsehen und Sponsoren 7
2.3 Dezentrale Vermarktung von Europacupspielen bis 1989 14
2.4 Zentrale Vermarktung von Europacupspielen 1989 bis 1998 17
3. Rechtssprechung zur Zentralvermarktung des DFB 24
3.1 Rechtssprechung des Bundeskartellamtes vom 2. September 1994 24
3.2 Rechtssprechung des Kammergerichts vom 8. November 1995 28
3.3 Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes vom 11. Dezember 1997 29
3.4 Reaktionen auf das BGH-Urteil vom 11. Dezember 1997 31
3.5 DFB sichert sich gesetzlich die Vermarktung der Bundesliga 33
4. Änderung der Vermarktung seit dem 1. Juli 1998 35
5. Exkurs: Modi der europäischen Wettbewerbe 38
5.1 Champions League und Europacup der Landesmeister 38
5.2 Europacup der Pokalsieger 45
5.3 UEFA-Cup und Messepokal 46
5.4 UI-Cup 49
6. Profile und Funktionen der Sportrechte-Agenturen 50
6.1 Ufa Sports 52
6.2 ISPR und Event-Marketing GmbH 55
6.2.1 ISPR 55
6.2.2 Event-Marketing GmbH 58
6.3 SportA 58
6.4 Weitere Agenturen 60
6.4.1 Deutsche Städte-Medien GmbH 60
6.4.2 International Management Group 61
6.4.3 Octagon 62
6.4.4 Sportwelt 62
7. DFB-Beschluss zur „Lex Ufa“ 65
8. Untersuchung 68
8.1 Allgemeines 68
8.2 Methode 68
9. Kooperationen zwischen Vereinen und Vermarktern 72
9.1 Beziehung zwischen Vereinen und Vermarktern 72
9.2 Sonderstatus des FC Bayern München 73
9.3 Bestehende Kooperationen zwischen Vereinen und Vermarktern 74
10. Darstellung der Bundesliga-Rückrunde 2000/2001 77
10.1 Allgemeines 77
10.2 Spiele von Ufa Sports-Mannschaften 78
10.2.1 18. Spieltag: 1860 München - Hamburger SV 2:1 78
10.2.2 19. Spieltag: Hamburger SV - Hertha BSC Berlin 1:2 79
10.2.3 20. Spieltag: 1860 München - Borussia Dortmund 1:0 79
10.2.4 20. Spieltag: VfL Bochum - Hertha BSC Berlin 1:3 80
10.2.5 21. Spieltag: Hamburger SV - VfL Bochum 3:0 80
10.2.6 22. Spieltag: Borussia Dortmund - Hamburger SV 4:2 81
10.2.7 27. Spieltag: Hertha BSC Berlin – 1860 München 3:0 81
10.2.8 28. Spieltag: 1860 München - VfL Bochum 2:4 82
10.2.9 29. Spieltag: Hertha BSC - Borussia Dortmund 1:0 82
10.2.10 30. Spieltag: Borussia Dortmund - VfL Bochum 5:0 83
10.2.11 Tabelle der Ufa Sports-Spiele 84
10.3 Spiele von ISPR-Mannschaften 84
10.3.1 19. Spieltag: Bayer Leverkusen - VfB Stuttgart 4:0 84
10.3.2 22. Spieltag: Werder Bremen - Schalke 04 2:1 85
10.3.3 23. Spieltag: Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 1:2 85
10.3.4 25. Spieltag: Bayer Leverkusen - Werder Bremen 3:0 86
10.3.5 25. Spieltag: Eintracht Frankfurt - Schalke 04 0:0 86
10.3.6 27. Spieltag: Bayer Leverkusen - Schalke 04 0:3 87
10.3.7 28. Spieltag: Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen 1:3 88
10.3.8 31. Spieltag: VfB Stuttgart - Werder Bremen 2:1 88
10.3.9 33. Spieltag VfB Stuttgart - Schalke 04 1:0 89
10.3.10 34. Spieltag: Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart 2:1 90
10.3.11 Tabelle der ISPR-Spiele 90
10.4 Spiele von SportA-Mannschaften 91
10.4.1 22. Spieltag: 1. FC Köln - 1. FC Kaiserslautern 0:1 91
10.4.2 23. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern - Hansa Rostock 0:1 91
10.4.3 30. Spieltag: Hansa Rostock - 1. FC Köln 2:1 92
10.4.4 Tabelle der SportA-Spiele 92
11. Einflussnahme der Vermarkter auf die Abschlusstabelle 94
11.1 Einflussnahme bezüglich der Meisterschaft? 95
11.2 Einflussnahme bezüglich der Champions-League-Qualifikation? 97
11.3 Einflussnahme bezüglich der UEFA Cup-Qualifikation? 99
11.4 Einflussnahme bezüglich der UI-Cup-Qualifikation? 101
11.5 Einflussnahme bezüglich des Abstiegs? 102
11.5.1 Ufa-Sports-Klubs im Abstiegskampf 102
11.5.2 ISPR-Klubs im Abstiegskampf 103
11.5.3 SportA-Klub Hansa Rostock im Abstiegskampf 105
11.5.4 Ohne Vermarkter im Abstiegskampf 106
11.5.5 Zusammenfassung Abstiegskampf 106
11.6 Vorteile für Vereine mit Vermarktern? 107
12. Schlussbetrachtung 109
13. Literaturliste 112

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ausgangslage: Beide Mannschaften erreichten nach Ablauf der Saison 1999/2000 die Champions-League-Qualifikation. Während 1860 München dort ausschied und fortan im UEFA-Cup weiter spielte, schaffte Hamburg den Einzug in die höchste europäische Spielklasse. Dort schied der HSV in der ersten Gruppenphase aus und sicherte sich aber noch die Qualifikation für den UEFA-Cup. Somit hatten beide Mannschaften eine hohe Anzahl von Spielen in der ersten Saisonhälfte zu bestreiten. Im letzten Spiel vor der Winterpause trafen 1860 München und Hamburg am 16.Dezember 2000 in München aufeinander. Zu diesem Zeitpunkt rangierten beide Mannschaften in der Tabelle punktgleich auf den Plätzen 11 (München) und 10 (Hamburg). Statistik: 1860 gewann dieses Spiel knapp mit 2:1. Die Statistik belegt, dass die Münchener in beiden Magazinen einen besseren Notendurchschnitt (2,5/3,0 gegenüber 3,5/3,556) erzielten und auch die höhere Anzahl von Torschüssen (16:14) und Torchancen (8:4) sowie die deutliche Zweikampfbilanz (55% gewonnene Zweikämpfe) aufweisen konnten. Fazit: Die statistische Aufarbeitung belegt einen gerechten Sieg von 1860 München. Durch den dreifachen Punktgewinn tauschte München mit Hamburg die [...]

Dieses Kapitel widmet sich nun der Fragestellung, ob eine Einflussnahme der Sportrechte-Vermarkter stattgefunden haben kann, wenn zwei Vereine, die in einem vertraglichen Kooperationsverhältnis mit derselben Vermarktungsagentur stehen, gegeneinander antraten. Demzufolge gliedert sich das Kapitel in Spiele der Ufa Sports-Mannschaften, der ISPR-Mannschaften und SportAMannschaften. Der Zuordnung liegt die Abbildung 10 aus Kapitel 9 zugrunde. Insgesamt umfasst die Untersuchung 23 Partien. Anhand der Bewertungskriterien von Kicker und Sport-Bild werden die einzelnen Begegnungen veranschaulicht. Bezüglich der Beurteilung von Spielern werden die Benotungssysteme der beiden Zeitschriften gleichgesetzt (siehe Abbildung 8). Die Sport-Bild-Note wird der Kicker-Note angeglichen, sodass in der Darstellung das Schulnotenprinzip als Bewertungssystem verwendet wird. Zur übersichtlicheren Gestaltung werden die Benotungen in Abschnitten von 0,5 gerundet. Somit ergeben sich folgende Noten: 1, 1.5, 2 usw. bis 5,5; 6. Eine Einordnung hinsichtlich der Tabellensituation findet ebenfalls statt. [...]

Innerhalb der Bundesliga muss dem FC Bayern München ein Sonderstatus eingeräumt werden. Auch wenn die Münchener ohne eine Vermarkter an der Seite operieren, der ja generell zur Gewinnsteigerung beitragen soll, so sind sie Bayern in finanzieller Hinsicht doch der Branchenprimus in Deutschland. Beim Deutschen Rekordmeister verzichtet man seit jeher auf einen Vermarktungspartner, weil die Umsatzzahlen auch ohne ihn schon einzigartig sind. Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 200154 erwirtschafteten die Bayern einen Umsatz von 172,82 Millionen Euro55. Auf Platz 2 in dieser Wertung befindet sich der börsennotierte und mit Ufa Sports kooperierende Verein Borussia Dortmund mit 116,58 Millionen Euro Umsatz. Der Umsatz von Ligakonkurrent Energie Cottbus belief sich 2001 auf gerade einmal 15,58 Millionen Euro, was Platz 16 in der Umsatzstatistik bedeutet. [...]

Arbeit zitieren:
Holzapfel, Tim Januar 2002: Sportrechte-Vermarkter im Fußball - Geldgeber und Einflußnehmer?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Vermarktung, Zentralvermarktung, Rechtssprechung, Sportrechte-Agenturen, Kooperation

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