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Sportpädagogik im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Berufspraxis

Sportpädagogik im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Berufspraxis
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Franz Roßmann
  • Abgabedatum: März 2000
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 578,6 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2872-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2872-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2872-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Roßmann, Franz März 2000: Sportpädagogik im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Berufspraxis, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Theorie-Praxis-Problem, Handlungslogik, Bewegungslernen, Wissenschaftslogik, Anwendungsproblematik

Staatsexamensarbeit von Franz Roßmann

Einleitung:

Das Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Berufspraxis, das sich im „Theorie-Praxis-Problem“ wiederfindet, beherrscht gerade in der Pädagogik viele Diskussionen. Wissenschaftler streiten sich über den mehr oder weniger notwendigen Praxisbezug ihrer Forschungsleistungen und über die Anwendbarkeit von pädagogischen Theorien.

Auch im Bereich der Sportpädagogik ist das Theorie-Praxis-Verhältnis ein viel diskutiertes Thema. So bezeichnet z. B. Meinberg dieses Verhältnis „als zentrales Problem einer sportpädagogischen Handlungswissenschaft“.

Mit dem Begriff der Sportpädagogik werden im allgemeinen zwei verschiedene Bereiche bezeichnet, zum einen die praktische Tätigkeit, die Sportlehrer und Trainer ausüben, und zum anderen eine wissenschaftliche Tätigkeit, die überwiegend an Universitäten geleistet wird. Aufgrund dieser unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche ergeben sich jeweils andere Aufgabenschwerpunkte, die aber zueinander in Beziehung stehen.

Im Rahmen dieser Arbeit soll aus der Sicht der Sportpädagogik als Wissenschaft das Verhältnis zur Praxis von Bildung und Erziehung im Sport betrachtet werden. Dabei sollen vor allem Anwendungsprobleme von wissenschaftlichen Erkenntnissen diskutiert und exemplarisch am Lehr-Lern-Vorgang von Bewegungen verdeutlicht werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, eine Beschreibung und Problemanalyse des Spannungsfeldes zwischen Wissenschaft und Berufspraxis von praktisch tätigen Pädagogen durchzuführen sowie Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Durch eine Betrachtungsweise, die die Wissenschafts- und Handlungslogik gegenüberstellt, soll für den Bereich der Theorie-Praxis-Beziehungen Verständnis sowohl für die Position der Wissenschaftler als auch für die der Praktiker erreicht werden. Ferner sollen unrealistische Erwartungen, die sich auf eine unmittelbare Anwendbarkeit von Theorie beziehen, aufgezeigt werden.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Kapitel erfolgt zunächst eine Betrachtung ausgewählter Aspekte der Entwicklung von Erziehungswissenschaft und Pädagogik, um zu prüfen, wie sich Reformbewegungen auf das Theorie-Praxis-Verhältnis auswirkten. Anschließend sollen die „Berührungspunkte“ von Theorie und Praxis innerhalb der Pädagogik und die sich daraus ergebenden Probleme beschrieben werden, bevor im zweiten Kapitel das Verhältnis von Theorie und Praxis aus der Sicht der Sportpädagogik als Wissenschaft näher betrachtet und am Beispiel des Bewegungslernens im Sport veranschaulicht wird.

Im dritten Kapitel wird versucht, die mir vorgelegte Frage „Warum stellt sich die Beziehung von Theorie und Praxis in der Pädagogik und Sportpädagogik so problematisch dar?“ zu klären. Hierfür soll das Verhältnis von Wissenschaft und Berufspraxis als Verhältnis von Wissen und Handeln und der damit verbundenen Wissensformen analysiert werden. Gestützt auf Bourdieus «Entwurf einer Theorie der Praxis», kann die implizite Handlungslogik des Menschen und deren Auswirkungen auf die Praxis Erklärungen für die gestellte Frage liefern. Im Anschluss sollen exemplarisch für den Theorie-Praxis-Bezug im Sport Probleme analysiert werden, die bei der Beschreibung und Vermittlung von Bewegungen bestehen.

Abschließend wird im vierten Kapitel, besonders durch die Favorisierung professionstheoretischer Ansätze, versucht, Lösungsmöglichkeiten zur Annäherung von Theorie und Praxis aufzuzeigen und daraus Forderungen für die Forschung sowie für die Hochschulausbildung von Sportlehrern abzuleiten.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
1. Das Theorie-Praxis-Verhältnis in der Pädagogik und Erziehungswissenschaft 7
1.1 Zur Entwicklung der pädagogischen Theoriebildung 7
1.2 Überblick über die Problemsituation 11
1.2.1 Der Theorie-Praxis-Bezug - ein Grundproblem des Pädagogischen 11
1.2.2 Zur begrifflichen Abgrenzung von Erziehungswissenschaft und Pädagogik 13
1.2.3 Menschen - keine Maschinen 14
1.2.4 Anforderungen an pädagogische Tätigkeit 15
1.2.5 Zur Anwendungsproblematik 18
1.2.6 Pädagogische Technologie oder pädagogisches Verstehen 20
1.2.7 Probleme der empirisch-pädagogischen Forschung 22
1.3 Zum Professionsbegriff 27
2. Der Theorie-Praxis-Bezug in der Sportpädagogik 30
2.1 Zur Entwicklung von Sportwissenschaft und Sportpädagogik 30
2.2 Zum Begriffsverständnis der Sportpädagogik 32
2.3 Zum Wissenschaftscharakter der Sportpädagogik 34
2.4 Aufgabenbereiche und Probleme der Sportpädagogik 35
2.5 Bewegungslernen im Sport 38
3. Zur Differenz von Theorie und Praxis 42
3.1 Zur Wissensproblematik 43
3.1.1 Gegenüberstellung von Theoriewissen und Handlungswissen 43
3.1.2 Zum Konstrukt des handlungsleitenden Wissens 45
3.1.3 Übertragungsmodelle von wissenschaftlichem auf praktisches Wissen 47
3.2 Zur Logik der Praxis 49
3.2.1 Zur Logik des professionellen Handelns von Pädagogen 49
3.2.2 Zur impliziten Handlungslogik 51
3.3 Bewegungshandeln im Sport 56
3.3.1 Ursachen für Vermittlungsprobleme beim Bewegungslernen 56
3.3.2 Psychologische Aspekte des Bewegungshandelns 62
4. Lösungsansätze zur Verbesserung des Theorie-Praxis-Verhältnisses 69
4.1 Differenzierung statt Vermittlung beider Wissensformen 69
4.2 Professionstheoretische Ansätze 71
4.3 Anforderungen an die Wissenschaft 77
4.4 Anforderungen an die Sportdidaktikausbildung 81
Literaturverzeichnis 83

Automatisiert erstellter Textauszug:

3.1 Zur Wissensproblematik 3.1.1 Gegenüberstellung von Theoriewissen und Handlungswissen Der Wissensbegriff kann mit einer Vielzahl von Adjektiven in Verbindung gebracht werden, wodurch er näher spezifiziert wird, z. B. als wissenschaftliches, praktisches, implizites, kognitives, handlungsleitendes, intuitives, interdisziplinäres, alltägliches, normatives, pädagogisches Wissen. Durch eine Differenzierung von Theoriewissen und Handlungswissen bzw. wissenschaftlichem und praktischem Wissen kann auch die Theorie-Praxis-Beziehung differenzierter betrachtet werden. Um die Probleme dieser Beziehung aufzuzeigen, schlägt Krumm vor, drei Bereiche zu unterscheiden: „A den Bereich der Wissensverwertung, B den Bereich der Wissensproduktion, C den Bereich der Wissenstradition“ (1987, S. 18). In den Bereichen A und B stehen sich die Handlungsinteressen der Praxis und die Erkenntnisinteressen der Wissenschaft gegenüber, die durch den Bereich C zueinander in Beziehung gesetzt werden sollen. Grundsätzliche Unterschiede für die Wissenstypen der Bereiche A und B ergeben sich durch die verschiedenen Zielsetzungen. Zwar versuchen beide, Praktiker und Wissenschaftler, Probleme zu lösen, aber dabei ist der Praktiker auf Realitätsveränderung bedacht, indem er situationsangemessen und unter Zeitdruck handelt, während der Wissenschaftler sich relativ frei von unmittelbaren Handlungszwängen um Wissensvermehrung und umfassende Einsicht in den Gegenstand bemüht. Die praktische Wirkung des Theoriewissens „basiert vor allem auf seiner Erklärungskraft: Es zeigt Probleme auf und bringt sie auf den Begriff, aber es löst sie nicht. Dennoch ist Theorie stets mittelbar auf Praxis bezogen, indem neue Sichtweisen eröffnet und veränderte Praxen angestoßen werden“ (Kade 1989, S. 59). Bei der Anwendung von Handlungswissen wird hingegen primär auf den Handlungserfolg und nicht auf die Handlungsbegründung geachtet. „Weil es nicht um die logisch zwingenden Implikationen des Wissens, sondern um die pragmatisch angemessenen Folgen des Handelns geht, folgt das Handlungswissen der Vernunft des Alltags, die eben von Fall zu Fall verschieden ist“ (ebd., S. 60 f.). Deshalb 43 [...]

Im nun folgenden Kapitel soll versucht werden, die Frage nach den Ursachen des beschriebenen Spannungsfeldes zwischen Wissenschaft und Berufspraxis zu erörtern. Der Kern des Problems liegt in der Umsetzung von wissenschaftlichem Wissen (Forschungsergebnissen) der Wissenschaftler in praktische Handlungen der Pädagogen und der damit häufig verbundenen Erwartung, daß die Theorie eine Dienstleistungsfunktion für die Praxis zu erfüllen habe. In welcher Weise kann die Pädagogik diese Erwartung, eine Wissenschaft von der Praxis für die Praxis zu sein, erfüllen? Eine zentrale Aufgabe von Wissenschaft ist „Wahrheitsfindung“. Um dieses Kriterium zu erfüllen, entwickelt sie Modelle, aus denen wissenschaftliche Theorien abgeleitet werden können. Diese Theorien müssen „gewissen“ Kriterien entsprechen, die durch eine Wissenschaftstheorie, auch Metatheorie genannt, dem sogenannten Gewissen der Wissenschaft, bestimmt werden. „Die Wissenschaftstheorie spezialisiert sich auf das Ergründen, Analysieren, Verstehen und Erklären von Theoriegebilden. Sie befindet darüber, was eine wissenschaftliche Aussage allererst zu einer solchen macht und wie sie zustande kommen soll“ (Meinberg 1991, S. 30). Daß diese Umsetzung unterschiedliche Auffassungen hervorrufen kann, belegt für den Bereich der Sozialwissenschaften der schon erwähnte Positivismusstreit. Unterschiedliche Meinungen über das Verständnis von Wissenschaft und Wissenschaftstheorie prallten unter den Etiketten „kritischer Rationalismus“ und „kritische Theorie“ aufeinander. Übergreifende Eigenschaften von wissenschaftlichen Kriterien, die auf breite Zustimmung stoßen, beschreibt Prohl folgendermaßen: „Bei der Aufstellung einer Theorie mit wissenschaftlichem Anspruch sollte man sich an einem systematischen, methodischen und argumentativen Vorgehen orientieren, das zumeist abstrakt und in sich widerspruchsfrei ist“ (1999, S. 16). Abstraktheit von wissenschaftlichen Erkenntnissen ist notwendig, um Aussagen in Form von Gesetzmäßigkeiten formulieren zu können. [...]

hen: „’Bewegung verstehen’ braucht ‘Bewegung kennen’ als Voraussetzung und wird sichtbar sowie überprüfbar in beobachtbarem ‘Bewegung können’“ (ebd., S. 184). Welches Wissen ist aber notwendig, um Bewegungsabläufe zu lehren? Ist die Demonstrationsfähigkeit des Lehrers eine notwendige Bedingung für das Lehren von Bewegungen? Es stellt sich auch die Frage, ob das Wissen über eine Bewegung, die vom Lehrenden auch ausgeführt werden kann, bewußt ist und dadurch direkt abrufbar ist, oder ob dieses Wissen zum Teil auch unbewußt, als Ergebnis eines impliziten Lernvorganges, gespeichert ist und somit mit Worten gar nicht weitergegeben werden kann? Für das Lehren einer Bewegung hat der Lehrende verschiedene Möglichkeiten den Bewegungsablauf zu vermitteln. Die wohl am häufigsten gewählten Formen sind in der Demonstration und in der verbalen Beschreibung oder in einer Kombination dieser beiden Formen zu finden. Für das Erlernen einer Bewegung aufgrund vorangegangener Demonstration sind besondere Anforderungen an die Wahrnehmungsfähigkeit und eine damit verknüpfte Transferleistung auf Seiten der Lernenden notwendig. Für die Wirkung von Bewegungsbeschreibungen stellt Hildenbrandt fest: „Es wird meist von der Vorstellung ausgegangen, man müsse nur möglichst präzise, anschaulich und deutlich die Zielformen der Bewegungsaufgabe benennen, damit die Lernenden bei der Entwicklung eigener Bewegungsvorstellungen optimal informiert und angeleitet werden“ (2000, S. 1). Warum sich Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Bewegungsabläufen ergeben können, soll nach einer Betrachtung der Beziehung zwischen Wissen und Handeln im folgenden Kapitel untersucht werden. [...]

Arbeit zitieren:
Roßmann, Franz März 2000: Sportpädagogik im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Berufspraxis, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Theorie-Praxis-Problem, Handlungslogik, Bewegungslernen, Wissenschaftslogik, Anwendungsproblematik

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