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Sport und Medizin in der griechisch-römischen Antike

Sport und Medizin in der griechisch-römischen Antike
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marion Repschläger
  • Abgabedatum: Juli 1983
  • Umfang: 65 Seiten
  • Dateigröße: 564,5 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 20
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0814-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Repschläger, Marion Juli 1983: Sport und Medizin in der griechisch-römischen Antike, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Körperliche Erziehung, Heilgymnastik, Trainingslehre, Griechenland, Rom

Diplomarbeit von Marion Repschläger

Einleitung:

Mit der Bearbeitung des Themas ‘Sport und Medizin in der griechisch-römischen Antike’ ist naturgemäß die Behandlung einer Vielzahl thematisch breitgestreuter Einzelkomplexe verbunden, u. a. die Entwicklung der Medizin, die Bedeutung der Leibesübungen in der Antike, das Aufkommen der Diätetik als gemeinsamem Wirkungsbereich von Medizin und Sport, die Untersuchung damals bekannter Trainingsgrundlagen und –methoden sowie der Einsatz von Leibesübungen in der medizinischen Therapie.

Aufgrund der Komplexität des Themas konnte und sollte es nicht Ziel dieser Arbeit sein, jeden Bereich auf das Ausführlichste zu behandeln; vielmehr war es meine Absicht, ein Handbuch zu erstellen, mit dessen Hilfe sich der Leser über die ‘sportmedizinischen’ Erkenntnisse der Antike und ihre Anwendung in der Praxis orientieren kann.

Wie bei allen Untersuchungen im Bereich der Antike ist die Verwendung moderner Fachbegriffe nicht unproblematisch, da die mit diesen verbundenen Vorstellungen nicht immer ohne weiteres auf antike Sachverhalte übertragbar sind. Ich habe mich daher, wo immer es erforderlich war, bemüht, auf die unterschiedlichen Bedeutungen und Bedeutungsschwerpunkte bei der Anwendung von Fachausdrücken hinzuweisen, um das Verständnis zu gewährleisten.

Inhaltsverzeichnis:

0. EINLEITUNG 3
1. BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN 4
1.1 Athletik 4
1.2 Gymnastik und Gymnast 4
1.3 Paidotrib 4
2. DIE BEDEUTUNG DER KÖRPERLICHEN ERZIEHUNG IN DER GRIECHISCHEN UND IN DER RÖMISCHEN WELT 5
3. ZUR ENTWICKLUNG DER ANTIKEN MEDIZIN 8
3.1 Antike Ärzteschulen 9
3.2 Arzt und Gesellschaft 12
4. SPORT UND MEDIZIN 14
4.1 Gymnastik, Iatrik, Diätetik und Hygiene 14
4.1.1 Der Streit zwischen Paidotriben und Gymnasten 22
4.2 Ansätze einer Trainingslehre 24
4.2.1 Motorische Beanspruchungsformen 25
4.2.2 ’Bewegung’ und ‘Übung’ bei Galen 29
4.2.3 Trainer und Trainingsmethoden 31
4.3 Medizinische Erkenntnisse im Dienste des Sports 36
4.3.1 Massage 36
4.3.2 Bäder 38
4.3.3 Ernährung der Athleten 40
4.3.4 Sportschäden, Sportverletzungen und Überanstrengung 41
4.3.5 Sport und Geschlechtsverkehr 46
4.4 Der Athlet als Abweichung von der Norm 47
4.5 Sport im Dienste medizinischer Therapie 48
4.5.1 Heilgymnastik 49
5. SCHLUSSBEMERKUNG 51
6. ANMERKUNGEN 52
7. LITERATURVERZEICHNIS 61

Textprobe:

Kapitel 4.1.1, Der Streit zwischen Paidotriben und Gymnasten:

Die Erweiterung des Aufgabenbereiches der Gymnastik – neben die pädagogische und leistungsorientierte Gymnastik der Jugend- und Athletenausbildung trat die medizinisch-diätetische Gymnastik – entfachte im 5. Jhd. v. Chr. Einen heftigen, bis ins 3. nachchristliche Jahrhundert währenden Streit um die Bezeichnungen Paidotrib und Gymnast sowie ihre Ausbildung und Kompetenz. In den überlieferten Schriften läßt sich dieser Streit verfolgen, wobei aber nach JÜTHNER ‘zu beachten ist, daß in diesen Abhandlungen nicht geschildert wird, was tatsächlich war, sondern was nach Ansichten der Schriftsteller sein sollte’.

Die Bezeichnung Gymnast kam erst im 5. Jhd. v. Chr. auf, kurz nachdem Herodikos von Selymbria die ‘rein praktische Paidotribenkunst durch gewisse medizinische Kenntnisse’ erweitert hatte. Trainer mit medizinischem Wissen nannten sich nun, um sich von den ‘ungebildeten’ Kollegen zu unterscheiden, Gymnast. Die Paidotriben aber wollten (und konnten) aus ‘Imagegründen’ nicht zugeben, weniger kompetent zu sein und bezeichneten sich ebenfalls als Gymnasten. Es ist aber auch anzumerken, daß sich viele erfolgreiche und erfolglose Athleten nach Beendigung ihrer aktiven Laufbahn als Trainer betätigten und Gymnast nannten, obgleich sie teilweise nicht einmal die Qualifikation des ursprünglichen Paidotriben hatten und daher keineswegs den mit dem Begriff Gymnast verbundenen Anforderungen entsprachen. Im Laufe der Zeit kam es daher zu einer Entwertung der Bezeichnung Gymnast, und die eigentlichen, weil medizinisch gebildeten, Gymnasten übernahmen im 3.Jhd. v. Chr. den von Erisistratos geprägten Begriff Hygieniker, um sich von den Gymnasten erneut zu unterscheiden – und vergrößerten damit die Verwirrung.

Es sollen nun kurz die unterschiedlichen Auffassungen zum Verhältnis von Paidotrib und Gymnast und zu ihren Kompetenzen gezeigt werden. Da bis auf Galen alle untersuchten Quellen die Termini Paidotrib und Gymnast, nicht aber Hygieniker, verwenden, sollen diese Bezeichnungen auch im Folgenden beibehalten werden.

Hippokrates:

Zu Hippokrates‘ Zeit war der Begriff des Gymnasten noch unbekannt. An den wenigen Stellen, an denen der Paidotrib erwähnt wird, erscheint er als praktischer Sportlehrer, der in Technik und Taktik unterweist. Lediglich zum Verhältnis von Heilgymnastik und Paidotribik kann man Aussagen machen. Nach EGGER beherrschte der ‘Heilgymnast’, der Diätetiker, nur die Theorie der Gymnastik; die Anleitung und praktische Ausführung der verordneten Übungen überwachte der Paidotrib.

Platon:

Platon verwendet die Ausdrücke Paidotrib und Gymnast gleichberechtigt nebeneinander, letzteren jedoch immer im Zusammenhang mit medizinisch-diätetischen Absichten, während dies beim Paidotriben nur vereinzelt der Fall ist. Das wird verständlich, wenn man bedenkt, daß die Gymnastik für Platon nicht nur ‘Sport’ ist, sondern die Aufgabe hat, den Körper zu pflegen. Der Gymnast ‘wird neben dem Paidotriben eben mehr als Gesundheitskünstler, ja als halber Arzt aufgefaßt.’ Der Umfang seiner praktischen Sportlehrertätigkeit ist geringer als der des Paidotriben. Dieser beherrscht theoretisch und praktisch das gesamte gymnastische Gebiet: Er hat physiologische und ernährungswissenschaftliche Kenntnisse, und neben der Jugenderziehung übernimmt er auch das Training der Athleten.

Aristoteles:

Aristoteles‘ Verständnis von Paidotrib und Gymnast unterscheidet sich sehr von dem Platons. Die diesbezüglich entscheidende Stelle in der Politik lautet: ‘Da es aber nun klar ist, daß der Erziehung durch Vernunftbildung die durch Gewöhnung und der Ausbildung des Verstandes die des Leibes voraufgehen muß, so erhellt daraus, daß man die Jugendlichen der Gymnastik (gymnastiké) und Leibeserziehung (paidotribiké) anvertrauen muß, indem das eine die Gewandtheit des Körpers, das andere seine Leistungen fördert’.

Die Gymnastik hat also die Aufgabe, ‘dem ganzen Körper ein bestimmtes Gepräge, eine habituelle Beschaffenheit’ zu verleihen. Der Gymnast besitzt dazu das theoretische Wissen um den richtigen Anwendungszeitpunkt und das Maß der Leibesübungen in Bezug auf Alter, Individualität und Körperkonstitution; von daher wird er mehr als Diätetiker betrachtet denn als Sportlehrer. Der Paidotrib hingegen ist für die praktische Ausführung verantwortlich, er ist der eigentliche Sportlehrer.

Ebenso wie für die körperliche Erziehung der Jugendlichen sind Gymnast und Paidotrib auch für das Training der Athleten verantwortlich, denn auch diese bedürfen der Unterweisung des Gymnasten im Sinne einer allgemeinen Körperbildung und natürlich der technisch-taktischen Ausbildung durch den Paidotriben. Nach Aristoteles‘ Verständnis ist demnach der Gymnast der Theoretiker, der Paidotrib der Praktiker in der Leibeserziehung.

Galen:

Zu Galens Zeit wurden mit dem Begriff Gymnast außer dem Arzt alle diejenigen bezeichnet, die sich in irgendeiner Weise mit der Körpererziehung befaßten: Erzieher der Jugendlichen, zum Teil auch die Diätetiker und vor allem die Trainer der Athleten, was Galen besonders erboste, da die Athletik für ihn eine ‘Afterkunst’, sprich Pseudowissenschaft, war.

In seinem Bemühen, den Streit um die Termini und die Aufgabenbereiche des Paidotriben und Gymnasten zu schlichten, greift er auf den Begriff des Gymnasten im aristotelischen Sinne zurück. Er entzieht ihn also denen, die ihn seiner Meinung nach unrechtmäßig geführt haben und will darunter allein den medizinisch gebildeten Leibeserzieher, den Hygieniker/Diätetiker verstanden wissen. Dieser muß die ‘Wirkung aller Bewegungen’ kennen, braucht aber keinen praktischen Unterricht erteilen zu können. Diese Aufgabe übernimmt der medizinisch nicht gebildete Paidotrib, der daher ‘Diener der Gymnastik’ ist und deren Anordnungen in die Praxis umsetzt. Genau wie bei Aristoteles übernimmt also der Gymnast den theoretischen, der Paidotrib den praktischen Anteil der Körperpflege. Nur ist bei Galen der Begriff des Gymnasten viel eingeschränkter als bei Aristoteles, da er ihn mit dem Diätetiker gleichsetzt.

Philostratos:

Wie bereits im vorigen Kapitel gezeigt, haben nach Philostratos‘ Verständnis Paidotrib und Gymnast gleichermaßen die Qualifikation eines Sportlehrers, zusätzlich aber hat der Gymnast eine medizinisch-diätetische Ausbildung. Philostratos sieht in dem Gymnasten weniger einen Arzt, wie es Galen tut, sonder vielmehr einen (wissenschaftlich gebildeten) Trainer im modernen Sinne.

Die Auffassungen von den erforderlichen Kenntnissen und der Kompetenz eines Paidotriben und eines Gymnasten haben sich also ständig gewandelt. Dennoch lassen sich zwei Grundsätzlichkeiten feststellen:

1. Der Paidotrib war immer ein ‘Praktiker’ der Leibeserziehung, mal mit, mal ohne medizinisch-diätetischen Kenntnissen.

2. Der Gymnast war immer der medizinisch-diätetisch Gebildete, der je nach Auffassung nur die Theorie oder auch die Praxis der Leibeserziehung beherrschte.

Immer aber hatten beide eine sich gegenseitig ergänzende Funktion. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, daß die vorgestellten Begriffsbestimmungen sehr theoretischer Natur, Idealvorstellungen, waren.

Arbeit zitieren:
Repschläger, Marion Juli 1983: Sport und Medizin in der griechisch-römischen Antike, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Körperliche Erziehung, Heilgymnastik, Trainingslehre, Griechenland, Rom

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