Sport, Körper und Mormonen
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Jochen Baumann
- Abgabedatum: Oktober 2001
- Umfang: 123 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6786-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6786-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6786-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Baumann, Jochen Oktober 2001: Sport, Körper und Mormonen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Religion, Körperbild
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Staatsexamensarbeit von Jochen Baumann
Einleitung:
Sport, Körper und Mormonen als Thema einer studentischen Abschlussarbeit – lediglich ein weiterer Beweiß für die spezialisierte Absurditätenproduktion deutscher Universitäten? Dies mag auf den ersten Blick so erscheinen. Allerdings hat das Thema seine Berechtigung, und zwar durch den Aktualitätsbonus der Olympischen Winterspiele, die im Februar 2002 in Salt Lake City, der heutigen Heimatstadt der Mormonen im US-Bundesstaat Utah, stattfinden werden. Zwangsläufig wird dann, sozusagen als kurioser medialer Kollateralschaden, die Religion der Mormonen in den Fokus der Zuschaueraufmerksamkeit gezogen werden. Die Mormonen – was assoziiert der wenig informierte Normalbürger mit dieser religiösen Gruppe? Wenn er sie nicht gleich mit den Amish People an der Ostküste des nordamerikanischen Kontinents verwechselt, sind die meisten Antworten „Polygamie“ und „kein Alkohol“. Etwas kundigere Menschen erwähnen eventuell den Großen Salzsee bei Salt Lake City und dass man schon von einem Paar netter mormonischer Missionare – sie treten beinahe ausschließlich als duale Einheit auf - an seiner Haustüre oder auf dem Marktplatz der Innenstadt angesprochen wurde. Sportbegeisterte Informanten werden vielleicht noch die bevorstehende Winterolympiade in Salt Lake City ansprechen oder das unglückliche Händchen der NBA Basketballmannschaft Utah Jazz bei den Finalspielen der letzten Jahre, wobei dieses Beispiel sich schon gar nicht mehr auf die Mormonen selbst, sondern lediglich auf ihr Umfeld beziehen. Und damit endet das wenig produktive Brainstorming.
Eine Darstellung des Körperbildes der Mormonen ist aus zwei Gründen für eine wissenschaftliche Untersuchung interessant: zum einen ist die These von der allmählichen Austrocknung des religiösen Elements in der Gesellschaft, wie sie besonders in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vertreten wurde, angesichts der hohen Wachstumsraten von religiösen Gemeinschaften wie etwa der Mormonen nicht länger haltbar. Die Religion ist ein Bereich der Gesellschaft, der den Menschen als zentrales Objekt seines Interesses hat, und der Körper kann dabei nicht abgetrennt werden. Wie inkludiert nun eine außergewöhnliche Glaubensgemeinschaft wie die der Mormonen den Körper in die Logik ihres Systems? Zum anderen kann am Beispiel der Mormonen exemplarisch dargestellt werden, wie sich Versuche einer Neudefinition des Menschseins nach dem Zeitalter der Aufklärung und zu Beginn der jüngeren Neuzeit (ab etwa 1800) auf das Körperbild neuartiger metaphysischer Welterklärungsversuche auswirkten.
In dieser Arbeit wird aus sportwissenschaftlicher Sicht dargestellt, wie die Vorstellung von Körperlichkeit im religiösen System der Mormonen konstruiert, beurteilt und behandelt wird, und welche Folgen sich daraus für die Einstellung der Mormonen zu Sport und Vergnügen ergeben. Fragen, die sich dabei stellen, sind: Was ist der menschliche Körper im Glaubenssystem der Mormonen? Ist der Körper etwas Gutes oder etwas Schlechtes? Darf man seine Bedürfnisse ausleben oder muß man sie unterdrücken? Darf oder muß er sogar sportlich bewegt werden? Gibt es Vorschriften zu seiner Behandlung? Aufgabe der Arbeit ist es dagegen nicht, die sportlichen Aktivitäten der Mormonen ausführlich zu beschreiben oder die praktischen Auswirkungen der Religion auf die Art und Weise des Sporttreibens genauer zu untersuchen. Sowohl der zeitliche wie auch der inhaltliche Rahmen einer Examensarbeit bedingt diese Entscheidung; das auszuwertende Material war umfangreich genug, und das Werk soll ja auch ein schlüssiges Ende finden.
Obwohl die Mormonen für den Forscher aufgrund des außergewöhnlichen Charakters ihres Glaubenssystems und Lebensstils bei einer gleichzeitigen Homogenität als soziale Gruppe ein lohnenswertes Objekt für Untersuchungen darstellen, wurden sie bis heute in der deutschen Wissenschaftslandschaft weitgehend vernachlässigt. Dies geschah sicher auch deswegen, weil die Mormonen hierzulande nur eine kleine Gruppe bilden, die wenig Einfluß auf das soziale Leben in Deutschland hat und daher auch wenig Aufmerksamkeitszuwendung genießt. In den Vereinigten Staaten von Amerika stellt sich die Situation jedoch völlig anders dar. Dort hat die Mitgliederzahl im Jahr 2001 die fünf Millionen Grenze bereits überschritten, und zahlreiche wissenschaftliche Bearbeitungen zum Thema Mormonentum wurden unternommen. Entsprechend sieht die geographische Distribution der Informationsquellen aus: in Deutschland ist nur sporadisch und zumeist wenig aktuelle wissenschaftliche Literatur über diese Kirche zu finden. Für das Studium von Quellen aus erster Hand ist daher eine Recherche vor Ort, d. h. im US-Bundesstaat Utah selbst, unerlässlich. In der Zeit von September 1997 bis August 1998 studierte ich an der staatlichen University of Utah in Salt Lake City; allerdings hatte ich damals nur spärlichen Kontakt zu den Mormonen. Im Sommer diesen Jahres (2001) verbrachte ich dann einen vierwöchigen Forschungsaufenthalt in Utah, um an der University of Utah in Salt Lake City und an der Brigham Young University in Provo, einer mormonischen Privatuniversität, die nötigen Quellenstudien zu betreiben. Dass der überwiegende Teil der für diese Arbeit ausgewerteten Literatur daher englischsprachig ist, ist leicht einsehbar. Aus diesem Grund und weil die Mormonen in ihrer Religion großen Wert auf sprachliche Exaktheit legen, habe ich mich dazu entschlossen, auch die heiligen, kanonischen Schriften (Bibel, „The Book of Mormon,“ „Doctrine and Covenants,“ „Pearl of Great Price“) im englisch Original zu zitieren. So bleibt die linguistische Kontiuität gewahrt. Bei der zitierten Sekundärliteratur handelt es sich zum größten Teil um Kirchenpublikationen und Aussagen von Personen, die in der Kirchenhierarchie eine hochstehende Position einnehmen und somit zumindest bis zu einem gewissen Grad die offizielle Kirchendoktrin vertreten.
Ein Problem, das sich bei jeder Einführung in ein unbekanntes Themengebiet ergibt, ist die „Sequenzierung des Theorieaufbaus“ (Luhmann 1993: 173), also die Frage, an welchem Punkt eines komplex strukturierten Theoriegebäudes man mit Erklärungen einsteigen soll: A erklärt B, B erklärt C, A ist ohne C nicht verständlich und so läuft man Gefahr, im Zirkelschluss des Unerklärbaren zu enden. Meine Bitte an den Leser lautet daher, besonders am Anfang seine Toleranzgrenze für Unverständnis möglichst hoch anzusetzen. Um diese Verständnishürde jedoch nicht zu groß werden zu lassen, muß einige definitorische Vorarbeit geleistet werden.
Die Ausführungen in dieser Arbeit beziehen sich ausschließlich auf die Religionsgemeinschaft der Church of Jesus Christ of Latter-day Saints mit Hauptsitz in Salt Lake City. Das ist insofern wichtig zu vermerken als es zahlreiche mormonische Splittergruppen gibt, die teilweise gravierende Unterschiede in ihrer Theologie aufweisen. Wenn in dieser Arbeit von Sport ohne weitere Spezifizierung die Rede ist, ist immer die gesamte Familie sportlicher Betätigungen mit eingeschlossen (Breitensport, Leistungssport, Freizeitsport u.ä.). Für das weite Feld der Freizeitbeschäftigung, der Zerstreuungen und des Vergnügens werde ich als Oberbegriff in Anlehnung an den englischen Begriff „recreation“ das deutsche Fremdwort „Rekreation“ verwenden; die deutsche Sprache bietet für diesen Bereich meines Wissens keinen vergleichbaren Ausdruck. Hinzu kommt, dass die Amerikaner auf dem Gebiet „recreation and leisure studies“ schon seit längerem wissenschaftlich tätig sind. Bei der Definition des Begriffes „Körper“ wäre es zwar ‚theologisch’ treffender, von der Leiblichkeit als Aspekt menschlicher Existenz zu sprechen und dabei die ganze Spannbreite dessen im Auge zu behalten, was im Neuen Testament mit den Worten »Leib« (soma) und »Fleisch« (sarx) angesprochen wird“ (Kurz 2000: 152, Hervorh. von mir). Da wir uns hier allerdings im Bereich der Sportwissenschaft befinden, wird die Bedeutung des Wortes „Körper“ als die rein physische Einheit des Menschen definiert. Dass die Mormonen dies etwas anders sehen, ist eben das Kernproblem dieser Arbeit.
Und noch ein schwieriges Definitionsproblem möchte ich hier gleich am Anfang noch erwähnen, das sich aber im Laufe dieser Arbeit häufig stellen wird: Sind die Mormonen Christen, bzw. können sie dem Christentum zugerechnet werden? Die traditionellen christlichen Kirchen verneinen dies vehement (vgl. Lutherisches Kirchenamt 2000: 413). Die Mormonen selbst bestehen allerdings auf der Klassifizierung als Christen, da für sie als Aufnahmekriterium der Glaube an Jesus Christus gilt, und dieser spielt in der Tat in ihrer Religion eine zentrale Rolle (vgl. Hinckley 1982). In einer vieldiskutierten Studie über das Wachstum der Mormonen meint der Soziologe Rodney Stark (1984: 23) dazu: „the Mormons are a new religion“ (Hervorh. von Stark), trotz aller Ähnlichkeiten mit dem Christentum. Stark und Bainbridge (1985: 245ff) klassifizieren die Church of Jesus Christ of Latter-day Saints aufgrund wichtiger Elemente in ihrer Geschichte und Theologie, die in zentralen Fragen stark von grundlegenden Lehren des Christentums abweicht, zwar als Kult, sind aber selbst nicht ganz zufrieden mit diesem Urteil: die Größe, Verbreitung und Organisation der Kirche und die anvisierte Zielgruppe für die Missionsanstrengungen sprächen dagegen.
Im folgenden werde ich um der Klarheit wegen die Mormonen als nicht-christliche Religion bezeichnen; eine Wertung soll damit nicht erfolgen. Auch der Generalwissenschaftler Harold Bloom (1992: 81) zählt die Mormonen nicht zu „what historically has been considered Christianity“, hält sie dafür aber für eine genuin amerikanische Religion, da sie einzig und allein auf amerikanischem Boden entstanden sei (Bloom 1992: 116). Wenn auch diese Reduktion der Charakterisierung auf eine geographische Verortung das Problem stark vereinfacht – schließlich beruht die dominante Religion des Abendlands, das Christentum, in ihren Ursprüngen auf einer Ideologie aus dem hebräischen Morgenland und wird dennoch als westliche, europäische Religion bezeichnet - so kann man die Klassifizierung als amerikanische Religion dennoch stehen lassen insofern man in den Oberbegriff „Amerika“ nicht nur die geographische, sondern auch die ideologische Verortung mit einbezieht. Es sind nämlich meiner Meinung nach zutiefst amerikanischen Werte, die die Grundzüge dieser Religion ausmachen.
Gang der Untersuchung:
Den Anfang (Kap. 1) soll nun eine kompakte Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Mormonen und ihrer Kirche machen. Dies halte ich für nötig, da man eine entsprechende Kenntnis beim Leser nicht voraussetzen kann und die geschichtlichen Entwicklungen eine wichtige Rolle für das Verständnis des mormonischen Glaubens spielen. Einige Worte zu Struktur und Organisation der Kirche (Kap. 2) haben die gleiche Funktion. Daran anschließen wird sich eine ausführlichere Beschreibung der grundlegenden Glaubensinhalte der mormonischen Theologie (Kap. 3), die eine Verständnisbasis für die folgenden Kapitel aufbauen soll. Auf diese Basis wird dann das nächste Kapitel (Kap. 4) mit dem Menschen als zentrales Thema zurückgreifen, bevor dann auf den Bereich Rekreation und Sport (Kap. 5) eingegangen wird. Schließlich soll nach einer kurzen Zusammenfassung eine Einordnung des Menschenbildes in die theologische und gesellschaftliche Geschichte und Gegenwart sowie ein Ausblick gegeben werden (Kap. 6).
Den Abschluß bildet ein Anhang mit Abschriften des „Word of Wisdom“ und den „Articles of Faith.“ Inhaltlich bauen die einzelnen Kapitel aufeinander auf und sind untereinander stark verflochten. Gelegentliche Inhaltsredundanzen sollten daher als Rückbezüge auf vorher Gesagtes und außerdem als Verständnishilfen angesehen werden. Und schließlich: ich bin weder Mormone, noch habe ich die Intention, jemals Mormone zu werden; im Grunde bin ich Atheist.
Inhaltsverzeichnis:
| EINLEITUNG | 1 | |
| 1. | GESCHICHTE | 7 |
| 1.1 | Die Anfänge in Neu England | 9 |
| 1.2 | Wachstum in Missouri und Illinois | 14 |
| 1.3 | Exodus und Pionierjahre in Utah | 19 |
| 1.4 | Zeit des Wandels nach der Jahrhundertwende | 24 |
| 1.5 | Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg | 25 |
| 2. | AUFBAU DER KIRCHENSTRUKTUR | 27 |
| 2.1 | Personale Struktur | 27 |
| 2.2 | Organisatorische Einteilung und Mitgliederzahl | 29 |
| 3. | ALLGEMEINE DOGMATIK | 31 |
| 3.1 | Der Restaurationsgedanke | 32 |
| 3.2 | Die kanonischen Schriften | 34 |
| 3.3 | Die Gottheit und die Folgen der „literal-mindedness“ | 37 |
| 3.4 | Der Mensch und die drei Stadien seiner Entwicklung | 39 |
| 3.5 | Die Zeit des Menschen auf der Erde | 44 |
| 3.6 | Priestertum, Tempelrituale und Missionierung | 46 |
| 3.7 | Absolute Wahrheiten | 52 |
| 4. | DER KÖRPER IN DER THEOLOGIE DER MORMONEN | 53 |
| 4.1 | Das Körperbild der Mormonen: der Tempel Gottes auf Erden | 53 |
| 4.1.1 | Weiblichkeit | 60 |
| 4.1.2 | Black Americans | 63 |
| 4.2 | Das Gesundheitspostulat des „Word of Wisdom“ | 65 |
| 5. | REKREATION UND SPORT | 71 |
| 5.1 | Einstellung zu Rekreation und Vergnügen | 71 |
| 5.1.1 | Theologische Hintergründe | 71 |
| 5.1.2 | Geschichtliche Entwicklung | 75 |
| 5.2 | Einstellung zum Sport | 80 |
| 5.2.1 | Geschichtliche Entwicklung | 80 |
| 5.2.2 | Theologische Hintergründe | 82 |
| 6. | ZUSAMMENFASSUNG, EINORDNUNG UND AUSBLICK | 85 |
| 6.1 | Die Mormonen und das Körperbild der Neuzeit | 86 |
| 6.1.1 | Hellenismus und Christentum | 86 |
| 6.1.2 | Puritaner, Awakening und Romantik | 87 |
| 6.1.3 | Das ideologische Umfeld in Amerika zur Gründungszeit der Mormonenkirche | 89 |
| 6.1.4 | Die Selektionsleistung Joseph Smiths | 91 |
| 6.2 | Die Mormonen und die moderne Körperlichkeit | 93 |
| ANHANG | 99 | |
| Word of Wisdom | 99 | |
| The Articles of Faith | 101 | |
| LITERATUR | 102 |
Ein Bruder Jesu, Satan, entschied sich einst bewusst mit etwa einem Drittel der Engel gegen die Lehre Gottes und wurde deswegen aus dem Himmel verbannt, was dazu führte, dass er nie einen menschlichen Körper bekommen und somit auch nie die höchste Entwicklungsstufe erreichen kann. Allerdings kann er die Menschen bzw. Ihren fleischlichen Körper in Versuchung bringen: “Although Satan and his followers have lost their opportunity to have a physical body, they are permitted to use their spirit powers to try to frustrate God’s plan. This provides the opposition necessary to test how mortals will use their freedom to choose” (Oaks 1993: 72). [...]
Hat der Mensch seine irdische Existenz mit der Geburt durch menschliche Eltern angetreten, vergisst er die Zeit im Himmel und alles Wissen, das er dort erworben hat. Er muss sich nun neuen Herausforderungen stellen, deren geistige, moralische und körperliche Meisterung seinen weiteren Gang nach dem physischen Tod bestimmen.58 Um dem zentralen Kapitel dieser Arbeit nicht vorzugreifen, verweise ich für eine Beschreibung des irdischen Lebens auf das Kapitel 4 „Der Körper in der Theologie der Mormonen.“ Nach dem körperlichen Tod, der lediglich eine temporäre Trennung des Geistes vom fleischlichen Körper darstellt (Packer 1973: 51ff), wird der Mensch entsprechend seiner Lebensweise auf der Erde beurteilt: „And on the basis of what we believe and do here we shall continue to live and grow in the life beyond the grave” (Hinckley 1982). Er tritt nun in die dritte Phase seiner Existenz ein, die grundsätzlich in die zwei Bereiche „kingdom“ (Paradies) und „outer darkness“ (Hölle) unterteilt ist, in denen der Mensch als Geist-Wesen die Zeit bis zur [...]
metaphysischen Führungsriege stellt eine eigene, unabhängige Einheit für sich dar: „Jesus Christ is also one of three separate members of the Godhead, the other two being God the Father and the Holy Ghost“ (Lee 1992a: 21); deren „…three distinct beings constitute the Godhead” (Hinckley 1982).53 Noch deutlicher wird dieses wörtliche Verständnis bei der Auslegung des Bibelverses „So God created man in his own image, in the image of God created he him; male and female created he them“ (KJV Exodus 1.27, Hervorh. im Original). Weibliche Wesen sind im göttlichen Triumvirat zwar keine vertreten; was die Aussage über die Erschaffung des Menschen als Gottes Abbild angeht, verstehen die Mormonen das Verhältnis dafür als reziprok: „We are in the image of our Heavenly Father and his Son. They have physical bodies, though, unlike our bodies, theirs are perfect“ (Lee 1992a: 22). Dieses ‘Verkörperung’ der divinalen Mächte geht auf die „Doctrine and Covenants” zurück: „The father has a body of flesh and bones as tangible as man’s; the Son also; but the Holy Ghost has not a body of flesh and bones, but is a personage of Spirit. Were it not so, the Holy Ghost could not dwell in us” (D&C 130:22). Lediglich der Heilige Geist ist also reines Geistwesen. Diese Zuschreibung physischer Eigenschaften geht so weit, dass selbst Gott sich an gewisse physikalische Gesetze halten muß: „If God possess a form, that form is of necessity of definite proportions and therefore of limited extension in space. It is impossible for Him to occupy at one time more than one space of such limits“ (Talmage 1982: 39). In diesem Zusammenhang werden auch die im historischen Kapitel erwähnten Erscheinungen Jesu und Gottes vor den Augen Joseph Smiths nicht als lediglich spirituelle Erfahrungen gedeutet, sondern als wahre Erscheinungen von Personen aus Fleisch und Blut, wenn auch von höherer Qualität54 (Lee 1992a: 21f). Diese Vorstellung von einer engen Beziehung zwischen Mensch und Gott gipfelt in der Aussage des Kirchengründers Joseph Smith, dass [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832467869
Arbeit zitieren:
Baumann, Jochen Oktober 2001: Sport, Körper und Mormonen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Religion, Körperbild



