Das freie Spiel
Emmi Pikler und Maria Montessori im Vergleich
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Diana Gabriela Födinger
- Abgabedatum: Juni 2007
- Umfang: 91 Seiten
- Dateigröße: 276,9 KB
- Note: 3,0
- Institution / Hochschule: Universität Salzburg Österreich
- Bibliografie: ca. 29
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2097-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Födinger, Diana Gabriela Juni 2007: Das freie Spiel, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: freies kindliches Spiel, Erziehung, Entwicklungsfreiheit, Aktivität, Kompetenz
48,00 €
PDF-eBook Download: 48,00 €
Magisterarbeit von Diana Gabriela Födinger
Einleitung:
Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich der Erziehungsmethoden von Emmi Pikler und Maria Montessori. Insbesondere beziehe ich mich hierbei auf das freie Spiel und die Rahmenbedingungen dieser beiden reformpädagogischen Ansätze.
Durch mein Praktikum, welches ich im Zuge meines Studiums Anfang des Jahres 2005 im Eltern-Kind-Zentrum in Wels absolvierte, konnte ich die Arbeit der ungarischen Pädagogin Emmi Pikler, deren Konzept im Eltern-Kind-Zentrum als Leitmotiv gilt, direkt in der Praxis miterleben und war begeistert. Ich entdeckte dort meine Begeisterung für die Säuglings- und Kleinkinderziehung. Mein gesteigertes Interesse an der Säuglingsarbeit überraschte mich sehr, da ich vorher nicht sehr viel Zeit mit Kleinkindern verbracht habe, geschweige denn in Verbindung mit einem methodischen Ansatz. Nach Beendigung des Praktikums war mir klar, dass ich zu all diesen neuen Erfahrungen und Wissen über die Praxis der Pikler-Pädagogik, noch viel mehr theoretische Details wissen wollte. So suchte ich nach in Österreich erhältlicher Literatur und studierte diese. Das mir vorliegende Material stellte eine ideale Basis für meine Diplomarbeit dar. Das Verlangen dieses neu erworbene Wissen anderen Studierenden zugänglich zu machen motivierte mich zusätzlich. Ich bin sehr froh, diese Thematik bearbeiten zu dürfen, denn ich sehe dieses Wissen als bedeutendes Geschenk. Alle Kinder, ob meine eigenen oder die Kinder auf die ich in Zukunft beruflich treffen werde, sollen von diesem Wissen profitieren können.
Während ich mich mit dem theoretischen Hintergrund der von Emmi Pikler entwickelten Erziehungsmethoden beschäftigte, stieß ich auf die Pädagogin Maria Montessori, welche durch ähnliche erzieherische Ansichten bekannt wurde. Hierbei entstand die Idee zu dieser Arbeit.
Ziel dieser Arbeit ist es, die von Emmi Pikler und Maria Montessori entwickelten Richtlinien einer optimalen Erziehung darzustellen, miteinander zu vergleichen und anhand wissenschaftlicher Untersuchungen zu beurteilen.
Die grundlegenden Fragen, die sich stellen sind, auf welche Details Eltern und Erzieher im kindlichen freien Spiel achten müssen, um eine ideale Entwicklung des Kindes ermöglichen zu können und welche Vorteile eine solche Erziehung für das Kind bringen kann. Anhand der Methode einer Inhaltsanalyse wird versucht, die entsprechenden Konzepte zur Darstellung der pädagogischen Annahmen einzubringen.
Des Weiteren wird über die Parallelen und Unterschiede in den erzieherischen Theorien Piklers und Montessoris diskutiert. Bei jenen Annahmen, in denen Pikler und Montessori differenzierte Ansichten vertreten, sollen wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, welche Theorie tatsächlich im Interesse des Kindes ist. Anhand mehrerer empirischen Studien werden die Konzepte der beiden Pädagoginnen verglichen und beurteilt.
Da sich Emmi Pikler vorwiegend mit Säuglingen und Kleinkindern beschäftigt hat, Maria Montessori sich aber mit Kindern geringen Alters bis hin zu Jugendlichen im Alter von 18 Jahren auseinandersetzte, entschloss ich mich in meiner Arbeit nur jene Studien zu untersuchen, deren Zielgruppe zwischen null und maximal fünf Jahre alt ist. Das heißt, es kamen für mich nur jene Studien in Frage, die sich mit Kindern vor dem Schuleintritt beschäftigen. Untersuchungen im Schulbereich werden deshalb in dieser Arbeit nicht behandelt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Ziele, Methode und Fragestellungen der Untersuchung | 8 |
| 2. | Gegenüberstellung der Lebensgeschichte | 10 |
| 2.1 | Biographie Emmi Pikler und Grundlagen ihrer Arbeit | 10 |
| 2.2 | Biographie Maria Montessori und Grundlagen ihrer Arbeit | 14 |
| 2.3 | Vergleich | 17 |
| 2.3.1 | Gemeinsamkeiten | 17 |
| 2.3.2 | Unterschiede | 20 |
| 2.4 | Zusammenfassung | 21 |
| 3. | Bedeutung des Spiels in der Entwicklungspsychologie | 22 |
| 3.1 | Entstehung neuer Methoden | 22 |
| 3.2 | Das Spiel | 23 |
| 3.2.1 | Die ökologische Perspektive des Kinderspiels | 25 |
| 3.2.1 | Die kulturelle Perspektive des Kinderspiels | 26 |
| 3.3 | Zusammenfassung | 26 |
| 4. | Bedeutung des freien Spiels nach Pikler und Montessori | 28 |
| 5. | Darstellung der empirischen Studien | 34 |
| 5.1 | Studie 1 | 34 |
| 5.1.1 | Ergebnisse | 35 |
| 5.1.2 | Zusammenfassung und Relevanz | 36 |
| 5.2 | Studie 2 | 37 |
| 5.2.1 | Ergebnisse | 37 |
| 5.2.2 | Zusammenfassung und Relevanz | 40 |
| 5.3 | Studie 3 | 43 |
| 5.3.1 | Ergebnisse | 44 |
| 5.3.2 | Zusammenfassung und Relevanz | 45 |
| 5.4 | Studie 4 | 47 |
| 5.4.1 | Ergebnisse | 48 |
| 5.4.2 | Zusammenfassung und Relevanz | 49 |
| 5.5 | Studie 5 | 50 |
| 5.5.1 | Ergebnisse | 52 |
| 5.5.2 | Zusammenfassung und Relevanz | 52 |
| 5.6 | Studie 6 | 54 |
| 5.6.1 | Ergebnisse | 55 |
| 5.6.2 | Zusammenfassung und Relevanz | 56 |
| 5.7 | Zusammenfassung | 57 |
| 6. | Das freie Spiel nach Emmi Pikler und Maria Montessori | 60 |
| 6.1 | Die Entwicklung des freien Spiels | 65 |
| 6.2 | Die Bedeutung des freien Spiels in der Vorschulzeit | 67 |
| 6.3 | Zusammenfassung | 69 |
| 7. | Gestaltung und Vergleich von Spielgruppen | 70 |
| 7.1 | Pikler- und Montessori-Spielgruppen | 71 |
| 7.2 | Spielraum als Entfaltungsraum | 72 |
| 7.3 | Ziel | 73 |
| 7.4 | Das Gruppentreffen. | 73 |
| 7.5 | Die Rolle der Eltern | 74 |
| 7.6 | Die Gruppenleitung | 74 |
| 7.7 | Der Ablauf | 75 |
| 7.8 | Die räumliche Gestaltung | 76 |
| 7.9 | Konflikte unter Kindern | 77 |
| 7.10 | Der Elternabend | 78 |
| 7.11 | Vergleich | 78 |
| 7.11.1 | Vergleich mit anderen Spielgruppenkonzepten | 81 |
| 7.12 | Hengstenberg-Spielgeräte . | 82 |
| 7.13 | Zusammenfassung | 83 |
| 8. | Kritische Bewertung | 86 |
| 9. | Zusammenfassung | 89 |
| 10. | Literaturverzeichnis | 92 |
Textprobe:
Kapitel 4., Bedeutung des freien Spiels nach Pikler und Montessori:
Der Erwachsene ist in Beziehung zu seinem Kind unbewusst an sich selbst orientiert. Alles was das Kind betrifft wird nach eigenen Richtlinien beurteilt. Aus dieser Sichtweise wirkt das Kind wie ein leeres Wesen, in der der Erwachsene sich verpflichtet fühlt das Kind mit Dingen zu füllen, wie ein unfähiger Mensch, dem man jede Tätigkeit abnehmen muss. Der Erwachsene hat das Gefühl der Schöpfer zu sein, der über Richtig und Falsch der Handlungen des Kindes entscheidet, ausgehend von der eigenen Beziehung zu sich selbst. Der Erwachsene ist das Vorbild, er macht keine Fehler. Jede Abweichung des Kindes vom Erwachsenen gilt als unverzeihlich. Auf diese Weise glaubt der Erzieher es mit Liebe zu überhäufen, doch in Wahrheit wird die Persönlichkeit des Kindes ausgelöscht.
Die Eltern sind die Beschützer des Kindes, jedoch nicht ihre Bauherren. Offenheit und Bereitschaft zur Anerkennung der Rechte des Kindes sind von großer Bedeutung.
Der französische Pädagoge Jean Piaget betont in seinen Theorien die gegenseitige Anpassung von Organismus und Welt. Er konnte in seinen Untersuchungen einen deutlichen Zusammenhang zwischen den beiden Elementen, in diesem Fall Erwachsener und Kind, feststellen. Das Verhalten des Erwachsenen gegenüber dem Kind nimmt somit großen Einfluss auf dessen gesamtes Leben.
Die kindliche Lust zu spielen ist ein grundlegendes Bedürfnis und in all den verschiedenen Entwicklungsstufen ist das Spiel das Bedeutendste im Leben des Kindes. Diese Thematik nimmt in der pädagogischen Literatur zwar einen breiten Raum ein, doch sind genauere Beobachtungen kaum auffindbar.
Der Erwachsene, sowie auch das Kind, hat die Chance an einem Prozess der Selbsterfahrung teilzuhaben. Das Kind erfährt dies direkt in der aufmerksamen Teilhabung, der Erzieher jedoch durch die reflektierende Beobachtung des Kindes.
Erst wenn der Erwachsene sich zurückzieht und nicht ins Geschehen des Kindes eingreift wird sein Blick für das Kind frei. Nur durch aufmerksames Beobachten hat man die Möglichkeit zu sehen, was sich in dem kleinen Leben ereignet, lange bevor Großereignisse stattfinden, wie zum Beispiel das Aufeinandersetzen von Bausteinen. Wenn man sich die Zeit nimmt das Kind im Spiel zu beobachten, entwickelt man ein besseres Verständnis für die individuellen Bedürfnisse des Kindes.
Oft genug trifft man auch auf verzweifelte Eltern und Erzieher, die sich beschweren, dass ihre Kinder unfähig sind alleine zu spielen. Kaum jemandem ist bewusst, dass der Grund dieser Passivität und mangelnder Initiative im Verhalten des Erwachsenen liegt.
Das Kind erreicht viel mehr, wenn eigenes Entdecken ermöglicht wird. Beispielsweise muss das Kind nicht darauf hingewiesen werden, dass es nur eine Reihenfolge für das Aufeinanderstülpen von Bechern verschiedener Größe gibt. Die Tatsache, dass ein großer Becher nicht in einen kleinen passt, entdeckt es von ganz alleine. Fehlt dem Kind das selbstständige Entdecken, wird es auch in Zukunft keine weiteren ‘für uns alltäglichen’ Vorgänge verstehen können. Der natürliche Wissensdrang geht verloren.
Piaget teilt die Entwicklung des Menschen in kognitive Stadien ein, entsprechend den immer differenzierter werdenden kognitiven Fähigkeiten von Kindern. Diese Stadien kennzeichnen sich durch ein verändertes Verhältnis zu den Objekten. Für Piaget ist die menschliche Entwicklung von einem ‘primitiven’ Anfang zu einem reifen, ausdifferenzierten Stadium fortschreitend, hin zu einem ‘dann endlich’ erreichten Zustand, zu verstehen. Piaget hat sich mit dieser Entwicklung anhand empirischer Beobachtungen an Kindern unterschiedlicher Altersstufen im Umgang mit diversen Objekten auseinandergesetzt. Er hat sich unter anderem die Frage gestellt, in welchem Alter das Kind weiß, dass Material, wenn man es verschieden anordnet oder verformt, dieselbe Anzahl behält (Mengenkonstanz)? Dabei hat sich schließlich gezeigt, dass Kinder Einzelerkenntnisse zu Strukturen komplexer und abstrakter Art zusammenfügen. Sie können den gewonnenen Strukturaspekt selbstständig vorausschauend auf andere, neue Fragen anwenden.
Alle Spielsachen die den Kindern in die Hand geben werden, sind demnach als Spielvorschläge zu verstehen. Werden diese immer komplizierter, so werden auch die Kinder immer abhängiger vom Erwachsenen.
Der Erwachsene hat völlig vergessen wie besonders Gegenstände einfachster Art für ein Kleinkind sein können. Kálló & Balog bezeichnen die Dinge wie Becher, Löffel und Korken als Phänomene der Alltagswelt.
Das Erziehungsziel ist also dann erreicht, wenn das Kind sich für eine ansprechende Umgebung interessiert, ausprobiert und tätig wird. Leider ist dies für den Erwachsenen oft mehr als schwer zu erreichen. Er verhält sich verständnislos, ungeduldig und teils widersprüchlich.
Oft werden Kinder im Spiel unterbrochen, weil es für den Erwachsenen als zeitlich unpassend empfunden wird.
Für das Kind verwirrend ist auch, wenn es an einem Tag im Wohnzimmer spielen darf und am folgenden Tag nicht mehr. Klar ist, kein Kind spielt ‘auf Kommando’. Wurde das kindliche Spiel einmal gestört, hat es später oft keine Lust mehr, dort fortzusetzen wo es vorher unterbrochen wurde. Der Erwachsene versteht das nicht und ist verärgert.
Nicht zu vergessen ist auch, dass wir in einer sehr hektischen Zeit leben. Da bei den Erwachsenen immer alles sehr schnell abgehandelt werden muss, wird diese Schnelllebigkeit auch von den Kindern verlangt. Schon morgens beim Frühstück oder beim Waschen bleibt oft keine Zeit für die Kinder die Dinge nach ihrem eigenen Tempo auszuprobieren. Die Eltern haben Stress, die Zeit läuft davon, so fällt es einfach leichter, wenn man den Kleinen die Arbeit abnimmt.
Wenn sich zum Beispiel ein Kind in der Handhabung des Löffels übt und eigenständig versucht eine Suppe zu essen, kommt der Erwachsene, nimmt den Löffel und füttert es. Besonders wenn Eltern in Eile sind, neigen sie dazu dem Kind die Mahlzeit in zu großen Mengen und gleichzeitig in zu kurzen Abständen einzugeben. Versetzt man sich in die Lage des Kindes, erkennt man rasch, dass diese Situation nicht angenehm sein kann. Die Ernährung hängt nicht nur von der hinuntergeschluckten Suppe ab, sondern auch von der Freiheit, in der diese Dinge geschehen.
Kinder brauchen also viel Zeit um die eigenen Fähigkeiten ausprobieren und festigen zu können.
48,00 €
PDF-eBook Download: 48,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836620970
Arbeit zitieren:
Födinger, Diana Gabriela Juni 2007: Das freie Spiel, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
freies kindliches Spiel, Erziehung, Entwicklungsfreiheit, Aktivität, Kompetenz



