Spezifika bei der Bewertung von Biotechnologie-Unternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Artur Kulescha
- Abgabedatum: August 2006
- Umfang: 102 Seiten
- Dateigröße: 988,1 KB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Düsseldorf Deutschland
- Bibliografie: ca. 68
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9888-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9888-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9888-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kulescha, Artur August 2006: Spezifika bei der Bewertung von Biotechnologie-Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Unternehmensbewertung, Biotechnologie, Venture Capital, New Economy, Valuation
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Diplomarbeit von Artur Kulescha
Einleitung:
Die Bewertung von Biotechnologie-Unternehmen (BTU) gestaltet sich äußerst komplex. Traditionelle Bewertungsmethoden stoßen bei der Bewertung aufgrund zahlreicher Besonderheiten oft an ihre Grenzen. Viele Unternehmen der Biotechnologie-Branche erreichen erst in einigen Jahren die Gewinnschwelle und verfügen oftmals nicht über die Größe, um ihre Produkte und Dienstleistungen selbstständig weltweit erfolgreich zu vermarkten. Die Forschung und Entwicklung (F&E) ist in vielen Forschungsgebieten sehr zeit- und kostenintensiv und zudem mit erheblichen Risiken verbunden. Wertgrundlagen bilden beispielsweise Ertragspotentiale, immaterielle Vermögensgegenstände wie Patente, Forschungsergebnisse und Humankapital.
Die Herausforderung bei der Bewertung solcher Unternehmen besteht darin, die besonderen Risiken als auch die signifikanten Potentiale zu erkennen und angemessen bei der Unternehmensbewertung zu berücksichtigen. Während des Technologie-Booms zur Jahrtausendwende war die Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen aus der so genannten „New Economy“ mit den traditionellen Bewertungsmethoden nicht mehr zu erklären.
Eine Reihe neuer Bewertungsmodelle wurde entwickelt, um die hohen Bewertungen zu rechtfertigen. Zu dieser Zeit konnte bspw. eine zunehmende Verbreitung des Realoptionsansatzes beobachtet werden, der im Vergleich zu den traditionellen Bewertungsmethoden tendenziell zu einem höheren Unternehmenswert führt. Der anschließende Crash im Jahr 2000 lässt vermuten, dass auch die neu entwickelten Ansätze die Marktkapitalisierungen nicht erklären konnten.
Verschiedene Autoren führen die hohe Volatilität von BTU an den Aktienmärkten darauf zurück, dass noch erhebliche Methodendefizite bei der Bewertung solcher Unternehmen vorliegen. In Praxis und Literatur herrscht somit keine einheitliche Meinung, mit welcher Methode insbesondere Unternehmen aus der „New Economy“ zu bewerten sind. Vielmehr scheint Einigkeit darüber zu bestehen, die Unternehmensbewertung mehr als eine Art Kunst, als Wissenschaft zu betrachten. So betitelte das Handelsblatt jüngst einen Artikel bei der Frage wie die besten Analysten bei ihrer Arbeit vorgehen: „Ein Mix aus Können und Glück“.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Besonderheiten von BTU und der Biotechnologie-Branche im Hinblick auf die Unternehmensbewertung herauszuarbeiten.
Weiteres Ziel ist, die Schwierigkeiten traditioneller Bewertungsmethoden, die sich bei der Bewertung von Wachstumsunternehmen und insbesondere BTU ergeben, aufzuzeigen. Zudem soll eine in der Praxis relevante und für BTU geeignete sowie praktikable Bewertungsmethode anhand von Fallbeispielen vorgestellt werden.
Durch einen Vergleich mit den derzeitigen Marktkapitalisierungen soll überprüft werden, ob sich diese Methode für eine Bewertung von BTU eignet.
Die Arbeit gliedert sich in drei wesentliche Bereiche: Kaptitel B verschafft einen allgemeinen Überblick über die Biotechnologie-Branche, die branchenspezifischen Eigenschaften, Potenziale, Trends und Geschäftsmodelle.
Kapitel C geht konkret auf die Unternehmensbewertung ein. Es werden traditionelle sowie in der Praxis relevante Methoden, die bei der Bewertung von BTU verwendet werden, vorgestellt und diskutiert.
In Kapital D erfolgt eine Fallstudie mittels der für die Praxis und konkret für das Unternehmen relevanten vorgestellten Methoden in Kapitel C. Abschließend erfolgt eine Interpretation der Ergebnisse und Erkenntnisse, die sich aus der Fallstudie ergeben.
Die Arbeit konzentriert sich auf Unternehmen, die der roten Biotechnologie zugeordnet werden können, wobei das Geschäftsmodell der Medikamentenentwicklung im Vordergrund der Ausführungen steht. Die Gründe dafür werden im Branchenüberblick ersichtlich und erläutert. Aus Interviews mit Branchenexperten und mittlerweile auch aus der Literatur geht hervor, dass dem Realoptionsansatz, der in der Literatur im Zusammenhang mit der Bewertung von Wachstumsunternehmen oft diskutiert wird, in der Bewertungspraxis keine Bedeutung zukommt. Im Fokus dieser Arbeit stehen daher nur für die Praxis relevante Methoden der Unternehmensbewertung.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VII | |
| A. | Einführung | 1 |
| 1. | Problemstellung, Zielsetzung und Fokussierung | 1 |
| B. | Branchenüberblick Biotechnologie | 3 |
| 1. | Definition der modernen Biotechnologie | 3 |
| 2. | Einteilung nach Sektoren | 4 |
| 2.1 | Rote Biotechnologie | 4 |
| 2.2 | Weiße Biotechnologie | 5 |
| 2.3 | Grüne Biotechnologie | 5 |
| 3. | Einteilung nach dem Geschäftsmodell | 6 |
| 3.1 | Medikamentenentwickler | 6 |
| 3.2 | Technologie- und Service-Anbieter | 9 |
| 4. | Biopharmazeutische Wertschöpfungskette | 11 |
| 4.1 | Forschung & Entwicklung | 12 |
| 4.1.1 | Klinische Phasen | 12 |
| 4.1.2 | Zulassung | 14 |
| 4.1.3 | Markteintrittswahrscheinlichkeiten | 15 |
| 4.2 | Produktion | 16 |
| 4.2.1 | Validierung der Produktionsprozesse | 16 |
| 4.3 | Marketing und Vertrieb | 16 |
| 5. | Spezifische Rahmenbedingungen | 18 |
| 5.1 | Nationale Gesetzgebung | 18 |
| 5.2 | Patente | 19 |
| 5.3 | Förderung von Orphan Drugs | 20 |
| 5.4 | Gesundheitssysteme | 21 |
| 6. | Trends | 22 |
| 6.1 | Marktentwicklung und Marktpotentiale | 22 |
| 6.2 | Hohe Bedeutung von Kooperationen | 23 |
| 6.3 | Fokussierung auf Nischenmärkte | 24 |
| 6.4 | Innovationskrise großer Pharmakonzerne | 25 |
| 6.5 | Zunahme von Mergers and Acquisitions | 26 |
| C. | Unternehmensbewertung | 27 |
| 1. | Besondere Ausgangslage bei der Bewertung von BTU | 27 |
| 1.1 | Bewertungsrelevante Besonderheiten | 27 |
| 1.2 | Anforderung an die Bewertung | 29 |
| 2. | Quantitative Bewertungsmethoden | 31 |
| 2.1 | Überblick | 31 |
| 2.2 | Marktwertorientierte Verfahren | 31 |
| 2.3 | Beurteilung der marktwertorientierten Verfahren | 35 |
| 2.3 | Zukunftserfolgsverfahren | 37 |
| 2.3.1 | DCF-Verfahren - WACC-Ansatz | 38 |
| 2.3.2 | Ertragswertverfahren | 44 |
| 2.4 | Beurteilung der Zukunftserfolgsverfahren | 45 |
| 2.4 | Eignung der Bewertungsmethoden für BTU | 47 |
| 3. | Spezielle Bewertungsansätze für BTU | 49 |
| 3.1 | Biotech-Discount-Modell | 49 |
| 3.2 | Bewertungsmodelle für Medikamentenentwickler | 52 |
| 3.2.1 | Pipeline Bewertungsmodell | 52 |
| 3.2.2 | Pipeline Comparable Approach | 54 |
| 4. | Qualitative Bewertungskriterien | 55 |
| 4.1 | Scoring-Modell zur Analyse und Bewertung qualitativer Kriterien | 56 |
| 4.1.1 | Klassifizierung und Analyse der Kriterien | 56 |
| 4.1.2 | Bewertung und Gewichtung der Kriterien | 59 |
| 4.1.3 | Auswertung und Interpretation der Ergebnisse | 60 |
| 5. | Abschließende Überlegungen und weitere Vorgehensweise | 62 |
| D. | Fallbeispiele | 63 |
| 1. | MediGene AG | 63 |
| 1.1 | Porträt | 63 |
| 1.2 | Analyse und Beurteilung der qualitativen Kriterien | 64 |
| 1.3 | Gewichtung und Interpretation der Ergebnisse | 76 |
| 1.4 | Unternehmenswertberechnung mit dem Biotech-Discount-Modell | 77 |
| 2. | Paion AG | 81 |
| 2.1 | Kurzporträt | 81 |
| 2.2 | Unternehmenswertberechnung mit dem Biotech-Discount-Modell | 82 |
| 3. | Intercell AG | 83 |
| 3.1 | Kurzporträt | 83 |
| 3.2 | Unternehmenswertberechnung mit dem Biotech-Discount-Modell | 84 |
| 4. | Interpretation der Ergebnisse | 86 |
| E. | Fazit und Ausblick | 87 |
| Anhang | 89 | |
| 1. | Anhang I | 89 |
| 2. | Anhang II | 89 |
| Quellenverzeichnis | 90 |
Das Biotech-Discount-Modell ist eine Kombination aus Multiplikatorenverfahren und DCF-Verfahren und wird vor allem im angloamerikanischen Raum von einigen Investmentbanken zur Bewertung von BTU eingesetzt. Das Grundkonzept entstammt der Venture Capital (VC) Szene und wird auch als VC-Methode bezeichnet. Obwohl das Modell keine eigenständige wissenschaftlich fundierte Bewertungsmethode darstellt, ergaben jüngste empirische Studien, dass sich über 50 % der VC-Gesellschaften dieser Methode bedienen. 125 Bei der VC-Methode wird der Unternehmenswert durch die Barwertbestimmung des erwarteten Exit-Wertes berechnet, wobei der Diskontierungssatz der Renditeforderung der Kapitalgeber entspricht. Für die Berechnung des Unternehmenswertes werden sowohl zukunftsorientierte Verfahren als auch marktwertorientierte Verfahren verwendet. 126 Das Grundkonzept wurde von Investmentbanken aufgenommen und entsprechend modifiziert, um eine Adaption auf BTU zu ermöglichen. • Das Biotech-Discount-Modell [...]
Sowohl marktwertorientierte als auch Zukunftserfolgsverfahren verfügen über Vor- und Nachteile. In der Bewertungspraxis werden beide Verfahren für die Bewertung von BTU verwendet. Dem Prognoseproblem sowie den einzelnen spezifischen Risiken wird bei den Zukunftserfolgsverfahren in der Regel mit erhöhten Diskontierungssätzen Rechnung getragen. Dabei werden marktwertorientierte Verfahren verwendet, um die mittels DCFVerfahren errechneten Unternehmenswerte zu plausibilisieren. Man spricht daher in diesem Zusammenhang auch von einem „Methodenmix“. Eine weitere Möglichkeit, der Unsicherheit der zukünftigen Unternehmensentwicklung Rechnung zu tragen, besteht in der Anwendung einer szenariobasierten DCFBewertung. 119 Bei der szenariobasierten DCF-Bewertung werden alle Informationen über die möglichen Zukunftsentwicklungen des Unternehmens zusammengetragen und daraus denkbare zukünftige Szenarien abgeleitet. 120 Dabei wird von einem Basis-Szenario (BaseCase) ausgegangen und auf diesem basierend ein Best-Case- und Worst-Case-Szenario modelliert. Die Bandbreite innerhalb des Worst-Case- und Best-Case-Szenarios ist stellvertretend für alle denkbaren Szenarien zu sehen, d. h. der Unternehmenswert sollte voraussichtlich innerhalb dieser Bandbreite liegen. Der Unterschied zu traditionellen Prognosetechniken liegt in der bewussten Akzeptanz von Ungewissheit, folgendermaßen bilden Szenarien mögliche Zukunftsentwicklungen ab, ohne diese mit Wahrscheinlichkeiten zu belegen. Andere Prognoseverfahren dagegen suggerieren dem Empfänger der Bewertung oftmals, dass die prognostizierte zukünftige Entwicklung ziemlich sicher eintreffen wird. [...]
se erforderlich sind. Sofern keine detaillierten Daten des Unternehmens vorliegen, gestaltet sich die Informationsbeschaffung als schwierig. Dienste wie IMS-Health 116 oder pharmaprojects.com verfügen zwar über umfangreiche Daten wie bspw. Marktpotentiale einzelner Krankheiten oder Gewinnmargen von Medikamenten, allerdings ist der Rückgriff auf diese Daten kostenpflichtig und wird selbst von BTU aufgrund der hohen Kosten oftmals nicht in Anspruch genommen. Die Ausweitung der Detailplanungsphase und die Anwendung periodenspezifischer Kapitalkosten sind mit einem signifikanten Mehraufwand verbunden. Vorteilhaft ist, dass die Berechnung des Unternehmenswertes lediglich Grundkenntnisse der Investitionsrechnung erfordert und die Bewertungsergebnisse daher für einen breiten Personenkreis gut nachvollziehbar sind. Das Kriterium der Praktikabilität wird somit bezüglich der Bewertung von BTU nur zum Teil erfüllt. 117 • Akzeptanz [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832498887
Arbeit zitieren:
Kulescha, Artur August 2006: Spezifika bei der Bewertung von Biotechnologie-Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Unternehmensbewertung, Biotechnologie, Venture Capital, New Economy, Valuation



