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Spekulation in der Bauwirtschaft

Gratwanderung zwischen Liberalisierung und Regulierung der Baupreisbildung

Spekulation in der Bauwirtschaft
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Walter Reckerzügl
  • Abgabedatum: November 2000
  • Umfang: 296 Seiten
  • Dateigröße: 3,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5648-1
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5648-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Reckerzügl, Walter November 2000: Spekulation in der Bauwirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Preisangemessenheit, Angebotsprüfung, Baupreisbildung, Preisuntergrenze, Preisplausibilität

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Dissertation / Doktorarbeit von Walter Reckerzügl

Einleitung:

Diese Arbeit liefert weder eine Pauschalverurteilung der Spekulation im Bereich des Bauwesens noch soll sie ein Freibrief für alle spekulativen Vorgänge sein. Intention ist vielmehr eine differenzierte, wissenschaftlich objektive Behandlung dieser Thematik unter Beachtung verschiedenster Einflußbereiche und Sichtweisen. Während die Spekulation in den letzten Jahrzehnten vor allem im finanzwirtschaftlichen Bereich in umfangreicher Weise wissenschaftlich untersucht wurde, fehlt eine solche Analyse für die Bauwirtschaft gänzlich. Dieser Umstand stellte auch den wichtigsten Beweggrund für die Behandlung dieser Thematik dar, wobei das Ziel verfolgt wurde, ein Gesamtwerk zu schaffen, das nicht nur einen bestimmten Teilbereich, sondern das Problem als Ganzes von unterschiedlichen Perspektiven aus und mit allen interdisziplinären Interdependenzen beleuchtet und sowohl Probleme als auch Lösungsansätze aufzeigt.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit versucht daher diesem Ziel entsprechend nach einer allgemeinen Einführung in die Thematik (Kapitel I) zunächst die Grundlagen für die weitere Untersuchung zu erarbeiten (Kapitel II). Dabei stehen zunächst die exakten Begriffsabgrenzungen und die Aufarbeitung der wirtschaftlichen Grundlagen - insbesondere der Vergleich der Situation der Bauwirtschaft mit anderen Wirtschaftsbereichen - im Vordergrund der Analyse. Anhand einer phänomenologischen Untersuchung möglicher Spekulationsformen in der Bauwirtschaft wird das hier behandelte Problem dann in praktischer Form aufgezeigt und konkrete Fragen im Einzelfall aufgeworfen. In weiterer Folge wird dann der Begriff des Spekulationspotentials geprägt, auf den im Zuge der Arbeit immer wieder zurückgegriffen wird.

Kapitel III stellt dann den eigentlichen Kern der Arbeit dar, der sich der Analyse der Spekulation in der Bauwirtschaft widmet. Dabei werden mögliche Preisuntergrenzen und Preisbegriffe (Unterpreis, überhöhter Preis, angemessener Preis, usw.) behandelt, ehe eine umfassende vertrags- und vergaberechtliche Analyse folgt. Darauf aufbauend erfolgt die Aufarbeitung und Weiterentwicklung bereits bestehender Bestimmungen zur Behandlung von Angeboten mit preislichen Besonderheiten während der Vergabephase mit dem Ziel, eine Aussage bezüglich der Frage zuzulassen, wann ein solches Angebot auszuscheiden bzw. wie es zu werten ist. Den Abschluß dieses Hauptteiles bildet die Behandlung möglicher Leistungsänderungen in bestehenden Vertragsverhältnissen bei Vorliegen eines spekulativen Preisgefüges.

Um die umfassende Behandlung des Themenbereiches Spekulation in der Bauwirtschaft zu vervollständigen, folgt am Ende dieser Arbeit eine Untersuchung der laut bestehender Rechtsvorschriften möglichen Maßnahmen zur Verhinderung von Spekulation bzw. ihrer finanziell nachteiligen Folgen.

Inhaltsverzeichnis:

I. EINLEITUNG 1
I.A Situationsanalyse des österreichischen Baumarktes 2
I.B Fragestellung im Rahmen dieser Arbeit 4
I.C Ziel der Arbeit 5
I.D Aufbau und Gliederung der Arbeit 6
I.E Abgrenzung der Arbeit 7
II. GRUNDLAGEN DER SPEKULATION 8
II.A Spekulation - Begriffsbestimmung 8
II.A.1 Geschichtlicher Rückblick 10
II.A.2 Wirtschaftswissenschaftliche Definition 11
II.A.3 Finanzwirtschaftliche Definition 13
II.A.4 Bauwirtschaftliche Definition 14
II.A.5 Die Problematik der Anwendung spekulativer Ansätze 17
II.A.5.1 Der Konflikt 17
II.A.5.2 Aus Sicht des Auftragnehmers 18
II.A.5.3 Aus Sicht des Auftraggebers 19
II.B Betriebswirtschaftliche Grundlagen der Spekulation 21
II.B.1 Der Markt 21
II.B.1.1 Vollkommener Markt 22
II.B.1.2 Unvollkommener Markt 23
II.B.1.3 Marktklassifikationen 23
II.B.2 System der Preisbildung 25
II.B.3 Preis- und Absatzstrategien 27
II.B.3.1 Preispolitik 27
II.B.3.2 Produkt- und Sortimentsgestaltung 29
II.B.3.3 Werbung 30
II.B.3.4 Distributionspolitik 31
II.B.3.5 Marketing-Mix 31
II.B.3.6 Staatliche Einflüsse 32
II.B.3.7 Beschränkungen der Freiheit des Unternehmers bei der Preisfestsetzung in der Konsumgüterindustrie 34
II.B.4 Spekulation in der Konsumgüterindustrie 35
II.C Bauwirtschaftliche Grundlagen der Spekulation 37
II.C.1 Der Baumarkt 37
II.C.2 Marktstrategien in der Bauwirtschaft 38
II.C.3 Kalkulation 41
II.C.3.1 Vollkostenrechnung - Zuschlagskalkulation 42
II.C.3.2 Teilkostenrechnung - Deckungsbeitragsrechnung 43
II.C.3.3 ÖNORM B 2061 46
II.C.4 Kostenelastizität einer Einheitspreisposition 50
II.C.4.1 Elastizität der Einzelkosten 51
II.C.4.2 Elastizität der Herstellkosten 56
II.C.4.3 Elastizität der Selbstkosten 56
II.C.5 Kostenelastizität des Gesamtpreises 57
II.C.6 Phänomenologische Betrachtung der Spekulation in der Bauwirtschaft 58
II.C.6.1 Möglichkeiten des Auftraggebers zur Beeinflussung der künftigen Abrechnungssumme 58
II.C.6.2 Möglichkeiten der Auftragnehmerspekulation 61
II.D Spekulationspotential 77
II.D.1 Spekulationspotential der Position 77
II.D.2 Spekulationspotential des Auftrages 79
II.D.3 Spekulationspotential des Angebotes 84
III. ANALYSE DER SPEKULATION IN DER BAUWIRTSCHAFT 85
III.A Preisanalyse 85
III.A.1 Unterpreis - Preiselastizität 85
III.A.1.1 Allgemeines 85
III.A.1.2 Einzelwirtschaftlicher Schwellenwert 94
III.A.1.3 Volkswirtschaftlicher Schwellenwert 110
III.A.2 Überhöhter Preis 112
III.A.3 Auskömmlicher Preis 113
III.A.4 Spekulativer Preis 113
III.A.5 Angemessener Preis 113
III.A.5.1 ABGB §1152 114
III.A.5.2 ÖNORMEN B 2061 bzw. A 2050 115
III.B Vertragsrechtliche Analyse der Spekulation 118
III.B.1 Grundsätzliches 118
III.B.1.1 Gesetzliche Bauvertragsgrundlagen 118
III.B.1.2 ÖNORMEN des Verdingungswesens 119
III.B.2 Prüf- und Warnpflicht 126
III.B.2.1 Rechtliche Grundlagen 126
III.B.2.2 Vertragsstadium 128
III.B.2.3 Vorvertragliches Stadium 132
III.B.2.4 Spekulation im Spannungsfeld der (vorvertraglichen) Prüf- und Warnpflicht 142
III.B.3 Der Begriff der „Guten Sitten“ im ABGB 143
III.B.3.1 Sittenwidrigkeit 143
III.B.3.2 § 864a - Geltungskontrolle 147
III.B.3.3 § 879 Abs 3 - Gröbliche Benachteiligung 148
III.B.3.4 § 879 Abs. 2 - Wucher 151
III.B.3.5 Die Generalklausel des § 879 Abs 1 152
III.B.3.6 Die Anwendung der Überlegungen zum Begriff der „Guten Sitten“ beim Bauvertrag 153
III.B.3.7 Spekulation und Sittenwidrigkeit nach § 879 Abs 1 ABGB 158
III.B.4 Die Anfechtungstatbestände des ABGB 161
III.B.4.1 Irrtum 161
III.B.4.2 List 164
III.B.4.3 Wegfall der Geschäftsgrundlage 165
III.B.4.4 Rechtsfolgen der Anfechtungstatbestände 165
III.B.4.5 Spekulation und die Anfechtungstatbestände nach ABGB 167
III.C Vergaberechtliche Analyse der Spekulation 173
III.C.1 Allgemeines 173
III.C.1.1 ÖNORM A 2050 175
III.C.1.2 Bundesvergabegesetz 175
III.C.1.3 Vergabeverfahren 176
III.C.2 Bestbieterermittlung 177
III.C.2.1 Regelungen der VOB 179
III.C.2.2 Regelungen der VOÖB bzw. ÖN A 2050 (Fassung 1957) 184
III.C.2.3 Aktuelle Regelungen der ÖNORM A 2050 bzw. des BVergG 185
III.D Korrekte Behandlung von Angeboten mit preislichen Besonderheiten im Vergabeverfahren 192
III.D.1 Vergaberechtliche Grundlagen zur Ausscheidung von Angeboten mit preislichen Besonderheiten 192
III.D.1.1 Vergabeordnungen 192
III.D.1.2 Relevante Urteile der Vergabekontrollorgane 193
III.D.2 Preisliche Angebotsprüfung 199
III.D.2.1 Angemessenheit - Plausibilität 200
III.D.2.2 Gesamtpreis - Einheitspreis 203
III.D.2.3 Preisangemessenheitsprüfung 203
III.D.2.4 Preisliche Aufklärung gemäß Punkt 7.3.4.4 ÖN A 2050 bzw. § 49 Abs 1 BVergG 212
III.D.2.5 Preisplausibilitätsprüfung 214
III.D.2.6 Aufklärungsgespräch 220
III.D.2.7 Übersicht Preisliche Angebotsprüfung und Konsequenzen 221
III.D.3 Ausscheiden von Angeboten mit preislichen Besonderheiten 222
III.D.3.1 Bestehende vergaberechtliche Bestimmungen 222
III.D.3.2 Analyse der Regelungen und Änderungsvorschläge 222
III.D.4 Wertung eines Angebotes mit preislichen Besonderheiten 236
III.D.5 Siedlungswasserbau 239
III.D.5.1 Zuschlagsfähigkeit eines Groschenangebotes 241
III.D.5.2 Vorschlag für den Bereich des Siedlungswasserbaues 242
III.E Vertragsrechtliche Behandlung von Leistungsänderungen bei Verträgen mit spekulativer Preisstruktur 244
III.E.1 Gültigkeit der Vertragspreise 244
III.E.1.1 Einheitspreisvertrag 244
III.E.1.2 Pauschalpreisvertrag 245
III.E.2 Preisanpassung bei Leistungsänderungen gemäß ÖN B 2110 246
III.E.2.1 Geänderte Art und Umstände der Leistungserbringung und zusätzliche Leistungen - Punkt 5.23.3 246
III.E.2.2 Änderung der Bezugsquellen - Punkt 5.23.5 247
III.E.2.3 Mengenänderungen - Punkt 5.23.6 (20%-Klausel) 247
III.E.3 Grenzen der Gültigkeit der Vertragspreise bei Leistungsänderung 251
III.E.3.1 Kalkulationsirrtum 252
III.E.3.2 Unangemessene Preise bzw. Preise mit nicht plausibler Zusammensetzung 253
III.E.3.3 Sittenwidrigkeit 253
III.E.3.4 Wegfall der Geschäftsgrundlage 254
III.E.3.5 Treu und Glauben 254
IV. MASSNAHMEN ZUR VERHINDERUNG VON SPEKULATION BZW. DEREN NEGATIVEN AUSWIRKUNGEN 256
IV.A Ausschreibungsphase 257
IV.A.1 Leistungsbeschreibung 257
IV.A.2 Planungsstand 258
IV.A.3 Leistungsverzeichnis 258
IV.A.4 Wahl der Vertragspreisfestsetzung 259
IV.A.4.1 Preisangebotsverfahren 260
IV.A.4.2 Preisaufschlags- und Preisnachlaßverfahren 260
IV.A.5 Wahl der geeigneten Vertragsform - Risken und Garantien 263
IV.A.5.1 Einheitspreisvertrag 263
IV.A.5.2 Mengengarantievertrag 263
IV.A.5.3 Pauschalpreisvertrag 264
IV.A.5.4 Festpreisvertrag 265
IV.B Vergabephase 265
IV.C Ausführungsphase 266
IV.D Abrechnungsphase 266
V. ERGEBNIS DER ARBEIT 267
V.A Zusammenfassung 267
V.B Beantwortung der eingangs gestellten Fragen 269
V.C Weiterer Forschungsbedarf 272
V.D Schlussbemerkung 272
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 273
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 274
LITERATURVERZEICHNIS 275
Bücher 275
Artikel 278
Gesetze, Normen und Kommentare 280
Sonstige Quellen 282
LEBENSLAUF 285

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Bauzeit hat durch die zeitgebundenen Baustellengemeinkosten unmittelbaren Einfluß auf die Kosten der Bauausführung. Durch eine Verkürzung der Bauzeit bei gleichbleibendem Leistungsumfang ergeben sich für den Auftragnehmer grundsätzlich Einsparungen (nämlich eben im Bereich der zeitgebundenen Baustellengemeinkosten), wenn diese Beschleunigung nicht durch allzu teure Forcierungsmaßnahmen67 erzielt wurde. Diese Überlegungen gelten natürlich vice versa für eine Bauzeitverlängerung und hängen eigentlich nicht unmittelbar mit Spekulation zusammen; vielmehr muß das Bemühen um eine optimale (möglichst rasche) Bauabwicklung als betriebswirtschaftliche Notwendigkeit im Zuge der Bauabwicklung gesehen werden. Von Spekulation kann allerdings dann gesprochen werden, wenn versucht wird, die aufgrund einer vielleicht kürzeren Bauzeit infolge einer Beschleunigung des [...]

Festlegung des gewünschten Angebotspreises: hier geht es darum, jenen Angebotspreis festzulegen, der ausgehend von der Nullkalkulation als marktpolitisch vernünftiger Wert angesehen wird, um den Auftragserhalt nach sich zu ziehen. Wird die angestrebte Angebotssumme etwa mit Σ Xk,i * Mau,i * 0,9 festgelegt, so bedeutet dies eine Reduktion des Angebotes um 10% gegenüber der Nullkalkulation65. Wird der Preis zu tief abgesenkt, wird das Angebot wohl wegen fehlender Angemessenheit auszuscheiden sein. Festsetzung der Preisunter- und -obergrenzen unter dem Aspekt der Plausibilität und Angemessenheit → Xi,min, Xi,max Maximierungskriterium ist die mögliche Positionspreisänderung der einzelnen Positionen als Differenz zwischen der „normal“ bzw. spekulativ ausgepreisten Position: entscheidend ist daher unter anderem einerseits die erwartete Mengenänderung und andererseits die plausibel vertretbare Preisänderungsspanne. [...]

keine Schuldzuweisung im Sinne des Schadenersatzes ausdrücken, sondern den bloßen Umstand beschreiben, daß im Zuge der Leistungserstellung Leistungsänderungen erforderlich werden, die im ursprünglichen LV noch nicht ihren Niederschlag gefunden haben. Liegt eine mangelhafte Ausschreibung63 vor, so eröffnen sich für den Bieter mehrere, klassische Spekulationsmöglichkeiten, die auch in Relation zum Gesamtpreis durchaus relevante Ausmaße annehmen können. Je nach vorliegendem Fehler der Ausschreibung können dies unter anderem sein: • • • • Spekulation auf Mehr- und Mindermengen Spekulation auf Bauzeitveränderungen Spekulation auf die Anwendung von Wahl-, Eventual- und Regiepositionen Sonstige Spekulation auf Basis sonstiger Änderungen der zu erbringenden Leistung im Vergleich zur ausgeschriebenen (fehlende Positionen, zu ersetzende Positionen, usw.) [...]

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Arbeit zitieren:
Reckerzügl, Walter November 2000: Spekulation in der Bauwirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Preisangemessenheit, Angebotsprüfung, Baupreisbildung, Preisuntergrenze, Preisplausibilität

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