Spätes Bietverhalten bei eBay-Auktionen
Ökonomische Erklärungsansätze
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christina Simon
- Abgabedatum: März 2005
- Umfang: 58 Seiten
- Dateigröße: 428,8 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9111-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9111-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9111-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Simon, Christina März 2005: Spätes Bietverhalten bei eBay-Auktionen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Auktionstheorie, Auktionsform, Bayes`sches Gleichgewicht, Einnahmen, Äquilvalenz-Theorem
In den Warenkorb
98,00 €
Diplomarbeit von Christina Simon
Einleitung:
Vor ca. 2500 Jahren fanden die ersten dokumentierten Auktionen statt. Bis heute hat sich hierbei eine Vielzahl von Auktionsformen herausgebildet. Im Zuge der Einführung von USENET gab es vor etwa 25 Jahren die ersten Online-Auktionen. Durch die seitdem stark zunehmende Zahl der Internetnutzer stieg auch das Angebot an professionellen Online-Auktionsplattformen. Dabei besteht für den Verkäufer gegenüber herkömmlichen Auktionen insbesondere der Vorteil, dass er sich bei Online-Auktionen einer viel größeren Zahl potentieller Käufer gegenüber sieht und damit einen höheren Verkaufspreis erwarten kann. Die Käufer profitieren davon, dass sie bei diesen Auktionen nicht mehr physisch anwesend sein müssen und die Angebotspalette entsprechend größer ist.
Das bis heute weltweit erfolgreichste Internet-Auktionshaus ist eBay. Es wurde 1995 gegründet und verzeichnet heute über 114 Mio. registrierte Mitglieder in 31 internationalen Märkten. Mit dieser Entwicklung werfen Online-Auktionen und insbesondere eBay-Auktionen neue Fragen auf und rücken immer mehr in das Interesse von wissenschaftlichen Untersuchungen. Im Rahmen der Spieltheorie besteht eine wichtige Fragestellung darin, das Verhalten rationaler Bieter in Online-Auktionen zu ermitteln sowie diese Vorhersagen mit dem tatsächlichen Verhalten zu vergleichen und mögliche Gründe für Abweichungen zu finden.
In dieser Diplomarbeit wird eine wichtige Abweichung dieser Verhaltensweisen herausgegriffen und analysiert. Untersucht wird, zu welchen Zeitpunkten die Bieter während der Auktionslaufzeit ihre Gebote abgeben. Zu beobachten ist, dass bei eBay-Auktionen vermehrt in den letzten Minuten der Auktionslaufzeit Gebote abgegeben werden. Von großem Interesse ist diese Fragestellung, da hier eine deutliche Abweichung von dem beobachteten Verhalten gegenüber den Ergebnissen der Theorie auftritt. Somit stellt sich die Frage, warum sich a) die Bieter nicht mehr rational verhalten, oder ob sie sich b) durchaus rational verhalten, die vergangenen Theorien Online-Auktionen jedoch nicht korrekt abbilden und erklären können. Mögliche Antworten darauf werden in dieser Arbeit aufgezeigt und diskutiert.
Bevor im Speziellen eBay-Auktionen betrachtet werden, wird im folgenden Kapitel 2 zunächst allgemein die Auktionstheorie vorgestellt. Ziel dabei ist es, Grundlagen für das Verständnis der Wirkungsweise von eBay-Auktionen zu legen, um die Erklärungsansätze für spätes Bieten bei eBay verstehen zu können. Zunächst werden zwei grundlegende Modelle der Auktionstheorie vorgestellt. Im Anschluss daran werden die vier klassischen Auktionsformen mit den aus spieltheoretischer Sicht gleichgewichtigen Bietstrategien präsentiert, um eBay-Auktionen bezüglich ihrer formalen Ausgestaltung und dem zu erwartetem Bietverhalten einordnen zu können.
Am Ende dieses Kapitels 2 wird das Einnahmen-Äquivalenz-Theorem vorgestellt, dass als zentrales Theorem der Auktionstheorie verstanden werden kann. Im Anschluss daran erfolgt in Kapitel 3 das Kernstück dieser Arbeit, indem sich der oben beschriebenen Fragestellung zugewandt wird. Zuerst wird das Auktionsverfahren bei eBay-Auktionen erklärt und aufgrund der Darstellungen in Kapitel 2 erwartetes Verhalten mit dem tatsächlichen verglichen.
Die daraus resultierenden Differenzen werden durch einschlägige Erklärungsansätze für spätes Bietverhalten bei eBay-Auktionen erklärt. Dabei werden insbesondere auch Kritikpunkte aufgezeigt und teilweise Erweiterungen vorgenommen, bevor am Ende der Arbeit ein abschließender Erklärungsansatz präsentiert wird.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Auktionstheorie | 2 |
| 2.1 | Grundlagen | 2 |
| 2.2 | Grundlegende Modelle | 3 |
| 2.2.1 | Modell der unkorrelierten Wertschätzung | 3 |
| 2.2.2 | Modell der korrelierten Wertschätzung | 4 |
| 2.3 | Klassische Auktionsformen | 6 |
| 2.3.1 | Englische Auktion | 6 |
| 2.3.2 | Holländische Auktion | 6 |
| 2.3.3 | Verdeckte Höchstpreisauktion | 7 |
| 2.3.4 | Vickrey-Auktion | 7 |
| 2.4 | Bietstrategien | 7 |
| 2.4.1 | Bietstrategien bei der Englischen Auktion und der Vickrey-Auktion | 8 |
| 2.4.2 | Bietstrategien bei der Holländischen Auktion und der Höchstpreisauktion | 10 |
| 2.5 | Einnahmen-Äquivalenz-Theorem | 12 |
| 3. | Spätes Bieten bei eBay-Auktionen | 15 |
| 3.1 | Das Auktionsverfahren | 15 |
| 3.2 | Theoretisches versus beobachtbares Bietverhalten | 17 |
| 3.3 | Mögliche Ursachen für spätes Bieten | 18 |
| 3.3.1 | Vermeidung von Preiskriegen | 19 |
| 3.3.1.1 | Das Modell | 19 |
| 3.3.1.2 | Die Nicht-Existenz einer dominanten Strategie | 21 |
| 3.3.1.3 | Die beste Reaktion auf schrittweises Bieten | 24 |
| 3.3.1.4 | Das Bayes’sches Gleichgewicht | 26 |
| 3.3.2 | Unsicherheit über den eigenen Reservationswert | 29 |
| 3.3.2.1 | Das Modell | 29 |
| 3.3.2.2 | Das Gleichgewicht bei einer Vickrey-Auktion | 30 |
| 3.3.2.3 | Das Gleichgewicht bei eBay-Auktionen | 31 |
| 3.3.2.4 | Gleichgewicht bei eBay-Auktionen und einem naiven Bieter | 33 |
| 3.3.2.5 | Kritik | 35 |
| 3.3.3 | Das Händler/Experten-Modell | 36 |
| 3.3.4 | Das Modell des Einflusses von Geboten auf die eigenen Zahlungsbereitschaft | 39 |
| 3.3.4.1 | Das Modell | 39 |
| 3.3.4.2 | Symmetrischer Fall | 40 |
| 3.3.4.3 | Asymmetrischer Fall | 41 |
| 3.3.4.4 | Das Prestige-Modell | 42 |
| 3.3.4.4.1 | Symmetrischer Fall | 43 |
| 3.3.4.4.2 | Das Experten-Amateur-Modell | 44 |
| 3.3.5 | Unterschiedliche Biet-Erfahrung | 46 |
| 3.3.5.1 | Empirische Analyse | 47 |
| 3.3.5.2 | Hypothesen | 48 |
| 3.3.6 | Häufig angebotene Auktionsgüter und Spaß am Spiel Auktion | 49 |
| 4. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 50 |
| Literaturverzeichnis | 51 |
Den Gedanken, dass ein Bieter erst während der Auktionslaufzeit seinen Reservationswert ermittelt, wurde von Rasmusen aufgegriffen.45 Für einen Bieter kostet es in der Regel Zeit und Geld sich darüber klar zu werden, zu welchem maximalen Preis er bereit ist, das angebotene Auktionsobjekt zu erwerben, z.B. um zusätzliche Informationen über das Auktionsgut einzuholen. Dies muss er zwangsläufig nicht vor dem Auktionsstart machen, sondern kann seinen Reservationswert auch erst während der Auktionslaufzeit ermitteln. Da bei eBay-Auktionen die Laufzeit in der Regel mehrere Tage betragen, ist dieser Gedanke durchaus plausibel. Wichtig dabei ist, sich zu verdeutlichen, dass im Folgenden ein Modell der unkorrelierten Wertschätzung zugrunde gelegt wird und somit die Reservationswerte anderer Bieter keine Informationen über die eigene maximale Zahlungsbereitschaft geben, sondern nur persönliche Informationen und Einschätzung.46 [...]
Je mehr Bieter i nun vermutet, dass sein Reservationswert größer ist als vj, desto mehr nähert sich der Quotient aus (13) der Zahl 1 an und hat Bieter i die Tendenz ein Gebot zum Zeitpunkt t < 1 abzugeben. Umgekehrt wird der Quotient immer kleiner, je mehr Bieter i annimmt, dass die maximale Zahlungsbereitschaft von Bieter j größer als seine ist. Wenn Bieter j aber in diesem Fall auch denkt, dass er einen höheren Reservationswert als Bieter i hat, wird er mit seiner Gebotsabgabe allerdings nicht bis t =1 warten, sondern schon früher sein Gebot abgeben und Bieter i dazu veranlassen dies ebenfalls zu tun. Demnach gibt es hier also kein eindeutiges Gleichgewicht. In eBay-Auktionen ist nun ungewiss, ob ein Bieter tatsächlich nur einen Konkurrenten oder mehrere hat und wie deren Reservationswerte ausfallen. Je mehr Mitbieter von den Auktionsteilnehmern in einer eBay-Auktion vermutet werden, desto mehr steigt für alle das Risiko, dass ein Bieter mit einem hohen v mitsteigert. Alle haben als Folge daraus die Tendenz einen Quotienten anzunehmen, der kleiner als p ist und somit erst zum Zeitpunkt t = 1 ein Gebot abzugeben. Kritisch anzumerken ist hier, dass angenommen wird, dass jeder Bieter sofort seinen Reservationswert als Gebot abgibt, was in der Realität bei eBay-Auktionen häufig nicht zu beobachten ist. Es müssten im Weiteren die Fälle untersucht werden, bei denen irgendein Gebot b < v abgeben wird, das während der Auktionslaufzeit beliebig oft erhöht werden [...]
abgeben, sondern wegen der Argumentation bei 1. und 2. ebenfalls zu einem Zeitpunkt t < 1. Solange keiner der beiden Bieter ein Gebot vor t = 1 abgibt, wird dies auch der andere nicht tun. Es gewinnt dann derjenige, unabhängig davon wer den höheren Reservationswert hat, dessen Gebot erfolgreich übermittelt wird. Ob nun einer der beiden Bieter ein Gebot zum Zeitpunkt t < 1 abgibt und damit den anderen zwingt ebenfalls zu einem Zeitpunkt t < 1 mit einem Gebot zu reagieren oder ob beide bis t = 1 warten, hängt erneut von p und den Erwartungen bezüglich des Reservationswertes des Mitbieters ab. Bieter i wird mit der Abgabe eines Gebotes bis t = 1 warten, wenn er annimmt, das gilt vi – (vj + z) < p(vi – m), also für p gilt: p> vi − (vj + z) . vi − m (13) [...]
In den Warenkorb
98,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832491116
Arbeit zitieren:
Simon, Christina März 2005: Spätes Bietverhalten bei eBay-Auktionen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Auktionstheorie, Auktionsform, Bayes`sches Gleichgewicht, Einnahmen, Äquilvalenz-Theorem



