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Spätabbrüche der Schwangerschaft bei pränatal diagnostizierter Behinderung und / oder Erkrankung des Fötus

Möglichkeiten und Grenzen der Sozialen Arbeit zwischen Recht auf Leben und Recht auf Selbstbestimmung

Spätabbrüche der Schwangerschaft bei pränatal diagnostizierter Behinderung und / oder Erkrankung des Fötus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jeannine Sabine Peters
  • Abgabedatum: Mai 2005
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 574,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 72
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3678-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Peters, Jeannine Sabine Mai 2005: Spätabbrüche der Schwangerschaft bei pränatal diagnostizierter Behinderung und / oder Erkrankung des Fötus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schwangerschaftsabbruch, Spätabbruch, Pränataldiagnostik, Behinderung, Psychosoziale Beratung

Diplomarbeit von Jeannine Sabine Peters

Einleitung:

Relevanz des Themas:

‘217 Fälle von Zweifel und Leid’, titelte die Berliner Tageszeitung ‘taz’ im November 2004. Gemeint waren die 217 Schwangerschaftsabbrüche jenseits der 23. Schwangerschaftswoche, sogenannte ‘Spätabbrüche’, deren Anzahl das Statistische Bundesamt für das Jahr 2003 bekanntgegeben hatte.

Vorausgegangen ist solchen späten Abtreibungen eine schwierige und konfliktträchtige Zeit der Entscheidung für die betroffenen Schwangeren und ihre Partner. Die pränatale Diagnostik, heute weitestgehend zur Routine in der ärztlichen Schwangerenvorsorge gehörend, bietet die Möglichkeit, eine Vielzahl von Behinderungen und Erkrankungen des Ungeborenen bereits vorgeburtlich festzustellen. Therapien für diese erkennbaren Behinderungs- und Erkrankungsbilder gibt es bislang kaum. Wird eine Auffälligkeit entdeckt und ergibt sich durch weitere Untersuchungen eine Diagnose, kann dies eine medizinische Indikation zur Abtreibung darstellen. Die Frauen und Paare stehen dann vor der Entscheidung, ob sie dieses Kind austragen wollen oder die Schwangerschaft abbrechen. Da viele der Untersuchungen erst zu einem relativ späten Zeitpunkt während der Schwangerschaft, zu dem das Ungeborene in seiner Entwicklung bereits weit fortgeschritten ist, durchgeführt werden können, bedeutet ein Schwangerschaftsabbruch in diesem Stadium eine künstlich eingeleitet Totgeburt. Ermöglicht wird diese späte Abtreibung durch den §218a StGB, der die Straflosigkeit eines Schwangerschaftsabbruchs für die Fälle vorsieht, in denen die Austragung den körperlichen oder geistigen Gesundheitszustand der Frau beeinzuträchtigen droht. Dazu zählt auch die erwartete psychische Belastung durch ein behindertes Kind.

Die letztlich bei den Eltern liegende Entscheidung für oder gegen diesen späten Schwangerschaftsabbruch bei diagnostizierter Behinderung oder Erkrankung des Ungeborenen erleben viele der Betroffenen als großen Konflikt. Während den Frauen als Patientinnen kaum Verantwortung für das Vorsorge- und Untersuchungsgeschehen zukommt, sollen sie im Falle einer festgestellten Erkrankung oder Behinderung des Ungeborenen plötzlich allein die Verantwortung für das weitere Vorgehen tragen. Die vielfältigen medizinischen, psychologischen, emotionalen, sozialen und natürlich ethischen Fragen, die dieser Entscheidungsprozess aufwirft, und die letztendliche Entscheidung über Leben und Tod des bislang erwünschten Ungeborenen können die Frauen und ihre Partner stark belasten oder auch überfordern. Die Brisanz des Themas spiegelt sich auch in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion um den Spätabbruch wieder, die sich um die zentrale Frage der Abtreibung dreht: In welchem Verhältnis steht das Recht auf Selbstbestimmung der Eltern zum Recht auf Leben des Ungeborenen?

Originäre Aufgabe der Sozialen Arbeit ist es, Hilfe zur Lösung von Konflikten und Problemen von Menschen zu leisten, wenn die Betroffenen diese allein nicht bewältigen können oder wenn sie diese als Überforderung wahrnehmen. Im Konflikt um die Frage der Fortführung oder des Abbruchs der Schwangerschaft kann die Soziale Arbeit durch psychosoziale Beratung einen Beitrag leisten, die Frauen und Paare beim Finden einer auch in Zukunft für sie tragbaren Entscheidung zu unterstützen, die ihren individuellen Lebensumständen entspricht und die auf der Grundlage fundierter Informationen getroffen wurde.

Fragestellung und Kapitelübersicht:

Frauen und Paare, die über die Austragung oder die Spätabtreibung ihres Ungeborenen entscheiden müssen, sind mit einer Vielzahl von Fragestellungen aus Medizin, Recht und Politik, Psychologie und Ethik konfrontiert. Die Annahme, die der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt, ist, dass Betroffene umfassende Informationen und Hilfsangebote für ihren Entscheidungsprozess benötigen, um später mit ihrer Entscheidung leben und sie in die eigene Biografie integrieren zu können.

Das bisherige Beratungsangebot scheint angesichts der Komplexität der Fragestellung vielfach unzureichend. Eine zentrale Frage dieser Arbeit ist daher, wie die Soziale Arbeit im Rahmen der psychosozialen Beratung die Betroffenen dabei unterstützen kann, in dieser schwierigen Situation eine Lösung zu finden, die sie selbst nachhaltig akzeptieren können.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über die im Zusammenhang mit der Pränataldiagnostik wichtigen medizinischen, rechtlichen und ethisch-moralischen Aspekte zu geben und den Ablauf des Entscheidungsprozesses sowie des Spätabbruchs selbst aufzuzeigen. Es sollen also diejenigen inhaltlichen Grundlagen dargestellt werden, die für die Information und Aufklärung der Betroffenen aber auch für die psychosoziale Beratung von Bedeutung sind, die derzeitige Beratungssituation darzustellen und im Anschluss daran aufzuzeigen, welche Rolle die Soziale Arbeit im Rahmen psychosozialer und interdisziplinärer Beratung im Kontext von Pränataldiagnostik einnehmen kann.

Die vorliegende Arbeit beleuchtet das Thema ‘Spätabbruch’ aus verschiedenen Perspektiven. In Kapitel 2 werden zunächst die medizinischen Grundlagen der pränatalen Diagnostik dargestellt. Der Entscheidungsprozess der betroffenen Frauen und Paare sowie die dabei relevanten Einflussfaktoren werden in Kapitel 3 erläutert. Kapitel 4 schildert den Ablauf eines Spätabbruchs. Die rechtlichen Rahmenbedingungen der späten Abtreibung gemäß §218 StGB sowie unterschiedliche Reformbestrebungen werden in Kapitel 5 dargestellt. Kapitel 6 widmet sich den zu Grunde liegenden Fragen und Standpunkten bezüglich der ethischen Zulässigkeit des Spätabbruchs. Das derzeitige Beratungsangebot im Zusammenhang mit der PND sowie die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit werden in Kapitel 7 diskutiert. Kapitel 8 stellt die Anforderungen und Aufgaben der psychosozialen Beratungsarbeit im Detail an Hand eines Modellprojekts des Bundesfamilienministeriums dar. Kapitel 9 gibt eine Zusammenfassung und einen Ausblick.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werden im Text Berufsbezeichnungen in der weiblichen Form mit einem großen I, wie z.B. BeraterInnen, verwendet. Gemeint sind somit auch jeweils die männlichen Vertreter dieser Berufe. Des Weiteren wird in der vorliegenden Arbeit der Begriff ‘Eltern’ sowohl für jene Paare verwendet, die bereits Kinder haben, als auch für solche, die sich in der Schwangerschaft befinden - unabhängig davon, ob diese letztlich ausgetragen oder durch einen Spätabbruch beendet wird.

Begriffe, die mit einem * gekennzeichnet sind, werden im Glossar erläutert.

Eigener Zugang:

Die Idee zu dieser Arbeit entstand im Rahmen meiner langjährigen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die schwere Formen geistiger und/oder körperlicher Behinderungen aufweisen. Als ich dort ein Ehepaar kennenlernte, das sich entschieden hatte, seine Tochter trotz der pränatalen Diagnose einer Chromosomenanomalie zur Welt zu bringen, machte mir meine eigene Überraschung darüber die Seltenheit dieser Entscheidung bewusst. Die Einstellung, eine Schwangerschaft nach einem pränatal erhobenen positiven Befund abbrechen zu wollen, war in Diskussionen mit KollegInnen und Bekannten stets deutlich stärker vertreten. Und auch die erste Reaktion vieler Menschen im Umkreis dieser Familie war Unverständnis für die Entscheidung, da es doch ‘vermeidbar’ gewesen wäre, das Kind mit seiner geistigen und körperlichen Entwicklungsbeeinträchtigung zu bekommen. Doch für die Eltern war dieses Ungeborene nicht mehr ‘vermeidbar’, und trotz der Trauer darüber, dass es nicht gesund war, haben sie sich nicht zum Abbruch der Schwangerschaft entschieden. Diese Eltern, die sich trotz eines pränatalen Befundes für ihr Kind entscheiden konnten und ihre Tochter, die mit ihrer Lebensfreude und ihrem Entdeckungsdrang so ansteckend wie alle Kinder ist und deren Existenz weder für ihre Eltern noch für sie selbst als ‘Zumutung’ erscheint, haben mein Interesse am Thema ‘Spätabbruch’ gefestigt.

Nicht zuletzt ist es aber auch die eigene potenzielle Betroffenheit, die mich dazu brachte, mich dem Thema Pränataldiagnostik und den damit verbundenen Konsequenzen zu nähern. Was hätte ich selber im oben beschriebenen Fall gemacht?, habe ich mich gefragt. Ob in der Familie oder im Freundeskreis, in den Medien oder in der eigenen zukünftigen Familienplanung- am Thema Pränataldiagnostik führt kein Weg mehr vorbei. Die technischen Möglichkeiten der Medizin können aber auch schwerwiegende Entscheidungen verlangen, so dass es sinnvoll ist, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen, um ausreichend informiert und ohne Druck zu entscheiden, ob und mit welchem Ziel man diese Möglichkeiten nutzen möchte.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
1.1 Relevanz des Themas 5
1.2 Fragestellung und Kapitelübersicht 7
1.3 Eigener Zugang 8
2. Medizinische Grundlagen 9
2.1 Nicht-invasive Methoden 10
2.1.1 Ultraschall 11
2.1.2 Serumtest 12
2.2 Invasive Methoden 14
2.2.1 Chorionzottenbiopsie 14
2.2.2 Amniozentese 15
2.2.3 Cordozentese 16
2.3 Zusammenfassung 17
3. Entscheidungsprozess 18
3.1 Das Arzt/Ärztin-Patientin-Verhältnis 19
3.2 Die Diagnoseeröffnung 20
3.3 Die Information über den Verlauf des Spätabbruchs 24
3.4 Der Zeitdruck 24
3.5 Die Ängste und Vorurteile 26
3.6 Der Einfluss des Partners 28
3.7 Der Einfluss seitens der Familie und des sozialen Umfeldes 29
3.8 Der gesellschaftliche Einfluss 30
3.9 Zusammenfassung 34
4. Der Spätabbruch 34
4.1 Der Ablauf 35
4.2 Überlebende Föten 36
4.3 Fetozid 38
4.4 Nach dem Abbruch 40
4.4.1 Das Erleben des Spätabbruchs 41
4.4.2 Das Fällen der Entscheidung 42
4.4.3 Die mangelnde Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der PND 43
4.4.4 Der erschwerte Trauerprozess 44
4.4.5 Die Auswirkung auf die Partnerschaft und soziale Kontakte 46
5. Rechtliche Grundlagen 47
5.1 Überblick über die Entwicklung des §218 StGB 47
5.2 Rechtlicher Status des Ungeborenen 49
5.3 Aktuelle rechtliche Regelung 50
5.4 Politische Reformdiskussion 52
5.4.1 CDU/CSU 53
5.4.2 SPD und Bündnis 90/Die Grünen 54
5.4.3 Bundesärztekammer und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) 55
5.4.4 Forderungskatalog 55
6. Ethisch-moralische Grundlagen 61
6.1 Ethische Begründung der Zulässigkeit von Spätabbrüchen 62
6.1.1 Utilitaristischer Ansatz 63
6.1.2 Teilbarkeit von Personalität und Menschenrechten 64
6.1.3 Wahrnehmung von Lebenszufriedenheit aus der Außenperspektive 65
6.1.4 Unbegrenztes Recht der Eltern auf Selbstbestimmung 66
6.2 Ethische Begründung der Ablehnung von Spätabbrüchen 68
6.2.1 Normativ-deontologischer Ansatz 69
6.2.2 Unteilbarkeit von Personalität und Menschenrechten 69
6.2.3 Wahrnehmung von Lebenszufriedenheit aus der Innenperspektive 74
6.2.4 Begrenztes Recht der Eltern auf Selbstbestimmung 75
7. Beratungssituation und Möglichkeiten der Sozialen Arbeit 78
7.1 Derzeitige Beratungssituation 80
7.2 Psychosoziale Beratung 83
7.3 Interdisziplinäre Beratung 85
8. Psychosoziale Beratung im Modellprojekt 86
8.1 Anforderungen an die psychosoziale Beratung 89
8.2 Aufgabenfelder der psychosozialen Beratung im Kontext von PND 92
8.2.1 Psychosoziale Beratung nach auffälligem Befund 92
8.2.2 Psychosoziale Beratung nach der Entscheidung für die Fortsetzung der Schwangerschaft 93
8.2.3 Psychosoziale Beratung nach der Entscheidung zum Spätabbruch 94
8.2.4 Psychosoziale Beratung nach dem Spätabbruch 95
8.2.5 Fazit des Modellprojektes 96
9. Zusammenfassung und Ausblick 97
10. Glossar 101
11. Literaturverzeichnis 105

Textprobe:

Die Ängste und Vorurteile:

Wesentliche Motivation für die Inanspruchnahme pränataler Diagnoseverfahren, die auch durch die offensive Screening-Praxis gefördert wird, ist neben der gewünschten ‘Garantie’ für ein gesundes Kind auch die Angst vor einem Kind mit Behinderung. Latent bereits vorhandene eigene und fremdinduzierte Befürchtungen sollen durch die Diagnostik ausgeräumt werden, paradoxerweise rufen sie jedoch vermehrt sekundäre Ängste hervor: Zeigt sich ein Hinweis auf eine Entwicklungsabweichung beim Fötus, ergibt sich daraus als ‘einzig mögliche Strategie der Abwehr von Angst vor einem behinderten Kind’ die weitere, invasive Diagnostik, die wiederum eine angsterfüllte Wartezeit bedeutet.

Willenbring stellt weiterhin in ihrer Untersuchung fest, dass die Ängste vor einem Kind mit Behinderung allgemein gesellschaftlich anerkannt sind. Den Begriff der ‘Angst vor Behinderung’ sieht sie als Konstrukt, ‘das für viele Ängste, Unsicherheiten und individuelle Konflikte der jeweiligen Frau steht’, die auch einen psychosozialen Hintergrund haben. Friedrich et al. stellen in ihrer Untersuchung fest, dass die Vorstellung, Berufsperspektiven und soziale Bezüge durch ein behindertes Kind zu verlieren, wesentliche Grundlage der Angst sind: ‘Unabhängig von ihrem Alter heben nahezu alle Frauen als zentralen Aspekt die Befürchtung hervor, nach der Geburt eines behinderten Kindes Ausbildungs- und Berufspläne aufgeben zu müssen. Damit gehen Sorgen und Ängste einher, die sozialen Bezüge und Identifikationsmöglichkeiten außerhalb der Familie zu verlieren und zu einer tradierten Lebensform gezwungen zu sein, die bestenfalls temporär, aber nicht auf Dauer tragbar wäre. Vor dem Hintergrund, dass Mütter im allgemeinen nach der Geburt eines Kindes zugleich mit den familiären Verpflichtungen und den Anforderungen der Berufswelt konfrontiert sind und ohnehin das Risiko einer erschwerten Rückkehr in das Berufsleben zu tragen haben, erscheint es ihnen nahezu unmöglich, den zusätzlichen Betreuungsaufwand zu bewältigen, der mit einem behinderten Kind verbunden ist. Viele Paare haben düstere Vorstellungen von einer lebenslangen Aufgabe und Verpflichtung.’ Weiterhin stellen die AutorInnen fest, dass die Vorstellung, ein Kind mit Behinderung zu bekommen, für die befragten Paare ‘... den Beginn einer bedrohlichen Dauerbelastung’ darstelle, die sie sowohl für sich selber als auch für das Kind als ‘... körperlich und psychisch erschöpfend’ antizipieren. Die meisten dieser Paare gehen zudem von einer lebenslangen ‘... Pflege- und Betreuungsrolle’ sowie von ‘... kaum zu bewältigenden materiellen Belastungen’ aus.

Baldus beschreibt, dass trotz einer prinzipiellen Toleranz gegenüber Menschen mit Behinderung diese Haltung umschlägt, wenn es um die persönliche Betroffenheit in Form eines potenziellen Kindes geht: ‘Zuvor geäußerte positive und akzeptierende Einstellungen drohten unter der eigenen Betroffenheit plötzlich wegzukippen.’ Hintergrund für diese Ängste scheint die Annahme zu sein, ein Kind mit Behinderung würde eine schwerwiegende Belastung für die Partnerschaft und die Familie darstellen, an der diese zu scheitern drohen. Wie Baldus feststellt, sind diese Befürchtungen aus wissenschaftlicher Sicht dagegen nicht haltbar. Vielmehr habe sich gezeigt, so die Autorin, dass die Entdeckung einer ressourcenorientierten Perspektive aktive Bewältigungstrategien der Familien in den Vordergrund rücke und ‘... pathologische Zuschreibungen relativiere’.

Jansen kommt in seinen Untersuchungen zu der Erkenntnis, dass der Informationsstand zu einzelnen Behinderungsarten in der Bevölkerung sehr gering ist. Dieser Mangel an Information führt seiner Ansicht nach zu ‘... emotional oft gefährlichen Vermutungen’, die die Vorstellungen von Behinderungsarten unvollständig und überwiegend negativ prägen. Geistige Behinderungen werden noch negativer wahrgenommen als körperliche Beeinträchtigungen. Allerdings werden auch starke physische Abweichungen (besonders das Gesicht betreffend) sehr negativ bewertet. Auch Cloerkes kommt zu der Erkenntnis, dass nicht die absolute Schwere der Behinderung bei der negativen Beurteilung entscheidend ist, sondern das Ausmaß ihrer Sichtbarkeit. So verwundert es nicht, dass insbesondere das Down-Syndrom, bei dem eine geistige Beeinträchtigung mit einer äußerlichen Sichtbarkeit einhergeht, für die meisten Frauen und Paare mit einem solchen Befund ein Grund für einen Abbruch darstellt.

Arbeit zitieren:
Peters, Jeannine Sabine Mai 2005: Spätabbrüche der Schwangerschaft bei pränatal diagnostizierter Behinderung und / oder Erkrankung des Fötus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schwangerschaftsabbruch, Spätabbruch, Pränataldiagnostik, Behinderung, Psychosoziale Beratung

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