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Spachliches Handeln und Transaktionsanalyse

Spachliches Handeln und Transaktionsanalyse
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Hans Harald Hansen
  • Abgabedatum: September 1987
  • Umfang: 168 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • Bibliografie: ca. 35
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1186-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hansen, Hans Harald September 1987: Spachliches Handeln und Transaktionsanalyse, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sprachpsychologie, Transaktionsanalyse, Kommunikation, Proporsitionale Basis, Sprachverständnis

Staatsexamensarbeit von Hans Harald Hansen

Einleitung:

Die Sprache bestimmt das Denken und Handeln des Menschen. Die Dinge und Sachverhalte werden durch die Sprache in ihrer Bedeutung bestimmt oder anders ausgedrückt, die Sprache bestimmt die kulturell-geistigen sowie die moralischen Eigenschaften des Menschen, die sich in seinem Handeln zeigen.

Kommunikationspartner verhalten sich in der Regel so, als ob Kommunikation vollständig und adäquat vollzogen werde, Verständigung ohne jedes wenn und aber gelingt.

In diesem ersten Buch werden wir uns mit dem sprachlichen Handeln, dem Gebrauch der Sprache, der individuellen Sprachanwendung im Kommunikationsprozeß, befassen. Wird kommunikativ gehandelt, so treten mindestens zwei individuell verschiedene Persönlichkeiten in sprachlichen Kontakt miteinander. Nach Eric Berne wird die Grundeinheit aller sozialen Verbindungen als 'Transaktion' bezeichnet. Richtet sich jemand sprachlich an einen anderen, so wird er immer eine bestimmte Erwartungshaltung in bezug auf die Reaktion des Angesprochenen haben, das heißt der Agierende setzt voraus, daß der Angesprochene einen bestimmten Standpunkt einnimmt. Durch die Art der wie der Sprecher den anderen anredet, gibt er diesem schon zu verstehen, wie dieser reagieren soll.

Gang der Untersuchung:

Zu Beginn des ersten Kapitels werden wir uns mit der Sozialisation, der Persönlichkeitsbildung beschäftigen. Der Mensch wird durch und mit der Sprache sozialisiert, indem er und seine soziale Umwelt durch die Sprache in gegenseitigen Kontakt treten. Die in dem ersten Lebensabschnitt durch die Sprache gemachten Erfahrungen bzw. die mit dem Medium Sprache übertragenen Gefühle werden als unauslöschliche, emotionale 'Bilder von der Welt' gespeichert. Diese frühen Bilder bestimmen weitgehend die spätere Psyche des erwachsenen Individuums. Die Psyche, welche die Menschen in ihrem Wesen so verschieden sein läßt, verzerrt die Bedeutung der Worte, so daß der Mensch zu der allgemeinen oder lexikalischen Bedeutung der Worte immer auch seine individuellen Empfindungen und Erfahrungen mit hinzugibt. Nur das Wissen von der eigenen Psyche macht es einem Menschen überhaupt möglich, sein kommunikatives Verhalten nachhaltig zu ändern. Dies ist der Grund, warum wir in unserer Abhandlung immer wieder auf die Entwicklung und frühkindliche Ausbildung der individuellen Seele bzw. der Gefühlslage zu sprechen kommen.

Im weiteren Verlauf des ersten Kapitels werden wir anhand der Sprechakttheorie zeigen, 'was wir tun, wenn wir sprechen'. Diese von AUSTIN und SEARLE erarbeitete Theorie wird durch eine psychologische Konzeption zur situationsspezifischen Sprachproduktion erweitert. So können wir zeigen, was eigentlich einer Äußerung im Bewußtsein des Sprechers zugrunde liegt bzw. was, tiefenpsychologisch, mit einer Äußerung wirklich gemeint wurde.

Im zweiten Kapitel werden wir uns mit der Struktur der Persönlichkeit, der Strukturanalyse, beschäftigen. Diese Analyse wird uns zeigen, mit welcher seiner drei Persönlichkeiten ein Menschen gerade handelt. Denn in jedem Individuum korrespondieren drei verschiedene 'Ich-Zustände', die als ein System von Gefühlen zu verstehen sind, mit ihren dazu gehörenden Verhaltensmustern. Diese Komplexe von Gefühlen und Verhaltensweisen lassen sich in drei Grundtypen ordnen: dem Eltern-Ich, dem Erwachsenen-Ich und dem Kindheits-Ich. Ein Mensch wird mit seinem Erwachsenen-Ich ganz anders handeln, als mit seinem Kindheits- oder Eltern-Ich.

Im Abschnitt „Die Transaktionsanalyse“ wird anhand von Verkaufsgesprächen dargestellt, was im Inneren zwischen zwei interagierenden Individuen vorgeht. Hier werden die verschiedenen Transaktionsarten, wie Komplementär-, Überkreuztransaktion und die verdeckten Transaktionen anhand von Gesprächsbeispielen im Alltags- und Geschäftsleben beschrieben.

Im letzten Kapitel „Gespräch und Gesprächsführung“ werden Ergebnisse aus den beiden vorangegangenen Kapiteln für das Konzept einer erfolgreichen Gesprächsführung eingesetzt. Des weiteren werden Gespräche aus dem Alltagsleben, u.a. ein Gespräch mit einem Arbeitsuchenden und die Rede eines Politikers, analysiert.

Inhaltsverzeichnis:

0. EINLEITUNG 5
I. SPRACHLICHES HANDELN 7
1.1 Sprache und Handeln 9
1.1.1 Kommunikation durch Verwendung von Symbolen 9
1.1.2 Sprachliche Äußerung und Handlung 10
1.1.3 Sprache und Persönlichkeitsentwicklung 13
1.1.4 Rollen im Kommunikationsprozeß 16
1.2 Pragmatische Aspekte des sprachlichen Handelns 18
1.2.1 Grundlagen 18
1.2.2 Sprechakttheorie und Sprachproduktion 19
1.3 Interaktion 28
1.3.1 Grundlagen 28
1.3.2 Verbale und nonverbale Kommunikation 29
1.3.3 Sprechen und die vier Lebensanschauungen 37
1.3.4 Das Kontaktgespräch, oder das Problem, jemanden richtig anzusprechen 40
1.3.4.1 Überreden versus überzeugen 43
1.3.4.2 Attitüden und Stereotypen 47
1.3.4.3 Ethik und Sprache 48
II. TRANSAKTIONSANALYSE 51
2.1 Die Struktur der Persönlichkeit 51
2.2 Transaktion und Kommunikation 58
2.3 Sprachliches Handeln und Transaktionsanalyse 60
2.3.1 Die Formen der Transaktion 62
2.3.1.1 Komplementär-Transaktionen 62
2.3.1.2 Überkreuztransaktionen 69
2.3.1.3 Verdeckte Transaktionen 74
2.3.1.4 Transaktionsspiele 78
III. GESPRÄCH UND GESPRÄCHSFÜHRUNG 81
3.1 Psychologie der Gesprächsführung 81
3.1.1 Geltungsstreben 83
3.1.2 Reflektierendes Sprechen 84
3.1.3 Diplomatie in der Gesprächsführung durch Mentalreservation 84
3.1.4 Das Kindheits- und Eltern-Ich als Gefühlsmörder 86
3.2 Diskurs- und Transaktionsanalyse 87
3.2.1 Trübung des Erwachsenen-Ichs 97
3.2.2 Wenn auf der Grundlage von Lebenslügen (sprachlich) gehandelt wird 90
3.3 Die Rede als einseitiges Kommunikationsereignis 94
3.3.1 Vorbemerkung 94
3.3.2 Rede und Transaktionsanalyse 96
IV. RESÜMEE UND AUSBLICK 100
V. LITERATURVERZEICHNIS 104
Anhang 106

Textprobe:

Kapitel 3.1, Psychologie der Gesprächsführung:

Nur selten liegen der Verlauf und der Ausgang eines Gespräches von vornherein fest. Meist entscheidet es sich im Gespräch, wie es weitergeführt wird bzw. wie es endet. Agieren die Gesprächsteilnehmer komplementär, so wird ein Gespräch positiv verlaufen; wechselt hingegen ein Gesprächsteilnehmer die Transaktionsebene und führt damit eine Überkreuztransaktion herbei, so kommt es auf die Reaktion des Angesprochenen an, ob das Gespräch weitergeführt wird, abgebrochen wird oder ob es gar zu einem Streit, zu einer wiederholten Überkreuzung der Transaktion kommt. Würde man nach einem Gespräch, das im Streit endete, die Beteiligten fragen, warum es dazu gekommen ist, so erhielte man wahrscheinlich Aussagen wie: „Ich weiß es auch nicht, ich habe doch nur gesagt, daß... Daraufhin wurde ich von meinem Gesprächspartner angeschrien.“ oder „Mein Partner hat mich mit seiner Äußerung kompromittiert (beleidigt, angegriffen usw.).“ Rekapitulierte man den Verlauf eines solchen Gespräches, so würde man gewisse „Reizwörter“ finden, die zur Überkreuzung führten und den Gesprächsverlauf dergestalt beeinflußten, daß es zum Streit zwischen den Interagierenden kam. Diese „Reizwörter“ stammen meist aus dem Eltern-Ich, sind also wertend, befehlend bzw. bevormundend. Doch können vom Hörer auch Äußerungen aus dem Erwachsenen-Ich als „Reizwörter“ empfunden werden, wenn diese Äußerungen von seinem „NICHT-0.K.-Gefühl“ als solche interpretiert werden.

Wir müssen, um ein Gespräch führen zu können, den anderen verstehen, das heißt psychisch verstehen. Zu einem echten Gespräch gehört es, daß man auf den anderen eingeht, seine Gesichtspunkte wirklich gelten läßt und sich insofern in ihn hinein versetzt, das man versteht, was er sagt. Eben das heißt, den anderen gelten lassen und anerkennen.

„Denn die Hauptvoraussetzung zur Entstehung eines echten Gesprächs ist, daß jeder seinen Partner als diesen, als eben diesen Menschen meint. Ich werde seiner inne, daß er wesentlich anders ist als ich, in dieser bestimmten ihm eigentümlichen, einmaligen Weise wesenhaft anders als ich; und ich nehme den Menschen an, den ich wahrgenommen habe, so daß ich mein Wort in allem Ernst an ihn,(... ) richten kann. Vielleicht muß ich seiner Ansicht über den Gegenstand unseres Gesprächs die meine Mal um Mal in Strenge entgegenhalten, um eine Auflockerung der Überzeugung geht es ganz und gar nicht, aber diese Person, den personenhaften Träger der Überzeugung nehme ich in seinem Sosein auf, aus dem seine Überzeugung gewachsen ist, eben die Überzeugung, von der ich etwa Stück um Stück zu zeigen versuchen muß, was da nicht stimmt. Ich sage Ja zu der Person, die ich bekämpfe, partnerisch bekämpfe ich sie, ich bestätige sie als Kreatur und als Kreation, ich bestätige auch das mir Entgegenstehende als das mir Gegenüberstehende.“ In diesem Zitat wird deutlich, daß ein echtes Gespräch nur mit dem Erwachsenen-Ich zu führen ist. Mit diesem 'Ich' gelingt es, über das Gesagte zu reflektieren und seine Meinung über den Gegenstand so darzustellen, daß der andere diese Meinung nachvollziehen kann. Gespräche auf der Eltern- bzw. Kindheits-Ich-Ebene sind Plaudereien, eine Art Zeitvertreib. Auf der Eltern-Ich-Ebene sind es stereotype Unterhaltungen, die manchmal sehr verletzend sein können, auf der Kindheits-Ich-Ebene sind es Plaudereien, die sich um die eigene Person drehen, denn sie bleiben in den subjektiven Erfahrungen und Meinungen haften und aus den Äußerungen des anderen werden nur die mit der eigenen Meinung konvergenten wahrgenommen. Kontaktgespräche bzw. Harmoniegespräche, wo es gilt, Konflikte zu vermeiden, werden häufig auf dieser Ebene geführt. Hier sind die bevorzugten Themen das Wetter, die Inhalte von Boulevard - Medien, über die eine einheitliche Meinung vorzufinden ist usw. Die Stereotype von den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen, denen die Kommunikationspartner angehören, werden einander bestätigt, z.B. wird Über gemeinsame Freunde oder gemeinsame Feinde geplaudert. Ein echtes Gespräch, ein Dialog aber findet dabei nicht statt. Bei dieser Art der Kommunikation ist der kommunikative Austausch sehr reduziert, so daß nur eine oberflächliche Kommunikation möglich ist. Solche Gespräche sollten möglichst kurz gehalten werden und nur zur Kontaktaufnahme verwandt werden. Bei einem Gespräch auf der Erwachsenen-Ich-Ebene ist eine Totalwahrnehmung des Gesprächspartners erforderlich. Diese Totalwahrnehmung erkennt man daran, daß Hörer wie Sprecher sich gegenseitig ansehen, denn dies ist ein Indiz dafür, daß das verbale wie nonverbale Verhalten des anderen bewußt aufgenommen wird. Wie im oben angeführten Zitat gesagt wird, können Aussagen nur dann entsprechend wahrgenommen werden, wenn der Hörer die Person, die eine Aussage macht, bedingungslos akzeptiert. Dieses Akzeptieren des Kommunikationspartners bedingt nur das Eingehen auf das, was dieser sagt, aber keineswegs die bedingungslose Zustimmung. Nur wenn wirklich das heißt aktiv zugehört wird, kann eine weiterführende, kreative Antwort gegeben werden - also eine Antwort aus dem Erwachsenen-Ich gegeben werden, die dem anderen etwas neues mitteilt, die dieser aufnehmen kann, die das Gespräch weiterentwickelt. Ein echtes Gespräch zeichnet sich dadurch aus, daß die Partner sich authentisch äußern, das heißt daß sie das äußern, was sie in einer bestimmten Situation glauben sagen zu können. Authentisches Sprechen bezieht Konfrontationen und mögliche Konflikte mit ein. Das Erwachsenen-Ich aber wird auch mit Konfrontationen und Konflikten fertig, denn durch das wirkliche, aktive Zuhören versteht der mit diesem 'Ich' agierende den Standpunkt des anderen und die Hintergründe dieses Standpunkts, und er kann seinen eigenen Standpunkt, der die Sache und nicht die Person angreift, sinnvoll entgegensetzen.

Geltungsstreben:

Häufig wird die Meinung vertreten, daß ein Individuum, das im Gespräch nach Geltung strebt, das also seine Qualitäten oder seine Dinge hervorhebt und über die seiner Gesprächspartner stellt, ein eitler und gefallsüchtiger Mensch ist. Wie wir feststellen werden, ist diese Meinung über einen solchen Menschen äußerst oberflächlich und in der Beziehung zu ihm zerstörerisch.

Beispiele: „Was sagen Sie, Ihr Auto macht 180 km in der Stunde, schauen Sie sich mal meinen Wagen an, das ist ein Auto, macht glatte 230 Stundenkilometer.“ „Was Sie verdienen nur 3.500 DM - ich bin auf Montage und verdiene mehr als das Vierfache.“ Wie aus diesen Beispielen ersichtlich wird, kommen diese Kommentare aus dem „NICHT-0.K.-Gefühl“ des Kindheits-Ichs, denn ein Mensch, der nach Geltung strebt, signalisiert, daß er sich unsicher fühlt und von dem anderen eine Bestätigung braucht. Wirkt der Hörer diesem Geltungsstreben entgegen, so bestätigt bzw. festigt er die '„ICHT 0.K.Gefühle'„ des Sprechers und es kommt zu einer Kommunikationsunterbrechung. Hat der Hörer aber ein „0.K.-Gefühl“, so wird er das vorgespielte „0.K.-Gefühl“ des anderen bestätigen, bzw. einen objektiven Vergleich ziehen, zum Beispiel wird er sagen, „Ja, Ihr Auto ist schneller, dafür kostet es aber auch das dreifache von meinem.“.

Reflektierendes Sprechen:

Reflektierendes Sprechen setzt Überlegungen voraus, wie der Gesprächspartner wohl auf das, was man äußern möchte, reagieren wird. Jeder, selbst ein Kind, führt im Laufe eines Tages verstandesmäßig bzw. reflektierende Gespräche, z.B. das Kind, wenn es seine Bezugspersonen zu etwas motivieren will. Solche Gespräche erfordern Disziplin, ein genaues Zuhören, was der Gesprächspartner sagt. Man will beim reflektierenden Sprechen nicht alles vom Gesprächspartner haben, z.B. nicht die Bestätigung des eigenen „0.K.-Gefühls“, sondern nur viel vom Gesprächspartner wissen, ohne sich selber dabei sprachlich entblößen zu müssen. Ein Individuum, das in einem Gespräch diese Disziplin aufbringt, also häufig reflektiert spricht, wird viel über seine soziale Umwelt erfahren und nicht oder weniger leicht angegriffen oder gar erpreßbar sein. Reflektierendes Sprechen kommt ausschließlich aus dem Erwachsenen-Ich, denn der Sprecher muß den Kommunikationspartner in seine Überlegungen mit einbeziehen, darf ihn nicht sprachlich verletzen und darf sich nicht egozentrisch verhalten. Der reflektierende Sprecher muß sein Eltern- und Kindheits-Ich unter die Regie des Erwachsenen-Ich stellen.

Arbeit zitieren:
Hansen, Hans Harald September 1987: Spachliches Handeln und Transaktionsanalyse, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sprachpsychologie, Transaktionsanalyse, Kommunikation, Proporsitionale Basis, Sprachverständnis

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