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Sozialraumorientierung

Eine theoretische Untersuchung zur Entwicklung eines neuen Konzeptes der sozialen Arbeit

Sozialraumorientierung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: André Taube
  • Abgabedatum: September 2002
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 398,2 KB
  • Note: 2,8
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8801-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8801-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8801-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Taube, André September 2002: Sozialraumorientierung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gemeinwesenarbeit, Lebensweltorientierung, Individualisierung, Pluralisierung, Konzepte und Methoden

Diplomarbeit von André Taube

Einleitung:

Meine Diplomarbeit ist inhaltlich durch mehrere Ansätze gekennzeichnet.

In den ersten beiden Kapiteln meiner Arbeit bearbeite ich die Thematik der Individualisierung und Pluralisierung, die im Wesentlichen die gesellschaftliche Entwicklung mit geprägt haben.

Die Soziale Arbeit hat sich mit den sozialen Risiken einer modernisierten Gesellschaft auseinandergesetzt und Konzepte erarbeitet, die dieser Entwicklung Rechnung tragen sollen.

In einem weiteren Schritt werde ich eine Notwendigkeit von Konzepten Sozialer Arbeit aufzeigen, im Kontext o.g. gesellschaftlicher Entwicklungen.

Die Konzepte, die ich in meinem Hauptteil meiner Arbeit bearbeiten werde, sind im Wesentlichen geprägt durch den Begriff der „Lebenswelt“. Das dritte Kapitel beschließt den allgemeineren Teil meiner Arbeit. In diesem Abschnitt ist es ein besonderes Anliegen von mir den Begriff der „Lebenswelt“ in seiner philosophischen Dimension zu beschreiben, um ihn dann abzuleiten auf sozialpädagogische Konzepte. Ein historischer Rückbezug ist insofern bedeutsam, da das Konzept der Lebensweltorientierung (Thiersch) wesentliche Inhalte aufgreift, die in dem philosophischen Begriff der „Lebenswelt“ angelegt sind. Dieses Konzept wird den Ausgangspunkt darstellen für meine weiteren theoretischen Überlegungen.

Praxisrelevant schien mir die Fragestellung, ob dieses Konzept in seiner Abstraktheit und Komplexität ableitbar ist auf die sozialpädagogische Praxis. In einem von mir selbst gewählten praktischen Beispiel eines „Krisenwohnprojektes“, in dem ich auch selbst tätig war, gelingt es mir, eine Antwort darauf zu finden.

Ein forschungsleitendes Interesse meiner Diplomarbeit ist die theoretische Untersuchung des Konzeptes der Sozialraumorientierung. Zum einen geht es mir darum, eine historische Entwicklung von Sozialraumorientierung aufzuzeigen. Lebensweltorientierung und Gemeinwesenarbeit stellen Konzepte Sozialer Arbeit dar, die im Wesentlichen das Konzept der Sozialraumorientierung mit geprägt haben.

Zum anderen gilt es in dieser Fragestellung meiner Arbeit herauszuarbeiten, stellt man die o.g. Konzepte gegenüber, ob es sich bei Sozialraumorientierung um ein neues, innovatives Konzept Sozialer Arbeit handelt.

In der ausführlichen Bearbeitung meiner Fragestellung habe ich die Erkenntnis gewonnen, daß Sozialraumorientierung im Wesentlichen den Inhalten entspricht, wie sie in den Konzepten der Lebensweltorientierung und der Gemeinwesenarbeit aufgezeigt werden.

Doch was ist denn nun dran an dem Konzept der Sozialraumorientierung?

Das Konzept erhält seine Brisanz in der aktuellen fachpolitischen Diskussion der Jugendhilfe, nicht nur in Hamburg, sondern bundesweit.

In meinem letzten Kapitel geht es mir im Wesentlichen darum, dem Leser die eigentliche sozial (finanz-) politische Relevanz in der Debatte um Sozialraumorientierung näher zu erläutern.

Diese Relevanz wird besonders deutlich, schaut man sich das Konzept genauer an, im Kontext einer Umstrukturierung der Jugendhilfe, insbesondere der Hilfen zur Erziehung (KJHG), wie sie im KGSt- Bericht gefordert wird. Sozialraumorientierung befindet sich noch in seiner Erprobungsphase, so daß noch keine endgültigen Ergebnisse aus der Praxis vorliegen.

In meinem forschungsleitendem Interesse dieses Kapitels geht es mir nicht nur hauptsächlich darum, zu einem Ergebnis zu kommen. Natürlich beziehe ich mich auf die pädagogischen Inhalte des Konzeptes und erkenne hier auch viel Positives. Trotzdem ist es ein wichtiges Anliegen von mir auf eventuelle Gefahren hinzuweisen, die ich in dem Konzept der Sozialraumorientierung erkenne.

Ich habe mich in der theoretischen Auseinandersetzung mit dieser Thematik kritisch zu Wort gemeldet. Meine Antworten auf die Fragestellung, ob und wie sich in Zukunft Sozialraumorientierung auswirken könnte, auf die Soziale Arbeit in der Jugendhilfe, sind rein hypothetischer Natur. Die Entwicklung wird zeigen wohin der Weg von Sozialraumorientierung führt.

Zum Schluß stelle ich in meinem zweiten Praxisbezug, das Hamburger Modellprojekt (Sozialraum- und lebensweltorientierte Hilfen zur Erziehung) der Jugendamtsregion III in Eidelstedt/Stellingen vor. Ich selbst habe an diesem Projekt in keiner Weise mitgearbeitet. Transparent dargestellt, zeigt es dem Leser welche notwendigen Schritte man einleiten muß, will man in Zukunft „Sozialraumorientiert“ arbeiten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Modernisierung der Gesellschaft 3
2.1 Gesellschaftliche Entwicklungen 3
2.1.1 Individualisierung und Pluralisierung der Gesellschaft 4
2.1.2 Individualisierung als Arbeitsprinzip der Sozialpädagogik/Sozialarbeit (SP/SA) 6
2.2 Fazit und Überleitung 7
3. Konzepte und Methoden 8
3.1 Notwendigkeit von Konzepten in der Sozialen Arbeit (SA) 8
3.2 Eine Differenzierung der Begrifflichkeiten 9
3.2.1 Konzepte der (SA) 9
3.2.2 Methoden der (SA) 10
3.3 Fazit und Überleitung 13
4. Die Philosophie der Lebenswelt 14
4.1 Der Begriff der Phänomenologie (Husserl, E.) 14
4.2 Strukturen der Lebenswelt von (Schütz, A.) 16
4.2.1 Zur Entstehung seiner Werke 16
4.2.2 Wirklichkeit und Alltag, Sozialwelt und Naturwelt 16
4.3 Kritische Betrachtung und Überleitung 19
5. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit (Thiersch, H.) 21
5.1 Zur Differenzierung der Begriffe Lebensweltorientierung und Alltagsorientierung 21
5.2 8. Jugendbericht (1990) 22
5.3 Das Konzept einer lebensweltorientierten Jugendhilfe 25
5.3.1 Lebensweltorientierte Hilfen zur Erziehung (KJHG) 27
5.3.2 Entwicklungs- und Strukturmaximen (Thiersch, H. und 8. Jugendbericht) 28
5.3.2.1 Arbeitsprofile lebensweltorientierter Sozialer Arbeit 29
5.3.2.2 Hilfe zur Selbsthilfe 31
5.4 Das Konzept der Alltagsorientierung (Thiersch, H.) 32
5.4.1 Alltag 33
5.4.2 Alltagsorientierung als Rahmenkonzept 34
5.5 Anmerkungen verschiedener Autoren zum Alltagsbegriff 37
5.6 Praxisbezug I 40
5.6.1 Das Konzept „StandBy-Projekt“ 40
5.6.2 Grundlage des Angebotes 41
5.6.3 Problemstellung 42
5.6.4 Problemklärung 43
5.6.5 Arbeitsweisen 44
5.6.6 Resümee 45
5.7 Fazit und Überleitung 46
6. Gemeinwesenarbeit 47
6.1 Historische Entwicklung 47
6.2 Ansätze von Gemeinwesenarbeit in Deutschland 49
6.3 Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip Sozialer Arbeit 52
Exkurs: Empowerment 57
6.4 Strategien der Gemeinwesenarbeit (Hinte/Karas, Alinsky, Murray) 59
6.5 Kritische Stellungnahme und Überleitung 62
7. Das Konzept der Sozialraumorientierung 67
7.1 Entwicklungsstadien 67
7.2 Sozialraumorientierung in der fachlichen Diskussion 69
7.3 KGSt- Bericht 12/1998 71
7.3.1 Kontraktmanagement zwischen den öffentlichen und freien Trägern in der Jugendhilfe 71
7.3.2 Erläuterungen zum Ansatz sozialraumorientierter Sozialer Arbeit 72
7.4 Qualitätskriterien in der Sozialraumorientierung 74
7.4.1 Fall spezifische Arbeit 76
7.4.2 Fall übergreifende Arbeit 77
7.4.3 Fall unabhängige Arbeit 77
7.5 Fazit und kritische Stellungnahme 77
7.6 Praxisbezug II 86
7.6.1 Zwischenbericht I des Modellprojektes: Hamburg, Dezember 2001 „Sozialraum- und lebensweltorientierte Hilfen zur Erziehung (HzE) unter Einbeziehung der Implementierung eines Sozialraumbudgets“ 87
7.6.2 Hintergrund der Projektentwicklung 87
7.6.3 Problemstellung bei den Hilfen zur Erziehung 87
7.6.4 Bildung eines Trägerverbundes 88
7.6.5 Konzeptentwicklung 89
7.6.6 Implementierungsphase 93
7.6.7 Zwischenbilanz und bisherige Erkenntnisse, Stand der Arbeit 95
8. Schlußbetrachtung 98
9. Literaturverzeichnis 100

Automatisiert erstellter Textauszug:

Münder hat in seinem Buch: („Sozialraumorientierung auf dem Prüfstand“ 2001, S. 12ff), darauf hingewiesen, daß der KGSt- Bericht als eine Orientierung für alle momentan laufenden Modellprojekte in Deutschland gilt, die sich mit dem Thema Sozialraumorientierung beschäftigen. Besondere Bekanntheit haben die INTEGRA- Projekte und ein entsprechendes Vorhaben in Stuttgart erlangt. Das Modellvorhaben INTEGRA (Integrierte, regionalisierte Angebote der Jugendhilfe) wird mit Bundesmitteln gefördert. Dieses Modellprojekt wird in fünf Regionen (in den vier Städten Celle, Dresden, Erfurt, Frankfurt/Oder und im Landkreis Tübingen) in unterschiedlicher Weise durchgeführt. Es konzentriert sich insbesondere auf die konzeptionelle und fachliche Neugestaltung der Erziehungshilfen (hierzu ausführlich, Münder 2001, unter Punkt 1.2.2 Praxismodelle, S. 15ff). [...]

In meinem Schlußkapitel geht es mir darum den Lesern das Konzept der Sozialraumorientierung näher zu bringen. Es ist in letzter Zeit viel über dieses Konzept geschrieben und berichtet worden. Ich werde mich auf die wesentlichen Inhalte beschränken, die meiner Meinung nach geeignet sind, das Konzept „kurz, knapp und verständlich“ wiederzugeben. In einem letzten Schritt stelle ich ein Modellprojekt aus Hamburg vor, das dem Leser einen Eindruck vermitteln soll, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, will man das Konzept realisieren. Um eine Entwicklung eines Konzeptes der Sozialraumorientierung, so wie ich es versucht habe darzustellen, nachzuvollziehen zu können, gehe ich anfangs noch einmal auf einige Entwicklungsstadien dieses Ansatzes ein. Dann werde ich die Überlegungen in den Kontext heutiger fachlicher Diskussion zu stellen. Um erklären zu können worum es eigentlich inhaltlich geht, bedarf es weiterer Konkretisierungen. [...]

Was ist nun der richtige Weg? Welche Intervention erfaßt denn nun die Lebenswelt der Betroffenen? Ist es die Einzelfallarbeit oder GWA oder beide zusammen? Herr Oelschlägel liegt falsch in seiner Annahme, wenn er meint, die anderen Methoden erfassen die Lebenswelt nicht. Es besteht oft eine Notwendigkeit, Kinder und Jugendliche aus ihren lebensweltlichen Bezügen herauszunehmen, damit sie keinen weiteren Schaden in der Familie erleiden. Ob SPFH oder andere Formen individueller Hilfe, sie sind notwendiges Mittel, um überhaupt erst einmal das System der Familie offen zu legen. Für mich spiegelt sich die Lebenswelt der Menschen in den familiären Beziehungen wieder. Hier werden meiner Meinung nach Probleme und Krisen in der Regel als erstes Sichtbar. Ich greife hier bewußt die psychologische Sichtweise familiärer Beziehungen auf. Trotz aller soziologischen Erkenntnisse, die GWA- Arbeit hervorgebracht hat, sollte man die Erkenntnisse aus der Familientherapie/Familienpsychologie nicht unberücksichtigt lassen. Für die Psychologie sind die familiären Beziehungen konstitutiv, und daran gekoppelt eben auch die Krisen und Nöte, als Ausdruck von Beziehungsproblemen der beteiligten Personen (dazu genauer, HantelQuitmann a.a.O., S. 8ff). So gesehen liegt meine o.g. Vermutung nahe, daß sich die Lebenswelt der Betroffenen zuerst in dem familiären Zusammenleben konstituiert und eben nicht wesentlich geprägt wird durch abstrakte soziale Räume oder Stadtteile. Ich möchte zu verstehen geben, daß ich nicht nur für die eine oder die andere Methode plädiere. Augenscheinlich gibt es aber immer wieder Meinungsverschiedenheiten, welche die bessere Methode Sozialer Arbeit darstellt. Ob man nun die soziologische oder psychologische Perspektive wählt, ist meines Erachtens nicht wichtig. Entscheidend für mich ist zu erkennen, ob GWA oder Einzelhilfe, daß beide Methoden wirksam praktiziert werden können, wenn es um die Lösung menschlicher Konflikte und Probleme geht. Ich denke es ist eben nicht nur damit getan, sich auf die Selbstheilungskräfte, der zur Ververfügung gestellten Ressourcen im Stadtteil oder sozialem Raum zu verlassen. Wichtig ist ebenso zu schauen, was der individuelle Fall ist, wie er sich mir und den Betroffenen darstellt, was ist das eigentliche Problem? Gibt es einen Anspruch auf Hilfe zur Erziehung? Exakt um diese Fragestellungen und Kritikpunkte geht es in dem nun folgenden, letzten Kapitel meiner Arbeit. An dieser Stelle möchte ich jetzt überleiten zum Konzept der Sozialraumorientierung. [...]

Arbeit zitieren:
Taube, André September 2002: Sozialraumorientierung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gemeinwesenarbeit, Lebensweltorientierung, Individualisierung, Pluralisierung, Konzepte und Methoden

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