Sozialpädagogische Gesichtspunkte der Einführung einer einheitlichen Schulkleidung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Simone Büchle
- Abgabedatum: Juni 2002
- Umfang: 140 Seiten
- Dateigröße: 6,9 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Freiburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5815-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5815-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5815-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Büchle, Simone Juni 2002: Sozialpädagogische Gesichtspunkte der Einführung einer einheitlichen Schulkleidung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Schuluniform, Markenterror, Konsumerziehung, Schulpädagogik, Klassengemeinschaft
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Diplomarbeit von Simone Büchle
Einleitung:
Eltern erleben verstärkt, wie der Wunsch ihrer Kinder nach trendiger, aber nicht für jeden bezahlbarer Markenkleidung, immer mehr den Alltag bestimmt. Die Folge ist, so sagt man, dass viele Kinder und Jugendliche verspottet und ausgegrenzt werden.
Die Lösung glauben manche Eltern, Pädagogen und Politiker in einer einheitlichen Schulkleidung gefunden zu haben.
Das Thema stößt auf reges gesellschaftspolitisches Interesse. Diskutiert wird jedoch nicht die Einführung einer Schuluniform wie wir sie aus England kennen. Die Rede ist vielmehr von einer Einheitskleidung, welche die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt. So tragen beispielsweise die Schülerinnen und Schüler eines Wiesbadener Pilotprojekts Sweatshirt und Cargo-Hose in einheitlicher Farbe. Die Einführung einer konformen Schulkleidung steckt hierzulande allerdings noch in den Kinderschuhen, weswegen sie in der Fachliteratur kaum Beachtung findet.
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Einführung einheitlicher Schulkleidung unter sozialpädagogischen Gesichtspunkten auseinander. Es wird untersucht, ob einheitliche Schulkleidung eine geeignete Maßnahme darstellt, um den anfangs zitierten vermeintlichen Defiziten zu entgegnen. Hierzu wird ein Überblick über die historische sowie gegenwärtige Situation Deutschlands, bezüglich der Schulkleidungsthematik, gegeben.
Anhand der Darstellung dreier Modellprojekte in Deutschland sowie der Situation in Großbritannien und den USA werden die Gründe für und die Erfahrungen mit einheitlicher Schulkleidung aufgezeigt. Darüber hinaus wurde eine Befragung unter Jugendlichen durchgeführt, um deren tendenzielle Meinung bezüglich dieser Thematik aufzuzeigen.
Aus den erörterten Gesichtspunkten werden dann schließlich allgemeine Konsequenzen abgeleitet sowie alternative Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 4 | |
| 1. | Die Bedeutung der Kleidung für Jugendliche | 7 |
| 1.1 | Definitionen von Kleidung | 7 |
| 1.2 | Markenbildung und Markenbewusstsein | 7 |
| 1.3 | Funktionen von Kleidung | 9 |
| 1.3.1 | Kleidung als nonverbales Kommunikationsmedium | 10 |
| 1.3.2 | Kleidung als Zeichen der Gruppenzugehörigkeit | 13 |
| 1.3.3 | Kleidung als Medium der Selbstdarstellung | 17 |
| 2. | Zur Thematik der Schuluniform im Ausland | 23 |
| 2.1 | Schuluniform in Großbritannien | 23 |
| 2.2 | Schulkleidung in den USA | 27 |
| 3. | Zur Thematik der "Schuluniform" in Deutschland | 32 |
| 3.1 | Die Geschichte der Schülerkleidung | 32 |
| 3.2 | Regionale Tendenzen einer Schülerkleidung | 33 |
| 3.2.1 | Der Blaue Mantel als Schülerkennzeichen an höheren Schulen | 33 |
| 3.2.2 | Schulschürzen als Symbol für Kindheit bei Mädchen | 34 |
| 3.2.3 | Matrosenkleidung als Symbol für Kindheit | 36 |
| 3.2.4 | Die Schülermütze als Kennzeichen der Realschüler und Gymnasiasten | 40 |
| 3.3 | Die aktuelle Situation zur einheitlichen Schülerkleidung | 43 |
| 3.3.1 | Pro und Contra Argumentationen | 45 |
| 3.3.2 | Umfrageergebnisse und politische Stellungnahmen | 47 |
| 4. | Modellprojekte zur einheitlichen Schulkleidung in Deutschland | 50 |
| 4.1 | Hamburg | 50 |
| 4.2 | Berlin | 54 |
| 4.3 | Wiesbaden | 61 |
| 4.4 | Stellungnahme zu den Modellversuchen | 70 |
| 5. | Befragung an der Staudinger-Gesamtschule Freiburg i. Br. | 74 |
| 5.1 | Fragestellung | 74 |
| 5.2 | Untersuchungsfeld | 75 |
| 5.3 | Aufbau des Fragebogens | 77 |
| 5.4 | Vorgehensweise | 78 |
| 5.4.1 | Pre-Test | 78 |
| 5.4.2 | Durchführung der Befragung | 79 |
| 5.5 | Mittel der Analyse und Darstellungsform der Daten | 79 |
| 5.6 | Auswertung der Befragung | 80 |
| 6. | Folgerungen für pädagogisches Handeln | 92 |
| 6.1 | Einheitliche Schulkleidung als Maßnahme innerhalb eines pädagogischen Gesamtkonzepts | 92 |
| 6.2 | Vermittlung von Sozialkompetenz | 92 |
| 6.3 | Konsumerziehung | 98 |
| 6.3.1 | Aufgaben des Elternhauses | 98 |
| 6.3.2 | Aufgaben der Schule | 99 |
| 7. | Zusammenfassung und Ausblick | 101 |
| 8. | Literaturverzeichnis | 108 |
| 9. | Abbildungsverzeichnis | 115 |
| 10. | Anhangverzeichnis | 116 |
| 11. | Anhang | 117 |
gewesen wäre.221 Das Projekt hatte ein großes Medienecho in ganz Deutschland zur Folge und setzte bundesweit auf allen Ebenen Diskussionen frei, die sich mit dieser Thematik befassen. Sie fand große Zustimmung in weiten Kreisen der Eltern- und Lehrerschaft. Trotz anfänglicher Skepsis fühlen sich die Kinder nach eigenem Bekunden in ihren einheitlichen Pullis wohl. „Für einige war die Umstellung zu Beginn zwar nicht leicht, doch inzwischen ist die Kleidung kein Thema mehr.“222 Nach Brose223 war auf Grund des enormen Öffentlichkeitsinteresses die Hamburger Bildungspolitik gefordert, zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Seitens der CDU wurde hierzu durch den Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft, Herrn Hesse, eine kleine Senatsanfrage gestellt. Daraufhin wurde folgende Feststellung getroffen: dem Senat erscheint eine einheitliche Schulkleidung tolerierbar, wenn kein Druck gegen Andersdenkende entsteht (GG Art. 2 Abs.1 – Persönliche Freiheitsrechte), der öffentlichen Hand keine Kosten entstehen sowie keine anderen öffentlichen Schulen (auch keine einzelnen Klassen darin) bundesweit bekannt sind, die einheitliche Schulkleidung mit täglicher Tragepflicht verordnen.224 Auch wenn hieraus keine große Bereitschaft zur Unterstützung von gemeinschaftlicher Schülerkleidung abzulesen ist, kommt nach Brose die eigentlich ablehnende Kritik an einem solchen Bekleidungskonzept bisher einzig von Lehrkräften. Meist sind dies nach Brose ehemalige 68er oder sehr junge Lehrer, „die offenbar mit „individueller Freiheit“ etwas anderes verbinden, als die offenkundige Einsicht, dass eine angemessene und kindgerechte, mithin aber pädagogisch sinnvolle Beschränkungsauflage zu einer wesentlich weiteren, vor allem sozial motivierteren Persönlichkeitsfreiheit erziehen kann, als dies durch eine verfrüht angebotene, grenzenlose Individualbestimmung geleistet werden könnte.“225 [...]
weiter abgelassen. Der Werteverlust und ein Wandel der inneren Haltung hin zu Egoismus und Egozentrik veränderten und verändern immer noch unsere Gesellschaft und somit auch die Schule.“218 „Die Stellung des Kindes ist heute eine ganz andere als noch in der 80er Jahren. Durch die eingeschränkte Zeit, die Eltern mit ihren Kinder verbringen (können), sind diese mehr sich selbst und anderen Kindern überlassen. Ihnen werden viel zu früh viele Entscheidungen selbst überlassen, mitunter aus der Situation auch abverlangt. Kinder sind damit zum einen überfordert, zum anderen leiten sie daraus ab, dass sie in allem das Recht haben, selbst zu entscheiden.“219 Brose vertritt die Ansicht,220 dass durch eine konforme Kleidung, wie sie beispielsweise auch in Sportvereinen und anderen Interessensgruppen getragen wird, die Möglichkeit besteht, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern, ein WirBewusstsein zu entwickeln und somit ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit im Verband „Gleicher“ zu stärken. Eine schnellere Integration von Neuzugängen soll möglich sein. Des weiteren kann ihrer Meinung nach ein vernünftiges Maß an Stolz auf die Klasse bzw. auf die Schule und damit auch auf sich selbst entstehen. Es soll weiter ein höheres Verantwortungsbewusstsein für ein besseres Umgangsverhalten entstehen, da außerhalb der Schule erkennbar ist, welche Bildungseinrichtung besucht wird. Zudem soll hiermit die Erziehung zu einem angemessenen Konsumverhalten reales Schulprogramm werden. Brose meint weiter, dass durch eine einheitliche Schulkleidung durch Markenzwang erzeugte Ausgrenzungen wegfallen. Schüler aller Gesellschaftsschichten hätten somit bessere Chancen, sich frei vom Uniformierungszwang durch Markenkleidung, zu entwickeln. Ein „sich definieren“ durch Markenkleidung sowie das „Abziehen“ derselben würde entfallen. Eltern und Schulleitung gaben ihre volle Unterstützung zur Einführung der Einheitskleidung, ohne welche laut Brose dieses pädagogische Anliegen nicht durchzusetzen [...]
Den ersten Vorstoß wagte eine 5. Klasse der Haupt- und Realschule Sinstorf, ein am Südrand von Hamburg gelegener Stadtteil. Seit September 2000 tragen die 19 Schülerinnen und Schüler einheitliche grüne Sweatshirts mit dem Emblem der Schule auf der Brust. Für wärmere Tage sind TShirts oder Polohemden vorhanden.209 Klassenlehrerin Karin Brose bemüht sich darum, kostengünstige Hersteller und eine für die Kinder ansprechende Kleidung aufzutun. Die Schülerinnen und Schüler sind bei der Kleiderwahl mit einbezogen. Bisher werden die Shirts von der Schulleitung geordert, vom Schulverein vorfinanziert und bei Frau Brose bezahlt. Die Kosten, welche von den Schülern zu tragen sind, liegen zwischen 11 und 18 €.210 Auch die Klassenlehrerin sowie Schulleiter Klaus Damian und der Hausmeister der Schule schlüpfen ab und an in das Einheitsshirt.211 Initiatorin des Pilotprojektes ist die Klassenlehrerin Karin Brose. Sie übernahm nach 27jähriger Berufserfahrung die 5b, welche sich ihres Erachtens, nach pädagogischen Gesichtspunkten, in einem schlechten Zustand befand. Nach Brose212 waren die zehn- bis zwölfjährigen Kinder untereinander zerstritten, unter anderem um den Wert von teurer Markenkleidung. Das Tragen unangemessener Kleidung, wie beispielsweise bauchfreie Tops habe überhand genommen. Es mangelte zudem an Konzentration, Disziplin und Sozialkompetenz.213 „Die Schülerinnen und vor allem die Schüler, lassen nicht ausreden, schreien dazwischen, sin- [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832458157
Arbeit zitieren:
Büchle, Simone Juni 2002: Sozialpädagogische Gesichtspunkte der Einführung einer einheitlichen Schulkleidung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Schuluniform, Markenterror, Konsumerziehung, Schulpädagogik, Klassengemeinschaft



