Sozialkapital – ein Paradigma?
Eine wissenschaftstheoretische Untersuchung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Johannes Marx
- Abgabedatum: Januar 2001
- Umfang: 110 Seiten
- Dateigröße: 661,1 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7891-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Marx, Johannes Januar 2001: Sozialkapital – ein Paradigma?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Robert D. Putman, Vertrauen, Spieltheorie, Rational Choice, Homo Oeconomicus
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Magisterarbeit von Johannes Marx
Problemstellung:
Politikwissenschaft ist eine Disziplin, in deren Erkenntnismittelpunkt das Handeln von Menschen steht. Wenn zwei Akteure miteinander zu beiderseitigem Vorteil handeln, spricht man von Kooperation. Problematisch ist diese, wenn beide Parteien nicht zur gleichen Zeit ihre Leistung einbringen können und die Gefahr besteht, dass eine einseitig getätigte Vorleistung ausgenutzt und hintergangen wird. Um das hierbei von einem Akteur eingegangene Risiko zu minimieren, gibt es verschiedene soziale Mechanismen. Darunter zum Beispiel das Phänomen des Versprechens. Dennoch ist Kooperation nicht der Normalfall.
Unter welchen Umständen Akteure miteinander kooperieren und unter welchen nicht, ist eine der Leitfragen der in dieser Arbeit untersuchten Texte. Das Problem der Kooperation spielt unter anderem in den Internationalen Beziehungen sowie in der Vergleichenden Regierungslehre eine große Rolle. Dort wird versucht, ökonomische, institutionelle oder kulturelle Faktoren zu finden, die für die Entstehung von kooperativem bzw. unkooperativem Handeln in einem Land gegenüber einem anderen verantwortlich gemacht werden können. Dabei genießen die beiden Sozialkapitalansätze von Putnam und Coleman in den letzten Jahren eine immer größere Aufmerksamkeit. Beide sehen die Lösung des Kooperationsproblems in einem Phänomen, welches sie ‚Sozialkapital’ nennen.
Die Resonanz auf diese Arbeiten ist beeindruckend. Innerhalb der letzten Jahre entstand eine Fülle von Werken, die den Sozialkapitalansatz als Erklärungsmuster für die verschiedensten Phänomene verwenden. So wird mit dem Sozialkapitalansatz die unterschiedliche wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Entwicklung verschiedener Länder, die Funktionsweise der Mafia, der Untergang der Weimarer Republik, das Abstimmungsverhalten von Mitgliedern des amerikanischen Senats und die Performanz demokratischer Institutionen erklärt. Der Sozialkapitalansatz scheint sich zu einer Standardmethode für den Bereich der Vergleichenden Regierungslehre zu entwickeln. Problematisch ist hierbei jedoch, dass der theoretische Gehalt der beiden Ansätze bisher zu wenig wissenschaftstheoretisch reflektiert wird.
Die These, die ich in dieser Arbeit vertrete, beläuft sich nicht nur darauf, dass Putnam und Coleman unterschiedlichen wissenschaftlichen Paradigmen angehören, sondern ordnet Putnam und Coleman auch zwei bereits bestehenden unterschiedlichen Paradigmen der Sozialwissenschaften zu.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 1.1 | Hinführung zum Thema | 4 |
| 1.2 | Wissenschaftliches Problem und Fragestellung | 5 |
| 1.3 | Der Aufbau der Arbeit | 7 |
| 1.4 | Der Begriff des Sozialkapitals. | 9 |
| 2. | Der Paradigmabegriff als metatheoretischer Zugriff | 10 |
| 2.1 | Der frühe Paradigmabegriff | 10 |
| 2.2 | Der modifizierte Paradigmabegriff | 12 |
| 2.3 | Wissenschaft als Rätsellösen | 14 |
| 2.4 | Die Inkommensurabilitätsthese. | 16 |
| 2.5 | Anwendungskriterien des Paradigmabegriffs | 18 |
| 3. | Der Sozialkapitalansatz von Putnam | 20 |
| 3.1 | Die Elemente des Sozialkapitalansatzes. | 21 |
| 3.2 | Der Erklärungszusammenhang des Sozialkapitalansatzes. | 25 |
| 3.3 | Sozialkapital und die ihm zugeschriebenen Effekte. | 31 |
| 4. | Der Sozialkapitalansatz von Coleman | 35 |
| 4.1 | Die Elemente des Sozialkapitals | 37 |
| 4.2 | Der Erklärungszusammenhang des Sozialkapitalansatzes | 39 |
| 4.3 | Sozialkapital und die ihm zugeschriebenen Effekte | 47 |
| 5. | Putnam und Coleman als Wissenschaftler unterschiedlicher Paradigmen | 50 |
| 5.1 | Homo Sociologicus oder Kooperation aus prosozialen Motiven | 51 |
| 5.1.1 | Die Elemente des Homo Sociologicus–Paradigmas bei Dahrendorf | 51 |
| 5.1.2 | Das Erklärungsmuster des Homo Sociologicus–Paradigmas | 54 |
| 5.1.3 | Zugeschriebene Effekte und ungelöste Forschungsrätsel im Rahmen des Homo Sociologicus–Paradigmas | 57 |
| 5.2 | Homo Oeconomicus oder Kooperation als strategische Interaktion | 59 |
| 5.2.1 | Die Elemente des Homo Oeconomicus–Paradigmas bei Axelrod | 60 |
| 5.2.2 | Das Erklärungsmuster kooperativen Handelns bei Axelrod | 64 |
| 5.2.3 | Zugeschriebene Effekte und ungelöste Forschungsrätsel im Rahmen des Homo Oeconomicus–Paradigmas | 72 |
| 5.3 | Sozialkapital als kulturell geprägte Einstellung der Menschen oder als Lösung der Kooperationsproblematik rationaler Akteure | 74 |
| 5.3.1 | Einordnung der Elemente der Sozialkapitalansätze in die klassischen Paradigmen | 75 |
| 5.3.2 | Einordnung des jeweiligen Erklärungszusammenhangs der Sozialkapitalansätze in die klassischen Paradigmen | 78 |
| 5.3.3 | Einordnung der unterschiedlich zugeschriebenen Effekte der Sozialkapitalansätze in die klassischen Paradigmen | 81 |
| 6. | Sozialkapital – zwei Steuerungskonzepte zivilgesellschaftlicher Prozesse | 84 |
| 6.1 | Zusammenfassung der Ergebnisse | 84 |
| 6.2 | Ableitbare Steuerungskonzepte der unterschiedlichen Paradigmen | 89 |
| 6.3 | Colemans Ansatz als die bessere Lösung | 93 |
| 7. | Schlussbemerkung | 95 |
| 8. | Literaturverzeichnis | 97 |
Zum Schluss der Einleitung soll der für diese Arbeit zentrale Begriff des Sozialkapitals eingeführt werden. Es ist bereits angedeutet worden, dass Begriffe ihre Bedeutung zum Teil auch aus der theoretischen Komponente des jeweiligen Paradigmas erhalten. Eine Darstellung dessen kann hier natürlich noch nicht geleistet werden. Dennoch können einige einleitende Bemerkungen zum Begriff des Sozialkapitals gemacht werden: Unter Kapital versteht man in der Regel eine Ressource, die einen Akteur in die Lage versetzt, ein erwünschtes Ziel zu erreichen. Üblicherweise ist dies der Kauf eines gewissen Produktes. Auch Sozialkapital dient dazu, individuelle Ziele zu erreichen. Allerdings besteht ein großer Unterschied zu ökonomischem Kapital. Während ökonomisches Kapital eine individue lle Ressource ist und einem einzigen Individuum zugeschrieben werden kann, drückt sich Sozialkapital in den sozialen Beziehungen zwischen den Individ uen aus. Es braucht demnach mindestens zwei Akteure, damit man von Sozialkapital sprechen kann. Erst eine solche Beziehung ermöglicht das Entstehen von sozialem Vertrauen, gesellschaftlicher Kontrolle oder die Geltung von Normen und Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Dieses Phänomen soll im Folgenden unter Sozialkapital verstanden werden. [...]
zusammengefasst. Dies entspricht einem inhaltlichen Fazit der Arbeit. Anschließend steht die Frage im Mittelpunkt, welche Konsequenzen diese Erkenntnisse für die Anwendbarkeit der Sozialkapitalkonzepte haben. Auf diese Weise wird deutlich werden, dass wissenschaftstheoretische Untersuchungen keine sinnlose Beschäftigung weit ab jeglicher empirischen Relevanz sind, sondern ihrerseits eine starke Rückwirkung auf die Wahrnehmung empirischer Probleme haben. Erst aufgrund der wissenschaftstheoretischen Untersuchung wird deutlich, dass ein großer Unterschied zwischen den verwendeten Erklärungsmustern besteht, und sich von den Sozialkapitalansätzen ganz unterschiedliche Steuerungskonzeptionen ableiten lassen. Schließlich wird in Kapitel 6.3 gezeigt, dass sich gute Gründe dafür finden lassen, dass Coleman den besseren der beiden Ansätze entwickelt hat. [...]
tel 2 aus den Überlegungen Kuhns zum Aufbau wissenschaftlicher Theorien he rgeleitet. Drei Ebenen finden bei der Rekonstruktion Berücksichtigung: Erstens ist dies die Ebene des Vokabulars. Dabei gilt es herauszuarbeiten, dass die Bedeutung von Begriffen nicht nur aus ihrer Verweisfunktion auf empirische Gegenstände herzuleiten ist, sondern sich auch aus den theoretischen Festlegungen eines Paradigmas erschließt. Zweitens ist dies die Ebene des theoretischen Kerns eines Paradigmas. Auf dieser Ebene soll herausgearbeitet werden, wie die verschiedenen Elemente der Sozialkapitalansätze mittels einer Relation verbunden werden und so ihren erklärenden Charakter erlangen. Die dritte Ebene betrifft die ableitbaren Effekte, die in Form von Hypothesen formulie rbar sind. Hier wird noch einmal deutlich, welches die abhängigen und unabhängigen Variablen sind und welche Erklärungskraft das Paradigma besitzt. Anhand dieser Kriterien wird dann in Kapitel 3 der Sozialkapitalansatz von Putnam rekonstruiert. Dabei werden die verschiedenen Elemente eines Erklärungsmusters, die im zweiten Kapitel abstrakt formuliert werden, inhaltlich gefüllt. Analog dazu wird in Kapitel 4 der Sozialkapitalansatz Putnams rekonstruiert. Da die These der Arbeit nicht nur auf einen Vergleich der Sozialkapitalansätze zielt, sondern darüber hinaus auch noch die Zugehörigkeit dieser Ansätze zu bestehenden Paradigmen der Sozialwissenschaft behauptet, werden in Kapitel 5 die bestehenden Paradigmen der Sozialwissenschaft anhand der wissenschaftstheoretischen Kriterien rekonstruiert. In Kapitel 5.1 wird das Homo Sociologicus–Paradigma nach Dahrendorf und in Kapitel 5.2 das Homo Oeconomicus–Paradigma nach Axelrod rekonstruiert. In Kapitel 5.3 kann dann der eigentliche Vergleich anhand der vorher entwickelten Kriterien vorgenommen werden. Dabei wird sich zeigen, dass sich trotz eines ähnlichen Vokabulars große Unterschiede bei den verwendeten Erklärungsmustern der Sozialkapitalansätze aufzeigen lassen. Dies hängt mit der oben bereits angedeuteten theoretischen Komponente der Bedeutung eines Begriffs zusammen. Sie herauszuarbeiten wird Aufgabe von Kapitel 5.3 sein. Nur so wird der Unterschied zwischen Putnams und Colemans Sozialkapitalansatz deutlich. Außerdem erfolgt in diesem Kapitel die Zuordnung zu den klassischen Paradigmen. In Kapitel 6.1 werden schließlich die Ergebnisse [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832478919
Arbeit zitieren:
Marx, Johannes Januar 2001: Sozialkapital – ein Paradigma?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Robert D. Putman, Vertrauen, Spieltheorie, Rational Choice, Homo Oeconomicus




