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Soziales Engagement als Bewältigung von Entwicklungsaufgaben

Eine explorative Untersuchung am Beispiel einer Realschule zu konzeptionellen Konsequenzen im Handlungsfeld Jugendarbeit

Soziales Engagement als Bewältigung von Entwicklungsaufgaben
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Thiel
  • Abgabedatum: September 2009
  • Umfang: 145 Seiten
  • Dateigröße: 3,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 65
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0188-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Thiel, Christian September 2009: Soziales Engagement als Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Entwicklungspsychologie, Pubertät, Identität, Soziales Engagement, Lebensphase

Diplomarbeit von Christian Thiel

Einleitung:

Die Diplomarbeit ‘Soziales Engagement als Bewältigung von Entwicklungsaufgaben – Eine explorative Untersuchung am Beispiel einer Realschule zu konzeptionellen Konsequenzen im Handlungsfeld Jugendarbeit’ wurde im Rahmen eines Kooperationsprojekts angefertigt. An dem Projekt waren die Katholische Hochschule - Abteilung Paderborn, vier StudentInnen und das Erzbistum Paderborn, Abteilung Jugendpastoral / Jugendarbeit, beteiligt. Als Projektziel wurde die Entwicklung theoretisch fundierter Vorschläge für konzeptionelle Konsequenzen im Handlungsfeld Jugendarbeit benannt.

In den Arbeiten wird der Frage nachgegangen, ob und wie sich soziales Engagement Jugendlicher auf die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben auswirkt. Die Erkenntnisse werden auf einen Großteil der konzeptionellen Schlussfolgerungen transferiert. Wir möchten für das Handlungsfeld der Jugendarbeit Angebote entwickeln, die Jugendliche in ihrer eigenen Entwicklung unterstützen.

Die nachfolgende Arbeit gliedert sich in drei Schwerpunkte: 1. Theoretischer Teil, 2. Auswertung der explorativen Untersuchung, 3. Konzeptionelle Schlussfolgerungen. Gegenstand der Arbeit sind die Themenfelder Jugend, altersspezifische Entwicklungsaufgaben des Jugendalters, soziales Engagement, die Auswertung der explorativen Untersuchung und die konzeptionellen Schlussfolgerungen.

Im ersten Kapitel werden die Facetten des Jugendbegriffs erläutert. In der Alltagssprache, aber auch in der wissenschaftlichen Literatur finden sich unterschiedlichste Aspekte zu diesem Begriff. Zudem verbindet jeder Mensch eigene Assoziationen mit Jugend. Meistens sind es Erinnerungen an diese Zeit oder aktuelle Mediendarstellungen von Jugendlichen. Um zu verstehen, was Jugend in der heutigen Zeit ausmacht und somit eine Grundlage für die benannte Zielsetzung zu schaffen, wird Jugend aus unterschiedlichen Perspektiven systematisch dargestellt.

Nach der Klärung des Jugendbegriffs wird im zweiten Kapitel das Konzept der altersspezifischen Entwicklungsaufgaben erläutert. Im dritten Kapitel werden ausgewählte Entwicklungsaufgaben aus den Bereichen Familie, Gleichaltrige, Schule, Berufswahl und Identität dargestellt. Jeder Jugendliche muss, durch den Eintritt in die Pubertät und damit verbundenen gesellschaftlichen Reaktionen, Entwicklungsaufgaben bewältigen. Die dargestellten Aufgaben bilden den ‘Kern’ jugendlicher Entwicklung. Im vierten Kapitel liegt der Schwerpunkt auf dem Bewältigungsprozess der altersspezifischen Entwicklungsaufgaben. Wie gehen Jugendliche mit den gestellten Anforderungen um? Welche Techniken wenden sie an und wie effektiv sind einzelne Strategien? Existieren entwicklungsfördernde oder hindernde Bewältigungsstrategien?

Durch die vorherigen Ausarbeitungen kann im fünften Kapitel der Zusammenhang zwischen sozialem Engagement und der Entwicklung von Jugendlichen dargestellt werden. Es wird gezeigt, dass sozial engagierte Jugendliche Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben sowie Ressourcen aufschließen können, die sie bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben unterstützen.

Die Durchführung der explorativen Untersuchung und der theoretische Hintergrund werden im sechsten und siebten Kapitel erläutert. Die Untersuchungsergebnisse werden im achten Kapitel dargestellt.

Zuletzt werden die vorherigen Erkenntnisse aufeinander bezogen. Es werden Vorschläge für neue Konzepte in der Jugendarbeit unterbreitet. Diese werden in einen fachlichen Kontext eingeordnet und anschließend kritisch reflektiert. Ergänzt werden diese durch konzeptionelle Anregungen für Organisationen, um Jugendliche für ein soziales Engagement gewinnen zu können.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 4
1. Grundlagen zur Lebensphase Jugend 6
1.1 Jugend in der Alltagssprache und Jugendforschung 6
1.2 Jugend, Pubertät und Adoleszenz 7
1.3 Jugend in Abgrenzung zur Kindheits- und Erwachsenenphase 8
1.4 Entstehung und Ausdehnung der Jugendphase 10
1.5 Entstrukturierung der Jugendphase 11
2. Grundlagen zu altersspezifischen Entwicklungsaufgaben 13
2.1 Das Konzept der Entwicklungsaufgaben nach Havighurst 13
2.2 Der Jugendliche als Gestalter seiner Entwicklung 14
2.3 Quellen und Auftraggeber von Entwicklungsaufgaben 15
2.4 Normative und Non-Normative Entwicklungsaufgaben 16
2.5 Zeitliche Einteilung und Vernetzung von Entwicklungsaufgaben 17
2.6 Relativität der Gültigkeit von Entwicklungsaufgaben 18
3. Entwicklungsaufgaben des Jugendalters im Detail 19
3.1 Entwicklung in den Eltern-Kind-Beziehungen 19
3.1.1 Individuation als ko–konstruktiver Bewältigungsprozess 19
3.1.2 Individuation als konfliktreicher Bewältigungsprozess im Alltag 20
3.1.3 Emotionale Aspekte der Individuation 22
3.1.4 Einflussfaktoren einer gelingenden Individuation 23
3.2 Entwicklung der Gleichaltrigen und Peerbeziehungen 25
3.2.1 Die Orientierung an Gleichaltrigen und Peers 25
3.2.2 Entwicklungspotentiale von Gleichaltrigenbeziehungen 26
3.2.3 Formen der Gleichaltrigenbeziehungen: Freunde, Cliquen 28
3.2.4 Risiken von Peers und misslingender Peerintegration 29
3.2.5 Soziale Stellung und Peerintegration 31
3.2.6 Wechselwirkungen zwischen Eltern und Peer Einflüssen 32
3.3 Entwicklung eines neuen Verhältnis zu Schule und lernen 33
3.3.1 Äußere Rahmenbedingungen schulischen Lernens 34
3.3.2 Innere Bedingungen schulischen Lernens in der Jugend 36
3.3.3 Entwicklung der Anstrengungsbereitschaft und Schulfreude 38
3.3.4 Einflussfaktoren auf die schulische Leistungsbereitschaft 40
3.4 Einstieg ins Berufsleben als Entwicklungsaufgabe 42
3.4.1 Die Struktur der Entscheidungsfindung bei der Berufswahl 42
3.4.2 Unterschiedliche Voraussetzungen bei der Berufswahl 43
3.4.3 Zugangsvoraussetzungen und kontextuelle Einflüsse 45
3.4.4 Arbeitslosigkeit und ihre Folgen im Jugendalter 46
3.5 Entwicklung der Identität 47
3.5.1 Dimensionen des Identitätsbegriffs 47
3.5.2 Identität nach Erikson 49
3.5.3 Identitätsentwicklung im Jugendalter nach Erikson 51
3.5.4 Identitätserleben 53
3.5.5 Strukturelle Identitätsaspekte 54
4. Die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben 58
4.1 Bewältigung im Alltagsleben 58
4.2 Transaktionales Modell 59
4.3 Bewältigungsstrategien im Kontext spezifischer Situationen 61
4.4 Bewältigung und Resilienz 63
4.5 Soziale Normen bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben 65
4.6 Die subjektive Kontrollmeinung als Bewältigungsfaktor 66
5. Soziales Engagement und Bewältigung 67
5.1 Grundlagen zum sozialen Engagement 67
5.1.1 Soziales Engagement im Jugendalter 67
5.1.2 Einstiegsfaktoren und Zugänge zu sozialen Engagement 69
5.1.3 Lernen im sozialen Engagement 71
5.1.4 Kompetenzerwerb im sozialen Engagement 73
5.2 Soziales Engagement zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben 74
5.2.1 Soziales Engagement und Individuation 74
5.2.2 Soziales Engagement und Peers 75
5.2.3 Soziales Engagement und Schule 77
5.2.4 Soziales Engagement und Berufseinstieg 78
5.2.5 Soziales Engagement und Identität 80
6. Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes 82
6.1 Ziele der explorativen Untersuchung 82
6.2 Arbeitshypothesen 82
7. Organisation und Durchführung der Untersuchung 84
7.1 Erhebungsinstrument 84
7.2 Durchführung des Pretest 85
7.3 Durchführung der Untersuchung 86
7.4 Auswertungsverfahren 87
7.5 Kritische Reflexion des Erhebungsinstrumentes und der Durchführung 87
8 Auswertung der explorativen Untersuchung 89
8.1 Auswertung im Bereich Schule 89
8.2 Auswertung im Bereich Freizeit 94
8.3 Auswertung im Bereich der Kirchengemeinde 98
9. Konzeptionelle Schlussfolgerungen 101
9.1 Die Zusammenarbeit mit den Eltern fördern 101
9.2 Ausbildungsmodule zum Thema Entwicklung 105
9.3 Kooperationsmöglichkeiten mit Ganztagsschulen 106
9.4 Einheitliche Leistungszertifikate in der Jugendarbeit 110
9.5 Weitere konzeptionelle Schlussfolgerungen in verkürzter Form 112
Abbildungsverzeichnis 114
Abkürzungsverzeichnis 121
Anhang 122
Literaturverzeichnis 137

Textprobe:

Kapitel 3.3.3, Entwicklung der Anstrengungsbereitschaft und Schulfreude:

Die Bildungssysteme sind darauf ausgelegt, Schüler entsprechend ihrer Leistungsergebnisse zu selektieren. Diese erfolgt durch die sich wiederholende schriftliche und mündliche Leistungserbringung, darauf bezogene Bewertungen usw. Um gute Leistungen zu erbringen, sind in der Schule ‘[...] Merkmale wie Anpassung, Ausdauer, Rationalität, Selbstdisziplin, Anstrengungsbereitschaft, Sorgfalt, Strebsamkeit und Stetigkeit […]’ nötig. Etwas überspitzt werden mit Jugendlichen Verhaltensweisen und Eigenschaften wie ‘Spontaneität, Impulsivität, Unausgeglichenheit, Flatterhaftigkeit, Desorganisiertheit, Stimmungslabilität, Gegenwartsorientierung, Lustorientierung, Emotionalität […]’ verbunden. Zudem entstehen durch die körperlichen, psychischen und kognitiven Änderungsprozesse eine Reihe neuer Erfahrungsmöglichkeiten. Die veränderte Wahrnehmung des Körpers, erste Kontakte mit dem anderen Geschlecht, Kontakte zu Gleichaltrigengruppen, die Veränderungen in den Beziehungen zu den Eltern etc. führen zu aktuellen Problemlagen, die von den Jugendlichen bewältigt werden müssen. Diese Aufgaben haben für die Jugendlichen eine hohe Priorität, sie verbrauchen Aufmerksamkeit und Zeit, welche nicht mehr für die Schule zur Verfügung steht.

Die Inhalte und Themen, die zur Erreichung zukünftiger Abschlüsse in der Schule bearbeitet werden müssen, haben keinen Bezug zur aktuellen Lebenslage der Jugendlichen. Der Interessenkonflikt zwischen schulischen Anforderungen, jugendlichen Verhaltensweisen und der mangelnde Bezug zu aktuellen Entwicklungen ‘[…] macht das Dilemma der Schule aus’ und führt dazu, dass Schule zum ‘lästigen, nervigen, zeitraubenden ‘Störfaktor’, der von dem, was eigentlich ansteht, was alles persönlich wichtig und bedeutsam erlebt wird, eher ablenkt und unangemessen viel Zeit und Energie kostet’. Jugendliche gewichten in der Pubertät zwischen den schulischen und außerschulischen Interessen. Die außerschulischen Interessen treten dabei in den Vordergrund. Die geschilderten Entwicklungen haben Einfluss auf die Anstrengungsbereitschaft und die Schulfreude im Jungendalter. Während Kinder gerne lernen und neugierig sind, nimmt die Schulfreude bereits im Laufe der Kindheit und speziell in der Jugend ab. Und zwar nachweisbar von Jahr zu Jahr. Der Rückgang ist vom geschlechtsspezifisch und fächerspezifisch. Einen deutlichen Rückgang findet die Lernfreude beim Übergang vom 6. ins 7. Schuljahr. Auch die Anstrengungsbereitschaft der Jugendlichen findet einen kontinuierlichen Rückgang von der 6. bis zur 9. Klasse. Disziplinarisch auffälliges Verhalten steigt, gerade bei Jungen, an. Auch die Leistungsbereitschaft fällt mit dem Eintritt in die 7. Schulklasse. Eine ausgeprägte Leistungsbereitschaft ist insofern wichtig, dass sie auf einen risikoarmen Entwicklungspfad führt. Eine schwach ausgeprägte Leistungsbereitschaft kann zu einer risikoreichen Entwicklung führen. Zudem fühlen sich Jugendliche in der Schule weniger wohl. Bei einer Befragung von Fend sank die Zahl derjenigen Schüler, welche sich ‘sehr’ oder ‘ziemlich wohl’ fühlten zwischen dem 6. bis zum 10. Schuljahr von 69,6% auf 40,3% ab, die Zahl der Schüler, welche sich ‘gar nicht’ oder ‘wenig’ wohl fühlten stieg von 7,1% auf 19,6% an. In der Shell Studie 2002 wurden ähnliche Ergebnisse festgestellt. Etwa ein Drittel der befragten Schüler gehen ‘gerne’ oder ‘sehr gerne’ zur Schule, ein Fünftel ging ‘ungern’ zur Schule. Die Abneigung der Hauptschüler gegen die Schule ist doppelt so hoch wie die der Gymnasiasten. Die Gründe für die abnehmende Schulfreude und die Leistungsbereitschaft sind der Widerspruch zwischen den starken Autonomieanstrengungen Jugendlicher und der reglementierenden sowie kontrollierenden Lernumgebung der Schule. Weitere Gründe sind ein Lebens- und Selbstwertkrisen, welche von Selbstwertzweifel, Versagensängsten, Konzentrationsbeschwerden und Lernblockaden begleitet werden sowie belastende Biographierfahrungen, welche die Fähigkeit einschränken, angemessen mit schulischen Herausforderungen umzugehen.

Arbeit zitieren:
Thiel, Christian September 2009: Soziales Engagement als Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Entwicklungspsychologie, Pubertät, Identität, Soziales Engagement, Lebensphase

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