Soziale Macht der Schönheit - Berufsschönheit - Model
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Magdalena Wolak
- Abgabedatum: Februar 2005
- Umfang: 144 Seiten
- Dateigröße: 568,2 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9723-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9723-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9723-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wolak, Magdalena Februar 2005: Soziale Macht der Schönheit - Berufsschönheit - Model, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Berufssoziologie, Schönheitsideal, Schönheitschirurgie, Diät, Körper
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Magisterarbeit von Magdalena Wolak
Einleitung:
Das Unmessbare und Unberechenbare und doch das Maß aller Dinge: die Schönheit. Sie ist heutzutage in aller Munde, sie avancierte in den Mittelpunkt der Interessen der heutigen Gesellschaft. Eine Konjunktur der Schönheit ist nicht zu leugnen und das Ausmaß ihrer Präsenz deutet auf die stets steigende Bedeutung des Schönen in unserer Gesellschaft. Die Eigenverantwortlichkeit für Schönheit, die jedem Individuum als Selbstverständlichkeit vermittelt wird, führt zur Verwandlung der eigentlich relativen und widersprüchlichen Schönheit in ein erwerbbares Objekt, das wie alle anderen Waren käuflich und für alle, die es sich leisten können, zugänglich ist.
Die Existenz der von der Gesellschaft festgelegten Schönheitsmaßstäbe, die von Posch ‚Schönheitsnormen’ genannt werden, führte zur Bildung eines ungewöhnlichen Konsumobjektes „Schönheit“, das seinen VerkäuferInnen und Vermittlern hohe Profite bringt. Die Modebranche erkannte die wirtschaftliche Macht der Schönheit und kreierte Models als Schönheitsvorbilder, um sie dann zu vermarkten und Schönheit selbst als etwas Kaufbares und Machbares zu propagieren. Folglich kam es zu einem Schönheitswahn in der Gesellschaft, der zur rapiden Entwicklung des Modelberufes und Entstehung der riesengroßen Schönheitsindustrie führte.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine Gegenwartsanalyse der hohen Relevanz der Schönheit in unserer Gesellschaft am Beispiel des Modelberufes. Anhand der geschichtlichen und berufssoziologischen Untersuchung dieser relativ neuen Berufsgruppe „Models“ soll der Frage nachgegangen werden, ob das Modeln als ein eigenständiger Beruf fungieren kann.
Bei den vorliegenden Analysen wurde davon ausgegangen, dass Schönheit, so wie sie heutzutage verstanden wird, über die üblichen Warenmerkmale wie Tauschwert und Gebrauchswert verfügt. In diesem Zusammenhang werden neben Models zwei weitere Gruppen analysiert, um die Bedeutung der Schönheit als Konsumgut und ihre Rolle als Wirtschaftsfaktor zu veranschaulichen: die Vermittler von Schönheit – Medien - und die KäuferInnen dieser Ware.
Diese Themen werden anhand von vorhandener Literatur, Interviews, Reportagen, Berichten, Statistiken und Umfragedaten analysiert und herausgearbeitet.
Zur Interpretation der Fragestellung werden verschiedene soziologische Ansätze, die Schönheit als Gegenstand ihrer Betrachtung nehmen, insbesondere Modetheorien von Georg Simmel und René König, „Theorie der feinen Leute“ von Thorstein Veblen, Theorie der Warenästhetik von Wolfgang Haug sowie die berufssoziologischen Ansätze, angewendet.
Das heute allgegenwärtige Thema „Schönheit“ wird von mir persönlich als belastend empfunden. Das wissenschaftliche Interesse an der vorliegenden Arbeit wurde durch persönliche Erfahrungen und Bedürfnisse geformt, durch den Wunsch, die eigene Motivation und die Motivationen anderer in Bezug auf Schönheitsideale besser zu verstehen.
Schönheit - der Gegenstand dieser Arbeit - ist ein vielschichtiges und komplexes Gebiet, das eine große Varianz von Themen zu bieten hat. Aus diesem Grund konzentriert sich die Arbeit auf die obengenannten Inhalte. Viele für Schönheit relevante Themenbereiche konnten innerhalb des Rahmens dieser Arbeit nicht vollständig abgedeckt werden oder wurden weitestgehend ausgeklammert, beispielsweise die Geschichte und Rolle der Modefotografie und Modezeitschriften, die bei der Entstehung des Modelberufes eine große Rolle spielten, oder manche negative Nebenerscheinungen des Schönheitswahnes wie die stets steigende Anzahl von Essstörungen.
Für die Verbreitung und Vermarktung der Schönheit sind neben Models und Modelagenturen auch zahlreiche andere Berufe verantwortlich, beispielsweise FotografInnen, Make-up StylistInnen, VisagistInnen, ModedesignerInnen, die ebenfalls bei der Bearbeitung ausgelassen werden mussten.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einführung | 1 |
| 2. | Schönheitsideale im Wandel der Zeit | 2 |
| 2.1 | Ein kulturgeschichtlicher Überblick | 4 |
| 2.2 | Models - das „fleischgewordene“ Schönheitsideal | 13 |
| 3. | Das Phänomen - Schönheit | 16 |
| 3.1 | Definitionsansätze von Schönheit | 17 |
| 3.2 | Vom Nutzen und Unnutzen der Schönheit | 20 |
| 3.3 | Schönheitswahn als Massenphänomen | 28 |
| 3.4 | Mode | 31 |
| 3.5 | Die Normen des Geschmacks - Theorie der feinen Leute | 35 |
| 3.6 | Berufssoziologische Ansätze (Schönheit als Beruf) | 36 |
| 3.7 | Theorie der Warenästhetik (Schönheit als Ware) | 39 |
| 4. | Berufsschönheit: Model - ein geschichtlicher Überblick | 42 |
| 4.1 | Die ersten Vorführdamen | 43 |
| 4.2 | Modelagenturen | 47 |
| 4.3 | Das Modeln als professionelle Beschäftigung | 52 |
| 4.4 | Die Supermodels | 54 |
| 4.5 | Die aktuellen Trends in der Modelszene | 57 |
| 5. | Berufliche Sozialisation für und durch den Modelberuf | 59 |
| 5.1 | Das Aussehen - die physischen Voraussetzungen für den Modelberuf | 62 |
| 5.2 | Die Charaktereigenschaften und die psychischen Voraussetzungen | 65 |
| 5.3 | Startmöglichkeiten: Modelwettbewerbe, Scouts, Agenturen | 69 |
| 5.4 | Die ersten Schritte im Modelberuf | 72 |
| 5.4.1 | Phase I: Tests, Präsentationsmappe, Sedkarte | 73 |
| 5.4.2 | Phase II: Go-Sees, Castings | 75 |
| 5.4.3 | Phase III, IV,V: die ersten Buchungen, Auslandserfahrungen, Modellierung der Karriere | 76 |
| 5.5 | Die Einsatzmöglichkeiten | 77 |
| 5.5.1 | Editorial und Covershooting | 77 |
| 5.5.2 | Arbeit auf dem Laufsteg (Live-Modelling) | 78 |
| 5.5.3 | Katalogaufnahmen | 79 |
| 5.5.4 | Werbeaufnahmen | 79 |
| 5.6 | Berufskapital - Schönheit und ihr Warenwert | 80 |
| 6. | Die dunklen Seiten des Modelberufes | 84 |
| 6.1 | Konkurrenzkampf | 86 |
| 6.2 | Drogen und Alkohol | 88 |
| 6.3 | Sexuelle Belästigung und Missbrauch | 91 |
| 6.4 | Essstörungen | 92 |
| 7. | Massenmedien als Vermittler der Ware „Schönheit“ | 94 |
| 7.1 | Modezeitschriften und der Modefotografie | 98 |
| 7.2 | Werbung | 101 |
| 7.3 | Schönheitsverwirklichung im Fernsehen | 104 |
| 8. | Die „wa(h)re“ Schönheit der Models | 105 |
| 9. | Die Machbarkeit und Käuflichkeit der Schönheit | 108 |
| 9.1 | Das Bombengeschäft mit der Schönheit | 112 |
| 9.2 | Diäten und Light-Produkte | 117 |
| 9.3 | Sport/Fitness/Bodybuilding | 120 |
| 9.4 | Kosmetik | 123 |
| 9.5 | Schönheitschirurgie | 127 |
| 10. | Fazit, Ausblicke | 130 |
| Literaturverzeichnis | 134 |
Ende des 19. Jahrhunderts war es üblich, dass die festangestellten Mannequins die Kleider des Hauses auch außerhalb ihres Arbeitsplatzes trugen. So nutzten die Besitzer der Couture-Häuser sie als lebendige Werbung. Diese Kleiderleihgaben reizten andererseits die jungen hübschen Frauen, sich als Mannequin zu bewerben. Die Vorführdamen arbeiteten nun nicht nur in den Räumen der Salons, sondern wurden zu verschiedenen Veranstaltungen geschickt. So konnte man sie auf den Oper- und Theaterpremieren oder auf den Rennplätzen sehen. Sie trugen immer die neuesten Kreationen, die mit einem Emblem des entsprechenden Couture-Hauses versehen waren. (Kinzel, 1990, S. 65) Erst 1894 wurden die ersten professionellen Models genutzt. Doch der Ruf dieser Damen blieb immer noch mehr als fragwürdig und der von ihnen ausgeübter Beruf wurde weiterhin mit Prostitution konnotiert. Keine der Damen der Gesellschaft würde sich derart „exhibitionieren“. Models mussten es sich sogar gefallen lassen, auf der Straße angespuckt zu werden. (Reinhold, 1999, S. 541f.) In Paris folgte ein weiterer Modedesigner, Paul Poiret, der Idee des Modelbusiness von Worth. Zuerst beschäftigte er wie sein Vorgänger seine Frau als Model, dann engagierte er mehrere Vorführdamen, die seine Kleider nicht nur auf Modeschauen, sondern auch auf Fotografien präsentierten. (www.vogue.de: „The history of Modelling“) 1909 besuchte die Ehefrau des britischen Premierministers Herbert Asquith eine Modenschau von Paul Poiret. Begeistert von seinen Kleidern arrangierte sie eine Modeschau für Poiret in London, wohin er bald mit seinen Mannequins reiste. (Kinzel, 1990, S. 93f.) Im darauffolgenden Jahr konnte auch Berlin seine Modesensation erleben. Begleitet von Assistenten, Anziehhilfen und Friseuren kam Poiret mit neun seiner Mannequins in die deutsche Hauptstadt. Die in Pumphosen angezogenen Mannequins wurden von Poiret auf Zweirädern in das Herz Berlins, über die Prachtstraße „Unter den Linden“, geschickt. Das Ereignis weckte ein großes Interesse in der Gesellschaft. (Kinzel, 1990, S. 106) An dem schlechten Ansehen von Mannequins und Fotomodellen in der Gesellschaft hat sich bis in die 20er Jahre nichts geändert. Sie galten sogar unter FotografInnen und DesignerInnen als „Menschen zweiter Klasse“ und „billige Mädchen“. Es gab in Europa noch keine Modelagenturen, die die Interessen der Models vertreten konnten. (www.vogue.de: „The history of Modelling“) Ein Spitzenmodel aus dem Couture-Salon Molyneux Vera Ashby erinnert sich: „In Frankreich fand man diesen Job beinahe unanständig. Wir wurden in der guten Gesellschaft nicht empfangen.“ (Gross, 1996, S. 55f.) Auch die Aussage des damaligen 45 [...]
Erst im 19. Jahrhundert konnte man die erste Vorführdame bewundern. Der englische Schneider Charles Frederick Worth verliebte sich in die Verkäuferin Marie Vernet. Von ihrer Schönheit bezaubert, fing er an, Kleider, Hüte und Mäntel für sie zu entwerfen. Vernet, die von seinen Ideen begeistert war, überredete ihn, die Modelle seinem Chef Gagelin, der ein Stoffgeschäft besaß, zu zeigen. Gagelin erlaubte, die Modelle aus seinen Stoffen anzufertigen. Vernet führte dann die fertigen Kleider vor dem Ladentisch vor. Diese kleine Modenschau fand in unregelmäßigen Abständen statt, hauptsächlich dann, wenn eine reiche Kundin große Einkäufe plante. Die begeisterten Kundinnen sollten dazu angeregt werden, sich die Modelle von ihren Schneiderinnen nachmachen zu lassen. Gagelin hoffte dabei auf die Steigung des Stoffumsatzes. Auf dieser Weise wurde Marie Vernet zum ersten Mannequin. (Kinzel, 1990, S. 16ff.) 1858 eröffnete Charles Frederic Worth in Paris den ersten Haute Couture Salon, in dem er Originalmodelle für wohlhabende Kunden anfertigte. Von dem verkaufsfördernden Effekt der Vorführdamen konnte sich Worth schon früher überzeugen. So ließ er Marie Vernet, mit der er inzwischen verheiratet war, die von ihm genähten Roben präsentieren. Dadurch warb er wichtige Kunden für seinen Salon. (www.vogue.de: „The history of Modelling“) Bald konnte sich Worth andere Mannequins leisten, die von seiner Frau geschult wurden, um dann unter ihrer Anleitung in ständig wechselnden Modellen durch die Worth´s Salons zu paradieren. (Kinzel, 1990, S. 28) Die ersten Vorführdamen hatten keinen guten Ruf. Sie waren nur „namenlose Geschöpfe“, „lebendige Kleiderständer“ und stammten meistens aus den unteren sozialen Klassen. Die von ihnen ausgeübte Beschäftigung gehörte zu einer der schlechtest angesehenen Berufe. (Reinhold, 1999, S. 541) [...]
nicht nur die Berufsentwicklung als solche erläutert werden, sondern auch das Ansehen und die Auswirkungen dieses Berufes auf die Gesellschaft berücksichtigt werden. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Modelagenturen etabliert, die durch die Repräsentation und das Management von Interessen und Geschäften der Models dazu beigetragen haben, ein Modelberufsbild zu entwickeln und diese Profession zu einem boomenden Geschäft zu verwandeln. Schönheit bedarf, wie jede andere Ware, einer zeitgemäßen und professionellen Vermarktung, denn es handelt sich um eine vergängliche Ware, die außerdem noch schnell abgenutzt wird. (Vogt, 1992, S. 97) Die Relevanz der Modelagenturen in der Entstehung des Modelberufes wird im Abschnitt (4.2.) „Modelagenturen“ dargestellt. Die Models verdanken ihre Berühmtheit, ihre Erfolge und den Glamour, in dem sie leben, zum großen Teil, neben der Modelagenturen, den einflussreichen Leuten aus der Branche: AgentInnen, von denen sie entdeckt werden, FotografInnen, DesignerInnen, StylistInnen, VisagistInnen, FriseurInnen und RedakteurInnen, die ihnen bei der Vermarktung ihrer Schönheit und beim Starten einer erfolgreichen Karriere zur Hilfe stehen. Sie kreieren das Image der Models und passen es den aktuellen Trends an. Ohne ihre Hilfe könnten Models niemals so erfolgreich vermarktet und verkauft werden. Es war im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, alle diese Berufe zu beschreiben, deshalb werden sie nur hier erwähnt. Die Geschichte der Berufsschönheiten veranschaulicht zusätzlich den stets steigenden Wert und die wachsende Bedeutung der Schönheit in der Gesellschaft. 4.1. Die ersten Vorführdamen16 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832497231
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Wolak, Magdalena Februar 2005: Soziale Macht der Schönheit - Berufsschönheit - Model, Hamburg: Diplomica Verlag
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