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Soziale Gerechtigkeit in der Thora

Eine Analyse im Spiegel moderner Gerechtigkeitstheorien

Soziale Gerechtigkeit in der Thora
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Viola Schreyer
  • Abgabedatum: Juni 2000
  • Umfang: 137 Seiten
  • Dateigröße: 7,7 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2919-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2919-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2919-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schreyer, Viola Juni 2000: Soziale Gerechtigkeit in der Thora, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kommunitarismus, Solidarität, Armut, soziale Gerechtigkeit

Staatsexamensarbeit von Viola Schreyer

Einleitung:

Die Thematik der Gerechtigkeit bewegt die Menschheit nicht erst in der Moderne. Trotz unterschiedlicher Bedeutungszuweisungen ist allen Aussagen ein positiver Sinngehalt von Gerechtigkeit gemeinsam. In der aktuellen gesellschaftlichen Debatte spielt besonders der Begriff der sozialen Gerechtigkeit eine entscheidende Rolle. Der Ausdruck ist Bestandteil der Grundsatzprogramme aller Bundestagsparteien. Seine Nominierung zum Unwort des Jahres 1999 zeigt, dass seine Bedeutung, obschon er im Wahljahr 1999 in aller Munde war, vage bleibt.

Beim Lesen des Alten Testamentes bin ich immer wieder auf Texte gestoßen, die den Bereich der sozialen Gerechtigkeit, der als Teilgebiet innerhalb der Wirtschaftsethik eine Rolle spielt, thematisieren. Der langjährige Kenner der jüdischen Religion Massiczek stellt fest: „Bei keinem Volk durchdringen sich Wirtschaft und Ethik stärker als in Israel.“.

Der Ausdruck soziale Gerechtigkeit ist der abendländischen Philosophie nicht vertraut. Er wurde wahrscheinlich das erste Mal offiziell im Rahmen der christlichen Sozialethik angewandt. Eine Definition erscheint an dieser Stelle verfrüht, da jede Theorie von unterschiedlichen Begriffsbestimmungen ausgeht. Außerdem entwickelt sich die spezielle Bedeutungszuweisung der Thora aus der Darstellung und Analyse und kann erst im Schlussteil inhaltlich ausgefüllt werden.

Soziale Gerechtigkeit erfordert immer ein gewisses Maß an sozialer Sicherung. Beide Sachverhalte bedingen einander. Die Genauigkeit einer ganzen Reihe von Gesetzen in der Thora wie auch die Berücksichtigung aller gesellschaftlich relevanten Gruppierungen, die einer sozialen Sicherung bedürfen, fielen bei der Beschäftigung mit der Thora ins Auge. Im Rahmen dieser Arbeit wird es mir möglich sein, mein Interesse an aktuellen die Soziologie betreffenden Themengebieten mit einem persönlichen Interesse am Gott der Bibel zu verbinden.

Das zentrale Anliegen meiner Arbeit ist eine systematische Gesamtanalyse der sozialen Gerechtigkeit in der Thora im Spiegel moderner Gerechtigkeitstheorien. Dabei werden sowohl allgemeine Prinzipien als auch detaillierte Gesetze und institutionelle Arrangements, die soziale Gerechtigkeit fördern sollen, berücksichtigt. Im Schlussteil werden die Ergebnisse meiner Darstellung und Analyse wie bei einem Mosaik zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Um ein solches Mosaik entwickeln zu können, müssen erst die Einzelteile – die relevanten Textstellen aus der Thora – textanalytisch bearbeitet werden. Dabei wird die Inhaltsanalyse mit Hilfe von Suchkriterien vorgenommen, die nicht dem Quellentext selbst entnommen sind. Es handelt sich dabei um ausgewählte moderne Gerechtigkeitstheorien, deren Erörterung im wissenschaftlichen Kontext und teilweise in der Öffentlichkeit einen breiten Raum einnimmt.

Bei einem solchen Vorgehen bin ich mir der Problematik bewusst, „etwas von außen anzulegen, dass unter Umständen gar nicht im Text angelegt ist“. Besonders Gerechtigkeitstheorien leiten sich immer aus den jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Umständen ihrer Zeit ab und müssen in Relation zum Weltbild ihrer Epoche gesetzt werden. Selbst eingebunden in die moderne Welt, die Jahrtausende von der Abfassung des archaischen Textes entfernt ist, erscheint die Position eines unparteiischen Beobachters auf den ersten Blick problematisch. Deshalb kann eine solche Analyse nur gleichsam „wie in einem Spiegel“ das Objekt verzerrt und ungenau wiedergeben.

Auf den zweiten Blick liegt gerade in einem solchen Vorgehen die besondere Chance: Nur durch die Besinnung auf ältere Konzeptionen kann ausgemacht werden, ob und auf welche Weise moderne Konzepte in den älteren Vorstellungen verwurzelt sind. So kann man wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über Veränderungen und Gemeinsamkeiten in Bezug zur Grundidee gewinnen. Unter diesem Aspekt „stülpt“ man dem archaischen Quellentext nichts „über“, sondern betrachtet ihn als in direkter Linie in unsere heutige Zeit hineinreichend. Die vorliegende Analyse kann dazu beitragen, das Verständnis für die jüdisch-christliche Basis moderner sozioökonomischer Vorstellungen innerhalb unseres Kulturkreises zu erweitern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Wurzeln. Die Weiterentwicklung des Begriffs würde über das Thema hinausgehen und kann an anderer Stelle Gegenstand einer Analyse werden.

Über die im Quellentext angelegte Erschließung des Gerechtigkeitsbegriffs kann nicht wortlos hinweggegangen werden. Obwohl es nicht Ziel meiner Arbeit ist, den Sinngehalt aus dem vorliegenden altorientalischen Textmaterial heraus zu konturieren, erscheint mir eine solche Erläuterung - wenn auch nur auf das Wichtigste beschränkt - von Belang. In einem zum Thema hinführenden Teil werden allgemeine Informationen über die gesellschaftliche Struktur der israelitischen Gesellschaft gegeben, die mir als Sachgrundlage für die Analyse unentbehrlich erscheinen. Immer dann, wenn die hinführenden Teile meiner Arbeit mit modernen Gerechtigkeitstheorien in Verbindung gebracht werden können, werden schon innerhalb dieser Abschnitte analysierende Elemente eingefügt. Allgemeine Informationen über das Gesetzeswerk werden dem Hauptteil vorangestellt, der sich zentral der Darstellung und Analyse sozialer Gerechtigkeit widmet. In einem letzten Teil wird auf die verschiedenen institutionellen Arrangements Bezug genommen, die für den Bereich der sozialen Gerechtigkeit eine Rolle spielen. Auch sie werden an den Gerechtigkeitstheorien gespiegelt. Im Anhang werden wesentliche Eckpunkte der israelitischen Geschichte zeitlich zugeordnet. Zusätzlich befinden sich dort Schaubilder und Tabellen, auf die im Text verwiesen wird.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Hinführung zum Thema 3
1.2 Methode und Abgrenzung 4
1.3 Verwendetes Quellenmaterial 6
1.4 Forschungsstand 6
2. Hauptteil 8
2.1 Moderne Gerechtigkeitstheorien 8
2.1.1 Antike Grundlagen 8
2.1.2 Utilitarismus 10
2.1.3 Eine Theorie der Gerechtigkeit 11
2.1.4 Christliche Soziallehre 13
2.1.5 Kommunismus 16
2.1.6 Kommunitarismus 19
2.2 Gerechtigkeit im Alten Testament 24
2.3 Grundsätzliches über die Thora 27
2.3.1 Begriffsdefinition 27
2.3.2 Entstehungsgeschichte 28
2.3.3 Themengebiete der Thora 30
2.3.4 Der Bund 32
2.3.5 Gehorsam gegenüber den Gesetzen 35
2.4 Gesellschaftliche Struktur 37
2.4.1 Mann 38
2.4.2 Haus 42
2.4.3 Sippe 44
2.4.4 Stamm 45
2.4.5 Volk 45
2.5 Die Thora und soziale Gerechtigkeit 46
2.5.1 Grundprinzipien 46
2.5.2 Einzelgesetze 50
2.5.3 Institutionelle Arrangements 90
3. Schluss 104
3.1 Fazit 104
3.2 Zusammenfassung 104
3.2.1 Partikularismus 105
3.2.2 Utilitarismus 105
3.2.3 Eine Theorie der Gerechtigkeit 107
3.2.4 Christliche Soziallehre 109
3.2.5 Kommunismus 110
3.2.6 Kommunitarismus 111
3.2.7 Reziprozität 112
3.2.8 Solidarität 113
3.2.9 Eigenarten der Thora 114
3.3 Schlusswort 115

Arbeit zitieren:
Schreyer, Viola Juni 2000: Soziale Gerechtigkeit in der Thora, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kommunitarismus, Solidarität, Armut, soziale Gerechtigkeit

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